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  1. #61

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    AW: Unser Gesundheitssystem

    Zitat Zitat von Nocturna Beitrag anzeigen
    Ich würde dann natürlich eine Zusatzversicherung abschließen wie jetzt schon für die GKV möglich, um die fehlenden Leistungen die ich vermisse (Chefarzt, Einzelzimmer, neue Medikamente, Behandlungsmethoden usw) wieder zu erlangen. Ich gehe davon aus, dass diese Patienten von Ärzten und Krankenhäuser dann auch wieder bevorzugt werden, wofür ich aber persönlich nix kann.
    Nein, Gottswillen! Ich bin bei der Barmer und habe auch eine Zus.vers. laufen. - Meine Kritik geht dahin, dass ich sie überhaupt brauche, obwohl ich monatlich nicht wenig für die Kasse zahle.

    Vielleicht wird sich in der Kostenstruktur was ändern, an der unterschiedlichen Behandlung von Menschen sicher nicht.
    Das fürchte ich auch, Nocturna. Deswegen kann man trotzdem weiter über Verbesserungen nachdenken.

    Zitat Zitat von Faelschung Beitrag anzeigen
    Die Summe von 200 000 € pro Arzt im Durchschnitt beziehen sich auf den Umsatz, da geht noch ein ordentliches Sümmchen an Gehältern, Miete, Material , Geräte usw. ab.
    IGEL-Leistungen aber wieder dazu.

    Wenn die niedergelassenen Ärzte so reich werden würden durch die GKV-Patienten, wie immer von den Krankenkassen und Politikern propagiert wird, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass , wenn Sie schlau sind, gesetzliche versicherte Patienten bevorzugen würden bei der Terminvergabe.
    Schlauschlau.^^
    Seltsam, dass es vor 20 Jahren auch schon so war, als Ärzte noch nicht mit jedem Cent rechnen mussten.
    Der größte Aberglaube ist der Glaube an die Vorfahrt. Jacques Tati

  2. #62

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    AW: Unser Gesundheitssystem

    Zitat Zitat von Faelschung Beitrag anzeigen
    Ein Hautarzt erhält durchschnittlich 19 € pro Patient im Quartal pro GKVersichertem für all inclusive von den Krankenkassen. Also bei 3 maligem Aufsuchen pro Besuch ca. 6 €, daß hier die GKV Patienten zurückstehen bei der Terminausgabe ist klar, oder.
    Jaja, schon richtig, aber wer erhält denn schon als Kassenpatient 3 Termine im Quartal?

    Zitat Zitat von Faelschung Beitrag anzeigen
    Außerdem sind alle budgetiert, nur eine bestimmte Summe von Patienten wird bezahlt. Das will keiner hören. Sollen die reichen Ärzte doch umsonst behandeln.
    Immer wieder die gleiche Leier!! "Umsonst" zu arbeiten hat keiner verlangt!!
    Aber sie sollen ihren berechtigten (!) Unmut an den Richtigen auslassen und nicht am Patient!

    Zitat Zitat von Faelschung Beitrag anzeigen
    Die Summe von 200 000 € pro Arzt im Durchschnitt beziehen sich auf den Umsatz, da geht noch ein ordentliches Sümmchen an Gehältern, Miete, Material , Geräte usw. ab.
    Freilich! Das habe ich ja gesagt. Trotzdem: Ärzte haben im Schnitt ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 123.000 Euro. Also brutto 10.000 Euro im Monat.
    Da gibt es schon noch ein paar Leute im Land, die nicht so gut verdienen, oder?

    Zitat Zitat von Faelschung Beitrag anzeigen
    Wenn die niedergelassenen Ärzte so reich werden würden durch die GKV-Patienten, wie immer von den Krankenkassen und Politikern propagiert wird, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass , wenn Sie schlau sind, gesetzliche versicherte Patienten bevorzugen würden bei der Terminvergabe.
    Reine Polemik. Das hat niemand behauptet. Immerhin finanzieren die GKV-Versicherten den absoluten Löwenanteil des Gesundheitswesens, die Krankenhäuser, die Gerätschaften, das Personal und das Rettungswesen. Und wir finden einfach, dass man sie nicht dafür auch noch schäbig (im Sinne von benachteiligend) behandeln dürfte.

    Wie sehr manche Ärzte die Realität aus den Augen verloren haben, zeigt der "Abschiedsbrief" eines seine Praxis aufgebenden Arztes an seine Patienten.

    Lasst Euch mal angesichts der knappen Kassen, die wir trotz hoher Beiträge, die viele nicht mehr aufbringen, heute haben, auf der Zunge zergehen, was dieser Arzt bekrittelt und was er erwartet hätte.
    Und dann soll mir mal ein Arzt/eine Ärztin erklären, wie man diese Wünsche hätte erfüllen können.

