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  1. #1

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    Trennung - ausgelöst durch Depression des Partners

    Hallo Ihr Lieben,

    Mit meinem Freund war ich 2 1/2 Jahre zusammen.
    Wir haben uns sehr gut verstanden, sind schnell aufeinander zugegangen und haben uns geöffnet. Nach einem Jahr sind wir zusammengezogen. Wir haben viel unternommen, allein oder mit Freunden, sind oft in Urlaub gefahren.. es war eine schöne Zeit.
    Von Heirat und Zukunftsplänen war die Rede, worauf wir uns beide gefreut haben.

    Jedoch hatten wir von Anfang an das Problem, dass wir uns nicht "richtig streiten" konnten. Es waren nie schlimme oder ernsthafte Sachen, um die sich ein Streit drehte, sondern eher die alltäglichen Kleinigkeiten.
    Doch aus dem kleinsten Streit wurde oft ein tagelanges Desaster.
    Mein Freund hat sich sehr schnell angegriffen gefühlt und war dann tagelang sauer und hat kaum mit mir gesprochen. Es war eine miese Grundstimmung zu Hause, die sich wirklich immer sehr lange hinzog. Auch wenn wir beide gesagt haben, der Streit an sich ist geklärt, zog sich seine Stimmung dann noch über Tage hinweg.
    Auch sagte er immer, ICH sei schuld an dem Streit, weil ich ja mit dem jeweiligen Thema angefangen hätte. Natürlich - ich hab was gesagt. Aber der Streit hat sich eher immer aus der Reaktion von ihm ergeben.
    Ich wollte mich nicht streiten, dafür waren die Dinge auch nicht wichtig.

    Es ist nicht so, dass wir uns alle 2 Wochen gestritten haben - die Zeitabstände waren manchmal auch sehr lange - aber das Problem kam immer und immer wieder.

    Anfang des Jahres nahm der Lauf so langsam seinen Höhepunkt. Ich hatte gerade eine neue Arbeitststelle angefangen. Aufgrund einer Renovierung war auch mein Freund gestresst und ein Wort ergab das Andere, losgelöst durch eine Kleinigkeit, die ich gar nicht mehr benennen kann.
    Damals hatte ich vorgeschlagen, dass ich 3 Tage zu Freunden gehe, damit jeder von uns mal zur Ruhe kommen kann.
    Als ich wiederkam, versprachen wir uns, solche Situationen zukünftig besser zu meistern.

    Ich habe viel probiert, habe Seminare besucht - "Wie sag ich´s auf die nette Weise?", habe mir Mühe gegeben, dass ich - WENN ich mal was Negatives geäußert habe - dies nicht vorwurfsvoll zu machen...
    ich habe wirklich versucht, an mir zu arbeiten. Denn schließlich kann es ja nicht nur an einer Person liegen, wenn es so eskaliert.

    Aber leider wurde es immer schlimmer.

    Ich habe ihn mehrmals darauf angesprochen, dass es für mich kaum auszuhalten ist. Dass man sich nicht immer einig ist, ist völlig normal. Und auch, dass man den Anderen nicht immer von seiner Sicht überzeugen kann.
    Aber ich bin kein nachtragender Mensch. Er dagegen schon.

    Am Schluss war es so, dass er - wenn es mal eine Uneinigkeit gab - eine Woche kaum mit mir gesprochen hat. Er war böse, sagte zwar, dass alles geklärt sei, verhielt sich aber ganz anders.
    Er lies keine Berührungen oder Annäherungsversuche - Worte, Umarmungen - zu, sondern beharrte richtig darauf, auf dem Stimmungslevel zu bleiben.

    Für mich war das absolut schrecklich. Auf der Arbeit ging es mir gut, sobald ich nach Hause musste, ging es mir schlecht, weil ich nie wusste, welche Stimmung mich zu Hause erwartet. Ich bin fast jeden Tag mit einem unguten Gefühl nach Hause gefahren.

    Vor 2 Wochen kam es denn zum endgültigen Bruch.
    Er war wieder 6 Tage sauer gewesen, und ich fragte ihn, ob er mich überhaupt noch liebt und weiterhin mit mir zusammensein möchte. Da guckte er mich beinahe erstaunt an und sagte "Natürlich!" Ich habe dann versucht, die vorherigen Tage abzuhaken und wieder positiv nach vorne zu gucken. Ich habe es wirklich versucht. Wir haben noch mit Freunden was unternommen, über den nächsten Urlaub gesprochen.

