Ist es wirklich so übel?
Ich mein, von der Ärztin eine Tüte Infomaterial *mit allem* zu erhalten, was werdende Eltern erfahrungsgemäss so interessiert, ist ja wohl noch nichts Tragisches. Auch wenn ein (je nach Neigung unterschiedlicher) Teil der empfohlenen oder diskutierten Sachen wohl bei allen Leuten aus diesem oder jenem Grund nicht in Frage kommt.
Und sonst sagt's man halt und gut ist - oder meidet Orte, falls es penetrant wird. Ich mach im Winter ja auch routinemässig einen grossen Bogen um alle Institutionen, die versuchen, mir diese meiner Meinung nach total überflüssig und hirnrissige und nicht nur nutzlose sondern kontraproduktive Grippeimpfung aufzuschwatzen... aber wer will, soll das doch machen;Was mir dazu an Werbung in die Finger kommt, ignoriere ich einfach.
grüsse, barbara
Nö, tragisch nicht, nur kurios, dass solche Dinge in sich seriös gebenden Zeitschriften drin stehen. Die Geschichte mit der Förderung der Erbgutübertragung kam allerdings von meiner Ärztin - das hat mich dann schon schockiert! Und obwohl ich mich vorher immer gut betreut gefühlt habe, mag ich da jetzt kaum noch hin.
Normalerweise meide ich solche Orte auch. Ich habe aber das Gefühl, dass das in der Schwangerschaft viel schwieriger ist als sonst. Irgendwie scheinen (werdende) Mütter, Hebammen usw. ganz besonders empfänglich für so esoterisches Zeug zu sein.
Auch wenn da jetzt wohl einige nicht einverstanden sein werden: es gibt in der Tat seriöse und wirkungsvolle Behandlungsmethoden und Therapien ausserhalb von dem, was an Universitäten den zukünftigen Doctores medicinae gelehrt wird.
Das alles in die Schublade "esoterisches Zeug" zu stopfen und zuzuschlagen, wird mE der Sachlage nicht gerecht.
Ich finde es verständlich, dass werdende Mütter ihrem Baby keine chemischen Keulen zumuten wollen, wenn irgend möglich, und darum nach besser verträglichen Alternativen suchen.Normalerweise meide ich solche Orte auch. Ich habe aber das Gefühl, dass das in der Schwangerschaft viel schwieriger ist als sonst. Irgendwie scheinen (werdende) Mütter, Hebammen usw. ganz besonders empfänglich für so esoterisches Zeug zu sein.
Es ist ja auch nicht aussergewöhnlich, dass Frauen wenig Probleme haben, Alkohol zu trinken oder zu rauchen, solange es um sie selbst geht, aber abstinent leben während der Schwangerschaft und Stillzeit, um das Kind zu schützen. Evolutionsmässig betrachtet, gibt's da auch eine gewisse Logik: denn jene Frauen, die ihr Kind nicht schützen und keinen Wert darauf legen, haben weniger Fortpflanzungserfolg und deren Charakteristiken sind im menschlichen Erbgut weniger vertreten.
grüsse, barbara
Die sinnvolle Alternative zu Homeopathie ist in den von mir tagtäglich beobachteten Fällen an kleinen Kindern keineswegs die chemische Keule sondern einfach - hm - nix. Ein Eisbeutel vielleicht oder ein Pflaster oder einmal fest in den Arm nehmen.
Den Kindern wird durch diese Kügelchen vermittelt, dass man gegen jeden Kleinkram was nehmen muss. Wenn es dumm kommt schmeißen die später ähnlich bedenkenlos echte Medikamente ein. Ich finde das nicht harmlos sondern fahrlässig und gefährlich.
Nur das das erst seit wenigen Jahrzehnten bekannt ist - von daher eher nicht gar so wahrscheinlich, das das jetzt evolutionsmäßig die Brüller-Auswirkungen hatte. Noch in den Sechzigern, Siebzigern haben Schwangere lustig weiter gequarzt, wenn sie denn Raucherinnen waren.
Das schon Babies zum Osteopathen müssen, ist ja auch eine ganz neue Erkenntnis.
Ich dachte eher, das wäre was für meinen Jahrgang, also so ab 50 ?
"Lieber der Kopf einer Fliege als der Schweif eines Löwen !" (Victor Hugo)
Naja, ich finde schon, dass es einen Unterschied macht, ob man sich in der Schwangerschaft gesund ernährt, nicht raucht und trinkt, Medikamente wo es geht meidet oder eben Babymatratzen nach Erdmagnetfeldkriterien kauft, Mittelchen für die gute Erbgutübertragung nimmt, Namen auspendelt usw.
