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  1. Registriert seit
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von annakathrin Beitrag anzeigen
    Ja, ich denke wenigstens für den Anfang, um erst mal richtig Gruppendynamik zu lernen. Und um Dich besser zu fühlen. Schau, da hat Dich ein netter Typ an seinen Tisch geladen. Bestimmt, weil Du hübsch bist und nett aussiehst. Und dann haben sich zwei Mädchen drüber lustig gemacht, weil sie eifersüchtig waren!

    Sie wurden nicht zu dem Tisch eingeladen. Also war es nicht nur ein Missverständnis und eine Entschuldigung, Du musst auch lernen, dass Dich Menschen mögen und attraktiv oder interessant finden. Ein Freund von mir ist auch gehörlos. Er kam zu uns ganz jung in ein Büro. Wir haben ihn überall mit genommen und er hatte dann so viel mehr Selbstvertrauen, er hat sich schneller als alle andere selbstständig gemacht. Er ist jetzt verheiratet und hat zwei Kinder.

    Du brauchst nur eine klein genügende Gruppe, die gerne mit Dir zusammen ist. Ob die jetzt hören können oder nicht. Am Anfang ist es sicher einfacher, mit einer Gruppe die auch nicht hören etwas zu unternehmen. Aber dann kannst Du ganz normal weiter leben. Du kannst auch für ein Uebersetzungsbüro arbeiten. Da geht alles nur schriftlich. Ich kenne so Büros, die gerne Leute für bestimmte Themen haben.
    Übersetzerin werden wäre mein Traumberuf. Du hast es richtig erraten 😊. Außerdem wäre es am besten mit dem Redakteurberuf gepaart.
    Und ich möchte auf jeden Fall allein von zuhause aus arbeiten. Ich wäre sehr unglücklich, umgeben von Kollegen, die mich ignorieren. Ich will das Risiko gar nicht nehmen. Die meisten Gehörlosen, mit denen ich geschrieben habe, fühlen sich in dem Berufsalltag sehr isoliert. Dein Kollege hatte Glück, dass ihr ihn alle herzlich aufgenommen habt. Ist er mit einer Gehörlosen oder Hörenden verheiratet ?

    Ich liebe Fremdsprachen und die individuelle Arbeit, deshalb wäre der Übersetzerberuf ganz passend für mich. Ich werde ab Oktober mein Erasmus-Jahr in Deutschland machen, und dann habe ich vor, nach Ungarn zu gehen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Mal sehen, wo ich mich am Ende niederlassen werde. Einerseits bin ich ganz begeistert, neue Länder kennenzulernen, aber andererseits fühle ich mich etwas unsicher, weil man schließlich keinen richtigen Anschluss findet, wenn man oft umzieht.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:53 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert


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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von annakathrin Beitrag anzeigen
    Ja, ich glaube es Dir. Ich habe das auch schon bei Gehörlosen bemerkt. Ausserdem gibt es immer bessere Implantate, die zwar Babies zu einem fast total identischem Hören bringen, aber das funktioniert je besser desto besser. Mit 5 Jahren kann es schon zu spät sein.

    Aber, es gibt immer neue Erfindungen.

    Trotzdem müssen wir lernen, mit gehörlosen besser umzugehen. Es ist immer noch wichtig, die Zeichensprache zu lernen.

    Vielleicht kannst Du Dich ja auch für andere Gehörlose einsetzen? Ich habe gerade einen tollen Ungarischen Film gesehen "Sunset". Er war auf Ungarisch und Deutsch aber alles hatte Englische oder Deutsche Untertitel. Vielleicht gefällt er Dir auch.
    Danke für die Filmempfehlung ! 😊 Ich werde mir es anschauen.
    Und ja, ich hoffe, dass man irgendwann eine Lösung gegen die Gehörlosigkeit finden könnte, oder wie man sie „heilen“ könnte. Wissenschaftler arbeiten schon daran. Ich habe interessante Artikel darüber gelesen.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:50 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert


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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    PS
    Ich musste mal einem Arzt in die Hand versprechen, dass wenn ich mich umbringe, es nie zwischen 2 und 5 Uhr morgen tue.

    Das könntest du dir auch vornehmen. Ist was biologisches....

    Verrätst du mir, woher aus F du bist?
    Ich bin aus dem Elsass 🙂. Dorthin gekommen, um zu studieren. Ein Teil meiner Familie lebt in Grenoble und das andere in Chambéry (meine damaligen Pflegeeltern).
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:49 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert


  4. Registriert seit
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von jubidu Beitrag anzeigen
    Ich möchte dir erstmal sagen, dass ich es gut und mutig finde, dass du immer noch hier schreibst.

