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  1. #1
    Avatar von Zitronenfalter
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    Kuss Mr. Mc Münchhausen - Teil II

    Mr. Mc Münchhausen

    ... der Mann, der mit stumm geschaltetem Handy in mein Leben trat und wegen stumm geschaltetem Handy mein Leben nach 4 ½ Jahren wieder verlassen musste.

    Mr. Mc Münchhausen war immer mustergültig brav. Ein Traummann, Schwiegermutter-Schwarm. Die Freundlichkeit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft in Person. Besorgt, kümmernd, uneigennützig.
    Aber ganz besonders war er eines: Immer unschuldig.

    Denn oft war jemand anderer böse … und hat unter seinem Namen was angestellt.

    Oder die moderne Technik hat sich gegen ihn verschworen.
    Ein Handy, welches ohne sein Zutun SMS verschickte. Nachrichten, ganze Anruflisten löschte. Ein PC, der eigenmächtig auf Kontaktseiten surfte, Profile aktivierte, Mail-Adressen einrichtete, in seinem Namen nach Frauen Ausschau hielt … diese gar kontaktierte. Eine Tastatur, die schlüpfrig in Online-Spielen rumchattete, während er doch nur ganz friedlich am See „angelte“.

    Oder ich war schuld, dass er was Böses anstellen musste. Weil ich ihn nicht genug gepudert, gewickelt und gefüttert hatte. Ihn ohne Gute-Nacht-Geschichte ins Bett schickte … ohne unterm Bett auf Gespenster zu kontrollieren. Weil ich ihn überforderte … oder unterforderte. Weil ich zu nah kam … oder zu weit weg war.

    Fazit nach langer Zeit und vielen gescheiterten Versuchen:
    Was mit Lügen beginnt, das endet mit Lügen. Menschen können an sich arbeiten und sich bessern … aber Charakter ist Charakter. Und bleibt Charakter. PUNKT


    So in etwa eröffnete ich unseren ersten Münchhausen-Strang.

    Hier geht's zu ->
    Mr. Mc Münchhausen - Teil I

    Mit diesen Worten konnte ich damals meiner Erleichterung über die Trennung Luft machen, mir den Stolz über meine Standhaftigkeit von der Seele schreiben.

    Aber annähernd darstellen, woraus ich mich wirklich befreit hatte, das konnte ich nicht. Ich hatte keine Ahnung, wie ich es hätte benennen können. In meinem Vokabular klaffte eine riesengroße Lücke, mir fehlten die Worte dafür, Berge von Worten.

    Und es mangelte mir an Wissen. Dem Wissen darum, dass da draußen Menschen leben, die von Grund auf anders ticken. So anders, dass selbst meine kühnste Vorstellungskraft dort nicht hingereichte.

    Heute ist mein Vokabular vollständiger. Ich kann benennen, was mir passiert ist.
    Worte wie psychische und verbale Gewalt, emotionale Misshandlung, Manipulation, Schuldumkehr, Kontrollwahn, pathologisches Lügen, Idealisierung und Abwertung sind keine abstrakten Worthülsen mehr. Ich weiß, wie sie sich anfühlen, sie haben ein Gesicht.
    Ich hatte eine destruktive Beziehung.


    So weit, ... so doof !


    Doch ich durfte damals im ersten Münchhausen-Strang noch etwas erkennen:
    Ich bin mit dieser doofen Erfahrung gar nicht alleine. Da draußen gibt es ganz viele, die Gleiches oder Ähnliches erlebt haben. Oder immer noch erleben. Die wissen, wovon man schreibt, ohne lange Erklärungen. Die sich gegenseitig stützen, helfen, zusammen weinen, zusammen lachen ... oder einfach nur da sind, wenn man sie braucht.
    Tolle Frauen, zauberhafte Schmetterlinge. Unbezahlbar!



    WOW - Mr. Mc Münchhausen - Teil 1

    Meistgelesener Strang, fast 3 Millionen mal angeklickt, fast 15.000 Beiträge.
    Ein bemerkenswertes Werk!

    Erschaffen von einem riesengroßen Schwarm schillernder Schmetterlinge im Freiflug, vielen bunten Schmetterlings-Lehrlingen auf der Übungsrampe ... und so vielen Faltern, die einfach nur still mitlesen, miterleben, mitfühlen. Und Mut und Kraft sammeln ... für ihren eigenen Aufstieg in die Lüfte.

    Kinners ... ich bin so froh, dass es euch gibt. Ihr seid einfach toll!





    So ... getz abba jenuch jeschwaffelt … ab dafür.
    Die nächsten 14.999 jungfräulich weißen Seiten sind hiermit zum "Beschuss" freigegeben … VKA marsch un ran an die Tasten.

    Einen kosmogigantisch fetten Knutscher vom gelben Flatterfalter




    Axo ... Noch eben für unsere Neueinsteiger:
    VKA steht für den Begriff „Pippimann“ (was nach meiner persönlichen Empfindung eher einer Verniedlichung entspricht, nach Bri-Regeln jedoch einem KraftAusdruck gleichkommt. Insofern trafen wir uns auf der Mitte des Weges: Pippimann iss also nü in der Bri-Öffentlichkeit ein Verniedlichter KraftAusdruck => VKA. Damit kann ich auch leben. )

    .


