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  1. #1
    annaaa
    gelöscht

    Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Hallo,

    ich habe ein großes Problem, das mich momentan selbst extrem runterzieht. Ich hole mal etwas aus.

    Seit 2 Jahren wohne ich in meiner Wohnung, im 4. Stock. Im 1. Stock ist mir schon von Anfang an ein hübscher junger Mann aufgefallen, aber es hat sich nie etwas ergeben. Dann, vor etwa 4 Monaten, hat es geklingelt und ein kleines Märchen ist wahr geworden: Er hat mich zum Essen eingeladen, wir haben uns toll verstanden, alles war bestens, noch an dem 1. Abend gab es nach einem romantischen Hafenspaziergang den ersten Kuss. Wir waren sofort ein Paar, alles war klar. Nach 2 Wochen hatte ich seinen Wohnungsschlüssel. Nach einem Monat fielen schon die berühmten 3 Worte - und das völlig reflektiert, mit einem anschließendem Gespräch, dass wir beide das nie(!) einfach so sagen würden. Er hat mich all seinen Freunden vorgestellt, ich ihn meinen, beim Geburtstag seiner Oma wurde ich seiner gesamten Familie als "bessere Hälfte" vorgestellt.
    Ich war im Himmel, ich war verliebt bis über beide Ohren.
    Er war ab und zu gestresst - Kündigungen in der Firma, er musste als Führungskraft Leute entlassen, die er privat sehr schätzte, all das nahm ihn mit.
    Dann irgendwann: Schiefer Hals. Er wurde eingerenkt. Dann: Kribbeln. In den Armen, in den Beinen. Seine Laune wurde immer schlechter. Kopfschmerzen. Krämpfe. Er redete kaum noch, mied es, raus zu gehen, meldete sich kaum bei seinen Freunden und Eltern. Zeitweise hatte er Angst, das Haus zu verlassen. Ich versuchte immer, ihm Verständnis entgegen zu bringen, versuchte ihn aber auch zu motivieren: Geh raus, triff Menschen, mach ein bisschen Sport, das könnte dir doch helfen, was man eben so sagt.
    Aber es wurde immer schlimmer. Er kam in die Röhre, Verdacht auf MS, doch nichts wurde gefunden. Und immer wieder die Frage: Haben Sie Stress? End vom Lied: Alle Ärzte sagten, alle seine Symptome könnten auf ein Burnout hinweisen. Depression.
    Mir gegenüber wurde er immer kälter, interessierte sich kaum für mich bzw. uns, körperliche Liebe gab es nur noch ab und zu. Dafür war er dauernd bei seinen Eltern.
    Dann, kurz bevor ich 2 Wochen in den Urlaub gefahren bin, hat er die letzten 3 Tage nicht mehr mit mir geschlafen. Am letzten Abend lehnte er mich offen ab, als ich angekuschelt kam: "Kannst du nicht schlafen, oder was?!"
    Im Urlaub meldet er sich nicht, ruft nie an, auf meine SMS antwortet er nicht. Bzw. kaum und sehr unemotional.
    Als ich wiederkam, sagte er, es habe keinen Sinn. Er habe gerade einfach keine Gefühle. Für nichts. Alles rausche an ihm vorbei. Und das wolle er mir nicht antun. "Ich muss erstmal wieder auf die Spur kommen, und das muss ich alleine schaffen." Dann hat er mir tausend Komplimente gemacht, wie toll ich sei, dass ich die wäre, die er sich immer gewünscht hätte.
    Ich konnte nichts machen. Dann haben wir uns immer noch wieder gesehen, Sachen abholen, wir haben uns immer wieder geküsst, gekuschelt. Trotzdem blieb er bei seiner Meinung.
    Die letzte Woche habe ich es versucht, den Kontakt abzubrechen, aber das bringt es auch nicht, wenn man im gleichen Haus wohnt. Wenn ich seinen Schatten im Wohnzimmer seh, wenn ich nach Haus komme, wenn ich im Flur noch sein Parfum rieche, wenn ich seine Musik höre, wenn ich an seiner Wohnung vorbei gehe morgens, wenn der Hausmeister mir Sachen für "meinen Freund" ausrichtet. Das ist kein Mit-Der-Sache-Abschließen.
    Deshalb kam es ganz recht, dass der Hausmeister mir was für ihn gesagt hat. Ich hab ihm eine SMS geschrieben. Und 10 Minuten später hat er angerufen. Mit mir über Gott und die Welt gesprochen. Er hat erzählt, dass er depressiv war und es wirklich nicht an mir lag, dass es eine Phase war, in der man einfach alle Gefühle ausblendet. "Und jetzt?", hab ich gefragt. Es sei noch lange nicht vorbei, hat er gesagt. Er bekomme manchmal Schweißausbrüche, einfach so, im Restaurant, und muss auf der Stelle aus dem Gebäude raus. All sowas. Aber er lässt sich helfen: Er hat eine Therapie angefangen und geht im Januar in eine Klinik, 6 Wochen.
    Nun - wir sind getrennt. Aber ich habe das Gefühl, das war's noch nicht. Das Ende ist noch nicht endgültig, irgendwie. Wenn ich ihm wirklich egal wäre - wieso ruft er dann an und quatscht 20min mit mir und lädt mich ein, dass wir uns zum Quatschen mal wieder treffen können? Flirtet sogar ein bisschen mit mir?