    Ich könnte aber auch das Beispiel eines angehenden Mediziners nehmen, der sich auch für 10.000 Euro mtl. FESTgehalt nicht auf ´s Land bemühen würde, weil es da lauter NPDler gäbe und keine Infrastruktur. Er argumentiert nicht mit dem kargen Einkommen oder dem hohen Arbeitseinsatz, nein, die Infrastruktur stimme nicht.
    Und nun soll mir mal ein Arzt/eine Ärztin erklären, wie man diese Wünsche erfüllen könnte.

  3. #63
    Avatar von Schokomilch
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    AW: Unser Gesundheitssystem

    Blairwitch, ich meine das jetzt überhaupt nicht angreifend oder zynisch oder sonstwie, sondern ganz neutral:

    was ist an dem Brief so schlimm? Welche Erwartungen findest Du genau überhöht?

    und was genau ist schlimm daran, wenn jemand sagt, trotz der vielen Kohle will ich auf gar keinen Fall aufs Land ziehen, sondern in der Stadt bleiben?

  4. #64
    Avatar von Schokomilch
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    AW: Unser Gesundheitssystem

    Achja, das Wichtigste vergessen: und WO gibt es 10.000 Euro Festgehalt? Ist die Stelle noch zu haben? Ich mag das Land.....

  5. #65

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    AW: Unser Gesundheitssystem

    Die Diskussion mit den 10.000 Euro Festgehalt war eine reine Hypothese. Allerdings basteln wir daran - wie bereits beschrieben - aufgegebene Praxen aufkaufen zu können und dann zu verpachten.
    Eine Option dabei wäre u.U. auch, einen Arzt zu einem Festgehalt anzustellen.

    Man kann niemandem einen Arbeitsplatz aufzwingen, obwohl da mancher Normalsterbliche auch nicht viel Wahlmöglichkeiten hat. Aber eine super dotierte Stelle ablehnen zu können, weil unerfüllbare (!) Forderungen gestellt werden, deutet zumindest auf Größenwahn hin. Offenbar geht es einigen Ärzten noch immer zu gut.
    Auf absehbare Zeit fällt die sog. "Residenzpflicht" sowieso, die bisher verlangt hat, dass der Arzt da zu wohnen hat, wo er auch praktiziert.

    Mich persönlich fuxt aber auch die Chuzpe, sich sein Medizinstudium von dem finanzieren zu lassen, dem man hinterher in den Hintern tritt und mehr oder weniger zu verstehen gibt, dass er halt schauen muss, wo er mit seinen Wehwehchen bleibt.

    Der Abschiedsbrief ist doch grotesk, finde ich. Erstens hat da doch einer einen Verfolgungs- und Größenwahn, wenn selbst Entscheidungen von Sozialgerichte infrage gestellt werden, wenn man von ehrlosen und schamlos lügenden Kassenvertretern spricht, die doch in Wahrheit nichts anderes tun, als den Vertrag mit dem Versicherten zu erfüllen.
    Der Überklopper finde ich aber ist die Vorhaltung, es würde dem Arzt unmöglich gemacht, dem Patienten "uneingeschränkt" (sic) zu helfen!! Ja, haben wir denn "uneingeschränkte" finanzielle Mittel dafür??

    Dass der Mann offenbar die letzten 20 Jahre irgendwie verpennt haben muss, zeigt sich dann im Satz darauf, wo er sich über das "zynische Erzwingen von Kostenersparnis..." auslässt. Was will der denn?? Freien Zugang zu den Goldreserven der USA??

    Und wär ´s nicht so traurig, könnte man sich über sein Lamento bzgl. der "englischen Schlagworte", durch die er sich gegängelt fühlt und der "computergesteuerter" Nichtärzten fast schief lachen.

    Sorry, solche Leute kann ich nicht ernst nehmen. Im Kontext mit all den Statements von Ärzten und Medizinstudenten, die ich im Zusammenhang mit meiner politischen Arbeit so lesen muss, passt das Geschreibsel aber ins Bild
    Geändert von Blairwitch (10.02.2012 um 16:09 Uhr)

  6. #66
    Avatar von Opelius
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    AW: Unser Gesundheitssystem

    Zu dem Thema "Ärzte aufs Land":
    ich wohne in einer Kleinstadt und kann mich nicht über Ärztemangel beschweren. Aaaaber, um diese Kleinstadt gibt es einen Gürtel von fast 50 km dörfliche Strukturen. Die letzten Landärzte sind im wesentlichen in dem Alter, wo sie nicht mehr arbeiten dürfen (wenn nur vertretungsweise). Praxen stehen leer, Nachfolger nicht in Sicht. Bürgermeister haben bei der kassenärztlichen Vereinigung nachgefragt, ob sie die Praxen übernehmen dürfen und an jüngere Ärzte vermieten dürfen - zu attraktiven Bedingungen, damit ein Nachfolger kommt. Nein, geht nicht! Allein die kassenärztliche Vereingung darf die Verteilung der Ärzte übers Land vornehmen.