Ich bin sicher kein Verfechter der Chemiekeule beim erste Wehwehchen, aber es erstaunt zuweilen zu sehen, wie vorher eher rational handelnde Frauen sich plötzlich mit allerhand Voodoo umgeben. Und ich möchte von professionellen Kräften (Ärzten, auch Hebammen) nicht mit solchen Dingen belästigt werden nachdem ich ihnen einmal mitgeteilt habe, dass ich daran eh nicht glaube.
PS: eine Freundin hat einen kreativen Umgang mit diesen Dingen gefunden: Sie gibt bei aufgeschürften Knien auch "Globuli" - Schokolinsen der Marke M&M. Wirkt genauso gut wie dich echten, richtet vermutlich auch keinen größeren Schaden an.
Voodoo ist eine vor allem in der Karibik beheimatete Religiosität, die hierzulande ausser den Leuten aus der Karibik auch kaum jemand praktizieren dürfte.
Voodoo
Im Sinne eines respektvollen Umgangs mit Menschen anderer Weltanschauung halte ich es für ungünstig, den Begriff Voodoo als Synonym für "abergläubischen Unsinn" zu verwenden.
Ob jemand glaubt oder nicht, kann ja wohl kaum die Frage sein.
Die Frage muss sein: Gibt es ein besonderes Bedürfnis oder gesundheitliches Problem, das mit Tee, Knuddeln und "heile heile Segen"singen nicht abgedeckt wird?
Und dann: funktioniert die Behandlungsmethode, oder funktioniert sie nicht?
Und bei unterschiedlichen Optionen, die alle funktionieren: wie ist das Preis-Leistungsverhältnis? - wobei unter "Preis" nicht nur das Geld kommt, sondern auch die langfristigen Folgen, die Zeit, die aufgewendet werden muss, der Verbrauch elterlicher Nerven etc..
grüsse, barbara
Barbara, und das ist nicht böse gemeint, ich möchte hier keine Diskussion darüber lostreten, ob alternativmedizinische Verfahren nun wirken oder nicht. Auch was Voodoo im Originalsinne bedeutet ist mir bekannt. Trotzdem ist es inzwischen durchaus üblich es umgangssprachlich im von Dir kritisierten Sinne zu benutzen. In einem Vortrag über Religiosität in der Karibik würde ich das sicher nicht tun.
Wenn ich zu einem niedergelassenen Arzt gehe, der nicht Homöopathie auf dem Türschild stehen hat, erwarte ich, schulmedizinisch behandelt zu werden. Wenn er mir trotzdem so etwas anbietet, sollte er respektieren, dass ich sage "tut mir leid, ich glaube nicht an die Wirkung x-fach verdünnter Wirkstoffe" und es zukünftig sein lassen. Wenn ich in einen Geburtsvorbereitungskurs der Uniklinik gehe genauso. Wenn ich ein durchschnittliches Elternmagazin in die Hand bekomme, erwarte ich, dass über Alternativmedizin berichtet wird wie auch über Schulmedizin. Was ich nicht erwarte ist, dass völlig diskussionslos behauptet wird, dass Federkernmatratzen wegen des Metallgehaltes nicht gekauft werden sollten.
Was mich stört ist, dass ich mich in meinem vorschwangerschaftlichen Leben diesen Dingen ganz gut entziehen konnte, nun aber plötzlich von allen Seiten damit bombadiert werde - als hätte ich mit der Schwangerschaft meine Ratio an der Krankenhauspforte abgegeben.
PS: Bei vielen Dingen ist mir noch nicht einmal klar, wofür das gut sein soll, so z.B. die hier erwähnten Plastikbernsteinketten, wofür sind die da?
Pia, das ist erst der Anfang. Wenn du schwanger bist, fühlt sich Hinz und Kunz berufen, ungefragt Rat zu erteilen. Ist das Baby erst einmal da, geht das leider weiter. Da muss man dann gut aufpassen, auf der einen Seite offen zu bleiben (man ist ja unsicher) und auf der anderen Seite ganz klar seine Grenzen aufzuzeigen und nötigenfalls sich die Einmischungen zu verbitten. Und wahrscheinlich wird sich dieser Trend forsetzen, je weniger Kinder geboren werden.
Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.
Marie von Ebner-Eschenbach
Moderatorin für:
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