    Und was soll ich nun tun? Lohnt es sich, zu kämpfen? (Ich denke immer noch, er ist der Richtige...) Wie fühlt er wirklich? Wie krieg ich das raus? Wie überzeuge ich ihn von einer Beziehung mit mir? ;)

    So, wer jetzt alles gelesen hat - Respekt :) Ich freue mich auf Antworten..

  2. #2

    Registriert seit
    02.08.2006
    Beiträge
    1.083

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Liebe annaaa,
    da kannst du nicht kämpfen.
    Der Kampf findet in ihm statt.

    Es ist schonmal gut, wenn er es dir gegenüber so kommunizieren kann!
    Dräng ihn nicht, aber vieleicht ist es gut, das ihr im Gespräch bleibt!

    kaffeesahne

  3. #3
    annaaa
    gelöscht

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Soll ich ihn denn wohl darauf ansprechen, ob wir noch eine Chance haben? Oder erstmal auf Freundschaft setzen?

  4. #4
    Sucki
    gelöscht

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Hallo Anna,

    eine schwere Situation. Aber ich würde ihm erstmal seine Therapie machen lassen, den Aufenthalt in der Klinik.

    Er muss es wohl wirklich für sich verarbeiten oder dran arbeiten. Wenn du es durchhältst, würde ich ihm zeigen, wie gerne du ihn hast, aber ihn zu nichts drängst. Eine schwere Gradwanderung.

    LG Sucki

  5. #5

    Registriert seit
    02.08.2006
    Beiträge
    1.083

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Ich würde ernst nehmen, was er gesagt hat.

    Wenn du für ihn da sein möchtest, kannst du ihm das ja anbieten!

    In so einem tiefen Loch, in dem sich der Mann gerade befindet,
    ist "Beziehung", was man so landläufig darunter versteht, nicht möglich, und in die Zukunft schauen kann er nicht.

    Falls du für ihn da sein möchtest, brauchst du viel Geduld!
    Und ein gutes Augenmerk auf dich selbst: Man kann nicht nur geben, und du musst selbst für dich sorgen!

    kaffeesahne

  6. #6
    Avatar von aubisa
    Registriert seit
    11.05.2008
    Beiträge
    1.344

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Er hat Dir die Antwort schon gegeben:
    Es ist noch lange nicht vorbei.
    Was Du damit und daraus machst - hast Du genug Energie, Liebe und Kraft, einem depressiven Menschen zur Seite zu stehen?

  7. #7
    mynoduesp
    gelöscht

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Gerade zur Zeit liest man in den Medien ja sehr viel zum Thema Depression. (Stichwort Robert Enke). Auch wenn jede Krankheit anders verläuft, und Gott sei Dank nicht immer so tragisch endet wie beim deutschen Nationaltorhüter, so gibt es doch bestimmte Muster.