    Das hat kostenspielige Konsequenzen: wird ein Dorfbewohner außerhalb der Sprechzeiten eines Arztes bei uns in der Kleinstadt krank, so kann er den ärztlichen Notdienst anrufen. Der ist inzwischen in Nordrhein-Westfalen nur noch unter einer einzigen zentralen Rufnummer zu erreichen - entsprechend lange Wartezeiten am Telefon, keine Information, wann der Arzt kommen kann (Können die am Rhein ja auch nicht wissen, wenn der Einsatz in Ostwestfalen-Lippe zu erfolgen hat).
    Also rufen die Menschen die 112 an, dann fährt ein Notarzt und ein Rettungswagen raus. Ich sehe abend von meinem Fenster in 10-Minutenabstand das Blaulicht in Richtung Dörfer fahren. Allein der Rettungswagen kostet pro Einsatz 350 €.
    Irgendwie ein Irrsinn.
    Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass - sondern Angst.

  7. #67
    Avatar von Nocturna
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    AW: Unser Gesundheitssystem

    Zitat Zitat von Blairwitch Beitrag anzeigen
    Man kann niemandem einen Arbeitsplatz aufzwingen, obwohl da mancher Normalsterbliche auch nicht viel Wahlmöglichkeiten hat. Aber eine super dotierte Stelle ablehnen zu können, weil unerfüllbare (!) Forderungen gestellt werden, deutet zumindest auf Größenwahn hin. Offenbar geht es einigen Ärzten noch immer zu gut.
    Der Arzt ist neben seiner Berufung auch Unternehmer. Als solcher hat er eine lange Ausbildung hinter sich, Bestnoten vorausgesetzt, die ihm den Zugang zum Studium überhaupt erst ermöglichen und eine ziemlich entbehrungsreiche Zeit (Schicht/Wechseldienst) bis er mal die Rahm von der Milch abschöpfen kann. Und du meinst, er soll das für 4000 Euro netto machen?

    Ich würde es nicht tun, nicht mit dieser Arbeitsbelastung und der Last dieser Verantwortung. Ich habe kein Problem damit, wenn Ärzte gut verdienen. Wer Neid hat, möge selbst Arzt werden.
    Kinder sind das Einzige, was in einem modernen Haushalt noch mit der Hand gewaschen werden muss.

  8. #68

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    AW: Unser Gesundheitssystem

    ..ob sie die Praxen übernehmen dürfen und an jüngere Ärzte vermieten dürfen - zu attraktiven Bedingungen, damit ein nachfolger kommt. Nein, geht nicht! Allein die kassenärztliche Vereingung darf die Verteilung der Ärzte übers Land vornehmen.
    Das ist korrekt. Die Kassenärztliche Vereinigung hat von den Krankenkassen den "Sicherstellungsauftrag" und ist deshalb für eine flächendeckende und lückenlose ärztliche Versorgung verantwortlich. Die KVen kommen diesem Auftrag aber nicht ausreichend nach, weshalb ich für eine Abschaffung dieser Selbstverwaltung der Ärzteschaft bin.
    Zum Rettungswesen: Es gibt unterschiedliche Lösungen in den BL. In BaWü muss ein "Ersthelfer" (meist ein Rettungssanitäter) binnen 15 Minuten beim Patienten sein. In NRW gelten bestimmt ähnliche Zeiten.
    Sollte das nicht gewährleistet sein, empfehle ich dringend eine Petition einzureichen.
    Leider habe ich auch schon öfter diesen Rettungsdienst benötigt und muss sagen, dass das bei uns absolut super funktioniert, wenngleich auch bei schwereren Fällen dann u.U. 3 Einsatzfahrzeuge vor der Tür stehen könnten. Den Bereitschaftsarzt über die Rettungsleitstelle zu erfragen, funktioniert aber wegen monetärer Zankereien NICHT und auch das kann lebensgefährlich sein.

    @nocturna
    Ich bereue auch, dass ich das Medizinstudium an mein Studium nicht drangehängt habe. Nun bin ich zu alt dafür.
    Geändert von Blairwitch (10.02.2012 um 16:54 Uhr)

  9. #69

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    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Ich sehe abend von meinem Fenster in 10-Minutenabstand das Blaulicht in Richtung Dörfer fahren. Allein der Rettungswagen kostet pro Einsatz 350 €.
    Dann werden sie ins KH gebracht, wo auch riesig mehr Kosten entstehen.

    Bei uns auf dem Land mit relativ guter Versorgung an Ärzten wirst du aber auch nur noch die älteren Vertreter finden, die zum Patienten kommen, und da auch nur im engeren Radius. Die meisten verweisen per AB auf Notdienste.
    Der größte Aberglaube ist der Glaube an die Vorfahrt. Jacques Tati

  10. #70

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    AW: Unser Gesundheitssystem

    Zynisch an manchen Ärzten, z.B. dem Schreiber des Abschiedsbriefs, finde ich die Haltung, dass man zwar auf Selbständigkeit pocht und sich nix dreinreden lassen möchte, andererseits die Risiken freien Unternehmertums nicht eingehen will. Ich glaube nicht, dass es noch eine Berufsgruppe mit ähnlichen Ansprüchen gibt.
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