Habe diesen Text in einem anderen Strang bereits ähnlich gepostet und eröffne nun einen eigenen, da es um ein anderes, nämlich mein persönliches, Thema geht:
Bin seit knapp einem Jahr in einer Beziehung mit einem um einiges jüngeren Mann (er Ende 20, ich Anfang 40). Die davorliegende Ehe ist in einem Knall geendet, als ich rausfand, dass er mich betrogen hatte.
Hab mir viel Zeit genommen, dass Beendete zu verarbeiten (ohne Therapie, aber durch viele Gespräche, Tagebuch führen), aber mittlerweile drohen meine Selbstzweifel und die Zweifel an der jetzigen Beziehung übermächtig zu werden.
Mein aktueller Partner ist fürsorglich und aufmerksam, wir verbringen (trotz der Tatsache, dass wir nicht zusammen wohnen) sehr viel Zeit miteinander. Wenn es die Zeit erlaubt zu zweit oder auch "Alltag" mit unseren jeweiligen Kindern.
Jedes Mal, wenn er alleine ausgeht, beruflich oder privat ein paar Tage wegfährt, bekomme ich ganz furchtbare Zweifel. Er schreibt, wenn er weg ist, haufenweise Mails und Sms, auch oft, wie glücklich er mit mir ist und wie verliebt.
Aber all das macht mich nicht froh. Ich habe dann "Kopfkino" und daraus resultierend so starke Zweifel an ihm, an seinen Gefühlen für mich und letztendlich auch an mir.
Ich habe schon versucht, die Ursache hierfür zu ergründen.
Der Ansatz mit dem "inneren Kind" (in einem anderen Strang) hat mir sehr gut gefallen, da könnte etwas dran sein, weil ich mich nämlich auch wie ein Kind fühle und teilweise auch so reagiere.
Im Gegensatz zu früher, möchte ich mich diesem Partner öffnen, ihn an meinem Gefühlsleben teilhaben lassen und spüren, ob er dann die Flucht ergreift oder mich so nimmt wie ich bin.
Beispiel für eine aktuelle Reaktion:
hatten letzte Woche ein Gespräch, in dessen Verlauf ich offen zugegeben habe, dass ich neidisch auf ihn bin. Er hat (im Gegensatz zu mir) durch seine familiäre und sonstige Situation viele Freiheiten, kann seinen Interessen nachgehen; eine Beziehung führen, aber trotzdem, wenn er Lust darauf hat, mit seinen Kumpels ausgehen usw. Am Wochenende zuvor war er mit einem Freund unterwegs (Kneipe, Disco).
Sowas hätte ich früher nie zugegeben, da es a) ein "negatives" Gefühl (Neid) ist und ich b) immer angenommen hätte, dass es mich meinem Partner gegenüber verletzbar und angreifbar macht
Seine Reaktion (Zuhören, sagen, dass er es nachvollziehen kann und feststellen, dass meine Situation momentan ja nicht zu ändern sei) fand ich daneben. Habe ich ihm auch gesagt. Er antwortete darauf, durch derartige Äußerungen, bekomme er allmählich das Gefühl, dass er sich einfach nicht richtig (aus meiner Sicht) verhalten könne.
Ich glaube dieses Gefühl, habe ich meinem vorherigen Partner auch massiv vermittelt :-(
War danach völlig wütend, weil er sich irgendwann zum Schlafen hinlegte und ich wegen dieser ganzen Sache keinen Schlaf finden konnte.
Meine Reaktion (zum Glück kennt mich hier keiner, deswegen schreibe ich das alles auch so offen auf): ich habe sein Handy kontrolliert und festgestellt, dass er an dem besagten Abend, in der Zeit als er mit seinem Freund unterwegs war, ca. 30 sms in einem Zeitraum von 4 Stunden mit diesem gewechselt hat. Da habe ich mich natürlich gefragt, warum er mit dem Freund simst, mit dem er zusammen unterwegs war und das ganze Kopfkino ging wieder los (er hat mit dem Freund gesimst, weil er gar nicht mit dem unterwegs war, sondern mit wem denn dann?, die betreffende Telefonnummer ist nicht die seines Freundes, sondern von irgendeiner anderen Frau???).