    Eines ist gewiss: Heilen kannst du ihn nicht. Und vermutlich nicht einmal helfen, weil es zum Krankheitsbild gehört, dass er diese Hilfe nicht annehmen, ja dich wegstoßen wird.

    Bevor du dir überlegst, ob du damit leben kannst, informiere dich gut. Ich kenne Partner in der nähsten Umgebung, die damit leben können - und viele, die es kaum aushalten. Letztere sind leider in der Mehrzahl. Und die ersteren wussten vorher kaum, auf was sie sich einließen - weil die Krankheit erst während der Partnerschaft auftrat.

    Ich würde vielleicht versuchen, zu einem depressiven Partner zu halten. Aber um eine Beziehung zu ihm kämpfen, die noch gar nicht (so stark) da ist: nein. Ganz klar nein. Aber das gilt eben für mich.

    Mag sein, dass deine Lebensaufgabe eine andere ist.

  8. #8
    annaaa
    gelöscht

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Danke für die ganzen Antworten!

    Und danke, dass ihr mich in die Realität zurück holt. Durch die rosarote Brille denkt man ja immer, "das wird schon wieder, der geht in die Klinik und danach werden wir glücklich". Aber es kann eben auch sein, dass er danach immer noch depressiv ist. Dass er irgendwann im schlimmsten Falle suizidgefährdet sein könnte.

    Ich werde morgen mal ausführlich mit ihm reden und versuchen, von Herz auf Kopf umzuschalten... denn eigentlich bin ich selbst ein Mensch, der viel Bestätigung und Anerkennung braucht und gerne mal Schwäche zeigen würde. Die Beziehung ist für mich eigentlich der Platz, an dem ich total weich, emotional und auch mal schwach sein kann, weil ich sonst eher als Powerfrau auftrete. Mit ihm müsste ich wohl auch Powerfrau sein und hätte nicht dieses Hier-kann-ich-loslassen-Gefühl... oder? Hat denn jemand Erfahrungen mit einem depressiven Mann in der Partnerschaft?

    Hach, dass die Liebe immer so kompliziert sein muss :(

  9. #9

    Registriert seit
    02.08.2006
    Beiträge
    1.083

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Liebe annaaa,

    Dein Blick auf dich fand ich jetzt richtig toll!
    Powerfrau muss man nicht sein, im Gegenteil.
    Man muss sich nur klarmachen, das manchmal nicht das erwünschte Echo kommt!

    Jede Depression dauert unterschiedlich lange.
    Von Vorteil ist, das dein Freund sich schnell Hilfe geholt hat!

    Ich hatte es schon seit Jahren, habe es aber nicht soooo ernst genommen. Bis ich im Januar zusammengebrochen bin.
    Ich war 8 Wochen in der Klinik, und bin jetzt noch lange nicht gesund.

    Pass auf dich auf!

    kaffeesahne

  10. #10
    Avatar von meikeline
    Registriert seit
    21.12.2006
    Beiträge
    6.185

    AW: Um einen depressiven Mann kämpfen?

    Zitat Zitat von annaaa Beitrag anzeigen
    Hat denn jemand Erfahrungen mit einem depressiven Mann in der Partnerschaft?
    Ich war einige Jahre mit einem depressiven Mann zusammen. Schwach sein und mich anlehnen konnte ich so gut wie nie - ich musste immer stark sein, war für fast alles verantwortlich, war viel allein und habe mich oft unglaublich einsam gefühlt. Mich hat die Beziehung so viel Kraft und Energie gekostet, dass ich für mich selbst kaum noch etwas übrig hatte.

    Wir sind mittlerweile kein Paar mehr, aber gute Freunde. Und es ist gut so, wie es ist.

    Pass auf dich auf.
    "Ich habe eine ganz einfache Philosophie: Fülle, was leer ist. Leere, was voll ist. Kratz dich, wo es juckt."
    Alice Roosevelt Longworth (1884-1980), amerikanische Gastwirtin

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