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  1. #2291

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    AW: Unsere Minimalismus-Projekte :)

    Es gibt die Empfehlung für Bräute, dass sie um 1850 folgenden Hausratmindestens haben sollten:
    - 2 Dutzend Bettbezüge und Kopfkissen (24 Stück)
    - 3 Dutzend Leintücher
    - 4 Dutzend Handtücher
    - 1 Dutzend Gläsertücher, Staublappen und Wischlappen

    an Kleidung
    - zwei Garnituren Festkleidung
    - ein Dutzend Blusen, Röcke, Schürzen, Westen
    - drei Dutzend Unterhemden
    - ein Dutzend handgestrickte Strümpfe

    Das alles wurde als Aussteuer durchs Dorf getragen oder auf einem Wagen durchs Dorf gezogen. Der Wagen konnte auch gemietet werden.

    Gedacht war, dass die Ehe ungefähr 15 Jahre dauerte und dass die Frau, wenn sie sparsam war, ihren Hausrat zusammenhalten, flicken und lange benutzen konnte. Mit Nachkauf wurde nicht gerechnet. Mit dem letzten Hemd sozusagen, so war es gedacht, sank sie dann nach einem langen erfüllten Leben ins Grab.
    Es ist auch insofern verständlich, weil Kleidung aufwändig herzustellen war. Da musste wirklich auf jedes Teil geachtet werden. Zudem hatte eine Hausfrau selten Zeit, neue Kleidung herzustellen. Zuerst wurde geflickt und geändert, dann erst kamen neue Kleidungsstücke dran. Wer weiß denn wirklich, wie lange es dauert, bis ein Paar Socken oder ein Pullover fertig ist?
    "beinhalten" wird wie "halten" konjugiert, als "beinhält", und gehört zur Kategorie schlechtes Deutsch. Warum nicht "enthalten", "umfassen" oder "bedeuten"?

    Sorge dich nicht, lebe!

  2. #2292
    Avatar von Zinn
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    AW: Unsere Minimalismus-Projekte :)

    Die Ausstattungsliste des Dienstmädchens Karoline Stahl um 1900 herum:

    Quelle aus LKAS L 2, Nr. 3047
    Aussteuer für Kar
    oline Stahl; Anfang April 1901 zu Herrn Eppler
    1 neues Sommerkleid
    1älteres Sommerkleid
    1 getragenes Druckkattunkleid
    1 neues Wollkleid
    2 gestrickte Unterröcke
    1 Stoffunterrock
    4 p. bw.
    Strümpfe
    4 p. woll. Strümpfe
    8 Taschentücher
    2 Nachtjacken
    1 p. Beinkleider
    2 p. Stiefel
    3 Schürzen
    1 Kamm
    1 Schere
    1 Waschfleck
    richtig Mina Eppler (Unterschrift)

    Quelle: Vom Kinderrettungshaus zur Heimerziehung : Ausstellung der Geschichte der Diakonie

  3. #2293

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    AW: Unsere Minimalismus-Projekte :)

    Dienstmädchen hatten mehr oder weniger das, was sie am Leib trugen und eine Garnitur Wäsche zum Wechseln.
    Warum gehörte ein Satz neue Kleidung (Hemd, Hose bzw. Kleid oder Rock, Bluse) zur Bezahlung der Dienstmädchen dazu?
    Nebenbei bemerkt, bekam das Dienstmädchen die Dienstkleidung gestellt und die Bettwäsche auch.

    Nur - die Dienstmädchen und Knechte unterscheiden sich erheblich von den Kleinbürgern und Großbürgern.

    Mit der Aussteuer zeigt eine Braut ja nicht nur ihren Reichtum, den sie sich erarbeitet hat oder der ihr von den Eltern mitgegeben hat. Sie zieht auch als standesgemäße Frau ins Haus ihres Mannes ein, d.h. ihr Hausrat ist genau so viel wert wie sein Besitz.


    Um den Bogen wieder zu bekommen:
    Es gibt genügend Familie, vor allem in Schwaben und Franken, die am Rande der Existenz wirtschaften. Das hängt mit den winzigen Höfen zusammen, bei denen die vierte schlechte Ernte in Folge die Geldreserven aufgebraucht hat, und mit einer hohen Kinderzahl.
    "beinhalten" wird wie "halten" konjugiert, als "beinhält", und gehört zur Kategorie schlechtes Deutsch. Warum nicht "enthalten", "umfassen" oder "bedeuten"?

    Sorge dich nicht, lebe!
    Geändert von chryseis (20.03.2017 um 06:58 Uhr)

  4. #2294
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    AW: Unsere Minimalismus-Projekte :)

    Zinn, ich bin beeindruckt
    Ich wußte, daß das irgendwo im Netz ist, hatte aber keine guten Ideen für Suchbegriffe.

    Zitat Zitat von chryseis Beitrag anzeigen
    Nur - die Dienstmädchen und Knechte unterscheiden sich erheblich von den Kleinbürgern und Großbürgern.
    Das meine ich -- eine Abschätzung des durchschnittlichen Besitzes ist nur für eine bestimmte Epoche, Gegend, und soziale Schicht sinnvoll, ansonsten wird es aussagelos. Deswegen halt ich diese durch den Raum geisternde "100" die JustInTime erwähnt hat, für "ja klar, irgendwer irgendwo irgendwann mal".
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  5. #2295
    Avatar von Carolly
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    Danke fuer die tolle Info Zinn! Meine Grosseltern sind teilweise noch so aufgewachsen. neue Kleidung wurde eher nur selten gekauft, und die ganze Bettwaesche, Handtuecher usw. lagen im Schrank fuer den Fall dass mal etwas kaputt ging und nicht mehr geflickt werden konnte. Puh, andere Zeiten.