    Ich höre gut, aber da ich hochsensibel bin und sozusagen überdeutlich alle Geräusche wahrnehme, kann ich mich bei viel Lärm um mich herum auch nicht unterhalten. Ich habe lange gebraucht um das zu verstehen.

    Aber das wollte ich nicht primär erzählen.

    Ich hatte als Kind das Bein gebrochen. Ein Bein. Nix weltbewegendes also. Aber dafür wurde ich über Monate in der Schule extrem gemobbt. Ich durfte an Klassenspielen nicht teilnehmen, weil es die anderen nicht wollten und wurde täglich auf dem Weg nach Hause beschimpft, beleidigt, und mit Steinen beworfen.

    Vor acht Jahren bekam ich schwere Depressionen. Nicht nur, aber auch wegen diesen erlittenen traumatischen Erfahrungen, die bis ins Erwachsenenleben meine Beziehungen und mein Vertrauen geprägt hatten. Und gemobbt wurde ich auch als Erwachsene im Job mehrfach aufs widerlichste.

    Ich war oft des Lebens müde. Verlor meinen Freundeskreis, meinen Job, meine Freude am Leben.

    Nach viel Therapie und harter Arbeit ging es mir besser. Da wurde ich schwer krank und vieles ging von vorne los.

    Aber ich habe gekämpft. Und ja, es war ein Kampf. Über viele Jahre.

    Aber ich habe auch viel gelernt. Über mich, meine Bedürfnisse, die Dinge die ich brauche und will.

    Heute bin ich glücklich. Nicht jeden Tag. Aber dann weiß ich, wie ich mir Gutes tun kann. Und ich bin dankbar für das was passiert ist. Denn vorher war ich nie ganz bei mir. Viel zu sehr bemüht zu gefallen und anzupassen.

    Die Menschen und gerade Kinder sind oft heftig. Jeder hat seine eigenen Baustellen und viele lassen diese an anderen aus. Das liegt nicht an dir und nicht an deiner Gehörlosigkeit. Sondern an den anderen.

    Was aber an dir liegt ist, wie du dem begegnest. Wie du Dinge bewertest. Was es mit dir macht.

    Bitte gib dich nicht auf!!!!!!!

    Du klingst so klug. So voller Energie auch. Nutze das, nutze wer du bist. Versuch diese Energien in dich zu investieren. Du bist reflektiert genug um zu schaffen, was ich geschafft habe. Ich musste ende dreißig werden um mich zu finden. Aber du würdest viel früher anfangen, von daher wärest du locker fertig, bevor deine deadline abläuft!
    Go for it.

    Und ich glaube, ganz tief innen willst du das auch. Sonst wärest du nicht hier.
    Ich bewundere dich, ehrlich gesagt, weil so lange gewartet hätte ich nicht. Und dass Kinder so böse sind, wundert mich nicht. Die stellen die Gesellschaft von heute und morgen dar. Siehst du, deshalb gibt es viel Ausgrenzung Behinderten gegenüber. Diejenigen, die es nicht wahrhaben wollen, gehörten wahrscheinlich zu den Mobbing-Tätern.
    Ich glaube trotzdem, dass es noch seeeehr lange dauern könnte, bis ich einen Partner finde. Anscheinend braucht man eine gewisse emotionelle Stabilität. ☹️ Und weil ich keinen gefunden habe, habe ich eine große Riesendummheit gemacht.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:49 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert


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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Der ehemalige Kollege von mir ist mit einer Hörenden zusammen. Ich habe gerade vor einer Woche viele Gespräche mit einer Freundin über die neuesten Studien gehabt. Sie ist Chirurgin, die solche Gehörcomputer bei Babies einsetzt. Auf der einen Seite bin ich total für jede Entwicklung, Menschen zu helfen. Aber sie sagte auch, dass es dadurch immer weniger Gehörlose gibt, die aus der Oberschicht stammen. D.h., Akademiker usw.

    Und dass deswegen viele Gehörlose Angst haben, dass bald keine mehr Zeichensprache mehr lernen usw, was sie noch brauchen.

    Auf der einen Seite will ich Dir Mut machen wie bei "stay here for the cure" auf der anderen Seite aber auch, dass Gehörlose deswegen trotzdem noch besser integriert werden müssen.

    Der Kollege, den wir überall mitgenommen haben, der war auch einfach sehr selbstbewusst. Er hat uns erzählt, wie er Lippen lesen kann und sofort haben wir ihn auf Parties mitgenommen, damit er Leute "belauschen" kann die er von einem Abstand sah, wo wir sie nicht mehr hören konnten.

