Es klingt zwar total komisch, aber ich habe leider seit ich denken kann eine Brechphobie, vermutlicher Auslöser: Meine Mutter hatte Migräneanfälle bis hin zum Erbrechen und einmal kam sie mit vorgehaltener Hand aus dem Schlafzimmer (grenzte mit Tür ans Bad) gestürzt aufs Klo. Ich hab einen riesigen Schreck bekommen, war total erschüttert und bin schnell weggerannt, weil ich Angst bekam. Seitdem ist es so, dass ich nicht sehen kann, wie sich jemand erbricht, auch nicht von weitem - wenn es doch passiert, stehe ich wie unter Schock, bin wie erschüttert und muss noch lange danach immer wieder daran denken. Die entsprechenden Geräusche und Gerüche gehen auch gar nicht, gegen ersteres hilft Ohren zuhalten. Ich kann auch meinem eigenen Partner nicht helfen, wenn er sich erbrechen muss. Kam zum Glück erst zweimal vor, aber das war schon ein Alptraum für mich - ich hielt mir zitternd die Ohren zu und hatte fürchterliches Herzrasen. Kinder hab ich keine, so dass ich nicht weiß, ob sich das bis hin zu den eigenen Kindern erstreckt hätte. Bei mir selber ist es komischerweise kein Problem. Auch in Filmen muss ich mich ganz schnell Ohren zuhaltend wegdrehen bei entsprechenden Szenen und zwar BEVOR es soweit ist. Ich habe auch manchmal Alpträume von Horden besoffener, denen ich ausgeliefert bin und wo die Gefahr besteht, dass die mich vollkotzen könnten. Auf Parties und Veranstaltungen, wo viel getrunken wird und die Gefahr jederzeit besteht, dass sich jemand übergibt ist meine einzige "Waffe" selbst zu trinken, das tötet diese Empfindungen im wahrsten Sinne des Wortes ab. Ich würde trotzdem schnell wegschauen und weggehen, aber dieses lähmende Entsetzen ist dann nicht mehr so vorhanden.
Kennt das jemand von euch aus eigener Erfahrung? Wenn ich das erzähle werde ich immer angeschaut wie eine Irre![]()
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Ergebnis 1 bis 10 von 32
Thema: Brechphobie
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27.04.2017, 14:24Inaktiver User
Brechphobie
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27.04.2017, 14:35
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27.04.2017, 15:27
AW: Brechphobie
Ich finde Erbrechen (bei anderen) auch total unangenehm.
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich gelesen, dass Brechphobie relativ häufig ist. Du bist also sicher nicht alleine
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27.04.2017, 15:30Inaktiver User
AW: Brechphobie
Ja, ich habe das auch schon oft gesehen, ist wohl eine "anerkannte Diagnose"
Ist wirklich schlimm, vor ein paar Jahren hörte ich morgens laut den Nachbarn kotzen, sofort begann wieder das Herzrasen, Ohren zuhalten, zittern, warten bis es vorbei ist
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27.04.2017, 15:32Inaktiver User
AW: Brechphobie
Ich bin so froh, dass ich trotzdem Parties genießen kann, indem ich mich selbst betäube und Alkohol trinke, so kann ich fröhlich und ohne diese Panik mitfeiern. Selbst einige Wiesn-Besuche hab ich so schon überstanden, allerdings dann meistens selbst mit Kater am nächsten Morgen, aber sonst könnte ich gar nicht hingehen. Ich schauen dann auch in keine Ecke, gehe auch nie hinter den Zelten lang, wo es besonders schlimm ist, nie Samstags und fahre grundsätzlich mit dem Taxi VOR dem großen Keraus heim
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27.04.2017, 15:33Inaktiver User
AW: Brechphobie
Na ja, wer findet das schon toll???
Noch dazu hat das ja so einen instinktiven Aspekt: wenn andere was Giftiges gegessen haben und sich erbrechen besteht ja die hohe Wahrscheinlichkeit dass man selbst auch davon gegessen hat und in Gefahr ist. Das ist wohl so ein Steinzeit-Relikt.
