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  1. Registriert seit
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    Angst um Herkunftsfamilie lähmt mich

    Hallo Ihr Lieben!

    Ich habe keine nachgewiesene Angststörung, jedoch fühle ich mich momentan einfach überhaupt nicht gut.So richtig weiß ich nicht, was mit mir los ist, vermute jedoch, dass es in Richtung Angststörung gehen könnte.
    Kurz die harten Fakten zu mir:ich bin w,36 Jahre alt und lebe mit meinem Freund zusammen ca 110km von meinen Eltern entfernt.
    Schon immer war meine Mutter ein extrem ängstlicher Mensch.Sie macht sich um alles und jeden Sorgen, schläft deshalb Nachts schlecht und erzählt mir auch ganz viel über ihre teilweise echt schon fast „lächerlichen“ Sorgen.Beispiel:sie ruft mich auf dem Handy an, ich bin gerade bei einem Grillabend mit Freunden und nicht in der Nähe des Handys, Kumpel geht ran.Hinterher hat sie mir erzählt, dass sie kurz Angst hatte, ich wäre entführt worden!Oder sie hat im Winter immer total Angst, dass ich mit dem Fahrrad auf dem Glatteis hinfalle...

    Das Thema Angst ist bei ihr stets präsent.Und ich habe das scheinbar irgendwie übernommen.Momentan ist es leider so, dass mein Vater im Krankenhaus ist.Er hat ein wirklich blödes und kompliziertes Rückenleiden und wird noch etwa zwei Wochen dort bleiben müssen.Er tut mir leid, da es echt schmerzhaft ist, aber große Sorgen hätte ich mir erstmal nicht gemacht.Nun erzählt meine Mutter mir am Telefon natürlich wieder, dass sie ja gar nicht mehr schlafen kann wegen der Sorge und Zack!-bei mir dreht sich alles um.Ich bin in Dauerangst, die mich im Alltag lähmt.Ich durchsuche stundenlang das Internet nach dieser Krankheit, male mir die schlimmsten Zukunftsszenarien aus.Es ist ganz schrecklich.

    Dazu kommt, dass mein sehr sehr alter Opa gerade massiv abbaut und höchstwahrscheinlich nicht mehr lange leben wird.Das finde ich traurig, wirklich.Die größte Sorge jedoch gilt meiner Mutter, die sehr an ihrem Vater hängt und nun die Doppelbelastung hat mit der Sorge um Mann und Vater.Ich mag schon gar nicht mehr mit ihr telefonieren und würde Besuche am Liebsten vermeiden, da mich das alles so übermäßig runterzieht.Einerseits die gesundheitlichen Zustände von meinem Vater und Opa, andererseits diese übermäßige allgegenwärtige Angst meiner Mutter.Ich empfinde kaum noch Freude beim Besuch meiner Familie, es ist für mich eher beklemmend und mit viel emotionalem Stress verbunden.So hart es klingt und so gern ich meine Familie auch habe:mir geht es am besten, wenn ich sie nicht um mich habe.

    Das alles, diese ständige Sorge um meine Eltern und Großeltern, ist schon lange ein großes Thema bei mir.Mit ihnen zusammen zu sein ist Stress pur für mich.Ich habe dann immer den Impuls, die sorgenfreie Strahlefrau zu geben, bei der alles glatt läuft.Von eigenen Problemen erzähle ich nicht mehr.Ich will allen gute Laune bereiten und sie fröhlich sehen.Wahrscheinlich auch, weil meine Eltern generell eher etwas zur Schwermut neigen, nicht gerade optimistisch durchs Leben gehen und auch nicht das glücklichste Ehepaar sind, sie haben so ihre Baustellen.Aber in der jetzigen Situation eskaliert es für mich total.Ich komme kaum klar vor Sorge und Angst.

    Dabei könnte es alles so schön sein.Mein Bruder wird bald zum ersten Mal Vater, ich bin seit zwei Jahren mit dem Mann meines Lebens zusammen, wir sind gerade in eine tolle Wohnung gezogen in einer Stadt, die ich liebe, ich hab nen klasse Job, wir reisen viel und gern und versuchen nun auch, ein Baby zu bekommen.Doch an alldem kann ich mich kaum erfreuen...

