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  1. #131

    Registriert seit
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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Hallo,

    hatte gestern ein tiefes Gespräch mit einer lieben Nachbarin beim Kaffee, das mich aber etwas verwirrt zurückgelassen hat.
    Sie hat mich ob meiner Stärke sehr bewundert, hat sie gesagt, und irgend wie einen Zusammenbruch von mir erwartet. Nach außen hätte man mir fast nichts angemerkt. Ich hatte sie gefragt, wie so ein Zusammenbruch denn hätte aussehen sollen, das konnte sie mir auch nicht sagen. Ich weiß nicht wie man zusammenbricht. Natürlich bin ich traurig, verzweifelt, niedergeschlagen und weine auch. Aber die Erde dreht sich doch weiter. Ich kann mich doch nicht einfach ins Bett legen und nicht mehr aufstehen. Das will ich schon für mich nicht. Ich bin doch ein eigener Mensch und definiere mich doch nicht nur über meine Verstorbenen. Sie fehlen mir unendlich und doch muss es ein Leben im Danach geben. Natürlich kommen mir auch in der Öffentlichkeit in Gesprächen öfters die Tränen, die ich dann wegdrücke. Will einen normalen Umgang mit meinen Mitmenschen und nicht nur als trauernde wahrgenommen werden.
    Meine Nachbarin hat auch viele Schicksalsschläge in ihrer Verwandschaft miterleben müssen. Den Tod eines 2jährigen Cousins durch Unfall. Den Selbstmord eines depressiven Onkels und etliche Jahre später seiner ebenfalls depressiven Tochter (Vererbung?) usw.. Ich bin gottseidank nicht depressiv veranlagt. Offensichtlich hat sie irgend eine Reaktion in dieser Richtung von mir befürchtet.
    Ich hoffe, dass meine "Stärke" sich nicht ins Gegenteil verkehrt irgendwann, wo doch Schwäche erwartet wird von mir. Ich bin auch oft schwach, habe an vielen Dingen keine Freude. Fühle mich bei trübem Wetter sehr wohl und habe Angst vor dem Frühjahr und viel Sonnenschein, der mit meinem Gefühlszustand nicht besonders kompatibel ist. Sind das vielleicht doch anflüge von Depression? Ich hoffe nicht und das freuen können kommt irgendwann wieder zurück.

    Liebe Grüße
    Rose3

  2. #132

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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Liebe Rose,
    ich kann dich gut verstehen. Auch zu mir sagen viele Leute, dass ich so ungeheuer stark sei. Ich selbst empfinde mich überhaupt nicht stark. Aber was soll ich denn tun? Es gibt keinen Ort der Welt an den ich flüchten könnte und meinen Sohn wieder finden würde. Ich muss einfach lernen mit diesem Schicksal zu leben. Es ist sehr hart für mich, ich weine oft, besuche täglich sein Grab, aber nach außen funktioniere ich wieder, kann auch manchmal wieder lachen.
    Deine "Stärke" wird sich sicher nicht ins Gegenteil verkehren. Manche Menschen verwechseln Trauer mit Depression. Trauer ist wichtig, es hilft uns alles zu verarbeiten, ist nur leider in unserer Gesellschaft ein absolutes Tabuthema. Ich wurde von einer nahen Verwandten bereits 6 Wochen nach dem Tod meines Sohnes gefragt, ob ich jetzt wieder "normal" sei! Das was sie wohl mit normal meint, werde ich in diesem Leben nicht mehr sein. Denn der Tod meines Sohnes hat mein ganzes Leben vollkommen verändert, mein Denken, mein Fühlen - einfach alles. Aber dies gehört zu meiner jetzigen Persönlichkeit.
    Ich habe in der Zwischenzeit gelernt, dass es positive und negative Trauer gibt. An der positiven Trauer muss man arbeiten und sich immer wieder damit auseinandersetzen, die negative Trauer lässt einen wohl ín ein Loch fallen, aus dem man nicht mehr heraus kommt oder auch kommen will.
    Aber wenn man nach Hilfe sucht, kann man diese in unserem Kulturkreis auch finden. Dazu gehört allerdings anzuerkennen, dass man Hilfe braucht.
    In diesem Strang schreiben so viele "starke" Menschen, alle durch die Trauer verbunden, das lässt doch hoffen.
    In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen wunderbaren Sonntag.
    Für alle, die wir vermissen
    turmalin

  3. #133

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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Liebe Rose und liebe Turmalin,
    mir geht es genauso wie euch! Ihr habt es so treffend ausgedrückt, dass ich nichts dazu schreibe.

    Ach, Rose, wir waren bei Freunden eingeladen, die sich große Mühe gaben. Er legte heitere Musik auf, und ich konnte nur mühsam unterdrücken, ihn um etwas Traurigeres zu bitten. Aber die Sonne schätze ich doch noch, wenn ich sie wahrnehme.