    Da bin ich ja eher ein Minimalist. Wobei ich vielleicht doch mal ein zweites Set Bettwaesche kaufen sollte. Sammstag morgen Bett abziehen und waschen und hoffen dass der Trockner nicht kaputt geht ist auch nicht so praktisch

  6. #2296
    Avatar von Zinn
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    AW: Unsere Minimalismus-Projekte :)

    Zitat Zitat von Carolly Beitrag anzeigen
    Da bin ich ja eher ein Minimalist. Wobei ich vielleicht doch mal ein zweites Set Bettwaesche kaufen sollte. Sammstag morgen Bett abziehen und waschen und hoffen dass der Trockner nicht kaputt geht ist auch nicht so praktisch
    Ich habe bis vor wenigen Monaten die ein oder zwei Nächte Trockenzeit der Bettwäsche mit dem Schlafsack überbrückt.

    Ein zweites Set Bettwäsche lohnt sich. Ich bekam ein überzähliges Set in Weiß mit pastellfarbenen Katzengesichtern aus dem Elternhaushalt. Habe es Jeansblau eingefärbt und freue mich jetzt immer auf die "Katzenbettwochen":

    http://abload.de/img/win_20161221_09502163j3h.jpg

    Meine Bettwäsche wechsle ich übrigens stückweise, damit nicht zu viel Wäsche am wöchentlichen Waschtag zusammenkommt: In der ersten Woche die Kissenbezüge und das Laken, in der zweiten den Bettbezug.

  7. #2297

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    Liebe Zinn,
    bei der Aufstellung des Dienstmädchens fehlt die Leibwäsche. Die junge Frau wird ein, zwei Nachthemden und mindestens sechs Leibhemden gehabt haben. Und das Korsett fehlt wie der Strumpfhalter.
    Auch damals trug man kein Kleid auf nackter Haut. Meistens wird das aber nicht erwähnt, weil das "privat" war.



    An Bettwäsche empfehle ich großzügig zwei Garnituren, so dass du insgesamt drei hast. Das erleichtert den Wäschewechsel doch erheblich und kommt meistens der Stimmung entgegen.
    "beinhalten" wird wie "halten" konjugiert, als "beinhält", und gehört zur Kategorie schlechtes Deutsch. Warum nicht "enthalten", "umfassen" oder "bedeuten"?

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  8. #2298
    Avatar von Zinn
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    AW: Unsere Minimalismus-Projekte :)

    Ja, die fehlenden Nachthemden sind mir auch aufgefallen. Ich hatte überlegt, ob "Unterrock" vielleicht ein Unterkleid ist, das als Nachthemd und statt Hemdchen getragen wird. Erschien mir aber unwahrscheinlich, deine Erklärung ist besser.

    Was ebenfalls und verständlicherweise in der Aufzählung fehlt, sind Menstruations-Hygieneartikel. Zahnbürste dagegen war vermutlich noch nicht üblich.

  9. #2299

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    Menstruation gehört zu den Tabu-Themen. Dafür gab es meistens noch keine Extrasachen.
    Normalerweise zog Frau das Hemd (deswegen war es auch so lang) zwischen den Beinen von hinten nach vorne und blutete einfach dort hinein. Nach einer Woche wurde das Hemd gewechselt und gründlich geschrubbt. Bei starker Blutung wurde es auch früher gewechselt.
    Als erste Alternative gab es Binden= lange Leinenstreifen, die mit einem "Diana-Gürtel" getragen wurden. Damals waren sie unbequem.
    Nachthemd war immer lang mit langen Ärmeln und hochgeschlossen. Damit unterschied es sich deutlich von den normalen Leibhemden, die unterhalb des Knies endeten und genügend Bewegungsfreiheit ließen.

    Ein Unterrock war ein normaler Unterrock.
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  10. #2300
    Avatar von Carolly
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    Zitat Zitat von Zinn Beitrag anzeigen
    Ich habe bis vor wenigen Monaten die ein oder zwei Nächte Trockenzeit der Bettwäsche mit dem Schlafsack überbrückt.

    Ein zweites Set Bettwäsche lohnt sich. Ich bekam ein überzähliges Set in Weiß mit pastellfarbenen Katzengesichtern aus dem Elternhaushalt. Habe es Jeansblau eingefärbt und freue mich jetzt immer auf die "Katzenbettwochen":

    http://abload.de/img/win_20161221_09502163j3h.jpg

    Meine Bettwäsche wechsle ich übrigens stückweise, damit nicht zu viel Wäsche am wöchentlichen Waschtag zusammenkommt: In der ersten Woche die Kissenbezüge und das Laken, in der zweiten den Bettbezug.
    Joar, ich finde nur nichts was mir gefaellt. Ich mag am liebsten etwas dickere Bettwaesche (aber kein Biber oder Frottee) und nicht so duenne wo man durchgucken kann, unifaben. Leider sind schon seit Jahren die Farben so haesslich. Ich moechte einfach nur eine warme, knallige Farbe ohne dass es ins Neon geht. Ein schoenes dunkles rot oder grassgruen. Aber alles ist so blass und/oder pastellig. Selbst Ikea und Hema haben keine schoenen Unifarben.

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