Hallo Ihr Lieben,
Mit meinem Freund war ich 2 1/2 Jahre zusammen.
Wir haben uns sehr gut verstanden, sind schnell aufeinander zugegangen und haben uns geöffnet. Nach einem Jahr sind wir zusammengezogen. Wir haben viel unternommen, allein oder mit Freunden, sind oft in Urlaub gefahren.. es war eine schöne Zeit.
Von Heirat und Zukunftsplänen war die Rede, worauf wir uns beide gefreut haben.
Jedoch hatten wir von Anfang an das Problem, dass wir uns nicht "richtig streiten" konnten. Es waren nie schlimme oder ernsthafte Sachen, um die sich ein Streit drehte, sondern eher die alltäglichen Kleinigkeiten.
Doch aus dem kleinsten Streit wurde oft ein tagelanges Desaster.
Mein Freund hat sich sehr schnell angegriffen gefühlt und war dann tagelang sauer und hat kaum mit mir gesprochen. Es war eine miese Grundstimmung zu Hause, die sich wirklich immer sehr lange hinzog. Auch wenn wir beide gesagt haben, der Streit an sich ist geklärt, zog sich seine Stimmung dann noch über Tage hinweg.
Auch sagte er immer, ICH sei schuld an dem Streit, weil ich ja mit dem jeweiligen Thema angefangen hätte. Natürlich - ich hab was gesagt. Aber der Streit hat sich eher immer aus der Reaktion von ihm ergeben.
Ich wollte mich nicht streiten, dafür waren die Dinge auch nicht wichtig.
Es ist nicht so, dass wir uns alle 2 Wochen gestritten haben - die Zeitabstände waren manchmal auch sehr lange - aber das Problem kam immer und immer wieder.
Anfang des Jahres nahm der Lauf so langsam seinen Höhepunkt. Ich hatte gerade eine neue Arbeitststelle angefangen. Aufgrund einer Renovierung war auch mein Freund gestresst und ein Wort ergab das Andere, losgelöst durch eine Kleinigkeit, die ich gar nicht mehr benennen kann.
Damals hatte ich vorgeschlagen, dass ich 3 Tage zu Freunden gehe, damit jeder von uns mal zur Ruhe kommen kann.
Als ich wiederkam, versprachen wir uns, solche Situationen zukünftig besser zu meistern.
Ich habe viel probiert, habe Seminare besucht - "Wie sag ich´s auf die nette Weise?", habe mir Mühe gegeben, dass ich - WENN ich mal was Negatives geäußert habe - dies nicht vorwurfsvoll zu machen...
ich habe wirklich versucht, an mir zu arbeiten. Denn schließlich kann es ja nicht nur an einer Person liegen, wenn es so eskaliert.
Aber leider wurde es immer schlimmer.
Ich habe ihn mehrmals darauf angesprochen, dass es für mich kaum auszuhalten ist. Dass man sich nicht immer einig ist, ist völlig normal. Und auch, dass man den Anderen nicht immer von seiner Sicht überzeugen kann.
Aber ich bin kein nachtragender Mensch. Er dagegen schon.
Am Schluss war es so, dass er - wenn es mal eine Uneinigkeit gab - eine Woche kaum mit mir gesprochen hat. Er war böse, sagte zwar, dass alles geklärt sei, verhielt sich aber ganz anders.
Er lies keine Berührungen oder Annäherungsversuche - Worte, Umarmungen - zu, sondern beharrte richtig darauf, auf dem Stimmungslevel zu bleiben.
Für mich war das absolut schrecklich. Auf der Arbeit ging es mir gut, sobald ich nach Hause musste, ging es mir schlecht, weil ich nie wusste, welche Stimmung mich zu Hause erwartet. Ich bin fast jeden Tag mit einem unguten Gefühl nach Hause gefahren.
Vor 2 Wochen kam es denn zum endgültigen Bruch.
Er war wieder 6 Tage sauer gewesen, und ich fragte ihn, ob er mich überhaupt noch liebt und weiterhin mit mir zusammensein möchte. Da guckte er mich beinahe erstaunt an und sagte "Natürlich!" Ich habe dann versucht, die vorherigen Tage abzuhaken und wieder positiv nach vorne zu gucken. Ich habe es wirklich versucht. Wir haben noch mit Freunden was unternommen, über den nächsten Urlaub gesprochen.
Zwei Tage später fing es wieder an... ausgelöst durch eine Kleinigkeit. Und dann konnte ich nicht mehr. Ich bin halbwegs zusammengebrochen, weil ich den ständigen Druck zu Hause nicht mehr aushalten konnte. Ich liebe ihn, aber ich konnte nicht mehr. Ich sagte ihm daher, dass ich ausziehe und vorerst zu meinen Eltern ziehe. Er akzeptierte das soweit und meinte, dass es wohl das Beste sei.
