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  1. #1

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    Ist das Leben fair?

    Das Leben ist nicht fair ...es ist, wie es ist!

    Völlig verzweifelt fragte ich vor Jahren meinen Therapeuten,
    warum es so wäre und nicht anders?
    ICH hatte es mir anders vorgestellt ...
    ICH hatte eine Vorstellung, was Leben zu sein hatte ...
    Er fragte mich:
    "Hat Ihnen denn einer versprochen, dass das Leben fair ist?"

    S e i n e Frage stellte er mir vor vielen vielen Jahren,
    sie arbeitet heute noch in mir ...
    auch und besonders nach Tommys Tod!

    Das Leben ist nicht fair und keiner hat mir versprochen,
    dass es das sei!
    Falls doch, so hat derjenige gelogen ...

    Ich selbst muss schauen, ob und wie ich mit den Gegebenheiten zurechtkomme ...
    oder auch nicht.

    Ich war grantig über meine "Freunde" nach Tommys Tod,
    keiner konnte mir helfen, keiner konnte mich trösten!
    Sie waren einfach überfordert und wussten nicht,
    wie sie mir begegnen sollten ...sie waren hilflos ...auch jene,
    die selbst schon einen schmerzhaften Todesfall erlebt hatten.
    Sie standen da, sagten Etwas, was mich überhaupt nicht erreichte,
    hielten mich im Arm ...und ich fand es lästig.

    Keiner konnte mir was recht machen, selbst,
    wenn sie es gewollt hätten ...
    sie wollten sicher, aber ich habe es nicht gemerkt ...
    ICH war untröstlich!
    Jedes Wort war wie ein Messerstich!
    Und doch war es nur die Hilflosigkeit meines Gegenübers ...
    was jemand auch sagte oder tat ...war verkehrt und einfach unfair!

    Ich selbst auch, denn ICH legte jedes Wort auf die Goldwaage, fühlte mich angegriffen und soooo verletzlich ...
    was ich ja auch war und bin!
    ICH wollte auch sterben ...
    und bins ja auch irgendwie ein Stück mit Tommys Tod!
    "Etwas" von mir ist mit ihm gegangen ...

    Ich bin zu meiner Therapeutin gegangen und habe mir von ihr helfen lassen,
    über die allerschwerste Zeit zu kommen.

    Da waren urplötzlich Schuldgefühle und ICH wusste nicht,
    wieso das so war ...sie zerfrassen mich förmlich.
    So erfuhr ich , dass ES fast JEDEN trifft ...
    die Hilflosigkeit "Angesicht des Todes" zu erkennen und die
    "Schuld des Überlebens"!!! auszuhalten ...

    SIE konnte mir helfen, ich habe verstanden, begriffen, fühlen können,
    was da in MIR geschieht ... m e i n Leben ist aus den Fugen geraten,
    nicht das Leben der anderen.

    Es war und ist meine Aufgabe, mein eigenes Leben wiederzufinden,
    mir selbst etwas "wert" zu sein und es so zu leben,
    dass, wenn ich Tommy wiederbegegne irgendwann, irgendwo,
    er weiss,
    "SEIN" Tod war nicht umsonst ...
    ER weiss es jetzt schon ...er lächelt mir mit seinen Bergseeaugen zu ...ich fühle es ...

    Mein Leben hat sich verändert, ICH habe mich verändert,
    in mir hat sich sehr viel verändert ...
    und so erkenne ich ...
    das Leben ist Veränderung!
    Nichts, aber auch gar nichts bleibt so, wie ich es gerne hätte!

    So bleibt mir nichts anderes übrig, als mit den Veränderungen zu fliessen,
    mich selbst wiederzufinden, um daraus "stärker und entwickelter" hervorzugehen,
    als es sonst je der Fall gewesen wäre.

    Jeder geht seinen Weg, jeder auf seine Weise, in seiner Zeit,
    in seinem Tempo ...

    Ich habe lange in die Aussage gefühlt:
    Alles was ist, ist richtig, sonst wäre es nicht!
    Damit konnte ich gar nichts für mich anfangen ...erstmal!

    Heute weiss ich, dass es so ist ...
    wie könnte es auch anders sein ...sonst wäre es ja nicht gewesen!
    Sonst wäre es anders!!!

