Hallo zusammen,
ich fürchte, es wird lang werden, das Thema ist etwas kompliziert. Aber ich wäre so froh, wenn irgendjemand etwas mit dieser speziellen Form von Nachtangst, die ich habe, anzufangen wüsste. Ich selbst bin nämlich etwas ratlos...
Normalerweise gehören nach meiner Einstellung Ängst zum Leben dazu und in der Regel begreife ich sie als Herausforderung, der ich mich bewusst stelle. In diesem Fall ist das schwierig, denn die Situation, vor der ich Angst habe, trifft mich aus einem Zustand des Unbewussten, nämlich aus dem Schlaf, heraus. Insofern kann ich diese Situation auch nicht bewusst oder gar dosiert suchen...
Vorauszuschicken wäre vielleicht noch, dass ich grundsätzlich keine Schlafprobleme und auch keine Angst vor der Dunkelheit habe. Ich habe aber sehr selten (ca. einmal im Jahr) ein Erlebnis, das mich so erschreckt, dass es mir mittlerweile schon vorauseilend Angst macht:
Ich wache mitten in der Nacht auf, es ist stockdunkel (meistens bin ich dann nicht zuhause, denn dort habe ich es nie stockdunkel) und ich weiß im Moment des Aufwachens nichts. Ich weiß nicht, wo ich bin. Ich weiß nicht, wo oben und unten ist. Ich weiß nichtmal wer oder was ich bin. Das dauert höchstens ein paar Sekunden, dann bin ich wieder völlig klar, schalte das Licht an und weiß wieder alles. Das Schlimme ist, dass ich nach so einem Aufwachen für Stunden völlig verzweifelt bin. Es ist nicht rational zu erklären, ich weiß auch in dem Moment selbst ganz genau, dass es keinen Grund gibt, Angst oder Panik zu haben und beides habe ich auch eigentlich nicht. Ich fühle mich nur völlig fehl in mir, auf der Welt und das bloße Existieren ist fast unerträglich. Besser kann ich es nicht beschreiben. Dieses Gefühl kommt von dem abrupten und orientierungslosen Aufwachen. Es hat aus meiner Sicht keine reale Grundlage. Es gibt auch nach meiner Einschätzung kein verdrängtes Thema in meinem Leben, das sich auf diese Weise Bahn bricht. Es ist nach meinem Empfinden einfach eine körperliche Reaktion auf dieses zu unvermittelte Aufwachen.
Das ist mir bewusst, ich weiß das, aber ich kann mir trotzdem nicht helfen. Ich kann nur im Hellen daliegen, das Gefühl aushalten und warten bis der Morgen kommt. Dann erst wird alles langsam wieder besser und ich komme in meinen "Normalmodus". Von außen betrachtet, ist das ganze nicht schlimm: Menschen, die mit mir zusammen sind, bemerken meine Verstörung in der Regel gar nicht. Ich bin auch in der unmittelbaren Situation nachts äußerlich sehr ruhig. Und überhaupt passiert mir das alles ja sehr selten, so dass ich dazu neige, es einfach zu akzeptieren.
Das Problematische ist aus meiner Sicht, dass sich dieses Gefühl so eingebrannt hat, dass ich mitterweile schon vorauseilend Angst vor Nächten außerhalb meiner eigenen Wohnung habe. Ich fahre natürlich trotzdem in Urlaub, auf Geschäftsreisen, übernachte bei meinen Eltern oder Freunden, aber es fällt mir schwer. Ich möchte aber nicht in eine Vermeidungshaltung kommen, weil einen das ja sehr einschränken würde. Aber wenn man Angst vor der Nacht hat und infolgedessen schlecht schläft, belastet das auf die Dauer unweigerlich alle Aktivitäten, die mit außerhäusigen Übernachtungen verbunden sind.
Die Frage ist, was ich tun kann, um zumindest die Angst vor der Angst wieder in den Griff zu kriegen? Die eigentliche Situation, vor der ich Angst habe, kann ich nicht bewusst herbeiführen. Eine mögliche Strategie wäre es, so oft wie möglich nicht daheim zu übernachten. Aber da kann ich zumindest nach ein paar Tagen noch keine Besserung feststellen. Richtig entspannt bin ich nur daheim. Ich weiß auch nicht, ob das überhaupt was bringt. Ich verbiete es mir zumindest, Dinge nicht zu tun, weil ich Angst vor den damit verbundenen Nächten habe. Damit vermeide ich eine Vermeidungshaltung so halbwegs, eine echte Lösung ist es aber nicht...
