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  1. #11
    Avatar von Regenwurm
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    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    Malina, von Totschweigen war nicht die Rede, ich würde genau wie du abwarten, ob der Vater was sagt oder nicht.

    Mein Posting bezog sich hauptsächlich auf Themirs "natürlich", als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt, auf einer Party zu einem mir weitgehend unbekannten Mann zuzugehen, ihn ungefragt auf den Tod seiner Tochter anzusprechen und somit zu riskieren, alte Wunden aufzureissen. Du schreibst, ein Risiko geht man mit einer Beileidsbekundung immer ein, aber in diesem Falle ist das Risiko komplett vermeidbar. Reagieren statt agieren.

    Und das mit dem Brief. Ich meine, die beiden waren vor über 15 Jahren mal in einer Klasse, zu keinem Zeitpunkt richtig befreundet und seitdem kein Kontakt mehr! So viel 'Ungesagtes' kann da wohl nicht im Raum stehen. Bei einer echten Freundschaft wäre das nochmal eine ganz andere Sache.

    Selbstverständlich handelt jeder so, wie er/sie es für richtig hält - solange ich im Auge behalte, dass ich mit meinen Gefühlen nicht die Zentralfigur bin. Amazone41 schrieb was von "sich selbst nicht so wichtig nehmen", das finde ich ganz passend in diesem Zusammenhang.

    Denn mich beschleicht das dumpfe Gefühl, dass eine aktive Beileidsbekundung im konkreten Falle eher dazu dienen soll, Lunetes schlechtes Gewissen zu erleichtern, da sie es damals versäumt hat, zu kondolieren [nicht böse gemeint, Lunete :-)]
    I hear and I forget. I see and I remember. I do and I understand.
    Confucius

  2. #12
    Splendida
    gelöscht

    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    Ich hatte das auch so verstanden, Regenwurm.

    Nach drei Jahren kondolieren - sorry, bei allem Ernst des Themas: Gratuliert man ein halbes Jahr nach dem Geburtstag?

  3. #13
    Avatar von themir
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    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    .


    Zitat Zitat von lunete Beitrag anzeigen

    Wir waren keine Freundinnen, aber freundlich zueinander .

    Sie ist leider vor 3 Jahren bei einem Unglück ums Leben gekommen.

    Nun werde ich den Vater treffen. Er war mit meinem Vater etwas befreundet und sie haben jetzt anlässlich eines Jubiläums wieder Kontakt miteinander. Ich werde - wie der Vater meiner Schulkameradin auch - zu diesem Jubiläum gehen.
    Jetzt bin ich mir sehr unsicher, wie ich mich verhalten soll.








    Es war ein sehr großes Unglück, das auch in den Medien sehr viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Ich hatte damals über Facebook von gemeinsamen Freunden davon erfahren und dort auch die Entwicklung (Ungewissheit, Suche, Identifizierung) und den Schmerz der Angehörigen und Freunde etwas mitbekommen. Allerdings hat mich aber auch die große Anteilnahme von sehr losen Bekannten oder auch gänzlich Fremden etwas irritiert, die durch die große Medienpräsenz des Unglücks herbeigeführt wurde.

    z.B. der Flugzeugabsturz vor Brasilien (fiel mir dazu eben spontan ein) war - und ist - einfach ein furchtbares Unglück/eine Katastrophe und macht nochmal bewusst, auf welch dünnem Eis - wir alle - tagtäglich leben ...










    __________________________





    Zitat Zitat von Regenwurm Beitrag anzeigen

    Selbstverständlich handelt jeder so, wie er/sie es für richtig hält - solange ich im Auge behalte, dass ich mit meinen Gefühlen nicht die Zentralfigur bin.

    ... Regenwurm - es kann gut sein, dass *wir* unterschiedlich mit bestimmten Situationen umgehen - jeder eben so, wie er es für *passend* hält ...





    Ich bin da eher für den Schritt *nach vorn* (mit ein paar ehrlich gemeinten und einfühlsamen Worten - keine lange Rede) ... .

    ... Und: ich kann mir vorstellen, dass es für den Vater tröstlich sein könnte wenn er spürt, dass seine Tochter nicht vergessen ist ... .

  4. #14

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    1.760

    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    Kondoliere auf jeden Fall.

    Vielleicht nicht gerade wenn ihr in einer großen Gruppe steht, aber wenn es ruhig ist....

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, es tut gut wenn Menschen den Verlust anerkennen und nicht totschweigen.
    Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.
    Karl Valentin

  5. #15
    Moderation Avatar von lunete
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    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    Vielen Dank für eure Antworten und Erfahrungsberichte.