    Ich ändere in mir, was ICH ändern kann ...
    an äusseren Begebenheiten und an den Umständen kann ich nichts mehr ändern.
    Ich kann sie nur annehmen ...und das ist schon schwer genug, für jeden anderen auch!

    Ich weiss nun gar nicht, ob dieses hier in dieses Forum passt?
    Ich schreibs trotzdem hier her ...vielleicht kann ja jemand etwas damit anfangen?

    Mein Trauerprozess dauert an, er hat sich verändert ...
    ich vermisse Tommy, er fehlt mir so sehr!
    Warum?
    Warum JETZT?
    Warum DU?
    Warum JETZT ohne DICH?
    Diese Frage ist gegenwärtig, solange, bis sie es nicht mehr ist ...
    beantworten kann ICH sie nicht, diese Frage,
    doch sie quält mich nicht mehr.

    Es ist wie es ist!
    Das ist das Leben!
    Und es geht immer weiter ...
    Ich hätte es gern anders gehabt ...doch:
    das "Leben" ist nicht fair!"
    DAS gilt es für mich zu akzeptiern ...
    und mein Leben "ohne" Tommy als Mensch aus Fleisch und Blut,
    doch "mit ihm im Herzen, immer"!

    Danke liebe Birgit für diesen schönen Spruch.

    Ich danke allen, die den Mut haben, über sich, ihre Trauer und ihre Gefühle zu schreiben,
    egal, welche es sind ...
    das hat mir in meine allertraurigsten Zeit sehr geholfen, zu "überleben"!

    Ich danke euch fürs Zuhören

    In Dankbarkeit für alles,
    was ich in "diesem" Leben für mich erfahren durfte und noch erfahren werde ...

    Lyanna

  2. #2
    Avatar von orenda
    Registriert seit
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    AW: Ist das Leben fair?

    Liebe Lyanna,

    wo kann ich unterschreiben? Schöner und treffender hätte man es nicht sagen können!!!

    Danke!!!

    Liebe Grüße,
    orenda
    Ein neues Leben können wir nicht anfangen, aber täglich einen neuen Tag.
    (Henry David Thoreau)

  3. #3
    Avatar von Haferflocke
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    AW: Ist das Leben fair?

    Liebe Lyanna,

    danke für deine Worte und Gedanken. Sie haben mich weinen lassen....

    Es stimmt, keiner hat einem versprochen, dass das Leben fair sei. Und trotzdem ist man stumm vor Hoffnungslosigkeit und Trauer, wenn man merkt, WIE unfair das Leben sein kann...

    Traurige Grüße,
    Haferflocke
    Wenn Mensch und Berg sich begegnen,
    ereignen sich große Dinge,
    die sich im Gedränge der Straßen
    nicht verwirklichen lassen

    William Blake

  4. #4

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    AW: Ist das Leben fair?

    Liebe Orenda

    Ich danke dir für deinen Mut, dich so offen zu zeigen und zu teilen,
    was dich bewegt und WIE sich DEIN Leben verändert ...
    DAS macht Mut zum Weiterleben und ..."forschen" ...irgendwie!

    Es freut mich, dass du unterschreiben magst!


    Lyanna

  5. #5

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    AW: Ist das Leben fair?

    Haferflöckchen (darf ich dich so nennen?)

    Ich weine doch auch, ICH BIN traurig ...
    und manchmal, einfach so aus heiterem Himmel, tut es ganz schrecklich weh ...
    so weh, dass ich meine, es zer-reisst mich!

    Wie oft stöhne ich und weine und will einfach nur meinen Tommy wiederhaben ...
    nix, nichts anderes ...er soll einfach nur wieder da sein!

    Neulich hatte ich eine Art "Vision" ...
    er kam über die Terrasse, schelmisch aus seinen Äuglein blitzend und rief:
    "Ich bin hause, ich bin so gern zuhause, bei dir bin ich am liebsten, mein Mäuschen"!

    Tiefes Schluchzen in mir und Tränenbäche aus meinen Augen ...
    da kann ich gar nichts gegen tun ...auch DAS ist LEBEN ...
    nur eben eine andere Art ...

    Ja, und dann fragte ich mich, was würde ich denn tun,
    wenn er tatsächlich in "echt" zur Tür reinkäme?

    Ich habe mich so erschrocken, es fühlte sich an,
    als würde ich vom Stuhl kippen ...
    Ja, und so bleibt mir gar nix anderes, als zu akzeptieren, was ist!