Ich habe ihn nicht darauf angesprochen und mit meinem Verdacht konfrontiert, nur hinterhältig nachgefragt, wie der Abend denn so abgelaufen sei. Er hat mir alles Mögliche erzählt, das Detail mit dem Freund, mit dem er gesimst hat, nicht erwähnt.
Obwohl ich sagen kann, dass mein Partner und seine Kumpels alle mit sms-Flat ausgestattet sind und (für mich unverständlich) ziemlich viel und auch (nach meiner Ansicht) "nutzlos" rumsimsen, kommt mir das schon ziemlich merkwürdig vor.
Hab in einem früheren Fall (es ging auch um sms, die er mit einer Bekannten gewechselt hatte), im Ergebnis ziemlich daneben gelegen. Hatte da ebenfalls ein furchtbar schlechtes Gefühl, aber er hatte eine völlig plausibel und harmlose Erklärung. Die ich auch letztendlich akzeptiert habe.
Bin ich ein Fall für den "Münchhausen-Thread" oder einfach nur völlig daneben?
Ich merke gerade ( zumindest fühlt es sich so an), dass sich durch meine Gefühle und mein Verhalten die Beziehung verändert. Ich möchte aber nicht der Einzige sein, der Probleme in dieser Beziehung hat bzw. diese aufwirft, wenn ihr versteht, was ich meine. Fühle mich dadurch völlig hilflos, unterlegen und bedürftig.
Bitte um Eure Einschätzung,
herzliche Grüße
Antworten
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26.04.2011, 14:14
Verlustängste-wie damit umgehen?
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26.04.2011, 14:55
AW: Verlustängste-wie damit umgehen?
Ich verstehe nicht, wo seine Reaktion daneben war.
Ich verstehe aber sehr wohl, dass Deine Reaktion vollkommen daneben war: Sein Handy untersuchen ist sowas von daneben, wenn das meine Freundin machen würde, da wär die Kacke sowas von am Dampfen, ihr würde Hören und Sehen vergehen, was ich ihr da an den Kopf werfen würde. Das ist ein Vertrauensbruch allererster Klasse, sowas erzeugt Risse in einer Beziehung.
Du leidest doch selber unter der Situation, und ich denke, Du hast das Beziehungsende davor nicht verarbeitet, verm. ist da auch was aus der Kindheit da. Du solltest über eine Therapie nachdenken.
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26.04.2011, 15:07Inaktiver User
AW: Verlustängste-wie damit umgehen?
Liebe rebmevon68,
jetzt auch mal hier
(ich glaube, mit einem eigenen Strang bekommst Du "passigere" Antworten).
Ich glaube, dass Dich starke Verlustängste triggern. Und ja, der Ansatz mit dem "inneren Kind" kann Dir, ggf. mit weiterer professioneller Unterstützung, helfen, damit umzugehen.
Ich sage bewusst "damit umgehen", denn ein "Auslöschen", ein Sich-dagegen-stellen, ist ein Kampf gegen sich selbst. Und wenn man sowieso schon Minderwertigkeitsgefühle hat, geht damit die Spirale abwärts. Den Anteil der Angst annehmen als Teil von Dir selbst, als ein Teil, der früher auch mal sinnvoll war (z.B. als "Warnung") heißt, diesen Anteil ernst zu nehmen. Dich ernstzunehmen. Auch Deine eigene Bedürftigkeit. Wir alle haben Bedürfnisse. Bei manchen können uns andere Menschen helfen (z.B. beim Sex
), für andere sind wir vollumfänglich selbst zuständig. Bedürftig zu sein ist also erst einmal etwas ganz Normales, das nur Du mit Deiner Bewertung "abwertest".
