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Thema: Phonophobie??

  1. Inaktiver User

    Phonophobie??

    Hallo Leute,

    ich glaube, drehe langsam durch. Wo fange ich an? Also: Wir wohnen in der Nähe einer Imbiss-Stube, und vor ein paar Jahren war die Abluftanlage kaputt und produzierte den ganzen Tag einen Pfeifton, der so schrecklich war, wie ich mir Tinnitus vorstelle. Ich habe dann knapp ein Jahr darum gekämpft, dass der Besitzer sie endlich reparierte. Seitdem bringt fast jedes Nachbargeräusch auf die Palme. Stimmt nicht ganz, denn Kinder stören mich überhaupt nicht, oder normale "Lebensgeräusche". Aber ein anderer Nachbar hat eine Zeitlang bei schönem Wetter seine Sittiche ins Fenster gestellt, die dann unaufhörlich denselben Ton von sich gaben. Er ist Gottseidank ausgezogen. Seit kurzem hat irgendein Nachbar (wo, lässt sich nicht feststellen) wohl eine Windharfe aufgehängt, die bei jedem Luftzug hohe Töne erzeugt. Ich kriege dann Herzklopfen wie verrückt, kann an nichts anderes mehr denken und werde schier wahnsinnig. Auch wenn nachts ein Auto mit aufgedrehter Musik vorbeifährt (was hier oft vorkommt, besonders am Wochenende), bin ich in Sekunden auf hundert und kann mich überhaupt nicht mehr beruhigen. Schrecklich ist das.

    Beim Nachforschen im Internet bin ich auf Phonophobie bzw. Hyperakusis gestoßen. Rein akustisch habe ich keine Probleme, es geht im Kopf ab.

    Hat jemand Erfahrung damit und mit möglichen Therapien?

    Danke schon mal!

    Brumsel

  2. Avatar von Lizzie64
    Registriert seit
    05.11.2001
    Beiträge
    22.608

    AW: Phonophobie??

    hi brumsel!

    oh ja, hyperakousis ... willkommen im club. ich habe auch eine. bisher hast du ja allerdings "nur" deine persönliche empfindung mit infos aus dem internet abgeglichen, aber du solltest das auch durch einen hno-arzt testen lassen.

    ich habe vor ein paar jahren einen hörtest machen lassen, als ich auch wieder so eine phase hatte, wo mir wirklich alles zu laut war. die hörkurve hat's dann bewiesen: ich höre quasi zu gut.

    eine therapie habe ich nie gemacht, dazu ist es nicht drastisch genug, und was will man auch machen? die geräuschempfindlichkeit verringern geht ja nicht. wichtig sind die üblichen methoden bei reisbarkeit oder empfindlichkeiten: bewegung, entspannung (progressive muskelentspannung nach jacobsen ist super), etc. genügend flüssigkeit zu sich zu nehmen scheint auch ganz hilfreich zu sein.

    lass' es aber auf jeden fall abklären!
    dadadadiamoisongdesisahoidaso!

    Der Neoliberalismus lässt die Gehirne der Jungen großflächig verschimmeln.
    Henning Venske

  3. Inaktiver User

    AW: Phonophobie??

    Hier noch eine mögliche Erklärung für diese Überempfindlichkeit aus dem Buch "Zart besaitet" von Georg Parlow über Hochsensibilität:

    "Normalerweise ist es so, dass nach dem Ende der Störung das Adrenalin
    nach einigen Minuten gegügend abgebaut ist, die Ruhe wieder einkehrt
    und der Organismus zum Normalzustand übergeht. Jedoch nach einer
    gewissen Anzahl von Adrenalinstößen innerhalb einer gewissen Zeitspanne
    wird auf Dauerstress geschalten und nicht nur Adrenalin sondern auch
    Cortisol in den Blutkreislauf ausgeschüttet. Wie viele Störungen innerhalb
    welcher Zeitspanne jeder einzelne verkraftet, ist individuell sehr unter-
    schiedlich, generell jedoch wird dieser Punkt von hochempfindlichen
    Menschen auffällig schneller erreicht als von anderen. Es kann sich da jeder
    nur selber beobachten um die eigene Belastbarkeit kennen zu lernen,
    doch mehr als die Hälfte derjenigen befragten HSP, die eine Antwort
    wussten, nannten drei Störungen innerhalb von einigen Minuten bis
    zu einer halben Stunde als die kritische Zahl. Der Mechanismus tritt
    natürlich nicht nur beim Einschlafen auf, sondern bei jeder Art von Unter-
    brechung der Konzentration oder Störung im eigenen Rythmus.