Hat irgendjemand noch eine weitere Idee, wie man diesen Automatismus wieder durchbrechen kann? Ich erlebe auch "in der Fremde" unzählige harmlose Nächte und trotzdem bleibt die Erinnerung an diese seltenen Schreckensmomente so präsent, dass sie mir weiter Angst einjagt.
Antworten
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22.07.2012, 12:09Inaktiver User
Nachtangst - was kann man tun?
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22.07.2012, 12:45Inaktiver User
AW: Nachtangst - was kann man tun?
Ich denke deine Angst hat andere Gründe, die wirst du wahrscheinlich nur bei einer Tiefenpsychologischen Therapie herausfinden.
Du sagst, dass es nicht mit der Nacht und der Dunkelheit an sich zutun hat.
Deshalb vermute ich das.
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22.07.2012, 13:05Inaktiver User
AW: Nachtangst - was kann man tun?
Hallo Freyya,
danke für deine Antwort.
Es ist schon so, dass ich die Dunkelheit an sich nicht mag. Ich fühle mich durch sie immer so eingeschlossen, wenn man nichts sieht. Und es ist auch so, dass ich abends und nachts eher zart besaitet bin und leichter melancholisch werde. Diese veranlagung liegt auch so in meiner Familie. Insofern gibt es da schon eine grundsätzliche Nachtabneigung, die mich aber in der Regel nicht sonderlich belastet.
Das mit der Psychotherapie ist mir natürlich eine Überlegung wert. Wenn ich mich selbst befrage, finde ich nur keinen Anhaltspunkt (außer eben dieser nächtlichen Erlebnisse, die ich schon in meiner Kindheit hatte) für ein Thema, das sich hier bemerkbar machen könnte. Macht es wirklich Sinn, eine Therapie zu beginnen und überhaupt nicht zu wissen, wo der Ansatzpunkt liegen könnte?
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22.07.2012, 13:16Inaktiver User
AW: Nachtangst - was kann man tun?
Wenn es dich sehr belastet, dann finde ich schon, dass es eine Überlegung wäre mit der Therapie.
Von irgendwoher muss diese ausgeprägte Angst kommen und meist haben solche Ängste, die man sich nicht erklären kann, tiefere Gründe und müssen mit der Nacht an sich noch nicht mal was zutun haben.
Die Nacht ist natürlich gruseliger
als der Tag, nur wenn solch eine Angst überhand nimmt, ohne irgendwelche naheliegenden Gründe, wie z. B. grob gesagt ein Einbrecher in der Nacht, dann hat es andere Ursachen.
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22.07.2012, 13:27Inaktiver User
AW: Nachtangst - was kann man tun?
Naja, meine Vermutung ist ja, dass eben dieses Erleben des desorientierten Aufwachens und damit verbundenen Schreckens meine Nachtangst verursacht hat. So blöd das klingt, aber dieses Erlebnis an sich ist so furchtbar (es ist im Grunde genommen das schlimmste Gefühl, das ich kenne), dass es an sich genügt, um Ängste hervorzurufen. Ich hatte es vor kurzem wieder und merke genau, dass ich seither wieder Angst bekomme, wenn eine Nacht naht, die ich außerhaus verbringen muss.
Das heißt, meine Nachtangst bezieht sich ganz klar auf diese Erlebnisse. Sie sind offensichtlich der Auslöser und das, was ich vermeiden will. Wenn, dann müsste diesen sehr seltenen Aufwachproblemen wiederum ein anderes Thema zugrundeliegen....Geändert von Inaktiver User (22.07.2012 um 13:34 Uhr)
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22.07.2012, 13:33Inaktiver User
AW: Nachtangst - was kann man tun?
Ich würde mir einen Radiowecker auf den Nachtisch stellen, dann kannst du dich immer an dem Display orientieren.