    Zwei Tage später fing es wieder an... ausgelöst durch eine Kleinigkeit. Und dann konnte ich nicht mehr. Ich bin halbwegs zusammengebrochen, weil ich den ständigen Druck zu Hause nicht mehr aushalten konnte. Ich liebe ihn, aber ich konnte nicht mehr. Ich sagte ihm daher, dass ich ausziehe und vorerst zu meinen Eltern ziehe. Er akzeptierte das soweit und meinte, dass es wohl das Beste sei.

    Bei meinen Eltern kam ich heulend an - wie schon mal ein paar Monate zuvor, als ich mich trennen wollte. Damals bin ich aber wieder auf ihn zugegangen und zurückgekommen. Danach waren wir sogar noch 2 Wochen im Urlaub und es war eine sehr schöne Zeit.

    Auch an dem Tag war ich ein heulendes Elend- aber ich war auch befreit. Das Gefühl war von Anfang an da: Dass ich erleichtert war, dass ich nicht mehr nach Hause kommen und Angst haben muss, was mich für eine Stimmung erwartet.

    Wir hatten vereinbart, dass wir uns nach 1 1/2 Wochen nochmal treffen und ich auch ein paar persönliche Sachen mitnehme.
    Vor dem Treffen hatte ich ein ungutes Gefühl... aber "nur", weil man das erste Mal wieder aufeinandertrifft. Mit meiner Entscheidung zu gehen war ich im Reinen.

    Als ich da war, unterhielten wir uns und er sagte, dass es natürlich nicht nur meine Schuld gewesen sei. Dass er DAS zugibt, hat mich schon überrascht.
    Aber dann sagte er, dass es ja zur Diagnose passe, die ihm sein Arzt gegeben hat. Ich fragte ganz entsetzt, was er denn hätte - und er sagte, bei ihm seien Depressionen mit Burn Out festgestellt worden.

    Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.
    Als ich da war, habe ich nur an ihn gedacht - was die Diagnose für ihn bedeutet. Ich habe ihn in den Arm genommen, er hat auch geweint. Ich habe positive Sachen gesagt und versucht, ihm Mut zu machen. Er sagte, er braucht jetzt erstmal Zeit für sich. Natürlich, da stimme ich ihm voll und ganz zu!

    Aber mir geht es damit richtig, richtig schlecht.
    Ich mache mir Vorwürfe, dass ich es nicht erkannt habe.
    Vom gesunden Verstand her kann ich sagen "Wie hättest du es merken sollen?"
    Er ist jeden Tag zur Arbeit gegangen, hat Überstunden gemacht, hat sich mit Freunden getroffen usw.
    Nur zu Hause - wenn wir zu zweit waren - war er so komisch drauf. Ich habe das natürlich auf mich bezogen bzw. auf unser Zusammensein.

    Er hat gewisse Grundeigenschaften, die es vielleicht erahnen lassen.
    Er lässt sich schnell hängen, ist schnell lustlos und nicht zu motivieren - aber ich habe ihn nicht anders kennengelernt und seine Art so akzeptiert. Auf die Idee, dass da mehr hintersteckt, bin ich nicht gekommen.

    Durch die gestellte Diagnose erklären sich jetzt viele Reaktionen von ihm. Das "Wegschieben", dass immer ich die Schuldige war.

    Und auch das macht es mir schwer. Bei der Trennung habe ich mir gesagt "Ok, er hat sich verändert, es passt nicht mehr, damit willst du nicht mehr leben". Da hatte es was Endgültiges.
    Dieses Endgültige ist jetzt weg... es HATTE einen Grund, dass er sich so verhalten hat. Manche Sachen kann ich jetzt nachvollziehen, auch wenn es nicht immer korrekt war.

    Die Option, dass wir wieder zusammenkommen, steht momentan gar nicht zur Debatte.
    Ich habe mich schon so weit entfernt durch die lange, schwierige Zeit, dass ich gar nicht auf ihn zugehen könnte. Ich muss zu allem erstmal Abstand finden.
    Ich suche mir auf jeden Fall eine eigene Wohnung, das weiß er und findet er auch gut.