Ich frag mich grad, ob sich das im Alltag denn irgendwie auswirkt? Ich wüsste jetzt gar nicht wann ich das letzte Mal mitbekommen habe, dass sich jemand erbrochen hat? Passiert ja nun nicht andauernd.
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27.04.2017, 15:36Inaktiver User
AW: Brechphobie
Allerdings gab es da mal eine Situation, wo ich bald kollabiert wäre: Ich steckte dort in einer Menschenmenge fest, es ging nicht vor und nicht zurück, direkt neben mir ein stockbesoffener, der aussah als kotzt er gleich los und ich noch so gut wie total nüchtern, weil gerade erst gekommen. Ich bekam fürchterliche Panik und kämpfte mich völlig rücksichtslos und panisch aus der Menge wieder heraus - das war so schlimm
Es war nicht zu erwarten gewesen, dass es an diesem Wochentag so voll war, sonst hätte ich mir das nicht angetan
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27.04.2017, 15:40Inaktiver User
AW: Brechphobie
Nein, es passiert im Alltag zum Glück so gut wie nie. Die letzte Situation war im Urlaub auf der Rückreise, ein Auto war auf dem Standstreifen gehalten und eine Frau hatte sich dort wohl heftigst erbrochen. Mein Mann kennt zum Glück mein Problem und warnte mich rechtzeitig "jetzt bitte nicht rechts schauen". Aber allein das reichte schon wieder, dass ich Herzrasen bekam. Meine Nichte sagte mal, ihr wäre schlecht, da ging meine Schwester schnell weg mit ihr, sie hatte dann zum Glück nicht gebrochen, aber auch da bekam ich leider - selbst bei der eigenen Nichte, einem 7jährigen Kind - meine Zustände
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28.04.2017, 09:12
AW: Brechphobie
Hallo Ann,
Kenne ich, geht mir genauso. Alles was DU schreibst, könnte ich auch geschrieben haben.
Und seit sich ein Mädel neben mir in der S-Bahn übergeben hat (nicht betrunken) schaue ich mir auch immer die Leute an, ob ihnen schlecht sein könnte, bevor ich mich hinsetze.
Bei mir kommt allerdings noch hinzu, dass ich auch Panik davor habe, mich selber übergeben zu müssen. Ich kann genau aufzählen, wann ich mich übergeben habe, und das seit meinem 7. Lebensjahr. Ich bin jetzt über 40.

Witzigerweise habe ich aber kein Problem damit, das Erbrochene dann wegzumachen. Also nicht mehr, als alle anderen auch. Weder bei den Katzen, die ich mal hatte, noch bei meinen Kindern. Wobei bei denen meine Phobie nicht ganz so schlimm ist, da habe ich auch die Schüssel gehalten, wenn nötig.
Du siehst, Du bist nicht alleine.
Nur was dagegen hilft, keine Ahnung.
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28.04.2017, 11:28
AW: Brechphobie
Ja, ich habe das auch mal gehabt, mit den gleichen Symptomen wie du. Bei mir kam es vermutlich durch meine Urgroßmutter, die Magenkrebs hatte mit den entsprechenden Auswirkungen. Da war ich zwar noch sehr klein und habe das nicht so recht verstanden aber offenbar hat sich da eine dumpfe Angst in mir entwickelt. Komischerweise erst etwas später, als ich schon Teenager war. Inzwischen hat sich das von selbst wieder gegeben. Ich finde zwar den Vorgang des Übergebens immer noch eklig, abstoßend und widerlich, bekomme aber immerhin keine Panik mehr davon.
Bei mir war das letzte mal auch vor fast 40 Jahren. Ich glaube, der Reflex hat sich irgendwann mal deaktiviert.
Gegen Phobien hilft meistens eine Konfrontationstherapie. (Damit habe ich meine Höhenangst schon etwas reduziert.) Aber die ist in diesem Fall nicht so einfach durchzuführen. Man braucht ja immer jemanden, dem gerade furchtbar schlecht ist.Nur was dagegen hilft, keine Ahnung.


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