    Cortisol ist ein Hormon, das den Körper in dauerhafter Alarmbereitschaft
    hält. Sobald eine gewisse Konzentration von Cortisol im Blut feststellbar
    ist, beruhigt sich der Organismus auch nach Abbau des Adrenalins nicht
    mehr, sondern wartet gespannt au die nächste Störung. Statt endlich
    einzuschlafen, liegen wir stundenlang wach , oder, wenn wir dreimal
    unterbrochen wurden, können wir uns vielleicht gar nicht mehr richtig
    konzentrieren, weil wir mit einem Teil unserer Aufmerksamkeit darauf
    warten, wieder angesprochen zu werden, obwohl wir vielleicht inzwischen
    sogar alleine im Büro sind.

    Dieses Alarm-Hormon Cortisol braucht zehn bis zwanzig Minuten, um
    voll wirksam zu werden und wird nur sehr langsam wieder abgebaut.
    Es braucht mind. einige Stunden, kann aber auch einige Tage dauern,
    bis der Normalzustand erreicht ist. Solange Effekte des Cortisol im Körper
    wirksam sind, kommt es auch leichter zu kurzzeitiger Erregung durch
    Adrenalinausstoß, das heißt, wir sind in diesem Zustand noch empfindsamer,
    noch leichter erregbar, was leichter zu erneutem Ausstoß von Cortisol
    führen kann."


    @Brumsel
    Das erklärt Deinen Erregungszustand und Symptome ausgelöst durch das Adrenalin und Cortisol.
    Ich glaube da hilft nur an der Wohnsituation etwas zu ändern und in eine ruhigere Gegend zu ziehen.

    Entspannungstechniken, Meditation, ausreichend Schlaf und viel Wasser trinken hilft das Cortisol abzubauen.
    Geändert von Inaktiver User (25.05.2010 um 07:56 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Phonophobie??

    Danke, Lalunanubia, für Deine Antwort. Ich habe auch schon oft an Wegziehen gedacht, aber das Haus gehört uns bzw. der Bank, und wir können daher nicht so einfach weg, vor allem aus finanziellen Gründen. Das ist wohl auch das Schlimme daran, das Gefühl, nicht weg zu können. Und ich bin mir fast sicher, dass da, wo ich hinziehen würde, garantiert auch wieder mindestens ein Idiot wohnt, der Lärm macht. So was wie ruhigere Gegenden gibt es auch gar nicht mehr, glaube ich, es sei denn, man hat ein Riesengrundstück um sich herum. Ansonsten, schau Dir zum Beispiel die Neubaugegenden an, wo alle dicht an dicht wohnen.

  5. Inaktiver User

    AW: Phonophobie??

    Wenn selbst der Gesang von Vögeln, wenn er sehr monoton ist, störend sein kann - würde ja auch ein Leben völlig abseits von anderen Menschen nicht wirklich helfen...
    Ich denke, dass Du da echt ein Problem hast.

  6. Inaktiver User

    AW: Phonophobie??

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Danke, Lalunanubia, für Deine Antwort. Ich habe auch schon oft an Wegziehen gedacht, aber das Haus gehört uns bzw. der Bank, und wir können daher nicht so einfach weg, vor allem aus finanziellen Gründen. Das ist wohl auch das Schlimme daran, das Gefühl, nicht weg zu können. Und ich bin mir fast sicher, dass da, wo ich hinziehen würde, garantiert auch wieder mindestens ein Idiot wohnt, der Lärm macht. So was wie ruhigere Gegenden gibt es auch gar nicht mehr, glaube ich, es sei denn, man hat ein Riesengrundstück um sich herum. Ansonsten, schau Dir zum Beispiel die Neubaugegenden an, wo alle dicht an dicht wohnen.
    Das ist natürlich blöde mit dem Eigenheim! Gibt es da nicht wenigstens ein Zimmer wo Du Deine absolute Ruhe haben kannst, quasi als Rückzugsort?
    Mit Ohropax schlafen ist auch noch eine Möglichkeit.