    Weiterleben ...nur anders!

    Ich sage immer zu Tommy:
    "Ich bleibe noch ein bisschen hier und dann komme ich auch"!

    DAS tröstet mich irgendwie ...
    ich weiss ja, dass ich diesen Weg auch gehe ...irgendwann ...
    wer weiss schon - wann?
    Das kann j e d e r z e i t sein!
    Und auch das gilt für JEDEN!
    Es ist mir nur nicht immer so bewusst gewesen wie JETZT!

    Doch dazwischen liegt das, was wir LEBEN nennen ...
    ja, und das ist halt nicht fair.
    Es ist bestimmt nicht das, was wir Menschen unter "fair" verstehen...
    doch es ist, wie es ist ...das LEBEN!


    Ich drück dich, liebes Flöckchen.
    Ich bin mit dir traurig, ich fühle dich, ich weine mit dir ...
    um die Liebsten, die vor uns gegangen sind und die wir unendlich vermissen.
    Sie haben uns etwas hiergelassen ...was?
    Das kann nur jeder für sich selbst rausfinden.

    Ich durfte durch und mit Tommy die totale Akzeptanz und Anerkennung meiner selbst und aller Dinge erfahren ...
    das lohnt es sich, weiterzuleben ...
    bedingungslose Akzeptanz aller Dinge, die sind, wie sie sind ...nicht zu ändern ...eben "unfair"!
    und was ICH ändern kann, das ändere ich ...in mir!

    Das kann dauern ...aber was ist schon Zeit?


    Lyanna

  6. #6
    Avatar von prinzessin01979
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    AW: Ist das Leben fair?

    Liebe Lyanna,

    ja, das Leben ist nicht fair. Es ist wie es ist, diese Worte fand ich schon immer hilfreich.

    Du hast es alles so schön beschrieben, dass ich gar nicht mehr viele Worte dazufügen brauch.

    Dein Zitat:

    Da waren urplötzlich Schuldgefühle und ICH wusste nicht,
    wieso das so war ...sie zerfrassen mich förmlich.
    So erfuhr ich , dass ES fast JEDEN trifft ...
    die Hilflosigkeit "Angesicht des Todes" zu erkennen und die
    "Schuld des Überlebens"!!! auszuhalten ...

    Zitat Ende

    Diese Schuld des Überlebens kenne ich auch zeitweilig. Ich darf all das noch machen, was mein Brüderchen nicht mehr kann. Ich kann noch all die schönen Dinge hier auf dieser Erde erleben. Ich hatte Glück- und er hatte es nicht.. denn er war so unglücklich, dass er den Tod dem Leben vorgezogen hat. Und deswegen habe ich auch manchmal Schuldgefühle.. das ich nicht diejenige war, die so unglücklich war und so sehr hier gelitten haben muss, sondern mein kleiner Bruder...

    Liebe Lyanna, noch ganz viel Kraft für Dich!

    Sei ganz lieb gegrüßt,
    Melissa

  7. #7

    Registriert seit
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    AW: Ist das Leben fair?

    Liebe Prinzessin Melissa

    Ich danke dir für deine Kraftwünsche, ich nehme sie gerne an ...
    kann sie so gut gebrauchen!

    Ja, ich bin dabei, den "Sinn des Lebens" zu überdenken,
    neu zu sortieren und mich auch ein bisschen zu bedauern.
    Mich selbst bedauern kann kraftvoll sein ...
    manchmal fühle ich mich "danach" wie "neu"-geboren und manchmal auch nicht.

    Es ist wie es ist!

    DAS, was JETZT ist, ist der Sinn des (meines) Lebens,
    bis wieder etwas anderes zu bearbeiten ist?
    Step by step ...
    Ich weiss es nicht.
    Und wenn ich es wüsste, was könnte ich ändern.
    Das Leben?
    Nö, es ist wie es ist ...und manchmal eben nicht "fair"!

    Damit leben zu lernen ...das JETZT ist mein Sinn des Lebens!

    Einfach ist es nicht ...aber machbar.
    Mal besser, mal nicht ...sowohl als auch!
    Genau dieses erfahre ich ja hier von euch in all euren Postings!
    Dafür möchte ich dir danken, liebe Melissa
    und allen anderen auch.

    Grad jetzt fühl ich mich völlig daneben ...
    nicht auszuhalten für meine Mitmenschen.