    Es ist wirklich nicht einfach!

    Ich werde die Situation auf mich zukommen lassen und schauen, was sich ergibt.

    Meine Skrupel beziehen sich hauptsächlich auf die auch hier genannten Punkte: dass es mich unbotmäßig ins Zentrum stellen könnte und dass ich eigentlich zu weit weg bin von einer wirklich persönlichen Betroffenheit.
    Denn ich denke auch, dass Beileidsbekundungen nicht nur in eine Richtung laufen und auf den Empfänger ausgerichtet sind, sondern dass sie immer auch den Befindlichkeiten des Kondolierenden Raum geben.
    Gerade weil das Unglück so viel Aufmerksamkeit erfahren hat (die Todesnachricht kam in der Tagesschau), haben sich so viele gänzlich Unbeteiligte bei ihnen gemeldet (das konnte ich damals auf Facebook sehen) - und das fand ich sehr unangebracht. Mir schien nämlich, dass über die Teilhabe am Leid von Fremden hauptsächlich eigene Probleme abgearbeitet wurden bzw. auch das eigene Einfühlungsvermögen über Gebühr präsentiert wurde. Das schien mir fast den gleichen Effekt zu haben wie "Heulfilme" (entschuldigt die Parallele), die man auch schaut, um einen eigenen Gefühlsstau loszuwerden - nur da es real war, war es noch "besser".

    Morgen muss ich eine Studentin prüfen, die den eigentlichen Termin versäumt hat, weil ihre Mutter gestorben ist. Da bin ich auch etwas nervös, da ich nicht einschätzen kann, wie sie die Prüfungssituation händeln wird und ob ich da in jedem Fall angemessen und professionell reagieren kann.
    Kondolieren werde ich ihr wohl, da der Trauerfall ja einen direkten Einfluss auf unsere professionelle Beziehung hatte, aber erst nach der Prüfung und ihr auch alles Gute wünschen.
    Was meint ihr?


    Lunete

  6. #16

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    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    Was den Vater der ehemaligen Schulkameradin angeht: Ich würde ihn zu Beginn des Treffens bgegrüßen und noch mal kurz in Erinnerung bringen, wer du bist.... 15 Jahre sind eine lange Zeit und vielleicht kann er dich nicht gleich zuordnen. Ich würde es etwa so formulieren: Ich bin...., ich war im Jahr 19xx mit ihrer Tochter in einer Klasse. Ich habe sie damals sehr gemocht und es tut mir leid, dass sie auf so tragische Weise ums Leben gekommen ist.
    Damit würde ich's gut sein lassen. Es sei denn, du hast den Eindruck, der Vater hat das Bedürfnis nach einem längeren Gespräch.

    Was die Studentin angeht: Erst die Prüfung durchziehen, dann kondolieren und gratulieren.... finde ich etwas daneben. Ich kenne den Zeitrahmen nicht. ABer es gibt doch sicher vor der eigentlichen Prüfung ein paar Minuten Zeit, um zu sagen: Es tut mir leid, dass Sie Ihre Mutter verloren haben. Wie fühlen Sie sich jetzt?... - und dann die Prüfung.

  7. #17

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    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    lunete, das weiterleben, das leben überhaupt ist die grösste herausforderung nach so einem ereignis. mann soll seine existenz als xy leben, aber wird nur mehr als "mein beileid" angesprochen, oder als "das ist der vater von der schrecklichen leiche, weisst eh". wie soll man wieder werden, wenn man nicht mehr wahrgenommen wird?

    vor dir steht herr xy, er war auch vater, er ist auch ehemann, er ist auch gemeindemitglied.
    begrüsse ihn einfach freundlich, und tritt mit ihm, wenn es sich ergibt, ins gespräch.
    lg
    legrain

  8. #18
    Avatar von tired-pony
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    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    Mir ging es selbst so, dass ich schon wenige Wochen nach dem (nicht so öffentlichen) Tod meines Mannes nicht mochte, wenn dann jemand noch mit trauerumflortem Blick kondolierte. Legrain hat das gut beschrieben, ich hatte da ja schon angefangen, mich dem Leben zu stellen. Zum Kondolieren war die Zeit da, zwischen Tod und Beerdigung. Das war auch die Zeit in der ich schwarz trug und meine Trauer eben öffentlich zeigte.

    Aber es bedeutet mir bis heute - über 20 Jahre danach - sehr viel, wenn sich jemand zu erkennen gibt, als jemand, der meinen Mann kannte. Und dann so etwas sagt: ich bin der und der und ich habe mit A. dieses und jenes erlebt. Das war so ein netter Kerl... Meistens ergibt sich dann ein Gespräch. Ganz ohne Beileidsbekundungen. Denn die gab es ja, gerade bei einem öffentlichen Unglück, schon mehr als genug.