    Von seiner Seite aus auch nicht - er sagte, er muss jetzt erstmal zu sich selber finden. Das sehe ich auch und finde es absolut richtig.

    Er liebt mich noch - ausgesprochen wurde es nicht, aber ich weiß es. Von mir aus sind auch noch Gefühle da, die evtl. irgendwann mal wieder ausbaufähig wären.

    Aber ich denke, im Moment müssen wir uns beide auf uns selber konzentrieren. Wenn man sich irgendwann mal wieder begegnet, vielleicht besteht dann eine Chance.

    Aber ich möchte auch nicht darauf HOFFEN, dass es so kommt -
    es ist eine so schwierige Situation.

    Bei mir mischt sich Traurigkeit mit Selbstvorwürfen. Ich möchte eigentlich nur noch zu mir kommen.
    Ich würde ihm auch gerne helfen, wenn er es zulassen würde. Aber das macht er momentan nicht, kann ich aber auch verstehen.

    Wir haben vereinbart, dass ich meine Sachen hole, wenn ich eine Wohnung habe und uns in 3 Wochen nochmal treffen.
    Wenn ich dann später eine Wohnung habe, meinte er , würde er es schön finden, wenn wir uns mal auf einen Cocktail treffen würden.

    Das finde ich grundsätzlich auch gut - aber ich bin hin- und hergerissen zwischen Freude, Frust, Sorge und Hoffnung.


    Das Runterschreiben hat mir schon ein bisschen geholfen -
    und vielleicht gibt es ja Einige, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben?

    Darüber würde ich mich sehr freuen!

  2. #2
    Avatar von brighid
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    AW: Trennung - ausgelöst durch Depression des Partners

    ich möchte dir, mit eigenen erfahrungen, ein buch empfehlen:

    huub buijssen, depression, helfen und sich nicht verlieren. ein ratgeber für freunde und familie. im beltz-verlag.

    es wurde mir von meiner therapeutin empfohlen und hat mir viel hilfe und halt gegeben.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

    jeder denkt daran, die welt zu verändern. aber niemand denkt daran sich selbst zu verändern. tolstoi

  3. #3

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    AW: Trennung - ausgelöst durch Depression des Partners

    Hmm, mir schoss als erstes durch den Kopf, super jetzt hat er auch noch eine Erklärung dafür dass die Beziehung den Bach runtergegangen ist und der Clou, er ist gar nicht schuld!

    War er schon beim Psychologen? Hat er eine Kur eingereicht? Ist er krank geschrieben?

    Du bist jedenfalls nicht schuld und Du konntest es auch nicht sehen, denn wer sich nicht äussert dem kann nicht geholfen werden. Diese Diagnose ist auch keine Entschuldigung für diese Mobbingaktionen über Tage wenn er mit Deiner Meinung einfach nicht klar kam! Bockiges, kleines Kind, was seinen Willen nicht bekommt Reaktion!!!!!
    Veranoazul - Blauer Sommer

  4. #4

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    AW: Trennung - ausgelöst durch Depression des Partners

    So ein Verhalten, wie er gezeigt hat, hat immer einen Grund.

    Die Frage ist aber, ob der Grund was am Ergebnis ändert. Anders ausgedrückt: Ob sich so eine massive Verhaltensform "heilen", wegtherapieren lässt.

    Ich glaube eher nicht, sondern dass er immer wieder bei Problemen so reagieren würde. Ich denke, Du musst Deine Trennung nicht bereuen.

  5. #5
    Moderation Avatar von LaRimbecca
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    AW: Trennung - ausgelöst durch Depression des Partners

    Die Diagnose mag einige Erklärungen für sein Verhalten liefern, sie ist aber weder Entschuldigung noch Freifahrtschein für schlechtes Verhalten und emotionale Erpressung.

    Ich würde an Eurer Stelle die Frage nach der "Schuld" mal komplett rauslassen, das bringt Euch nicht weiter. Ich glaube, es ist gut, dass ihr auf Distanz geht. Sortiere Dich, lebe Dein Leben. Dasselbe kann Dein Ex jetzt tun, eine Therapie(<-- hat er eine geplant?) ist außerdem kein Zuckerschlecken.