    Durch deine Fähigkeiten wirst du erreichen, was anderen nicht möglich ist.
    (Chinesischer Glückskeks vom 23.02.2008)

    Immer schreibt der Sieger die Geschichte des Besiegten. Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge. Aus der Welt geht der Schwächere, und zurück bleibt die Lüge.

    Berthold Brecht in "Verhör des Lukullus"

    Wer ist wer ... und wenn ja, wie viele?
    Geändert von Zitronenfalter (23.08.2015 um 20:36 Uhr)

  2. #2
    narrare
    gelöscht

    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II

    DESTRUKTIVE BEZIEHUNGEN

    Der nachfolgende Artikel bezieht sich vordergründig auf Erfahrungen aus meiner therapeutischen Arbeit mit Betroffenen, die in einer Paarbeziehung mit einem Menschen mit ausgeprägten Anteilen einer oder mehrerer Persönlichkeitsstörungen in Berührung gekommen sind und die destruktiven Auswirkungen innerhalb dieser erfahren haben.
    Zudem spiegeln sich hier auch meine "Lektionen" wieder, auch die meiner Familie, die wir während und nach meiner Destruktiven Beziehung mit einem Mann an Seele und Körper erfahren haben.

    Die Bezeichnung „PSler“ ist allgemein gewählt für Menschen mit Symptomen einer/mehrerer Persönlichkeitsstörung/en. Der Begriff dient zur Unterscheidung der „Betroffenen“, so oder „Beziehungspartner“ genannt, und soll beide Seiten nicht stigmatisieren.

    Ich möchte Hinweise und Erfahrungswerte weitergeben, aber besonders aufzeigen, was im gelebten Alltag einer Destruktiven Beziehung passiert und – sind Sie Betroffene – typische Merkmale einer Destruktiven Beziehung – benennen, die Sie dabei unterstützen können sich wiederzuerkennen.

    Destruktive Beziehungen gehen vor allen Dingen mit Persönlichkeitsstörungen der Cluster-B Gruppe (emotional-instabile, impulsiver und Borderline-Typ); histrionische, dissoziale, narzisstische Persönlichkeitsstörung) einher, der Fokus gilt dem Betroffenen, der sich aus einer solchen Beziehung gelöst hat, lösen musste, um seine eigene Gesundheit, in Härtefällen sein eigenes Leben, nicht weiter zu gefährden.

    Der Anfang

    Nahezu alle Betroffenen berichten davon, dass sie anfänglich das Gefühl hatten, ihrer großen Liebe begegnet zu sein. Das Wort Seelenverwandtschaft wird gewählt, auch sind Begriffe wie Magie und Schicksal, selbst bei Menschen, die für esoterische Themen nicht empfänglich sind, keine Seltenheit.
    Männer wie Frauen berichten vom besten, außergewöhnlichsten Sex, den sie erlebten oder noch nie so erlebten. Es kommt auch vor, dass diese Beziehungen als Affären beginnen, Persönlichkeitsstörungen des Cluster B gehen oftmals mit Promiskuität einher.

    Alles fühlt sich so „richtig“ an, „nichts kann uns trennen“, „wir schaffen alles gemeinsam, wenn wir nur zusammen sind“. Haben Betroffene vorher ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben gelebt, sind sie nunmehr extrem fokussiert auf den PSler, vice versa.
    Es werden Höhenflüge in der Paarbeziehung erlebt, der PSler idealisiert den Beziehungspartner und hebt ihn schier in den Himmel; er scheint geradezu Gedanken lesen zu können, jeden Wunsch zu erfüllen, die tiefsten Sehnsüchte zu wissen. Kurzum: man befindet sich in einem nicht enden wollenden Märchen. Vermeintlich.
    Die Erfahrung mit einem PSler stellt alles bisher Erlebte in den Schatten und entsprechend verklärt reagieren die Beziehungspartner.

    Ein Leben ohne den PSler scheint schon in diesem frühen Stadium nicht mehr denkbar.

    Beziehungsverlauf

    Im Zuge einer zunehmenden Paar-Symbiose ziehen viele Paare sehr schnell zusammen, heiraten unter Umständen sogar schon nach wenigen Wochen. Freunde/Hobbys verlieren an Wichtigkeit für den Beziehungspartner, während der PSler auffällig oft keine eigenen engeren Bezugspersonen hat.
    Gibt es im sozialen Umfeld des Beziehungspartners dazu kritisches Hinterfragen, wird dieser subtil oder auch gezielt, versuchen, diese Bindungen seines Beziehungspartners zu sabotieren. Da sich auch der Beziehungspartner immer mehr auf den PSler fokussiert, bleibt wenig Zeit für das, was vorher sein eigenständiges Leben ausmachte.
    Ein PSler beschäftigt seine Partner: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche - selbst wenn er nicht anwesend ist, kreisen die Gedanken ständig um ihn.