    Oder bei Gehaltsverhandlungen - da ist er dann oft am gläsernen Konferenzraum vorbei gelaufen und hat uns berichtet. Aber, er kam auch aus einer ganz lieben Familie.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:48 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert


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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von TiefsterSelbsthass Beitrag anzeigen
    Einerseits bin ich ganz begeistert, neue Länder kennenzulernen, aber andererseits fühle ich mich etwas unsicher, weil man schließlich keinen richtigen Anschluss findet, wenn man oft umzieht.
    13 Jahre, fünf verschiedene Länder. Zusätzlich einige Umzüge innerhalb der verschiedenen Länder.
    Man fndet durchaus Anschluß, egal wie oft man umzieht. Manchmal klappt es besser, manchmal auch weniger gut, und woran es liegt, versuche ich immer noch vergeblich heraus zu finden.

    Natürlich ist, wie ich dem Land und seinen Leuten gegenüber eingestellt bin, eine Komponente, also meine Offenheit, aber keine entscheidende. Sprachkenntnisse spielen eine absolut entscheidende Rolle (wenn mir noch einmal wer erzählt, ‘aber in Land X sprechen doch wirklich alle Englisch!’ werde ich schreien und zwar laut. Natürlich tun sie das, in den Touristenecken! Im normalen Leben sieht das ganz anders aus, und man erlebt einfach auch ein anderes Land, wenn man die Landessprache nicht spricht. Da du ja aber da hingehst um die Sprache zu vertiefen, hast du schon mal gute Voraussetzungen.

    Aber oft ist es auch einfach Glück, auf wen man so trifft und ob man Anschluss findet. Die Leute, die zu einem passen, laufen einem nicht einfach so über den Weg, die muss man finden, und manchmal tut man das nicht. Pech, einfach. Das hat dann nichts mit dir zu tun!
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:43 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert


  7. Registriert seit
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von TiefsterSelbsthass Beitrag anzeigen
    Und weil ich keinen gefunden habe, habe ich eine große Riesendummheit gemacht.
    Was meinst du denn damit?

    Ich finde diesen Satz in Zusammenhang mit deiner Strangüberschrift und deinem Nickname sehr heftig.
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:43 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert

  8. Avatar von Brausepaul
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von TiefsterSelbsthass Beitrag anzeigen
    Und dass Kinder so böse sind, wundert mich nicht. Die stellen die Gesellschaft von heute und morgen dar. Siehst du, deshalb gibt es viel Ausgrenzung Behinderten gegenüber. Diejenigen, die es nicht wahrhaben wollen, gehörten wahrscheinlich zu den Mobbing-Tätern.
    Ich glaube trotzdem, dass es noch seeeehr lange dauern könnte, bis ich einen Partner finde. Anscheinend braucht man eine gewisse emotionelle Stabilität. ☹️ Und weil ich keinen gefunden habe, habe ich eine große Riesendummheit gemacht.
    Kinder konnten schon immer grausam sein. Das ist leider nichts neues.

    Ich habe kein Handicap, kann also nicht wirklich beurteilen wie zumindest Teile der Gesellschaft darauf reagieren.
    Ich glaube aber du hast einen Denkfehler. Du fokusierst dich auf dein Handicap und denkst die negativen Erlebnisse in deinem Leben sind alle eine Folge deiner Gehörlosigkeit.
    Glaub mir, Ausgrenzung, Mobbing, Isolation oder Partnerlosigkeit sind alles Dinge, mit denen auch sehr viele Menschen kämpfen, die kein Handicap haben. Ich will nicht bestreiten das es für Menschen wie dich/euch nochmal schwieriger ist, aber es gibt eben auch viele, die ihren Platz gefunden haben.
    Mach nicht den Fehler und tritt allen Menschen mit Argwohn entgegen, sonst wird das schnell zu einer selbsterfüllenden Prophezeihung.
    Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht.
    Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

    - Henry Ford -
    Geändert von BRIGITTE Community-Team (19.06.2019 um 09:42 Uhr) Grund: Wort im Titel geändert


  9. Registriert seit
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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Zitat Zitat von Levistica Beitrag anzeigen
    Was meinst du denn damit?

    Ich finde diesen Satz in Zusammenhang mit deiner Strangüberschrift und deinem Nickname sehr heftig.
    Ich habe mich mit einem dreißigjährigen Mann aus dem Internet im letzten Oktober getroffen, nur um Sex zu haben. Wir sind dafür in einen abgelegenen Wald gefahren, weil ich nicht allein wohnte. Wir hatten davor mehrmals SexCam gemacht.


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    AW: Gehörlos, identitätslos und Sterbehilfe

    Das kann für manche eine Riesendummheit sein, für andere ein großes Vergnügen.

    Aber was hat das mit deiner Gehörlosigkeit zu tun?

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