    Du musst kein schlechtes Gewissen haben, eisnacht. Du hast die Krankheit nicht verursacht. Wahrscheinlich waren einige Strukturen schon immer latent vorhanden. Du hast auch keine Sonderverpflichtung, Dich um Deinen Ex zu kümmern oder gar noch die Trennung zurückzunehmen. Dein Ex wird selbst schauen müssen, wie er mit der Krankheit umgehen kann. Aus diesem Grund ist das Alleinsein auch für ihn sicherlich gut, er kann sich vollständig auf sich konzentrieren.

    Und Du Dich auf Dich. Es klingt alles sehr, sehr stressig. Dann noch ein neuer Job - nutze die Zeit auch für Dich.
    Swing. Don´t walk.
    (Tim Flach)



    Moderation:
    Trennung und Scheidung
    Religion und Philosophie
    Kunst - Von Malerei über Austellungen bis Theater

  6. #6

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    AW: Trennung - ausgelöst durch Depression des Partners

    Liebe Eisnacht,

    als jemand, der selber schon mit Depressionen und Burnout zu tun hatte,
    möchte ich Dir sagen:
    zieh Dir diesen Schuh bitte NICHT an.

    Das eine ist die Krankheit an sich - das andere ist der Umgang des Menschen damit
    und sein Charakter.

    Viele - wenn nicht die meisten - Depressiven neigen eher stark dazu,
    SICH SELBER an allem die Schuld zu geben. Auch nicht gesund, klar - nur:
    wenn ein Partner so einfach alles auf den anderen abwälzt,
    dann ist das für mich als ehemals selber Betroffene eine Frage des Charakters
    bzw. des generellen Umgangs mit Depressionen.

    Jemanden mal eben eine Woche lang anzuschweigen ist nicht einfach nur ein Symptom einer
    Depression, und solange der Mensch nicht völlig unzurechnungsfähig ist,
    ist er für den Umgang mit seinen Symptome immer noch selber verantwortlich.

    Bitte tu Dir selber ganz viel Gutes in nächster Zeit und halte einen gesunden Abstand zu ihm.

    Liebe Grüsse!

  7. #7

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    AW: Trennung - ausgelöst durch Depression des Partners

    Ich danke euch für eure Antworten!

    Er ist seit 2 1/2 Wochen krankgeschrieben, ab dieser Woche soll er Medikamente kriegen.
    Der Arzt hat ihm zu einer Therapie geraten - ob er das auch umsetzt, weiß ich nicht.

    Den Gedanken, den ihr in den Postings angesprochen habt, hatte ich auch mal:
    Dass die Krankheit vielleicht einiges erklärt, dass "Nicht-Reden" usw. aber eine Charaktereigenschaft ist, die einfach in ihm drinsteckt.

    Dass war auch mein Gedanke bei der Trennung: Es passt nicht (mehr), das will ich nicht mehr.

    Die Diagnose hat mich jetzt daran zweifeln lassen...
    Dass ich vielleicht zu heftig reagiert habe und im Nachhinein alles in einem komplett anderen Licht sehen sollte.

    Aber es war wohl genau richtig

  8. #8
    Avatar von hillary
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    AW: Trennung - ausgelöst durch Depression des Partners

    @eisnacht,

    ich habe einen burnout hinter mir, so weit ich mich erinnern kann, habe ich andere dafür nicht verantwortlich gemacht.
    Depression oder depressive Phase? Kommt noch ADHS dazu?
    Mittlerweile scheint das halbe Land daran zu leiden.
    Ich will diese Krankheiten gar nicht herunterspielen, habe im Winter selbst regelmäßig depressive Phasen und derzeit zwei Tweenties in der Familie, die damit diagnostiziert wurden.
    Das ist manchmal zum Haare ausraufen.
    Aber helfen kannst du leider wenig, du kannst allerdings lernen, deine Grenzen zu ziehen.
    Nicht reden ist übrigens kein Anzeichen von burnout, sondern ein ziemliches Männerding.
    Du hast überhaupt nicht zu heftig reagiert, sondern instinktiv das Richtige getan.
    Mit dem Satz vom Zusammenhalten in guten wie in schlechten Tagen ist nicht gemeint, dass sich einer tyrannisieren lässt.

    Alles Gute für dich.
    Wenn du in den Spiegel schaust, siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist.

    Ich habe noch nie gehört, dass es jemandem gelungen ist, vor sich selbst davonzulaufen.


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