    Häufig sind PLler mit den neuen Medien so vertraut, dass sie diese auch zu nutzen wissen. Wichtig für sie ist, einen beständigen Kontakt zum Beziehungspartner zu manifestieren, auch bei körperlicher Abwesenheit; seitenlange Mails, unzählige SMS am Tag und in der Nacht zeugen von diesen Bemühungen. Für die Betroffenen wird das Handy zum ständigen Begleiter.

    Die ersten besorgniserregenden Momente mit dem PSler treten bereits kurz nach Beziehungsbeginn auf: erste Abwertung, erste Ausraster, erste Lügen, erste Selbstverletzung (die nicht zwingend vorkommen muss).
    Diese werden vom Beziehungspartner wahrgenommen, aber eher verwundert zur Seite geschoben oder es finden sich gute Gründe, derer ein PSler nie verlegen ist, diese ausführlich darzulegen, z.B. Verletzungen aus der Kindheit, Ex-Beziehungen, die meist als sehr negativ beschrieben werden.

    Schon an diesem Punkt zeigt sich, dass der PSler immer das „Opfer“ ist. Stichwort Ich-Syntonie: ein PSler fühlt seine problematischen Anteile zu sich selbst gehörend und als nicht problematisch.

    Da sich der PSler aber wieder schnell beruhigt und der Betroffene ihm Glauben schenkt, kehrt er zum Alltag zurück, in der Hoffnung, er habe es mit einer Ausnahmesituation zu tun gehabt. Es bleibt aber nicht bei einmaligen Situationen dieser Art.
    Im längeren Verlauf der Beziehung verändert sich die Stimmungslage, zunächst langsam, aber immer deutlicher spürbar. Den Beziehungspartnern fällt bewusst auf, wie schwer sich ein PSler, noch längst nicht als solcher erkannt, mit Kritik tut oder, um es deutlicher zu formulieren: Er ist absolut nicht kritikfähig.

    Egal, wie logisch eine Situation erscheint, wie viele Erklärungen, Fakten es für ein X gibt: Der PSler macht sich auf, daraus ein Y zu machen. Ist man als Betroffener anfänglich völlig, und zu Recht, von der eigenen Wahrnehmung überzeugt, sieht man sich schwindelerregenden Diskussionen mit dem PSler ausgesetzt, die zu nichts führen, schon gar nicht zu einer Einsicht seitens des PSlers.
    Nicht selten lenkt der Beziehungspartner ein oder lässt sich sogar vom Gegenteil überzeugen, PSler sind Meister der Manipulation, und fängt so schleichend an, seine eigene Integrität zur Disposition zu stellen.

    Der PSler hingegen bekundet, aggressiv, traurig oder zynisch, dass ihm der Beziehungspartner etwas Böses will, projiziert seine eigenen Hass- und Wutanteile auf den Beziehungspartner und so ist der Beziehungspartner „schuldig“, „hasserfüllt“, „unterstellt Unglaubliches“, „will draufhauen“, „ist nicht konstruktiv“, „ist ja soo perfekt“, „muss immer Recht haben“, „kann nicht verzeihen“.
    Final werden verbale Ausraster damit begründet, dass der Beziehungspartner ihn verletzt habe.
    Die Betroffenen, nun öfter mit diesen Ausbrüchen konfrontiert, verstehen die Welt nicht mehr und suchen verzweifelt nach dem Menschen, in den sie sich ursprünglich verliebt hatten.

    Angst beginnt Raum einzunehmen, in einer Beziehung, die noch vor wenigen Wochen als das Höchste an Liebe und Wärme empfunden wurde. Der Beziehungspartner fängt an, an sich und seiner eigenen (gesunden!) Wahrnehmung zu zweifeln. An diesem Punkt, an dem der PSler erstmals und dann häufiger in der Kritik für sein Agieren steht, geht die Beziehung in eine typische Phase der immer wiederkehrenden Abwertung und Idealisierung über. Je länger diese Phase dauert, desto aggressiver, langwieriger nehmen die Teile der Abwertung zu, die Teile der Idealisierung verringern sich beständig, bis sie fast ganz verschwinden.
    Um den ständigen Anschuldigungen und Attacken (auch physische Angriffe können zu dem Zeitpunkt beginnen – müssen aber nicht) zu entgehen, fangen die Betroffenen an, in ein Vermeidungsverhalten auszuweichen und werden zum Schatten ihrer selbst.

    Zunehmend schwinden die Kräfte der Betroffenen, und auch wenn aus der Not geboren, es rührt sich etwas in ihnen, es dringt ins Bewusstsein, dass dies alles nichts mehr mit einer „normalen“ Beziehung oder Streitkultur zu tun haben kann und so entstehen erste zaghafte Versuche, wieder Stellung für sich zu beziehen und dem PSler erste Grenzen zu setzen.
    Ein PSler versteht Grenzen-Setzen allerdings als eine erneute Kritikzuweisung, quasi eine Aufforderung, jetzt erst richtig loszulegen.

    Unterschätzen Sie bitte niemals die verbalen und psychischen Formen der Gewalt!

    Es gibt Destruktive Beziehungen, in der keine körperliche Gewalt stattfindet, was aber nicht heißt, dass sie weniger gewalttätig wären, als die Beziehungen, die unsere Gesellschaft unter „Häuslicher Gewalt“ einordnet.
    Ich habe Betroffene kennen gelernt, die bezeugen, dass sie unter der psychischen Gewalt heftiger litten, als unter der körperlichen!