    Noch eine Anekdote, die meine Tochter erlebt hat: Sie macht ein Praktikum als Psychomotoriktherapeutin und die Betreuerin weiß Bescheid. Diese fragte sie letzte Woche, wie es ihr gehe und da es gerade die Tage waren, wo sich ihre Schwester vor 11 Monaten das Leben nahm und ihr Vater vor 4 Monaten verstorben war, antwortete sie wahrheitsgetreu, dass sie ein Tief habe. Da meinte ihre Betreuerin, sie dürfe sich nicht beklagen, solange sie keine professionelle Hilfe in Anspruch nehme, obwohl sie selber zwei Jahre gebraucht hatte, um den Tod ihres Vaters zu verarbeiten! Na, dann soll sie nicht nach dem Befinden fragen, wenn sie die Wahrheit nicht wissen will!
    Weder meine Tochter noch ich sind bisher in Behandlung gegangen, obwohl uns viele Leute Adressen geben wollen. Ich glaube, wir lassen es auch bleiben, weil sie meiner älteren Tochter ja nicht haben helfen können und wir Therapeuten gegenüber voreingenommen sind.
    Trauern braucht halt Zeit, aber die will man uns nicht zugestehen. Und so wie früher werden wir nie mehr, auch wenn wir uns schon manchmal wieder ein bisschen freuen können.

    Ja, Turmalin, wir sind eine richtige "Trauergemeinschaft"!
    Alles Liebe
    Medusa

  4. #134

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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Liebe Turmalin, Liebe Medusa,

    jetzt ist es schon ein halbes Jahr her, dass mein Mann gestorben ist, fünf Monate bei meinem Sohn. Unglaublich! Ich habe das zu Anlass genommen, meinen Strang einmal von Anfang an wieder zu lesen. Wahnsinn, was man in dieser Zeit durchlebt. Bin irgend wie beim Lesen neben mir gestanden, konnte gar nicht glauben, dass das alles von mir ist. Was habe ich alles durchlitten und tue es jetzt auch noch. Mir sind oft die Tränen gekommen beim Lesen.

    Ich habe dabei festgestellt, dass sich unsere Trauerarbeit und unser Verhalten sehr ähnlich ist. Wir werden alle von Außenstehenden als stark empfunden, obwohl wir uns oft gar nicht so sehen. Ich habe auch oft geantwortet wenn mich jemand gefragt hat, wie ich das alles schaffe: "Was bleibt mir übrig". Ja, was beibt einem den übrige als das alles durchzustehen, weiter zu machen, einen Sinn zu suchen. Die Löcher in die wir fallen werden mit der Zeit vielleicht nicht mehr so tief sein. Die Phasen in denen es uns etwas besser geht, werden länger werden. Es wird nie mehr so sein wie früher, aber wohl auch nicht mehr so schlimm wie in den letzen Monaten, hoffentlich.

    Oft habe ich Angst vor der nächsten Zukunft. Im Mai kommen die Geburtstage von Sohn und Mann. Bei dem Gedanken daran schmerzt es mich wieder. Dann die Urlaubszeit. Was soll ich tun? Wo soll ich hin? Zu Hause bleiben? Wegfahren? Allein? Mit meiner Tochter? Mit einer Reisegruppe? Ich habe vor kurzem einen Bericht im Fernsehen gesehen über eine Trauergruppe auf einem Segeltörn vor Kroatien, das würde mir gefallen, kann ich mir aber nicht leisten.

    Mein Blick geht also auch wieder in die Zukunt aber noch sehr bange. Die schönen Familienurlaube wirde es nie mehr geben, sie hätten aber wahrscheinlich früher oder später so auch gar nicht mehr stattgefunden. Welche erwachsenen Kinder fahren schon mit den Eltern in Urlaub. Bisher sind sie mitgefahren, hat ja auch nichts gekostet. Hotel Mama unterwegs!

    Ich würde mich freuen wenn wir uns weiter austauschen könnten, auch wenn ich jetzt nicht mehr so häufig das Bedürfnis zum Schreiben habe. Hoffentlich kann ich irgendwann den Zuspruch und das Mitgefühl an andere weiter geben so wie Ihr. Im Moment fühle ich mich irgendwie noch zu schwach um anderen Stärke zu verleihen oder auch die richtigen Worte. Alles was ich schreiben möchte klingt in meinen Ohren so banal, aber vielleicht ergibt sich mal was.

    Ich wünsche Euch und allen anderen ein schönes geruhsames Wochenende und das Ender der Kälte, jeglicher.

