Hallo!
Nachdem ich hier gelesen habe, dass viele von euch ebenfalls verschiedene Ängste habe, fühle ich mich nicht mehr ganz so "dumm" bzw. ist es mir nicht ganz so peinlich, hier auch mal nachzufragen.
Bei mir existieren die Ängste schon seit Jahren in Verbindung mit, sagen wir, allgemein "Erkrankungen". Es ist jedoch keine bestimmte Krankheit, vor der ich permanent Angst habe, sondern es wechselt andauernd, je nach Tagesform.
- Meine schlimmste Angst ist komischerweise die Angst vor einer Allergie beim Essen und einem anaphylaktischen Schock. (Soweit ich weiß, habe ich aber keine Allergien außer Penicillin). Diese Angst geht soweit, dass ich schon gewisse Sachen nicht mehr esse, weil ich manchmal danach komisch gefühlt hatte (Völlegefühl, matt, schneller Puls) und immer denke, vielleicht ist das jetzt die Allergie. Genuss beim Essen ist gar nicht mehr drin.
Dann kommen mir ebenfalls so irre Gedanken beim Einkaufen wie "was, wenn der Mitarbeiter bei der Zubereitung der Nahrung krank war und Penicillin schlucken musste, aber dennoch auf die Arbeit ging und aus Versehen seine Penicillintablette in das Produkt, das ich gerade kaufe, hineingeraten ist." Dann bekomme ich sofort einen Anflug einer Panikattacke, kann mich dann aber wieder selbst beruhigen.
- Das gipfelte soweit, dass ich mal 3 krasse, extreme Beispiele anbringen möchte (peinlich im Nachhinein, aber es soll verdeutlichen, wie extrem meine Ängste und Gedankenkreise sind):
- ich bin letztes Jahr über die Weihnachtsfeiertage nach Haue gefahren und dachte mir, ich hatte den Müll, den ich eigentlich wegbringen wollte, in der Wohnung vergessen. Darin befanden sich gekochte Eier, die ich einige Tage im Kühlschrank hatte, doch nicht gegessen hatte und in diese Mülltüte geworfen hatte. Ich war 2 Wochen von zu Hause weg und las bei Google, dass verfaulte Eier dieses gefährliche Schwefelgas produzieren können und sah mich im Geiste in meine Wohnung zurückkommen und tot umfallen. Ich habe sogar zweimal den Giftnotruf angerufen (!), um mir versichern zu lassen, dass Eier niemals so eine gefährliche Menge produzieren können und ich unbesorgt in die Wohnung zurück kann.
- ich saß bei meiner Familie unterm Weihnachtsbaum und hatte ein Glas darunter stehen, aus dem ich trank. Es fielen aus dem Baum ein paar Nadeln ins Glas, was ich aber zu spät merkte und diese mittrank. Google sagte mir, dass gewisse Tannennadeln gefährliche Blausäure (oder so) abgeben können. Wieder eine Panikattacke undAnruf beim Giftnotruf....
- ich hatte Freunde in den Staaten besucht und ein Bekannter brachte "Fiji"-Wasser mit (normales Wasser, "The natural artesian water from FIJI Water comes to you straight from the isolated and idyllic Fiji Islands without ever being touched by man."). In meinem Kopf ratterte es: Fiji? Liegen die nicht bei Japan oder dort in der Gegend? Was, wenn das Wasser durch den Atomunfall damals nun radioaktiv belastet ist?Meine Freunde schauten mich an, als ob ich nicht ganz dicht wäre und im Nachhinein ist es mir nun auch peinlich...
Ich komme von diesen Gedanken und Ängsten einfach nicht weg! Sie schränken mich so sehr ein, dass ich jedes Mal für 30 Minuten nach dem Essen mich selbst "belauere" (30 Minuten, weil ich mal irgendwo las, dass ein richtig gefährlicher anaphylaktischer Schock entweder sofort oder bis zu 20 Minuten eintritt. Die 30 Minuten gebe ich mir zur Selbstberuhigung - "wenn bis dahin nichts passiert ist, ist alles ok" - auch wenn ich weiß, dass in einigen Fällen die Allrgie auch Stunden später eintreten kann - aber irgendwo muss ich ja eine Grenze ziehen, es ist sowieso schon krank genug).
Mir geht da extrem viel Lebensqualität verloren Wenn ich mich nicht gerade mit Essenängsten, Allergien, radioaktivem Wasser oder verfaulten bösen Eiern rumschlage, wandern meine Ängste alternativ zu Thrombose und Lungenembolie ("Wade zieht - ist bestimmt eine Thrombose") oder Krebs (ich kaue ständig auf der Schleimhaut meiner Wangen rum, so dass mich der Zahnarzt schon auf Veränderungen ansprach).