    Gerade haben wir in unserer Stadt auch eine mehrtägige Trauerbeflaggung. Jetzt ist die Zeit um zu Kondolieren oder mit Geld zu helfen oder an einer öffentlichen Trauerveranstaltung teilzunehmen. Begegnet man den Angehörigen in ein paar Jahren vielleicht zum ersten Mal persönlich, können sie davon ausgehen, dass man von ihrem Schicksal weiß. Man muss es dann nicht extra erwähnen - kann aber über die Toten nett sprechen, sofern man sie kannte.
    Hinterher ist man immer älter...

  9. #19
    Avatar von Antje3
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    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    Ich denke, ich würde schon etwas sagen - in der Art: Ich denke immer noch oft an ihre Tochter, meine Schulkameradin. Allerdings eher in einem Moment, wo man mal ohne großes Publikum allein zusammen steht.

    Ich fände es an seiner Stelle tröstlich zu erfahren, daß sein Kind nicht vergessen ist.

    Das klassische Kondolieren - das würde ich jetzt nach 3 Jahren nicht machen.

    Antje
    Wer glaubt, daß Abteilungsleiter Abteilungen leiten, glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten..

  10. #20
    Avatar von Tulipali
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    AW: nach drei Jahren kondolieren?

    Ich kann durchaus nachvollziehen, dass einige hier die Frage danach aufwerfen, aus welchen Motiven man in einem solchen Fall kondoliert und ob da vielleicht sogar eine Art Geltungsdrang dahinter steht. Regenwurm meinte ja in dem Zusammenhang, man solle sich selbst nicht so wichtig nehmen und daran denken, dass man selbst in diesem Fall nicht die Zentralfigur ist.

    Aber - ganz ehrlich - hat hier irgendjemand den Eindruck, Lunete wäre geltungsbedürftig und würde sich zu wichtig nehmen? Ich lese hier von einer jungen Frau, die ehrlich betroffen ist vom Tod einer anderen jungen Frau, die sie noch dazu kannte und mochte. In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn sie das nicht zum Ausdruck bringen darf? Ich wäre ja auch vorsichtig, den Vater in einem fröhlichen Umfeld bei einer Feier anzusprechen, gerade wenn man nicht genau weiß, wie er den Verlust verarbeitet hat. Deshalb würde ich eben abwarten und in der konkreten Situation auf meinen Instinkt vertrauen. Aber warum man nicht in einem Brief seine Gefühle ausdrücken darf, die Verstorbene noch einmal würdigen als jemanden, der in netter, guter Erinnerung bleibt - das bleibt mir ein Rätsel. Niemand, außer den Betroffenen selbst, kann wirklich mitfühlen, wie schrecklich es ist, sein Kind zu verlieren und da gibt es wohl wirklich wenig Trost. Aber wenn überhaupt, dann ist es doch sicher ein Trost, dass das Kind auch bei anderen nicht vergessen ist und dass es noch Anteilnahme gibt in einer Gesellschaft, in der man erwartet, dass Angehörige nach einem Unglück schnell wieder zur Tagesordnung weitergehen und bspw. so bald wie möglich die versäumte Prüfung nachholen...

    Und damit zum nächsten Thema: Ich verstehe, Lunete, dass Du den Prüfling schützen willst, in dem Du sie erst hinterher auf ihre Mutter ansprichst. Mich persönlich würde es als Prüfling in dieser Situation allerdings vermutlich im Vorfeld beschäftigen, ob Du von der Situation wohl weisst und ob Du es ansprichst und wie ich dann ggfs. darauf reagiere (ob ich mich im Griff habe etc.). Deshalb würde es bei mir sicher etwas Druck aus der Situation nehmen, wenn Du mich gleich am Anfang relativ neutral und sachlich ansprechen würdest, ohne wirklich in ein Gespräch einzusteigen. Ungefähr so: "Es tut mir leid, dass wir Ihre Prüfung verschieben mussten und vor allem natürlich der Grund dafür. Aber ich denke, es ist auch in Ihrem Interesse, wenn wir die Prüfung nun einfach so durchführen wie sie bei Ihren Kommilitonen auch abgelaufen ist. Ich würde daher gerne beginnen mit dem Thema XY..." Wenn Du möchtest, kannst Du ja hinterher noch ein paar persönliche Worte verlieren...

    Liebe Grüße
    Tulipali
    Wenn Du einen Menschen ohne Lächeln triffst... schenk ihm einfach Deines!

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