    Liebe Grüße
    Rose3

  5. #135

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    geschockt AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Hallo,
    ich habe auch meinen Sohn im Dezember verloren. Er wurde nur 27 Jahre alt, wir hatten ein ganz enges Verhältnis und er fehlt mir unendlich. Die Trauer in mir ist grenzenlos, ich schaffe es nur, wenn ich sie für ein paar Stunden verdränge. Wenn die Sprache auf meinen Sohn kommt, in der Familie oder bei Freunden, ist es aus, ich stürze tief. Kann es noch nicht in den Kopf bekommen. Er sagte immer, wenn ich mir wegen seiner jahrelangen Depressionen und Abstürze durch Medikamente oder Drogen unendliche Sorgen machte: Mama, ich bin doch ein Feigling. Ich werde mir nichts antun, soviel Mut habe ich gar nicht. Ich besuchte ihn laufend und doch konnte ich nichts aufhalten, mache mir Vorwürfe, daß ich nicht doch noch einen Weg finden konnte. Viele Medikamente und eine Antibiotika Behandlung wegen einer schweren Angina haben sein Herz nicht mehr mit gemacht.
    Und ich bleibe nun übrig. Soviel wie ich für ihn da war, soviel war er für mich da.
    Keiner ruft mehr jeden 2. Tag an und ich vermisse eine vielen SMS. Er schrieb immer, was er erlebt hat in einer großen Stadt und fragte , was ich so am Tag gemacht hätte. Alles ist besonders schlimm, weil er ein Nachzügler war, ich war bereits 40 Jahre damals und er war so ein Wunschkind! Meine 3 Töchter sind für mich da, haben aber ihre Familien. Mein Sohn hatte niemanden und er war mein Lebensinhalt.
    Wie kann ich damit nur etwas besser umgehen? Wenn ich daran denke, daß ich ihn nie mehr drücken kann, könnte ich wahnsinnig werden.

    Liebe Grüße

    frankbarb

  6. #136

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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Hallo frankbarb,
    Was du gerade durchmachst kann ich sehr gut nachvollziehen. Diese -nie mehr - ist einfach unfassbar. Ich hatte zu meinem Sohn auch ein besonders Verhältnis, so eine Seelenverwandschaft. Er hat noch zu Hause gewohnt, wir haben ja ein Haus mit genügend Platz um sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Jetzt wohnt nur noch meine Tochter bei mir, sie studiert am Wohnort. Ich hatte es so genossen alle um mich zu haben, Hotel Mama eben. Mein Mann hatte mich fast jeden Tag immer um die Mittagszeit angerufen. Ich vermisse das alles do unendlich. Wir werden wohl noch lange brauchen um damit fertig zu werden, die Erinnerungen werden uns immer begleiten und die Sehnsucht auch.
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft. Hier kannst Du immer schreiben wenn Dir danach ist und Du findest auch immer jemanden der Trost hat oder auch nur zuhört.

    Viele liebe Grüße

    Rose 3

  7. #137

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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Liebe frankbarb,
    ich heiße dich herzlich in diesem Strang willkommen. Du wirst hier immer Hilfe und Unterstützung erhalten - du bist nicht alleine. Wir können uns auch alle noch an die ersten schrecklichsten Monate unseres Lebens erinnern. Das Gefühl der Unvollständigkeit, ein Teil unserer Seele wurde so unglaublich tief verletzt, die Trauer ist unendlich.
    Auch ich hatte ein sehr tiefes Verhältnis zu meinem Sohn. Nächste Woche ist es genau ein Jahr her. Der Mensch, der mir immer am nächsten stand, ist aus meinem Leben verschwunden - und trotzdem kommuniziere ich mit ihm täglich. Auch wenn ich ihn nicht berühren kann, seine Stimme nicht mehr höre, weiß ich dass er hier ist. Die Trauer hält nach wie vor an, aber ich bin dabei langsam wieder einen Weg zurück in ein neues Leben zu finden - mein altes Leben wird es nie mehr geben.
    Hole dir auf jeden Fall Hilfe, Trauerbegleiter oder Therapeuten, die entsprechend ausgebildet sind. Es ist ganz wichtig, dass du deine Trauer lebst, all deine Empfindungen sind normal.
    Ich denke, dass es viele junge Menschen - viele im Alter zwischen 20 und 30 Jahren - gibt, die einfach nicht für diese Welt gemacht sind. Sie kommen nicht klar. Deinem Sohn geht es jetzt sicher besser, davon bin ich überzeugt.
    Für unsere geliebten Kinder