Wie komme ich da raus? Ich will wieder so werden wie früher, unbeschwert, unbesorgt! Ich kann doch nicht jedes Mal Panikattacken vor und nach einem gemütlichen Essen kriegen, oder ständig in mich hineinhorchen und Angst vor Krebs und Lungenembolien haben.
Beim Psychiater war ich schonvor einigen Monaten wegen einer anderen Sache und der war so un-einfühlsam, dass ich dort nicht mehr hingehe. Wie komme ich selbst aus dieser Spirale wieder heraus?
Danke fürs Zuhören.![]()
Antworten
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05.12.2014, 18:48
Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
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05.12.2014, 19:24
AW: Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
Wechsel unbedingt den Arzt. Montag einen Termin bei einem anderen machen.
Allein da rauszukommen, halte ich für nicht möglich. Wobei ich keine Fachfrau bin.
Aber Ängste sind eigentlich gut behandelbar.
Neigung zur Hypochondrie...weiss ich nicht. Aber Hilfe solltest du dir auf jeden Fall holen!
Ist deine Schilddrüse mal untersucht worden?
Gleich Montag!
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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05.12.2014, 21:19
AW: Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
Liebe PrettyInInk,
nein, so kann man eigentlich nicht leben, das macht ja keinen Spaß.
Was Karla da meint, ist schon sehr vernünftig - such dir auf jeden Fall einen Therapeuten, zu dem du eine bessere Affinität hast.
So als kleines "Erste Hilfe-Programm" noch folgendes von mir: schaffst du es, dich selbst zu beeinflussen, indem du zu deinen Stimmungen und Ängsten dir Mantras oder Mottos bewußt machst?
Ich persönlich kann das ausnehmend gut - mir Dinge auf der pragmatischen Ebene überlegen und bei Bedarf in mein Bewußtsein rufen. Allerdings habe ich keine Panikattacken, sondern nur hie und da "normale" Unpäßlichkeiten.
Was dein ganz persönliches Problem betrifft - ich hatte im zarten Alter von 13 Jahren nach einer Fleischvergiftung eine Nahtoderfahrung. Seither empfinde ich alles ein Stück weit als "Bonusmaterial", was ich im Leben so mitmache. Das macht das Leben dermaßen unbeschwert, das kann ich echt weiterempfehlen! Nicht, dass du dazu eine Nahtoderfahrung bräuchtest, aber wenn du schaffen könntest, dir klarzumachen, dass der Tod nichts Schlimmes ist, sondern nur ein Teil deines Lebens, nämlich das Ende - so what... - das ist für das momentane Sein sehr erleichternd.
Kann sein, das ist eine eher unkonventionelle Sichtweise, aber sie ist angenehm und macht das Dasein leicht.
Vielleicht musst du dir das ein halbes Jahr lang jeden Tag dreimal bewußt vorsagen, bevor du das verinnerlicht hast. Aber möglicherweise macht es dein Leben ein kleines bisschen leichter?!
Alles Liebe! MitternachtsblauGesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.
Oscar Wilde
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05.12.2014, 21:34
AW: Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
magst Du mehr drüber schreiben?
meine Nachfrage ist jetzt vielleicht ein wenig - aber nicht ganz - offtopic
also ich denke mal, da alle Phobien wohl irgendwie in diesem einen Ereignis, dem Sterben gipfeln, passts hier dazu;
und ich hab schon viel drüber gelesen, aber noch nie jemanden "persönlich" oder "sozusagen live" getroffen, der es erlebt hat;
wodurch kannst Du unterscheiden, dass es nicht einfach ein intensiver , aber herkömmlicher, Traum war?
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05.12.2014, 21:47
AW: Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
Allein, fürchte ich, gar nicht. Das, was sich als Angst an irgend etwas "irrem" entzündet, ist nach meiner unprofessionellen Meinung oft einfach eine Grundangst, die man nicht sieht, außer in ihren immmer wieder anderen seltsamen Ausprägungen, und die nicht weggeht sondern sich nur wandelt.
Herauszufinden, wo diese Grundangst herkommt, und was man dagegen tun kann, ist viel, viel leichter, wenn dir jemand dabei hilft. Psychiater, Psychologe,... frag deine Krankenkasse, probier's aus, niemand erwartet, daß du gleich mit dem ersten klarkommst.
