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  1. Registriert seit
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    Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Hallo zusammen,

    ich weiß, dass weiter unten ein ähnlicher Thread ist (Angst vor Gruppensituationen). Allerdings ist meine Situation doch nochmal ein etwas anders, weshalb mir die Tipps im anderen Thread nur bedingt weiterhelfen.
    Meine Situation ist folgende: ich bin total blank im Kopf, sobald ich mich in einer Gruppe befinde. Mir fällt nichts ein und dementsprechend ziehe ich mich total zurück.
    Wenn wir auf Arbeit Meetings haben oder Workshops, dann fällt mir nichts ein und ich melde mich nie zu Wort. Obwohl ich total gerne mitmachen würde. Mit diesem Verhalten isoliere ich mich selbst. Ich finde es auch so schade, dass ich mir die Chance vergebe mich zu zeigen, mich einzubringen....die anderen lernen mich so überhaupt nicht kennen und können mich nicht einschätzen. Hinzu kommt, dass das natürlich total das Karrierehindernis in meinem Beruf ist. Keiner wird mich für eine bessere/andere Position berücksichtigen, wenn ich mich nicht beteilige. Das schlimme ist, dass ich im Kopf total leer bin. Es fällt mir absolut nichts ein. Auch bei Themen, wo selbst fachfremden etwas einfallen würde, weil es "nur" um brainstorming geht.
    Nach den Meetings fühle ich mich natürlich als kompletter Versager und denke dann auch schon dass ich dumm bin.
    Ich weiß nicht, wie ich aus dieser Situation rauskommen soll?
    Weiß jemand von Euch, ob man das ändern kann? Und falls ja, wie? Wo könnte ich mir Hilfe holen? Ist das was für einen Coach oder einen Verhaltenstherapeuten? Wonach suche ich?
    Es ist übrigens schon sehr lange so. Auch in der Schule habe ich mich nicht am Unterricht beteiligt, wenn die mündliche Formulierung einer eigenen Denkleistung gefordert war oder man seine Meinung äußern sollte. Dasselbe an der Uni. Referate halten war kein Problem. Im Gegenteil, das hat mir viel Spass gemacht und ich habe oft sehr positives Feedback bekommen. Aber sobald es um Diskussionen ging, darum seine Meinung einzubringen, etwas von sich preiszugeben, sich zu zeigen etc. bin ich komplett blank im Kopf. (Bei Klausuren oder Seminararbeiten war das natürlich kein Problem! Nur mündlich schaffe ich es nicht.) Die Folge ist natürlich, dass mich Mitmenschen nicht einschätzen können, teilweise gar nicht wahrnehmen.
    Ich hoffe, ich kann das Problem lösen. Vielleicht hatte ja jemand von Euch ein ähnliches Problem und kann mir Tipps geben?
    Vielen Dank an alle!

  2. Avatar von Sneek
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Fällt Dir denn dann hinterher, wenn die Spannung weg ist, alles Mögliche ein?

  3. Avatar von Ulina
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Tinkerbell123, das hätte hätte von mir sein können. Ich kann dir leider nicht sagen, wie du das ändern kannst. Ich habe immer Angst, die Leute könnten denken, ich wäre blöd oder dumm und dann verhalte ich mich so, dass sie es wirklich denken müssen.
    Es hat sich im Laufe der Jahrzehnte etwas gebessert, aber nun minimal.
    Wenn die Situation, in der ich etwas sagen müsste, vorbei ist, dann fällt mir alles Mögliche ein, aber nicht in dem Moment, in dem es nötig wäre. Selbst wenn ich in einer größeren Gruppe (mehr als drei Leute) gefragt werde, ist mein Kopf leer. Ich spreche auch niemand an, weil ich es zu blöd finde irgend etwas Banales von mir zu geben.
    Alles Wichtige, was ich verbal erledigen müsste, mache ich schriftlich, soweit es möglich ist.
    Ich hoffe, du bekommst noch bessere Antworten, von denen ich eventuell auch profitieren kann.


