Dann habe ich anscheinend eine grundsätzlich unterschiedliche Interpretation dessen, was "small talk" bedeutet. Das erklärt mein Unbehagen mit der Geschenkefrage und die allgemein doch positive Bewertung.
Für mich ist small talk zwischen praktisch Fremden etwas, das an der Grenze zum Persönlichen endet, sprich: Small talk ist Reden über das Wetter, Filme, Bücher, die Architektur von Gebäude X, die Inhalte von Studiengang Y.
Problematisch finde ich die Frage nach den Geschenken, weil sie eben doch-ob wir das wollen oder nicht- eine materielle Ebene hat, mit der Frage bzw. der erwarteten Antwort ist ein "Abchecken" (Das muß dem Fragenden nicht bewußt sein) des sozialen Status des anderen verbnden. Wenn wir ganz ehrlich sind, hängt was ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe natürlich ganz stark von den finanziellen Möglichkeiten meines Umfeldes ab.
Gerade in Gruppen mit Menschen stark unterschiedlicher Jobpositionen/finanzieller Levels (wie an meiner Arbeitsstelle z.B.) finde ich die Frage potentiell bloßstellend.
Anders ist die Situation, wenn in größerer Runde über Geburtstagsgeschenke im Allgemeinen gesmalltalkt wird und sich der einzelne zu dem Grad einbringen kann, oder auch nicht, in dem es ihm angenehm ist.
Gerade bei der Geschenkefrage habe ich schon unschöne Dinge registriert, wenn der Gefragte plötzlich wie auf dem Präsentierteller dastand, das Gespräch um ihn zum Erliegen kam und mehrere Leute erwartungsvoll die Geschenkeliste hören wollen.
Dafür muß man natürlich Antennen haben, aber wir leben in Zeiten, in denen nicht jeder ein I-Pad, eine Breitling oder 2 Wochen Bali geschenkt bekommt. Leider gibt es in meinem Büro eine Kollegin, deren Mann schon lange arbeitslos ist undvon der ich weiß, daß sie dieses Jahr für ihre noch recht kleinen Kids (die das noch nicht so merken) ältere Spielsachen verpackt und unter den Weihnachtsbaum legt. Das tut mir wirklich weh. Fragt die Frau mal, was sie zu Weihnachten geschenkt bekommen hat...
Hinzukommt, daß ich den small talk -Wert dieser Frage gegen Null tendierend finde, weil erfahrungsgemäß daraus kein nettes Hin und Her entsteht sondern eine langweilige Aufzählung von für Außenstehende meist völlig langweiliger Gegenstände. Dann kommt am Ende der Aufzählung ein "Ah ja..." des Fragenden, dem dann einfällt, daß er sich ja noch schnell etwas zu Trinken holen wollte.
Wenn ich einen Fremden, enternten Kollegen, Zufallsbekanntschaft frage "Wie gehts?" möchte ich auch nicht eine Aufzählung z.B. seiner Rückensymptome oder eine Beschreibung seines bisherigen Tages hören.














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