Eine Erste-Hilfe-Maßnahme, die man sich vielleicht verordnen kann, ist, die gefühlte Gefahr anzunehmen. "Ich trinke Wasser! Ich lebe wild und gefährlich!" Oder, "es ist egal, was ich tue oder mache oder esse, ich werde eh panisch. Ich kann also tun, was ich will." Bei echten Phobien hilft das aber nicht, die sitzen sozusagen im Rückenmark, da kommt der Mut nicht hin.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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05.12.2014, 22:00
AW: Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
Bei dir konzentrieren sich die Ängste in erster Linie auf das Essen. Kann es vielleicht eine Form von Essstörung sein? Bin da absoluter Laie, es klingt für mich nur danach.
Was Lungenembolien betrifft:
Habe eine Trombose im Bein seit Anfang des Jahres, es ist deutlich mehr als ein Ziehen im Bein gewesen, dazu kam noch eine schmerzhafte Venenentzündung und eine deutliche Schwellung des Fußes. DAS waren Anzeichen, die sich absolut nicht ignorieren liessen. Leider haben mir die Ärzte des ersten Krankenhauses nicht geglaubt und mich abgewimmelt ohne zu untersuchen (sie hätten damit einen Behandlungsfehler zugeben müssen). Deswegen habe ich eine sehr schwere Lungenembolie bekommen. Und auch die fühlt man eindeutig. Die Ärzte haben mir gesagt, sie wüssten nicht, warum ich noch Leben würde, aber Tatsache ist: ICH LEBE NOCH - Lungenembolie ist kein Todesurteil, ganz besonders wenn man ruhig bleibt! Und ausser einem Jahr Tabletten schlucken, die ich wunderbar vertrage und einen Kompressionsstrumpf für den Rest meines Lebens ist wirklich alles gut!
Also - selbst wenn du mal ernsthaft krank wirst - das ist noch nicht direkt das Ende!
Es lebe das Leben!
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05.12.2014, 22:24
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05.12.2014, 22:29
AW: Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
Danke vorab!
natürlich nur, wenns zeitlich passt u. wenn Du Lust hast !
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06.12.2014, 17:59
AW: Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
Liebe PrettyInInk,
dein Leidensbericht hätte vor ein paar Jahren von mir stammen können. Auch ich hatte, vor allem in Verbindung mit Essen, immer die Angst zu sterben. Hinzu kamen diffuse weitere ähnliche Todesängste, die sich bis zu Panikattacken steigern konnten. Die 30-Minuten-Wartefrist kenne ich ebenfalls ...
Besonders heftig waren diese Ängste in depressiven Phasen. Sie flauten durch die Therapie mit Antidepressiva dann immer so einigermaßen ab. Inzwischen bin ich seit längerem nicht mehr dafür anfällig. Ich führe dies auf eine massive Umstellung meines Lebenswandels zurück: sehr viel Ausdauersport, kein Alkohol. Ich bin geerdet und fühle mich sicher.
Ich wünsche dir, dass du da rausfindest.
Liebe Grüße
Primula
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08.12.2014, 10:58Inaktiver User
AW: Ständig wechselnde, teils "irre" Ängste
Mit deiner Angst bist du wahrlich nicht allein. Eine ganze Berufsgruppe (Verhaltenstherapeuten) lebt sogar davon. Psychologen gehen davon aus, dass jeder Mensch mindestens 1-mal im Leben eine Panikattacke durchlaufen musste. Das liegt unter anderem auch daran, dass Angst zu den Grundgefühlen des Menschen gehört, die nicht erst durch Umwelt und Erziehung erworben wurde; sie ist überlebenswichtig.
Hast du schon einmal etwas von dem Angstkreislauf gehört? Hier findest du ein Bild dazu: http://www.felixed.de/keineAngst/bilder/ABB6.GIF. Wichtig hierbei ist, dass Auslöser und Angstgefühl an jeder Stelle einsetzen können. Ab dann ist es eine Frage deiner persönlichen Bewertung.
Bei dir wäre das: Ich esse = Angst.
Dummerweise merkt sich das dein Gehirn; und noch schlechter: Je öfter diese Kausalität (Essen = Angst), desto tiefer prägt sich das so ein. Die Angst, soviel kann ich dir leider versprechen, wird immer größer werden.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Tagesform bzw. deine Grundkonstellation. Wenn man davon ausgeht, dass maximale Angst bei 100 % Emotion liegt, so gibt es eher unängstliche Typen, die im Alltag bei vielleicht 30 % Level herumdümpeln, und wenn die dann eine Angstepisode erwischt, erreichen sie möglicherweise 60 %. Wer jedoch sowieso schon durch Charakter und Erziehung ein sehr ängstlicher Typ ist, der im Alltag bei 60 % liegt, der hat einen kurzen Weg bis zur Panikattacke.