  4. Registriert seit
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    wollen wir einen club gründen? ich war/bin bei solchen sachen wie meetings auch der totale stumme fisch. schon in der schule stand bei mir regelmässig im zeugnis dekomaus24 schöpft ihr leistungspotential nicht aus, weil sie sich kaum mündlich am unterricht beteiligt. weil ich immer dachte, das ist sowieso nicht richtig was ich dazu denke und sage. oder es wurde überhört. dann hatte ich schon unschöne situationen, wo mir pampig gesagt wurde, dass ich sowieso dazu keine meinung haben soll, mir wurde mal quasi von chefs wegen der mund verboten, wegen "falschen" dialekts, als wir eine art meeting hatten, wo wer aus der übergeordneten firmenzentrale angereist war. heute würde ich frech kontern, aber als rel. junger und noch unsicherer berufsanfänger war ich da lieber still -sowas prägt. der horror waren für mich immer vorstellungsgespräche, wo dann im anschluss noch gefragt wurde, ob man noch fragen hat, ich hatte natürlich nie welche, da mich meist schon das gespräch genug gefordert hat mir alles zu merken (bin eher ein visueller typ, gesagtes/gehörtes fällt mir schwerer zu merken, als das was ich sehen kann), manchmal dachte ich immer, das sind die "falschen fragen", sowas fragt man nicht.
    tja also tipps, hmm ich würde mich zu themen äussern, wo ich fachlich absolut sicher bin. mehr fällt mir auch nicht ein. wollte bloss mal mitjammern


  5. Registriert seit
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Hallo Tinkerbell,

    wie hoch ist dein Leidensdruck? Das ist nämlich das A&O, dass man es selber wirklich ändern will.
    Wenn dir die schweigende Komfortzone doch angenehmer erscheint, als das "sich überwinden" dann wird es nix.

    Wenn du aber daran arbeiten willst:

    Was denkst du, wenn du schweigst?
    Es wurde ja schon angedeutet.... du/ihr habt Angst euch zu blamieren. Weil ihr glaubt, was dummes zu sagen.
    Und
    Ich wollt nicht, dass andere euch kennen (Stichwort war glaube ich, sich zeigen" oder so?)

    Mögt ihr da noch was dazu schreiben?

    Grundsätzlich überwindet man das durch "tun".
    Vorher!!! Redebeitrag überlegen. Sollte im Berufl. Kontext möglich sein. Privat: Wetter ist der All time Favourite.

    Und dann: Tun.
    1 x
    2 x
    3 x
    4 x
    .....
    so zwischen dem 7. und 17. Mal wird es garantiert besser. Vielleicht nicht gleich gut, aber fühlbar besser.
    Dann dran bleiben. Ist wie wenn man mit joggen anfängt, als Sport-Null. Am Anfang denkt man, man stirbt. Irgendwann hört man auf einmal wieder die Vöglein singen unterwegs. Spaß macht es einem vielleicht nie. Aber es wird wirklich leichter und belangloser im Sinne von es stresst nicht mehr so.

  6. Moderation
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Tinkerbelle, ich schließe mich Sneeks Frage an! Fällt dir anschließend etwas ein?

    Wenn ja, kannst du in Gedanken üben: Wo wäre der Moment gewesen, etwas zu sagen? Wie hättest du es gesagt? Guck dir immer wieder im Kopf dabei zu, es zu sagen. So erzeugst du eine( vorerst noch künstliche) Gewohnheit, etwas zu sagen, auf die du irgendwann zugreifen kannst.

    Ansonsten:

    Erstens, mach dir Notizen. Wer schreibt, kann nicht in Panik verfallen. Schreib Stichworte, schreib, was dir dazu einfällt (ich habe ein Kürzel für "das ist das, was mir dazu einfällt", damit ich später von dem, was gesagt wurde, unterscheiden kann.) Wenn jemand etwas von dir hören will, konsultierst du deine Notizen. Oder sagst in informellen Rahmen, wenn noch gefachsimpelt wird und du nicht vor lauter Bühnenangst (?) eine mentale Blue Screen hast: "Zu der Diskussion über X ist mir noch eingefallen, daß Y..."
    (Verwende ein Notizbuch, kein Tablet oder Smartphone. Erstens ist damit klar, daß du nicht deine E-mails beanwortest oder so, zweitens klappert und piept es nicht, und drittens ist der Akt des mit-der-Hand-schreibens eine bessere Panikbremse als tippen.)

    Zweitens, rekapituliere anschließend. Wenn du dir keine Notizen machen konntest, schreibe aus dem Gedächtnis ein Protokoll, damit du herausfindest, was dir dazu einfällt. Zu wissen, daß du anschließend eine Zusammenfassung für dich schreibst, hilft dir beim nächsten Schritt:

    Drittens, sei komplett da, wo du bist. Konzentriere dich auf die Diskussion und die Vorgänge, als würdest du schreiben, auch, wenn du es nicht tust. Idealerweise fällt dir dann ein, was dir auch eingefallen würde, wenn du geschrieben hättest.