    Liebe rose3,
    ich freue mich wirklich wieder von dir zu hören. Schaue zwar oft ins Forum – in der Hoffnung was von euch zu hören, bin aber dann zu faul zu schreiben.
    Unglaublich wie die Zeit vergeht. Nächste Woche jährt sich der Tod meines Sohnes zum ersten Mal. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich diesen Tag verbringen bzw. hinter mich bringen werde. Aber andere Betroffene haben mir erzählt, dass es nach dem ersten Todestag leichter wird, da man dann alle wichtigen Tage – Geburts-, Feier- und Todestage einmal „überlebt“ hat. Somit muss man bei den nächsten Tagen keine Angst mehr haben, denn dann weiß man, dass man es schon einmal geschafft hat.
    In der Hoffnung, dass wir immer besser lernen mit unserer Trauer umzugehen wünsche ich dir ein wunderschönes Wochenende.
    turmalin

  8. #138
    Avatar von ohnehoffnung
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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    hallo,

    was mich sehr berührt ist, dass wir alle ein sehr enges Verhältnis zu unseren Söhnen hatten.
    Bei mir sind es jetzt 1 1/2 Jahre, und es scheint mir wie gestern zu sein.
    Immer wenn ich auf den Friedhof gehe, spreche ich mit meinem Sohn und kann es nie fassen, dass er nie mehr kommen soll. Nie mehr seine Stimme, nie mehr seine blauen Augen sehen, nie mehr ihn umarmen. Manchmal meine ich, der Schmerz bringt mich um - oder ich werde verrückt.

    Bei mir ist es noch der Kampf um das Sorgerecht für meinen kleinen Engel, der alle Kraft fordert. Und auch hier bin ich so langsam an einen Punkt gelangt, wo ich fast nicht mehr weiter kann und weiter weiß.

    Turmalin, ich werde am 14.2. ganz fest an Dich denken - und Dich umarmen. Du bist nicht alleine.

    LG

  9. #139

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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Zitat Zitat von ohnehoffnung Beitrag anzeigen
    hallo,

    was mich sehr berührt ist, dass wir alle ein sehr enges Verhältnis zu unseren Söhnen hatten.

    LG
    Liebe ohnehoffnung,
    ich denke, dass es nicht nur die Söhne sind, zu denen wir so ein tiefes Verhältnis haben, sondern alle Kinder, egal ob Sohn oder Tochter. Meine Gedanken weilen bei medusa, die ihre Tochter betrauert und sicher genau so tief trauert wie wir.
    In so einem Forum schreiben wahrscheinlich nur Mütter, die ihre Kinder so unendlich vermissen, dass sie hier Trost suchen.

    Wie war die Zeit mit deinem Enkel? Ich freue mich jedes Mal für dich, wenn du schreibst, dass du ihn sehen kannst und er einige Tage bei dir verweilt. Oft denke ich an dich und drücke dir die Daumen, dass du endlich das Sorgerecht bekommst.
    Alles Liebe
    turmalin

  10. #140
    Avatar von Malina70
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    AW: 2 plötzliche Todesfälle

    Hallo zusammen,

    ich habe vor kurzem in dem Buch "Du bist der geliebte Mensch" von Henri Nouwen eine Passage gelesen, bei der ich an diesen Strang hier denken musste. Ich schreib sie mal ab, in der Hoffnung, dass der eine oder andere etwas damit anfangen kann, auch wenn sie natürlich aus einer religiösen Sichtweise heraus geschrieben ist:

    Vor seinem Tod sagte Jesus: "Es ist gut, dass ich von euch gehe, denn wenn ich nicht von euch gehe, dann kann ich euch meinen Geist nicht senden." In diesen Worten kommt für mich ein großes Geheimnis zum Ausdruck. Das Sterben von Menschen, die wir lieben und die uns lieben, eröffnet uns die Möglichkeit einer neuen, radikaleren Kommunion, einer neuen Intimität, eines neuen Zusammengehörens. Wenn die Liebe tatsächlich stärker als der Tod ist, dann hat der Tod die Kraft in sich, die Bande der Liebe zu vertiefen und zu stärken. Erst als Jesus seine Jünger verlassen hatte, waren sie imstande, das zu begreifen, wovon er gesprochen hatte, wer er wirklich war und was er ihnen wirklich bedeutete. Trifft das im Grunde genommen nihct auf alle zu, die in Liebe sterben? Erst wenn wir gestorben sind, kann sich unser Geist vollständig offenbaren.

    Ich finde den Gedanken tröstlich, dass die Liebe durch die Tod gewissermaßen intensiviert wird, da sie von allen Alltagstrübungen gereinigt wird. Was bleibt, ist gewissermaßen eine Essenz, ein Konzentrat aus Liebe, eine ganz eigene Gabe des Verstorbenen an seine geliebten Hinterbliebenen. Und ich glaube, das ist Gedanke, den man vielleicht auch als nicht-religiöser Mensch nachvollziehen kann.

    Alles Gute Euch,

    Malina
    Frühling läßt sein blaues Band
    Wieder flattern durch die Lüfte
    Süße, wohlbekannte Düfte
    Streifen ahnungsvoll das Land

    (Eduard Mörike)

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