    Angriffe und Attacken auf den Beziehungspartner finden nun zunehmend im Beisein von Anderen statt, wie es der Beziehungspartner womöglich schon täglich Zuhause hinter verschlossenen Türen erlebt. Aus Scham wird auch dieses Verhalten vom Beziehungspartner bagatellisiert oder gar nicht erwähnt: „Wie soll ich nur erklären, dass ich in so einer Beziehung weiterleben möchte und ihn/sie trotzdem liebe. Die halten mich doch für verrückt“.

    Die Ablösungsphase/ erste Konsequenzen/der "Ich-gebe-auf-Punkt"

    Die Auswirkungen von Beziehungsgewalt, führen dazu, dass die Betroffenen irgendwann den Rückzug einleiten, sich emotional versuchen zu distanzieren, mit nun deutlicher Abgrenzung reagieren, sofern sie dies noch können. Nach vielfach gescheiterten Anläufen, die "Probleme", die in den meisten Fällen dem Beziehungspartner zugewiesen werden, in den Griff zu bekommen, wird ein weiterer Versuch über eine Paartherapie unternommen. Gerade die Betroffenen erwarten sich viel davon, da nun endlich ein Außenstehender, zudem professionell geschult, Einblick in den destruktiven Beziehungsalltag bekommt und sie endlich gehört und verstanden werden.
    Leider passiert oft das Gegenteil.

    Keine Paartherapie bei Destruktiven Beziehungen!

    Dies könnte ein erneuter „Spielplatz“ für die Manipulationsfähigkeiten des PSlers werden, nicht jeder Therapeut kann die Persönlichkeitsstörung so „sehen“, im Gegenteil. In solchen Therapien passiert es häufig, dass der Beziehungspartner zum Täter wird, etwas, das ein PSler sehr überzeugend darlegen kann), die Beziehung zu verbessern, schließlich resignieren.

    Das destruktive Beziehungsverhalten der PSler hat fatale Auswirkungen auf die ohnehin schon angeschlagene seelische Verfassung der Beziehungspartner und führt zu tiefster Verzweiflung. Schlafstörungen, depressive Verstimmungen mit Selbstmordgedanken, Ahedonie (Verlust der Lebensfreude), beginnendes Burn-out-Syndrom, Alkohol- und Substanzmittelmissbrauch sowie radikaler Gewichtsverlust können die Folge sein.

    Die Trennung

    Ist dem Betroffenen die Ausweglosigkeit der Situation klar geworden, wird er sich bewusst darum, dass der destruktive Beziehungskreislauf nicht zu durchbrechen ist, dass er vielleicht auch körperliche Schäden davon getragen hat, wird als letzter Ausweg die Trennung gesehen.
    Der seelische und körperliche Zustand von Betroffenen kann – in schweren Fällen - zu diesem Zeitpunkt so angegriffen sein, dass die Loslösung vom PSler nur noch durch einen stationären Klinikaufenthalt, Frauenhaus oder andere Zufluchtsorte möglich ist. Eine ambulante therapeutische Behandlung ist in jedem Fall unbedingt empfehlenswert.
    Schämen Sie sich nicht. Im Gegenteil, sehen Sie die positive Seite, Ihr Selbstschutz funktioniert wieder und.. es zeugt von Stärke, sich Hilfe zu holen!

    Sollten Sie ein Betroffener sein, der sich aus einer solchen Beziehung lösen will, gibt es Regeln, gerade bei ausgeprägten Merkmalen von Persönlichkeitsstörungen der Cluster B-Gruppe.

    Wichtige Anhaltspunkte für die Trennungsphase

    • Ist die Trennung nur durch den Auszug des Klienten realisierbar, sollte dieser vorher beim PSler nicht angekündigt werden!
    • Neigt der PSler zu Gewalt/Stalking, dokumentieren Sie die Vorfälle, informieren Sie die zuständigen Behörden (Polizei) Anzeigen! Stalking ist heute in Deutschland ein Strafdelikt.
    • Für den Umzug ein Team zusammenstellen, nicht alleine mit dem PSler bleiben!
    • Alle rechtlich wichtigen Unterlagen vor Auszug sichern!
    • Droht der PSler mit Selbstmord, Behörden/Arzt/Therapeuten des PSlers informieren. Sie sind nicht verantwortlich!
    • Anwaltliche Unterstützung einholen. Für Betroffene, die kein eigenes oder geringes Einkommen haben, gibt es Prozesskostenbeihilfe.
    • Dokumentation von Gewalt, Zerstörung!
    • Keine SMS, Mail, Schreiben des PSlers löschen; Bitte dringend aufheben! Es sind wichtige Dokument des Stalkings, verbaler und emotionaler Gewalt.
    • Wenn es irgendwie geht (schwierig mit Kindern): absolute Kontaktsperre nach der räumlichen Trennung in den ersten Wochen, besser Monaten.