    Muss wohl so sein, sonst wäre es ja anders!

    Ausgesprochen ungewohnt dieser Zustand!

    Für uns alle ein grosses Paket Kraft und Mut für die Prozesse,
    die zu bewältigen sind.

    Alles Liebe


    Lyanna

  8. #8

    Registriert seit
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    AW: Ist das Leben fair?

    Und grade Jetzt hab ich das Telefon ausgehängt, die Klingel abgestellt ...
    bin nur am Jammern und Klagen ...für mich selbst!
    Mag nichts und niemanden "sprechen"!

    Ich klage und jammere um mich selbst?
    Warum nicht?
    Das Leben ist nicht "fair"!

    Gerade JETZT weiss ICH überhaupt nicht, was ich hier mache ...
    was ich hier noch soll?
    Es fällt mir alles unglaublich schwer ...sogar das Atmen macht mir Probleme ...
    ich schleppe mich wie ein aufgeplatzter Kartoffelsack durch die Gegend ...
    ich fühle mich so schweeeer ...
    jedes Organ ist spürbar wie eine Zentnerlast!
    Ich habe keine Lust mehr auf/zu gar nichts ...mir fehlt die Freude an den Dingen ...
    sie ist mir Knall auf Fall wieder abhanden gekommen!
    Einfach so!
    Einen akuten Anlass dafür gab/gibt es nicht!

    Ich muss sie mir mühsam erarbeiten die "Freude am Leben",
    ich weiss das und ich will auch ...
    aber gerade in diesem Moment eben nicht!

    Mir fehlen Kraft und Mut zum Weiterfreuen ...
    zum "Lust am Leben" haben.
    ICH lasse mich hängen ...warum auch nicht?!

    So isses eben JETZT, was kann ich tun?
    Nix, ausser es zu akzeptieren, dass es so ist!
    Und weiterschluchzen, bis es aufhört!
    Irgendwann ...
    Jetzt bin ich völlig "ausser mir" ...

    Danke, dass ich hier schreiben darf, tut gut.
    Danke fürs Zuhören.

    Lyanna

  9. #9
    Avatar von Haferflocke
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    AW: Ist das Leben fair?

    Liebe Lyanna,

    richtig, Du kannst es nur akzepzieren.
    Schluchzen, weinen, schreien, dich selbst beweinen, Du hast allen Grund dazu, lass alles raus.
    Es ist so mühsam, dieses Achterbahn fahren, oder? Es macht so unendlich müde, dass man nie weiß, wie es einem im nächsten Moment geht.
    Ich kenn das alles, dieses rumschleppen, das Herz klopft bis zum Hals, man ist eientlich zu müde, um weiter zu machen. Manchmal frage ich mich, wie es dann irgendwie doch immer weitergeht....
    Aber irgendwie geht es, weißt ja selbst.
    Als Du das mit der Lust am Leben gesagt hast, mußte ich an einen Spruch denken, den hier mal jemand geschrieben hat:
    Man muss die Gebärden des Lebens machen und irgendwann kommt dann das Leben zurück....

    Ganz liebe Grüße,
    Haferflocke
    Wenn Mensch und Berg sich begegnen,
    ereignen sich große Dinge,
    die sich im Gedränge der Straßen
    nicht verwirklichen lassen

    William Blake

  10. #10
    Avatar von orenda
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    AW: Ist das Leben fair?

    Zitat Zitat von Haferflocke
    Als Du das mit der Lust am Leben gesagt hast, mußte ich an einen Spruch denken, den hier mal jemand geschrieben hat:
    Man muss die Gebärden des Lebens machen und irgendwann kommt dann das Leben zurück....
    Was ist denn die Gebärde des Lebens? *neugierig frag* - Könnte ich nämlich auch gerade gebrauchen.

    Ansonsten... lasst und mal wieder in den Armen liegen , virtuell. Wir haben es wohl gerade alle nötig.

    Langsam frage ich mich, ob da irgendwas in der Luft liegt? Ist es eine bestimmte Zeit... Wetter trüb, Tage werden länger
    (passt irgendwie nicht, normal wird man doch trübsinnger, wenn es anders rum ist)... keine Ahnung.

    Drück Euch trotzdem nochmal

    Grüßle,
    orenda
    Ein neues Leben können wir nicht anfangen, aber täglich einen neuen Tag.
    (Henry David Thoreau)

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