    Generell,

    #1 Bring dich mental von dir selber weg. Seh durch deine Augen nach draußen statt nach drinnen. Navigation ist eine Fähigkeit, die man lernen und üben muß, auch im übertragenen Sinne. Du kannst dich mit dem Thema mental auseinandersetzen, oder mit den Leuten (Wer sind die? Was tun die? Was sagt dir das? Wie schätzt du sie ein?) oder mit der Diskussion (Was passiert hier? Warum geht es? Welche Muster zeigen sich?)

    #2 Bereite dich vor. Mach dich mit dem Umfeld und dem Thema und den Abläufen vertraut. Schau auf die Karte, bevor du losgehst. Nicht, damit du etwas zu sagen hast, sondern damit du nicht verloren gehst.

    #3 Laß nicht zu, daß du zur Protokollschreiberein gemacht wirst, nur, weil du schreibst. Wer Protokoll schreibt, hat keine Zeit für Ideen. "Ich protokolliere nicht, ich mache mit Notizen, um meine Gedanken zu sortieren". Hey, du hast Gedanken! So viele, daß sie sortiert werden müssen! Das wirkt klug!

    #4 Sorge für dich. Was immer das ist -- ein gutes Frühstück vorher, ein langer Spaziergang nachher, ein Absacker mit der besten Freundin, deinem Parner deine Beobachtungen erzählen, einen Egoshooter spielen -- du hast hart gearbeitet, geistig und emotional, du mußt das nicht kleinmachen, du darfst fertig sein und dich pflegen.

    Wenn du mit deiner Stimme oder Sprechweise unglücklich bist, es gibt an vielen VHSen Kurse für Auftreten, Haltung, Stimme und Sprechweise. Ich würde einen für Frauen empfehlen, wenn's zu haben ist, die sind oft spielerischer. Übe reden, deklamiere dem Gummibaum Fachtexte, die Zunge ist auch ein Muskel und will trainiert werden.

    Pi mal Daumen:

    Ein Coaching ist besser, wenn deine Frage ist, "wie mache ich" oder "was macht man".
    Eine Therapie ist besser, wenn deine Frage ist, "warum mache ich/mache ich nicht" oder "warum kann ich das, was ich weiß, nicht machen."
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **
    Geändert von wildwusel (13.05.2019 um 20:47 Uhr) Grund: halbsatz mehr

  7. Moderation
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Zitat Zitat von dekomaus24 Beitrag anzeigen
    mir wurde mal quasi von chefs wegen der mund verboten, wegen "falschen" dialekts,
    Ich hatte als Kind einen Sprachfehler. Ganz fürchterlich. Ich klang, als wäre ich etwa vier Jahre alt, oder zurückgeblieben. Das wurde viel zu spät therapiert, und dann nicht vollständig. Ich hatte damit "Spaß", bis ich Ende 30 war und Gesangsuntericht nahm. Wenn jemand nicht versteht, was ich sage, oder will, daß ich ihm etwas nachspreche, kriege ich heute noch mentale Blue Screen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **


  8. Registriert seit
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Du kommst also in den totalen Streß- daher der Tunnelblick bzw die Steigerung- nichts geht mehr.

    Neben den vielen Tipps, die du nun schon erhalten hast, könntest du auch mit Unterstützung (zB Coach)- genau diese Stress-Situation konkret ansehen und heraus arbeiten, um was es bei dir geht.
    Was alles diesen immensen Stress auslöst.
    Und dann- wird daran gearbeitet und du hälst am Ende Reden vor einem 1000er Publikum

    Ok- soviel brauchts ja gar nicht
    Aber es wäre neben den anderen Möglichkeiten auch eine Idee um dem Thema auf den Grund zu gehen und ihm auf nimmer-wiedersehen Adieu zu sagen


  9. Registriert seit
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Leider auch nicht. Hinterher bin ich voll mit Selbstvorwürfen beschäftigt; weil ich es wieder nicht geschafft habe.Ich fühle mich dumm und als kompletter Versager.


  10. Registriert seit
    01.07.2018
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    AW: Bei mehreren Menschen verstumme ich

    Oh Ulina, Danke für Deine Nachricht, auch wenn es mir leid tut, dass Du im selben Boot sitzt....

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