Bei meinen Eltern kam ich heulend an - wie schon mal ein paar Monate zuvor, als ich mich trennen wollte. Damals bin ich aber wieder auf ihn zugegangen und zurückgekommen. Danach waren wir sogar noch 2 Wochen im Urlaub und es war eine sehr schöne Zeit.
Auch an dem Tag war ich ein heulendes Elend- aber ich war auch befreit. Das Gefühl war von Anfang an da: Dass ich erleichtert war, dass ich nicht mehr nach Hause kommen und Angst haben muss, was mich für eine Stimmung erwartet.
Wir hatten vereinbart, dass wir uns nach 1 1/2 Wochen nochmal treffen und ich auch ein paar persönliche Sachen mitnehme.
Vor dem Treffen hatte ich ein ungutes Gefühl... aber "nur", weil man das erste Mal wieder aufeinandertrifft. Mit meiner Entscheidung zu gehen war ich im Reinen.
Als ich da war, unterhielten wir uns und er sagte, dass es natürlich nicht nur meine Schuld gewesen sei. Dass er DAS zugibt, hat mich schon überrascht.
Aber dann sagte er, dass es ja zur Diagnose passe, die ihm sein Arzt gegeben hat. Ich fragte ganz entsetzt, was er denn hätte - und er sagte, bei ihm seien Depressionen mit Burn Out festgestellt worden.
Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.
Als ich da war, habe ich nur an ihn gedacht - was die Diagnose für ihn bedeutet. Ich habe ihn in den Arm genommen, er hat auch geweint. Ich habe positive Sachen gesagt und versucht, ihm Mut zu machen. Er sagte, er braucht jetzt erstmal Zeit für sich. Natürlich, da stimme ich ihm voll und ganz zu!
Aber mir geht es damit richtig, richtig schlecht.
Ich mache mir Vorwürfe, dass ich es nicht erkannt habe.
Vom gesunden Verstand her kann ich sagen "Wie hättest du es merken sollen?"
Er ist jeden Tag zur Arbeit gegangen, hat Überstunden gemacht, hat sich mit Freunden getroffen usw.
Nur zu Hause - wenn wir zu zweit waren - war er so komisch drauf. Ich habe das natürlich auf mich bezogen bzw. auf unser Zusammensein.
Er hat gewisse Grundeigenschaften, die es vielleicht erahnen lassen.
Er lässt sich schnell hängen, ist schnell lustlos und nicht zu motivieren - aber ich habe ihn nicht anders kennengelernt und seine Art so akzeptiert. Auf die Idee, dass da mehr hintersteckt, bin ich nicht gekommen.
Durch die gestellte Diagnose erklären sich jetzt viele Reaktionen von ihm. Das "Wegschieben", dass immer ich die Schuldige war.
Und auch das macht es mir schwer. Bei der Trennung habe ich mir gesagt "Ok, er hat sich verändert, es passt nicht mehr, damit willst du nicht mehr leben". Da hatte es was Endgültiges.
Dieses Endgültige ist jetzt weg... es HATTE einen Grund, dass er sich so verhalten hat. Manche Sachen kann ich jetzt nachvollziehen, auch wenn es nicht immer korrekt war.
Die Option, dass wir wieder zusammenkommen, steht momentan gar nicht zur Debatte.
Ich habe mich schon so weit entfernt durch die lange, schwierige Zeit, dass ich gar nicht auf ihn zugehen könnte. Ich muss zu allem erstmal Abstand finden.
Ich suche mir auf jeden Fall eine eigene Wohnung, das weiß er und findet er auch gut.
Von seiner Seite aus auch nicht - er sagte, er muss jetzt erstmal zu sich selber finden. Das sehe ich auch und finde es absolut richtig.
Er liebt mich noch - ausgesprochen wurde es nicht, aber ich weiß es. Von mir aus sind auch noch Gefühle da, die evtl. irgendwann mal wieder ausbaufähig wären.
Aber ich denke, im Moment müssen wir uns beide auf uns selber konzentrieren. Wenn man sich irgendwann mal wieder begegnet, vielleicht besteht dann eine Chance.
Aber ich möchte auch nicht darauf HOFFEN, dass es so kommt -
es ist eine so schwierige Situation.
Bei mir mischt sich Traurigkeit mit Selbstvorwürfen. Ich möchte eigentlich nur noch zu mir kommen.
Ich würde ihm auch gerne helfen, wenn er es zulassen würde. Aber das macht er momentan nicht, kann ich aber auch verstehen.
Wir haben vereinbart, dass ich meine Sachen hole, wenn ich eine Wohnung habe und uns in 3 Wochen nochmal treffen.
Wenn ich dann später eine Wohnung habe, meinte er , würde er es schön finden, wenn wir uns mal auf einen Cocktail treffen würden.
Das finde ich grundsätzlich auch gut - aber ich bin hin- und hergerissen zwischen Freude, Frust, Sorge und Hoffnung.
Das Runterschreiben hat mir schon ein bisschen geholfen -
und vielleicht gibt es ja Einige, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben?
Darüber würde ich mich sehr freuen!![]()











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