    Ich weiß nicht, ob ich professionelle Hilfe oder nur einen ordentlichen Tritt in den Hintern brauche.Aber so kann es nicht weitergehen.
    Mit meinem Freund darüber zu sprechen fällt mir wahnsinnig schwer.Ich habe leider nie gelernt, über Probleme zu reden und mit Krisen klarzukommen, da von uns als Kinder ständig jegliche Probleme, Krankheiten, familiäre Konflikte, verheimlicht wurden.Und unser Umgang in der Familie ist eher etwas distanziert.Wir verstehen uns alle gut, aber so richtig öffnen wir uns voreinander nicht.

    Ich weiß nicht, wohin mit mir.Vielleicht hat ja jemand einen Rat...ich danke Euch!

  2. Inaktiver User

    AW: Angst um Herkunftsfamilie lähmt mich

    Deine Mutter wirst du nicht mehr ändern können. Das ist Fakt.

    Aber du kannst.

    Und zwar so: egal was passiert, wenn es Dinge sind, die du ändern kannst, dann geh es an. Wenn es Dinge sind, die du nicht ändern kannst, dann warte ab.

    Selbst wenn etwas passiert - dein Opa ist z.B. schon alt und wird irgendwann sterben, kannst du es nicht ändern. Dein Vater ist im Krankenhaus - er wird dort keine Schmerzen haben. Dafür sorgen die Ärzte schon.

    Er wird bald wieder rauskommen - also ist es nicht lebensbedrohlich.

    Wenn Anrufe deiner Mutter dich so fertig machen, geh nicht ans Telefon, wenn du gerade woanders bist - noch besser: nimm das Handy nicht mit.

  3. Moderation
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    AW: Angst um Herkunftsfamilie lähmt mich

    Professionelle Hilfe.

    Die Angst klebt an dir und du mußt gucken, warum sie so klebt. Vielleicht vergessene Konflikte lösen, vielleicht lernen, anders zu denken, vielleicht Verantwortung für Dinge außerhalb deiner Macht abgeben. Vielleicht besser für dich sorgen, vielleicht gibt es ein ganz anderes Problem (Schilddrüse, immer bebliebt!).

    Laß dich körperlich durchchecken und dann einem Therapeuthen schicken. Angststörungen sind erstaunlich resistent gegenüber Entschlossenheit.

    Was mir hilft, weniger Angst zu haben, ist, mir Herausforderungen zu suchen, die Mut brauchen, und nützliche Dinge zu lernen, um das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu erhöhen. Aber das stößt auch an seine Grenzen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  4. Moderation Avatar von maryquitecontrary
    Registriert seit
    03.04.2003
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    6.360

    AW: Angst um Herkunftsfamilie lähmt mich

    Zitat Zitat von Eliana_82 Beitrag anzeigen
    Das Thema Angst ist bei ihr stets präsent.Und ich habe das scheinbar irgendwie übernommen....Nun erzählt meine Mutter mir am Telefon natürlich wieder, dass sie ja gar nicht mehr schlafen kann wegen der Sorge und Zack!-bei mir dreht sich alles um.Ich bin in Dauerangst, die mich im Alltag lähmt.Ich durchsuche stundenlang das Internet nach dieser Krankheit, male mir die schlimmsten Zukunftsszenarien aus ...

    ...diese ständige Sorge um meine Eltern und Großeltern, ist schon lange ein großes Thema bei mir.Mit ihnen zusammen zu sein ist Stress pur für mich.Ich habe dann immer den Impuls, die sorgenfreie Strahlefrau zu geben, bei der alles glatt läuft.Von eigenen Problemen erzähle ich nicht mehr.Ich will allen gute Laune bereiten und sie fröhlich sehen...

    ...Aber so kann es nicht weitergehen.
    Mit meinem Freund darüber zu sprechen fällt mir wahnsinnig schwer.Ich habe leider nie gelernt, über Probleme zu reden und mit Krisen klarzukommen, da von uns als Kinder ständig jegliche Probleme, Krankheiten, familiäre Konflikte, verheimlicht wurden.Und unser Umgang in der Familie ist eher etwas distanziert.Wir verstehen uns alle gut, aber so richtig öffnen wir uns voreinander nicht.