    Häufig haben Betroffene traumatische Erfahrungen in einer Destruktiven Beziehung erlitten, die sich oft erst nach der Trennung bemerkbar machen. Durch die dauerhafte Anspannung zwischen Idealisierung und Abwertung kommen der Körper, die Seele und auch der eigene Chemie-Haushalt erst lange nach einer Trennung zur Ruhe. Folgen können sein: akute Belastungsstörung, Anpassungsstörung, Posttraumatische Belastungsstörung, depressive Episoden.

    Achtung: Es besteht unter Umständen Suizidgefahr, holen Sie sich Hilfe, reden Sie darüber, wenn sie suizidale Gedanken haben, d.h., wenn sie vermehrt darüber nachdenken, auf welche Art sie den eigenen Freitod umsetzen würden!

    Betroffene leiden zudem unter körperlichen Trennungssymptomen, ähnlich einem Entzugsdelir. Bitte nehmen Sie die Symptome ernst, denn es sind echte, körperlich erlebte Schmerzen, die über einige Wochen/Monate, explizit bei erneuter Kontaktaufnahme/-abbruch, andauern können.

    Trauer(arbeit)


    Nach Elisabeth Kübler-Ross, einer Schweizer Ärztin/Psychiaterin(1926–2004), gibt es nach dem Tod fünf Trauerphasen der Zurückgelassenen, die sich gut auf allgemeine Trennungserfahrungen bei Betroffenen übertragen lassen.

    Die Trauerphasen im Einzelnen:

    • Nichtwahrhabenwollen und Isolierung (Denial)
    • Zorn (Anger)
    • Verhandeln (Bargaining)
    • Depression (Depression)
    • Akzeptanz (Acceptance)

    Die Trauerphasen nach einer Destruktiven Beziehung werden im Vergleich zu einer „normalen Trennung“ allerdings heftiger, länger, nachhaltiger durchschritten. Durch Trigger können Sie auch noch Jahre (!) danach in die Trauerphasen wie z.B. Wut und Depression zurückfallen.
    Viele Betroffene weigern sich, überhaupt zu trauern, weil sie nach der Erfahrung glücklich sind, irgendwie „da rausgekommen“ zu sein, den Absprung geschafft zu haben. Andere fragen sich immer wieder fassungslos, warum musste ich den Menschen loslassen, den ich so liebte?
    Es ist wichtig, dass Sie bereit sind, die Trauer zu aktivieren, zuzulassen, Sie haben einen Menschen geliebt, lieben ihn vielleicht auch noch, der durch sein Störungsbild oft gar nicht anders konnte, als zu verletzen. Gerade die nächsten und intimsten Angehörigen dienen als Projektionsfläche.

    Trauerrituale können sehr hilfreich sein, z.B. Abschiedsbriefe schreiben, diese aber nicht abschicken, „Begräbnisse“ von persönlichen Erinnerungsstücken. Dieses Vorgehen wird Ihnen helfen, die Trauer anzunehmen. Die Seele kann besser in Bildern „verstehen“.
    Erst dann kann eine Loslösung überhaupt stattfinden und danach mit der Aufarbeitung der Beziehung und den eigenen Anteilen begonnen werden.

    Wenn die Wut kommt (und sie kommt), gibt es Betroffene, die überreagieren; zumeist versteckt sich hinter der Wut auf den Ex-Partner die eigene Wut: wie konnte ich das so lange zulassen, warum bin ich nicht früher aufgewacht? Was habe ich mir, sogar den eigenen Kindern angetan? Rachegedanken kommen verstärkt vor. Halten Sie sich Ihr eigenes (etwaiges) Tun klar vor Augen. Rache-Aktionen können sicher Druck abbauen, sind aber fehl am Platz, denn Sie haben Konsequenzen. Für Sie. Unangenehmen.
    Beschränken Sie Ihr Tun auf die Gedanken.

    Machen Sie sich bewusst, dass niemand, selbst psychologisch geschulte Menschen gefeit sind, eine Beziehung mit einem PSler einzugehen. Diese Beziehungsgeflechte werden oftmals sehr subtil gesponnen und sind mit einem normal ausgeprägten Verständnis von Liebe und Partnerschaft zunächst nicht zu entlarven. PSler können zudem unglaublich faszinierende Persönlichkeiten sein, beruflich erfolgreich, mit Charme, Ausstrahlung und einer Eloquenz die ihres gleichen sucht, Empathie vorgebend (zumeist ist diese kaum oder gar nicht vorhanden, was sich allerdings erst später zeigt).

    Nach einer solchen Beziehungserfahrung ist das Selbstwertgefühl der Betroffenen am Boden oder gar nicht mehr vorhanden Ein Therapeut kann hier unterstützend eingreifen und mit Übungen und Anregungen zur Seite stehen. Dabei sollten Sie jedoch ein besonderes Augenmerk auf Ihre Kraftreserven legen.