Und da würde ich in "akuten" Fällen, wie jetzt in der Beziehung, mal ansetzen. Schau hin, welche Botschaft hinter Deinen Gefühlen stecken und nimm sie ernst. Höre auf, sie zu bewerten. Hab aber auch klar, dass nicht zwangsläufig Dein Partner dafür zuständig ist, Deine Bedürfnisse zu erfüllen. Auf Dauer wirst Du ein Gespür dafür bekommen, was wirklich Deine Bedürfnisse sind, und was aus Deinen Ängsten erwächst (z.B. "Sicherheitsbeweise") und handle danach.
Du hast die Freiheit, zwischen Gefühlen und Deinem Handeln zu unterscheiden. Diese Freiheit kannst Du nutzen. Und Dir dann die Zeit nehmen, Deine Gefühle genauer anzuschauen.
Dein Partner ist ein eigenständiger Mensch. Er ist nicht Dein Exmann, der Dich betrogen hat. Er ist es wert, dass Du ihn als eigenständigen Menschen wahrnimmst, der nicht "überprüft" werden muss. Das heißt nicht, dass Du ihm alles durchgehen lassen musst, aber dass er den Vertrauens-Vorschuß hat, als vertrauenswürdiger Partner angesehen zu werden.
Hast Du schon mal positive Beziehungserfahrungen gemacht? Das müssen nicht unbedingt Partnerschaften sein, sondern auch Freundschaften, Kontakte zu Familienangehörigen oder anderen Bezugspersonen. Was war da anders?
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26.04.2011, 15:36
AW: Verlustängste-wie damit umgehen?
Das kam jetzt in der Kurzfassung nicht so richtig rüber.
Ich habe ihm ja keine Vorwürfe gemacht oder sowas. Habe ihm lediglich mitgeteilt, wie ich mich fühle. Eine Lösung meines Problems hatte ich nicht erwartet oder verlangt. Als Reaktion kam so was wie "Ist halt so, kam man eh nicht ändern". Was, wie in früheren Gesprächen auch, seine Reaktion war, wenn ich mit meinen "Problemchen" (weil entweder vällig aus der Luft gegriffen oder sowieso nicht zu ändern) die ansonsten so gute Stimmung in der Beziehung belastet habe.
Natürlich leide ich und möchte auch dringend etwas ändern. Als ersten Schritt poste ich hier, um mir über ein paar Dinge und mögliche Wege für mich klar zu werden
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26.04.2011, 15:42
AW: Verlustängste-wie damit umgehen?
Ja, positive Beziehungserfahrungen gab/gibt es: meine Großmutter, die mir sehr nahe stand. Eine sehr gute Freundin. Diese beiden fallen mir spontan ein.
Diese Menschen haben mir nicht das Gefühl gegeben, dass sie mich aufgrund ihrer eigenen Unzulänglichkeit verletzen, mich nicht zum Spielball ihrer eigenen Emotionen machen, verläßlich sind, mich nicht belügen.
Was kann ich daraus lernen?
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26.04.2011, 19:39Inaktiver User
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26.04.2011, 19:49Inaktiver User
AW: Verlustängste-wie damit umgehen?
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26.04.2011, 21:34
AW: Verlustängste-wie damit umgehen?
ich verschiebe den thread mal in's ängste-forum, da passt er besser.
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26.04.2011, 22:03
AW: Verlustängste-wie damit umgehen?
Ich hoffe sehr, dass es mit ihm weiterhin so ist. Bisher gab es noch keinen "realen" Vorfall, der objektiv betrachtet etwas anderes denken ließe.
Er hat selber in seiner Kindheit viel mitgemacht. Ich weiß nicht, ob er ein guter Verdränger ist oder ob er alles verarbeitet hat und daran gereift ist.
Ich zweifle des Öfteren, aber ohne Kontrolle und andere unschöne Dinge, die ich nicht tun möchte, werde ich in manchen Dingen einfach vertrauen müssen.
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26.04.2011, 22:05


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