Es gibt im Netz Vorlagen für Angsttagebücher. Das kann ich dir als Sofortmaßnahme sehr empfehlen. Hierbei geht es weniger um die ängstliche Beobachtung deiner Phobien, sondern um Offenlegung von dir selbst bislang nicht vor Augen stehenden äußeren Umständen. Die Tagesform spielt - wie schon erwähnt - eine nicht unerhebliche Rolle.
Es reicht, wenn du 3-mal täglich ganz kurz dein Befinden notierst. Parallel dazu trägst du jede Angstepisode nach Uhrzeit und Skala von 1 - 10 ein. Führe das Buch zunächst einen Monat lang, damit du eine Stringens erkennen kannst, die dir selbst vielleicht schon die Augen insofern öffnet, was in deinem Inneren eigentlich so vorgeht.
An einem "guten Tag" stelle dir mal die Frage: WAS wäre denn, wenn du einen anaphylaktischen Schock hättest? Schreibe die Antwort auf. Anhand dieser Antwort fragst du weiter: Und was wäre, wenn das dann so ist?
Führe das mal weiter - und staune, was am Ende eigentlich steht. DA liegt die wahre Ursache deiner Angst. (Abgesehen davon, dass es immer Episoden im Leben geben kann, wo man emotional auf wackligem Terrain steht; deshalb soll man auch nicht alles gleich überinterpretieren oder sogar pathologisieren. Das musst du schon selbst einschätzen können!)
Vielleicht hört sich das jetzt hanebüchen an, aber: Denke diese Gedanken und Ängste doch mal zu Ende
Ich komme zurück zu dem Angstkreislauf: Der Kardinalfehler ist, dass wir Angst vermeiden - instinktiv. Wenn du den Giftnotruf anrufst, vermeidest du. Selbstberuhigung - ist Vermeidung. Googeln nach Symptomen - auch Vermeidung (hier sogar noch perfider; denn gleichzeitig ängstigst du dich dadurch auch erneut).
Du musst begreifen, dass du einer Angst oder sogar Panikattacke NICHT entgehen kannst. Ganz im Gegenteil. Dein Körper ist stark und kräftig. Aber du vertraust ihm nicht. In deinem Beitrag schreibst du öfter davon, wie peinlich das alles sei. Ich lese daraus: Diese Frau wertet sich selbst ab, sie steht nicht zu ihren Gefühlen, sie trennt sich selbst auf - und dadurch hat sie den Standpunkt verloren.
Es hat etwas mit Eigenverantwortlichkeit zu tun
Ein Psychiater ist ein Nervenarzt. Nerven im Sinne von Nerven, nicht von Emotionen. Wenn du gerne möchtest, dann begebe dich in psychotherapeutische Behandlung, beispielsweise bei einem Verhaltenstherapeuten, der sich mit Angststörungen auskennt (obschon es nicht sein muss, dass du gleich eine Angststörung hast; wie gesagt: es gibt auch Phasen der Angst, und das ist etwas anderes). Hier wäre eine Gruppentherapie hilfreich(er).
Kommst du jedoch zu dem Schluss, da liegt MEHR dahinter - dann wäre zunächst eine Gesprächstherapie angeraten. Denn dann wäre vielleicht deine Angst sichtbares Zeichen eines tiefen inneren Konfliktes. Kann sein; muss aber nicht sein.
Noch eine Frage: Du schreibst, deine Lebensqualität ginge verloren. Was würdest/könntest du denn alles tun, wenn diese Angst nicht wäre? Welchen Aktivitäten trauerst du hinterher? Wo wirst du konkret eingeschränkt?
Das Zauberwort hier heißt: TROTZDEM machen! Angst aushalten. Aber nicht mit Gewalt, sondern mit Sich-selbst-Wahrnehmen. Du spürst die Angst, du heißt sie willkommen, lädst sie in deinen Körper ein, lässt sie sich in dir umschauen - und wirst sehen, dass sie auch wieder von alleine geht. Vermeidest du jedoch, wirst du das Angstlevel irgendwann über viele Stunden, vielleicht sogar Tage künstlich oben halten. WEIL du mit der Angst kämpfst, ihr den Einlass nicht gewährst, die Augen vor ihr verschließt.
Und sie letztendlich dadurch erst groß und mächtig machst



Meine Freunde schauten mich an, als ob ich nicht ganz dicht wäre und im Nachhinein ist es mir nun auch peinlich...
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