    Auch wenn Betroffene nach dem Ende der Beziehung durchaus unglaubliche neue Energien entwickeln können, Vorsicht! Das ist immer noch eine Folge der Destruktiven Beziehung. Das nächste Burn-out-Syndrom könnte nicht weit sein.
    Eine destruktive Beziehung zehrt nachhaltig an seelischer und körperlicher Substanz; der Beziehungspartner hat sich in einem Dauererregungszustand befunden, der noch lange nachwirkt. Erholung, seelische und körperliche, ist das A und O nach dieser Beziehung die einem einzigen Spannungsfeld glich.
    Es gibt Fälle, da brechen die Betroffenen erst lange nach der Trennung zusammen. Das kann nach einem Zeitraum von etwa ein bis zwei Jahren nach der Trennung geschehen und tritt insbesondere dann auf, wenn der Betroffene damit überfordert ist, im Leben ohne den PSler zurechtzukommen oder ohne therapeutische Hilfe alles alleine schultert.

    Hilfe im Danach. Therapeutische Begleitung/Aufarbeitung, Selbsthilfe.

    Im Privat- wie im Berufsleben geben Betroffenen PSler gerne eine Aufgabe an die Hand, und nicht selten entdecken die Betroffenen selber ungesunde Beziehungsmuster, die in ihrer eigenen Historie und damit in ihrer Persönlichkeit begründet liegen.
    In vielen destruktiven Beziehungen entwickelt sich eine Co-Abhängigkeit und es ist zu beachten, dass auch diese manipulative Züge aufweisen (tertiärer Krankheitsgewinn, d.h. über das ständige Kümmern und "therapieren" des PSlers holen sich die Betroffenen Selbstbestätigung).

    Mit Hilfe eines Therapeuten kann sich der Betroffene auf die Suche nach den Hintergründen begeben, denn solchen Entwicklungen liegen oft Glaubenssätze zugrunde, die in der Kindheit erlernt wurden. Diese können mit dem Betroffenen aufgespürt und neu formuliert werden, die Supportive Gesprächstherapie - besonders wichtig zum Therapie Beginn - Kognitive Verhaltenstherapie nach Aaron T. Beck, dialektisch behaviorale Verhaltenstherapie nach Marsha M. Linehan leisten hier gute Arbeit.

    Neben der Co-Abhängigkeit und anderen komplementären Störungsbildern kommen Betroffene im Rahmen einer Therapie vielleicht das erste Mal mit der Thematik von Suchtbeziehungen in Berührung. Es ist immer noch mit großer Scham behaftet, von eigener Sucht überhaupt zu sprechen, viel unwahrscheinlicher erscheint es aber, den Suchtbegriff auf Beziehungen anzuwenden. Auch wenn diese Suchtformen so gar nicht oder nur in Bereichen anderer Störungsbilder in der ICD-10 auftauchen, es gibt sie.
    Vermehrt handelt es sich um Sex-, Romantik- und/oder Beziehungssucht. Nach meinen Erfahrungswerten kann ich heute von einem direkten Zusammenhang bei Suchtbeziehungen und Destruktiven Beziehungen sprechen, deren Beziehungsteilhaber vor allen Dingen darauf ausgerichtet sind – selbst bei ausgeprägten symbiotischen Beziehungsstrukturen – Nähe vermeiden zu wollen. Dies gilt übrigens für PSler und Betroffenen im gleichen Maße.

    Die Arbeit mit Betroffenen erfordert von einem Therapeuten ein Höchstmaß an Fingerspitzengefühl, gerade während oder kurz nach der Trennung. Sie sind sehr wahrscheinlich emotional und körperlich gebrochen und zutiefst in ihrer Seele verletzt. Achten Sie unbedingt auf die Wahl „Ihres“ Therapeuten.

    Müssen Sie einem Therapeuten eine Destruktive Beziehung erklären, sind Sie an der falschen Stelle.

    PSler haben häufig Beziehungen zu „starken“ Menschen, die darauf konditioniert sind durchzuhalten, alle Probleme zu meistern und ihre eigenen Bedürfnisse in einer Beziehung hinten anzustellen. Es geht um Menschen, die vor dieser Beziehung geerdet im Leben standen, oft finanziell unabhängig waren und sich nicht im Traum hätten vorstellen können, jemals in eine solche Lage zu geraten.
    Es kann ein riesiger Schritt gewesen sein, wenn der Betroffene überhaupt Hilfe sucht und meist tut er dies wirklich erst dann, wenn er spürt, dass ihm etwas widerfahren ist, was er alleine nicht mehr bewältigen kann.
    Bitte seien Sie auf emotionale Zusammenbrüche vorbereitet! Legen die Scham ab. Es gibt keinen, keinen einzigen Grund für Scham. Sie sind nicht schuldig!

    Selbsthilfegruppen erweisen sich als sehr förderlich und können Therapie-unterstützend sein. Es kann passieren, und es passiert oft, dass - bei aller verbaler und/oder körperlicher Gewalt - der Klient zurück in die Beziehung geht oder mehrere Anläufe braucht, um eine Trennung aus- und durchzuhalten.
    Verurteilen Sie sich nicht dafür! Viele Betroffene haben ein paar „Ehrenrunden“ gedreht, bevor Sie sich endgültig lösen konnten.

    Bitte versuchen Sie, Ihr Bewusstsein dahingehend auszurichten, dass PSler trotz aller Bekundungen und Bemühungen nur durch langfristig angelegte Therapie und Krankheitseinsicht, nachhaltige Veränderungen in ihrem Verhalten und Mustern erlernen können.
    Geändert von narrare (22.08.2015 um 04:08 Uhr)

  3. #3

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    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II

    Knapp drei Millionen Klicks haben ihre eigene Aussage!