Zumindest mache ich das so, weil ich kann nur im stockfinsterem Zimmer schlafen und wenn ich nachts aufwache schaue ich gleich auf meinen Wecker zur Orientierung.
Ich kann diese Angst vor Desorientierung schon verstehen, aber grausig war das nur zu meinen Kindheitstagen, als erwachsener Mensch macht mir das eigentlich nichts mehr aus und wenn es vorkommt, dann ist das zwar zu dem Zeitpunkt unangenehm, wie als wenn es mir schwindelig wäre, aber mehr auch nicht, deshalb denke ich, es hat noch andere Gründe weil es bei dir so ausgeprägt ist.
Ich möchte dich jedoch zu keiner therapie überreden, es war nur ein Ratschlag von mir, weil es dich so sehr belastet.
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22.07.2012, 13:52Inaktiver User
AW: Nachtangst - was kann man tun?
Zu dem Zeitpunkt, an dem ich dann kapiere, dass ich in einer Welt lebe, in der es Radiowecker gibt, ist ja schon wieder alles klar und sozusagen in Ordnung
Die Desorientierung ist wirklich viel allgemeiner...
Ich werde auf jeden Fall weiter über deinen Rat nachdenken. Ich habe in dieser Hinsicht auch keinerlei Vorbehalte, glaube allerdings, dass man dabei auch oft (aus welchen Gründen auch immer) nicht viel weiterkommt. Und nachdem ich wirklich nicht sicher bin, ob es irgendein Thema gibt, dessen ich mir gar nicht bewusst bin, wäge ich natürlich ab, ob das der richtige Weg ist.
Mir persönlich sind ja immer Verhaltens- oder Einstellungsänderungen lieber, mit denen man sich sozusagen selbst aktiv lenken und beeinflussen kann. Aber meine Mutter meinte zu dem Thema zuletzt auch, dass man vielleicht einfach akzeptieren muss, dass man nicht immer alles im Griff haben kann im Leben...
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22.07.2012, 16:03
AW: Nachtangst - was kann man tun?
Noch mehr Licht?
Einen Radiowecker muss man ja erst finden. Wenn man auf dem Rücken liegt, aufwacht und völlig orientierungslos ist, verliert man kostbare Sekunden in der Dunkelheit.
Hast du schonmal dran gedacht, das Licht über die Nacht brennen zu lassen? Eventuell hilft es eine Lampe ins Gepäck zu packen, die dunkler ist als eine Deckenlampe, aber trotzdem den Raum ausleuchtet."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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22.07.2012, 16:42Inaktiver User
AW: Nachtangst - was kann man tun?
Hallo Nocturna,
manchmal schlafe ich bei Licht, ja. Aber ich komme mir blöd dabei vor. Und eine wirkliche Lösung ist es ja auch nicht. Es hilft zwar, aber es ist nur eine Vermeidungsstrategie. Ich möchte mich nicht daran gewöhnen und ohne Licht auswärts nicht mehr schlafen können. Zumal das ja auch nicht immer geht.
Ich möchte irgendwie diese erworbene gedankliche Verknüpfung "Dunkelheit und Schlafengehen außerhalb meiner Wohnung = Angst" durchbrechen. Nur wie? Ich habe leider nicht festgestellt, dass es besser wird, wenn ich mich öfter in diese Situation begebe und sie einfach aushalte. Aber ich kann auch nicht jedes Mal aus Angst einfach nicht schlafen. Das ist auf die Dauer einfach zu anstrengend
Mir kommt das Ganze vor, wie eine falsche Konditionierung. Ich verbinde eine mir angstmachende Erfahrung mit Dunkelheit, Schlaf und fremder Umgebung. Diese Konstellation löst bei mir jetzt unwillkürlich eine irrationale Angst aus. Mein Verstand hat das Ganze im Griff, solange ich wach bin, da kann ich mich selbst schon beruhigen - aber ich will ja schlafen... Die Frage ist halt, ob man so eine hinderliche Lernerfahrung wieder rückgängig machen oder quasi überschreiben kann?Geändert von Inaktiver User (22.07.2012 um 17:11 Uhr)
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22.07.2012, 18:27Inaktiver User


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