Nee, ich meinte Teilnehmerin. Eben nicht Zuschauer. Diese Vernetzung quasi a jour, also zeitgleich und unabhängig von einem bestimmten Ort, wo man sein muss, gibt einem das Gefühl, wirklich dazu zu gehören. In dem Moment, wo Du überall und von jedem Ort aus mit jedem auf der Welt in Kontakt treten kannst, bist Du Teil der Welt.
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You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
Nein, das stelle ich auch sehr in Frage. Mit dem TV oder dem Telefon oder dem Internet wurde man auch nicht Teil der großen Welt und "ein Gefühl" man sei es durch die Vernetzung, heißt ja noch nicht, dass man es wirklich ist. Zumindest nicht mehr oder anders als vorher. Wenn ein virtueller fatzebuck-Freund oder irgendein Promi twittert, er habe gerade Blähungen dritten Grades und I like that, ist das ja keine Teilhabe an der Welt. Sondern eine Zustimmung zu Blähungen von irgendjemand.
Das Gefühl, Teilnehmer der Welt zu sein, ist vielleicht ein Marketingtrick der "sozialen Netzwerke" und das trägt so lange bis der Suchtfaktor zuschlägt. Dann hat man den Marketingtrick integriert und glaubt es selbst.
Solte man mal im Notfall übers Netzwerk sehr schnell informiert werden, besser die Koffer zu packen weil ein Unglück über den eigenen Wohnort hereinbricht oder zu einer (meinetwegen auch weltbewegenden) Demonstration / Revolution aufgerufen werden, ist man deswegen auch nicht "Teilnehmer der Welt", sondern einfach (gut) informiert und im schlechten Fall Opfer der Gruppendynamik.
"Teilnehmer der Welt" - was soll das denn sein? Ein größenwahnsinniges, technikhöriges Attribut oder etwas, was jeder in seinem eigenen Rahmen sowieso von Geburt an ist?
Ne. Damit wird mir die ganze Sache noch suspekter.
Das gleicht ja langsam einer Götzenanbetung.
Wir sind in einem technischen Zeitalter, indem mehr möglich ist und noch mehr möglich sein wird. Technisch, informativ, vernetzt. Auch emotional kann man sich dadurch eine Menge abholen (oooh, geil, wie viele meinen, ich bin toll). Das gilt auch für den Müll, der dadurch verbreitet wird (Fehlinfo, Falschinfo, Mobbing, Blähungen).
Ich frage mich, warum immer mehr wissen müssen, wer was wann wo macht, incl. Fotodoku. Mit SMS und Mail hat man auch schon viel rausposaunt, was vorher niemanden interessiert hat. Mit fatzebook verselbständigt sich quasi das eigene Adressbuch. Meinetwegen geht es um irgendein noch unentdecktes Gefühl dabei. Aber damit ist das ein Selbstzweck. Oder eine Form der Selbstbefriedigung. Und an dem Punkt "nimmt die ganze Welt teil". Also die zumindest, die mit dabei sind. Die ganze Welt ist es sowieso nicht, die sich da selbstbefriedigt, schreibt, liest, reagiert, sich dabei gut gfühlt. Schon wieder Größenwahnsinn.
Warum denn Trio? Ich dachte, wir sind zu dritt!
(der unvergleichliche Oliver Kalkofe)
Ich gebe dir 100-prozentig recht. Die digitale Dokumentation der Wirklichkeit - als Beweis der eigenen Existenz? - wird wichtiger als die Wirklichkeit selbst.
Wie kann man ein Konzert genießen, wenn man sich ständig Sorgen macht: "Hmm, schlechte Lichtverhältnisse... Habe ich dieses tolle Gitarrensolo jetzt auch wirklich gut drauf, damit es meine Facebook-"freunde" später bewundern können? Denn ich will den Film noch heute abend online stellen!" Und schwups, ist das Solo vorbei.
"Egal... ich kann es mir ja immer wieder auf dem Bildschirm angucken"... denkt man! Aber das ist etwas anderes als live. Der Sound, das Licht, die Stimmung, die Menschen um einen herum, das Jubeln, Herzklopfen, Mitklatschen, die Duftmischung aus Parfüm, Schweiß und Euphorie - das kann KEIN Film wiedergeben, und sei er auch noch so gut gemacht.![]()
Geändert von Iceman0905 (24.11.2012 um 11:35 Uhr)
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Kari Bremnes
Für mich kommt das auf die Situation an, und in der von mir geschilderten Situation hatte das eindeutig etwas von "angeschlossen an der Matrix". Für mich war in dem Moment die Realität sehr viel interessanter und schöner als die virtuelle Welt. (Meinen Kindern ging das zum Glück genauso!) Etwas anderes wäre es, wenn wir z.B. auf dem Flughafen stundenlang auf einen verspäteten Flieger warten müssten und schon alles gemacht hätten, was es dort Interessantes zu tun gibt.
Und ich beschäftige meine Kinder lieber dadurch, dass ich sie in das Geschehen einbeziehe. Anstatt sie mit einem Gerät zu betäuben (ich weiß, etwas provokativ ausgedrückt).
Langeweile kann man auch mal eine Zeitlang aushalten lernen. Man kann daraus etwas machen und gute Ideen entwickeln, anstatt sich sofort berieseln zu lassen und eigene Gedanken zu verjagen. Was spricht denn dagegen, das Warten aufs Essen auch mal mit Gesprächen zu überbrücken (sofern man nicht alleine ist)?
Ich will gar kein Dogma daraus machen, ich habe ja selbst ein Smartphone. Aber ich sehe schon, dass die maßvolle und kontrollierte Nutzung sehr schwer fällt - auch Erwachsenen. Für mich hat das wirklich Züge von "Matrix" angenommen. Und das empfinde ich als einen unguten Trend.
Geändert von falbala7 (26.11.2012 um 09:08 Uhr)