    Liebe Zitronenfalter, herzlichen Dank für den Beginn des ersten Strangs, für die liebevolle Begleitung, für die hilfreichen und humorigen Fallbeispiele, auch, wenn die Erkenntnis: es gibt so, so viele, die in einer destruktiven Beziehung 'gefangen' sind, erstmal zu einem Durchschnaufer führt.
    Dieser Strang wird, wie der erste auch, ein Ort, ein Raum sein, sich zu orientieren, sich zu finden, sich zu öffnen und zu erfahren, dass man angenommen ist, wie man ist. Mit Liebe.
    Ganz viel toitoitoi für den zweiten Teil mit lieben Grüßen

    Liebe narrare, auch, wenn die eigene Erfahrung quasi den Startschuss gab, sich mit dem Thema ausführlicher zu befassen, empfinde ich deine posts als sehr, sehr warm und sehr fundiert. Ein dickes Danke dafür.

    Wir sind viele, und wir sind stark.

  4. #4

    Registriert seit
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    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II


  5. #5
    Avatar von Archana
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    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II


    Huhu..... hurra, Zitronenfalter und nararre sind wieder da....!!!!

    Danke für den link, ich hätte Euch sonst nicht gefunden.....

    Das habt Ihr beide toll gemacht, super....

    ganz herzlichen Dank für die schöne Neu-Eröffnung des Strangs...., Gratulation!

    dafür gibt es jetzt ein Sektfrühstück :
    prost:

    und eine Schmetterlings-Party ---
    -

    SCHMETTERLINGS_SMILEYS


    mit Euch allen im Rücken fühl ich mich heute gut, danke ....

    dicke Umarmung

  6. #6
    Avatar von katniss_
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    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II

    Lieber Zitronenfalter, liebe narrare,

    ihr seid der Wahnsinn! Vielen Dank, dass es euch gibt.


    Die Eröffnung von Mr. Mc Münchhausen - Teil II ist euch mehr als gelungen!
    Die Tränen in meinen Augen sind der beste Beweis dafür


    Ich wünsche uns allen ganz viel Liebe und Kraft das Erlebte eines Tages weit hinter uns zu lassen! Und bis dahin tummeln wir uns hier auf der Schmetterlingswiese und erfreuen uns der tatkräftigen Unterstützung, die Ihr und die anderen tollen Frauen uns geben :schmetterling:


    katniss


    Wenn du einmal gesehen hast, wirst du nicht mehr blind.

    © Zitronenfalter


  7. #7
    Lorell
    gelöscht

    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II

    Es ist ein Wahnsinn, wieviele es gibt, denen Ähnliches wiederfuhr. Und die bereits im 1. Strang Hilfe suchten und die die schon weiter voran geschritten waren ihre Erlebnisse und Erfahrungen teilten.

    Hätte es damals so etwas schon gegeben, als ich mittendrin war!!! Das wäre gut gewesen!
    Ich habe es quasi erst hinterher gefunden und kann heute, wo ich meine seltsamen Erfahrungen aufgearbeitet habe, vielelicht anderen helfen, ihnen zumindest Mut machen, sie bestärken aus destruktiven Beziehungen zu gehen, sich dem Entzug stellen, durchzuhalten.

    Mein Dank an Zitronenfalter und alle anderen hier, mit denen es bis jetzt ein so toller Austausch war mit manch wirklich bewegenden und ganz liebevollen Posts!!

    Mut und Kraft an alle, die noch mittendrin sind, scheut euch nicht alles zu schreiben, keiner muss sich schämen. Wir sind da ganz bei euch.

    Und alle stillen Mitleser, es muss nicht so bleiben, ihr könnt euch auch zu Wort melden, uns mitteilen, was euch bewegt, hier zu lesen, was euch hilft und welche Ideen ihr noch habt.

    GLG an alle Schmetterlinge.

  8. #8
    gesperrt
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    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II

    Ihr Lieben!

    Der neue Strang ist da - und wird helfen, so Vielen helfen... Danke!

    Das unendlich Gute an den beiden Strängen ist, dass Betroffene in unterschiedlichen Stadien aufeinander treffen. Solche, die noch in der Beziehung sind und das erste Mal kurz reingucken und erst ein paar Monate später wieder kommen - solche, die in der Beziehung richtig begreifen und sich auf den Weg der Trennung machen - solche in der Trennung - solche in der akuten Nach-Trennungsphase mit tausend Ehrenrunden - solche, die gerade aus der letzten Ehrenrunde kommen und endlich in die ruhigeren Gewässer überfliessen - solche, die die Trennung definitiv hinter sich haben und verarbeiten und Eigenanteile anschauen...

    All diese Phasen treffen hier aufeinander und können sich gegenseitig wiedererkennen, unterstützen, beratschlagen...

    Ich weiss noch, wie ich das erste Mal schon vor einem Jahr hier mitlas... Und dann die ersten Halb-Trennungen zu Beginn dieses Jahres, die ersten Ablösungsversuche, die Ehrenrunden... Und dann, als ich das erste Mal hier schrieb, zwischen zwei Ehrenrunden - und richtig begann ich zu schreiben erst bei der richtigen Trennung vor 2.5 Monaten.