    Ich habe dasselbe Problem, allerdings nicht nur bei hohen Tönen. Als eine Erkrankung oder psychische Störung sehe ich das nicht an. Man kann eigentlich nur damit umgehen lernen und gut für sich sorgen. Laut Buch gehören etwa 15 - 20 % der Bevölkerung zu den Hochsensiblen deren Wahrnehmungsfilter einfach etwas weiter gestellt sind.
    Am schlimmsten ist die aufkommende Ohnmacht in manchen Sitationen. Da heißt es sich mit seinem So Sein anzunehmen, sich möglichst nicht reinzusteigern (So nach dem Motte das hört ja eh nie auf). Das erlernen von Entspanungstechniken stärkt die Erfahrung sich selbst und den Störfaktoren nicht völlig ausgeliefert zu sein.
    Desweiteren auch allen anderen Streß reduzieren. Wenn man eh schon angeschlagen ist bzw. nicht in Balance reagiert man eher darauf. Das ist dann der berühmte Tropfen (Ton, Geräusch) der das Fass zum Überlaufen bringen kann.

    Unser Mietshaus ist sehr hellhörig, deswegen will ich ausziehen. Es ist schwierig in der Stadt - ohne Frage - etwas geeignetes zu finden aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Mir schwebt eine Dachgeschoßwohnung (da kann wenigsten keiner mehr über mir auf meinen Nerven herumtrampeln) in einer ruhigen Seitenstraße, mit wenig Parteien vor.

    Gruß Luna
    Geändert von Inaktiver User (25.05.2010 um 13:34 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: Phonophobie??

    Hallo Lalunanubia,

    ja, in der Tat sind Oropax immer da, wo ich auch bin, und ein ruhiges Zimmer gibt es auch. Da stört mich dann auch nicht das Brummen des Laptops, aber "eigene" Geräusche erträgt man ja sowieso besser.

    Ich bin so gern im Garten, und da bin ich besonders hellhörig und bin immer fassungslos, was es so an Störungen alles gibt. Mein Nachbar hat letztens insgesamt 8 Stunden, zweimal vier Stunden am Stück, seine Terasse und seine Gartenmöbel sauber gemacht, ich hätte ihn umhauen können.

    Du hast recht, es ist die Ohnmacht und das Gefühl, es hört nie wieder auf!

    Bei Einschlafschwierigkeiten kann ich mir auch ganz gut mit Autogenem Training helfen, aber wenn so eine "Lärmsituation" kommt, bin ich total hilflos und habe alle Reaktionen, die man wohl eigentlich zur Flucht bräuchte.

    Scheiße ist das!

    Danke für Deine Antwort, halt durch!

    Brumsel

  8. Inaktiver User

    AW: Phonophobie??

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich bin so gern im Garten, und da bin ich besonders hellhörig und bin immer fassungslos, was es so an Störungen alles gibt. Mein Nachbar hat letztens insgesamt 8 Stunden, zweimal vier Stunden am Stück, seine Terasse und seine Gartenmöbel sauber gemacht, ich hätte ihn umhauen können.
    Irgendwo hab ich mal den Begriff "akustische Umweltverschmutzung" gehört.... da muss ich oft dran denken, ich finde, da ist was Wahres dran heutzutage.

  9. Inaktiver User

    Stirnrunzeln AW: Phonophobie??

    Hallo an alle Lärmempfindlichen und -geschädigten,

    heute ist "mein" Wetter: ich kann ohne schlechtes Gewissen drinnen sein, weil es in Strömen regnet und muss nicht die Geräusche von Hinz und Kunz ertragen.

    Irgendwie pervers, aber ich brauche solche Tage zum Erholen!

    @Wolkentier: Ja, "akustische Umweltverschmutzung" trifft es. Besonders ärgert mich die von Behörden genehmigte Zwangsbeschallung in der Freizeit. Es gibt hier im Dorf während des Sommers alle zwei Wochen irgendein Fest, das natürlich nicht ohne eine dämliche Coverband (im Freien, versteht sich!) auskommt. Bald haben wir in der Kneipe in der Nähe unseres Hauses 4 Wochen lang "Public Viewing" während der WM. Ich freue mich schon drauf:

    Brumsel

  10. Inaktiver User

    AW: Phonophobie??

    Bei uns im Haus hoffe ich das sie alle schön brav vor der Glotze sitzen. Kann nur hoffen das die Deutschen verlieren, ansonsten Autokorso mit Hupkonzert -


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