    Ich weiß nicht, wohin mit mir.Vielleicht hat ja jemand einen Rat...ich danke Euch!

    Du bist bei einer Mutter mit Angststörung aufgewachsen, ihr Stress springt auf dich über, emotionale Nähe fällt dir schwer. ..

    Deswegen würde ich dir zu einer Psychotherapie raten, und das rate ich nicht jedem und bei jedem Problem.

    Aber gerade wenn man mit einem Elternteil mit psychischen Störungen und mangelnder Abgrenzung aufgewachsen ist und selbst für Aspekte und Seiten der eigenen Persönlichkeit nicht ausreichend Nahrung bekommen hat (Stichworte Umgang mit Streß und Angst sowie Nähe), kann eine Psychotherapie wirklich eine Ablösung von den Mustern der Urspungsfamilie erreichen sowie bedeutend mehr innere Freiheit in persönlichen Beziehungen und im Kontakt mit den Eltern.

    Ich würde das auch auf jeden Fall empfehlen, bevor eigene Kinder auf den Plan treten. Damit sich die alten Muster nicht noch eine Generation weiter fortsetzen, sondern vielmehr ein neues Kapitel beginnen kann.
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"


  5. Registriert seit
    10.07.2015
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    47

    AW: Angst um Herkunftsfamilie lähmt mich

    Vielen Dank für Eure Antworten!
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Wenn Anrufe deiner Mutter dich so fertig machen, geh nicht ans Telefon, wenn du gerade woanders bist - noch besser: nimm das Handy nicht mit.
    Das Telefon spielt tatsächlich eine ziemlich große Rolle...es ist schon so, dass mich die Anrufe meiner Mutter teilweise sehr belasten.Selbst wenn wir ein ganz normales Gespräch über Banalitäten führen, warte ich die ganze Zeit darauf, dass noch eine Hiobsbotschaft kommt, dass sie mir irgendwas Schlimmes mitteilt.Jetzt im Moment(Opa alt und krank, Vater im KH) lasse ich das Telefon kaum aus den Augen, warte quasi permanent auf einen Anruf mit schlechten Nachrichten.Es ist echt schlimm.

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Professionelle Hilfe.

    Die Angst klebt an dir und du mußt gucken, warum sie so klebt.
    „Kleben“ trifft es perfekt!Ich beobachte folgendes Muster:sobald ich abgelenkt bin, mich gedanklich oder körperlich intensiv mit etwas Anderem beschäftige, mir einfach gerade keine schlimmen Gedanken zu meiner Familie mache, kommt mir oft blitzartig in den Kopf geschossen „wie kannst Du nur an so banales Zeug denken!Du musst Dir doch Sorgen machen, alles Andere ist doch nicht so wichtig!“ Und wenn ich Spaß habe, einfach glücklich bin, folgt auch garantiert sofort das schlechte Gewissen.Als dürfte ich nicht glücklich sein, wenn meine Mutter gerade so viel Stress und Sorgen hat.

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Du bist bei einer Mutter mit Angststörung aufgewachsen, ihr Stress springt auf dich über, emotionale Nähe fällt dir schwer. ..
    Ja, es ist wirklich so, dass ihre Sorge mich ansteckt.
    Wenn ich zB an den Tod meines Opas denke, der ja womöglich bevorsteht, merke ich es ganz deutlich:natürlich wäre ich traurig, aber ich könnte damit umgehen.Opa ist fast hundert und hatte ein sehr erfülltes Leben und ist auch „bereit“, zu gehen.Was mir nur so große Angst und Sorge bereitet, ist der Gedanke daran, wie meine Mutter und Oma das wohl verkraften würden.Ich weiß, dass meine Mutter sehr große Angst vor dem Tag hat und diese Angst färbt total auf mich ab.
    Ich glaube, mangelnde Abgrenzung ist auch ein großes Thema, ja.Und ich frage mich oft, wie das überhaupt kommt.In meiner Kindheit war meine Mutter ganz anders, überhaupt nicht helikoptermäßig.Wir hatten eine Traumkindheit mit vielen Freiheiten.Erst in den letzten Jahren hat sich scheinbar etwas verändert...
    Danke noch mal für Eure Hinweise, ich beschäftige mich mit dem Gedanken an eine Therapie!Auch wenn der Gedanke seltsam ist.

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