    Es tut jeden Tag so gut, hier zu lesen, zu schreiben, zu sein, Unterstützung zu finden, wenn Melancholie aufkommt oder es gerade harzig ist - und es tut auch gut, meine Erfahrungen weitergeben zu können, für Schmetterlinge, die noch in der Beziehung stecken....

    Danke an alle!

  9. #9
    Avatar von Archana
    Registriert seit
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    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II

    Zitat von Govindasa
    Das unendlich Gute an den beiden Strängen ist,

    dass Betroffene in unterschiedlichen Stadien aufeinander treffen.
    Solche, die noch in der Beziehung sind und das erste Mal kurz reingucken und erst ein paar Monate später wieder kommen -
    solche, die in der Beziehung richtig begreifen und sich auf den Weg der Trennung machen -
    solche in der Trennung -
    solche in der akuten Nach-Trennungsphase mit tausend Ehrenrunden -
    solche, die gerade aus der letzten Ehrenrunde kommen und endlich in die ruhigeren Gewässer überfliessen -
    solche, die die Trennung definitiv hinter sich haben und verarbeiten und Eigenanteile anschauen...
    genau

  10. #10
    FrauR
    gelöscht

    AW: Mr. Mc Münchhausen - Teil II

    Bezugnehmend auf Marlenekens Beitrag aus dem alten Strang:


    An meinem Selbstwertgefühl hat VKA in den letzten Monaten massiv herumgesägt. Desöfteren erwische ich mich dabei, wie ich irgendwas gutes von mir in Frage stelle...so in etwa "das ist doch nicht deine Liga - dafür bist du nicht gut genug" und dann taucht irgendetwas in mir auf, dass mir massiv auf die Finger kloppt und STOP schreit "Das hat dir der XXX eingeredet, so ist es nicht!" UND der Gedanke fühlt sich gut an, dass da niemand mehr ist, der pausenlos an mir herumzweifelt und mich so zerstört.

    Ich wünsche euch noch ein schönes sonniges Wochenende
    Ich glaube nicht, dass es etwas damit zutun hat, Marleneken, dass du in dir drin vielleicht nicht sicher genug warst. Denn auch starken Frauen, die zuvor rundum mit sich zufrieden waren, kann das passieren.

    Ich habe Teile von mir hinterfragt, aber nie mich als Ganzes. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass es richtig war, ihm eine zweite Chance zu geben. Als ich das Ausmaß noch nicht wusste.

    Was mich wütend macht, ist, dass ich nicht früher die Courage hatte, aufgrund dessen, was ich über seinen Charakter wusste, mir über das ganze Ausmaß Klarheit zu verschaffen.
    Nicht durch Reden, sondern durch Schnüffeln.
    Dass ich mein Prinzip, dass mir Anstand über alles geht, wichtiger war als mein ungutes Gefühl.
    Dass ich das lieber ertragen habe und mich selbst dafür verantwortlich gemacht habe.
    Dass ich keine "Schnüfflerin" sein wollte. Denn das ist unwürdig. Das hat in einer Beziehung, wie ich sie mir vorstelle, nichts zu suchen. Sonst wäre ich meine "moralische Tadellosigkeit" los.

    Es kann für den VKA gerade darin der Reiz liegen, dass er eine selbstbewusste Frau aussucht, die sich kein x für ein u vormachen lässt, aber die genug Glauben an das Gute im Menschen hat und genug Prinzipientreue, dass sie trotzdem zum leichten Opfer wird. Denn genau dadurch wird sie berechenbar.
    Ein mangelndes Selbstbewusstsein kann es ihm leichter machen, muss aber nicht sein.

    Die Eigenanteile, die ich bei mir sehe, sind gar nichts schlechtes, sondern eigentlich positive Eigenschaften, die für eine stabile Beziehung gebraucht werden. In den falschen Händen aber schamlos ausgenutzt werden können.
    Sogar, sein Bauchgefühl zu hinterfragen. Ich habe oft genug von unbegründeter Eifersucht gelesen, gehört, sie selbst erfahren (weil ich zuvor auch einmal mit jemand zusammen war, der grundlos eifersüchtig war), um zu wissen, dass schlechte Ahnungen nicht immer am Partner liegen müssen, sondern manchmal in einem selbst (z.B. alte Wunden).

    Die Fähigkeit zu einem solchen Reflektionsvermögen und -willen (!) spielt dem VKA natürlich in die Hände. Er kann es benutzen, um dich kirre zu machen, obwohl es an sich eine echte Qualität ist...
    ... wenn man es mit einem normalen Menschen zu tun hat, nicht einem Psychopath.

    Und ein letztes:
    Hätte ich "nur" aufgrund meines schlechten Bauchgefühls diese Ehe eher beendet, ohne zu wissen, was er getan hat, hätte ich mich ein Leben lang gefragt, ob es richtig war. Und wäre damit wieder leichtes Opfer gewesen, wenn er wieder versucht hätte, mich um den Finger zu wickeln.
    Ich brauchte wohl den Ground Zero.

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