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  1. #1
    frain
    gelöscht

    Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Ihr Lieben,
    ich muss Euch mal um Rat bitten in einer Gewissensfrage.

    Ich muss in den nächsten Tagen entscheiden, ob eine Tante, für die ich lt. Patientenverfügung die Vollmacht habe, eine Magensonde bekommt oder nicht. Sie ist 99 Jahre alt und dement, erkennt auch niemanden mehr. Aber sie kann noch laufen. Sie fällt oft und hat davon überall blaue Flecken und Platzwunden, ist dann auch nicht mehr in der Lage alleine aufzustehen und muss warten, bis ein Pfleger kommt. Sie lebt schon seit 30 Jahren in einem Seniorenheim und wird dort sehr gut betreut.

    Der Arzt hat mich heute aufgefordert, über die Magensonde zu entscheiden, da sie freiwillig nicht mehr genug ißt und trinkt und somit in absehbarer Zeit wohl sterben würde. Mit der Magensonde würde sie jedenfalls noch weiter am Leben erhalten bleiben, bis dann eben etwas Anderes passiert.

    Ich weiß, dass sie das nicht wollte, dass sie lieber in Würde sterben wollte. Und sie hat 99 Jahre ohne größere Krankheiten gelebt. Ich habe damals zugestimmt, die Entscheidung am Tag X zu treffen, und jetzt ist es soweit.

    Könnt Ihr mir bitte Eure Meinung dazu sagen?

  2. #2
    Avatar von Claudia73
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    1.572

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    so etwas ist immer schwierig bis unmöglich zu entscheiden
    aber wenn man zu Lebzeiten mit dem oder der Betroffenen gesprochen hat und dessen oder deren Meinung kennt, wird es zumindest etwas einfacher, finde ich.
    weil man dann weiß, dass es irgendwie auch dessen oder deren Entscheidung ist.
    du hast den entscheidenden Satz selbst geschrieben:

    Zitat Zitat von frain
    Ich weiß, dass sie das nicht wollte, dass sie lieber in Würde sterben wollte.
    meine Schwiegermutter wurde vor ein paar Monaten vor dieselbe Entscheidung gestellt (und hat uns dann mit einbezogen). die Tatsache, dass es um ihren Mann ging, der auch erst 68 Jahre alt war, hat es nicht gerade einfacher gemacht.
    aber die Tatsache, dass wir recht genau wussten, was er gewollt hätte und was nicht...
    die Entscheidung wurde uns letztlich zwar dann doch abgenommen, aber das ist eine andere Geschichte.
    Liebe Grüße, Claudia

  3. #3
    gesperrt Avatar von Sentenza
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    62.301

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Nabend, frain!

    Ich würde nicht zustimmen, und zwar weil die Tante es nicht will.

    Ich hab bei meinem Mann zuerst auch nicht zugestimmt. Es war ganz klar, dass er bald sterben würde. Er wollte nach Hause und dort sterben.

    Oberarzt und auch der dazugeholte Chefarzt haben beide gesagt, dass ich meinen Mann ohne Magensonde nicht mit nach Hause nehmen dürfte. Sie, die Ärzte, dürften niemanden verhungern lassen. Und ich auch nicht.

    Mit der Pflege und Versorgung hättest du nichts zu tun? Dann lasse ich das jetzt weg.

    Ich wünsche dir viel Kraft!

  4. #4

    Registriert seit
    04.08.2008
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    50

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Hallo Frain!

    Schwierig - aber ich bin sicher, du wirst nach deinem Ermessen die richtige Entscheidung treffen - deine Tante hat es dir zugetraut, sonst hätte sie dir diese schwere Aufgabe nicht gegeben.

    Was ich jetzt sage mag hart klingen, ich hoffe du bist mir nicht böse, und natürlich kann es sein, dass es auf deine Tante nicht zutrifft (zB. weil es bei ihr körperliche Gründe hat).

    Aber meine Mutter ist in der Altenbetreuung als Ärztin tätig. Ihr hat mal ein erfahrener Kollege gesagt "Nichts essen ist der Selbstmord der alten Leute". Sie sieht es auch so, dass oft sehr alte Menschen, die wirklich nicht mehr wollen, aufhören zu essen. Insofern kann es (wie gesagt, ich kenne deine Tante nicht) womöglich sein, dass sie nicht mehr will - sie hatte wohl ein langes, erfülltes Leben, vielleicht ist es jetzt genug.

    Ich würde, wenn ich weiß, dass sie es so nicht gewollt hätte, keine Magensonde legen lassen.

    Alles Gute für deine Entscheidungfindung. Ich bin sicher, du wirst das richtige nach deinem Gewissen tun.

    Lilo

  5. #5
    frain
    gelöscht

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Vielen Dank für die schnellen Antworten. Nein, mit Pflege und Versorgung bin ich nicht betraut.

    Das Seltsame ist, dass ich für mich genau heute auch eine Patientenverfügung gemacht habe, wo auch jemand eingesetzt wurde, der mal über mein Schicksal entscheiden wird. Dieser Jemand hat mir überzeugt versichert, dass er meinen Willen befolgen wird.

    Ich habe mich selbst schon schwer getan, für mich selbst die Entscheidung zu treffen, dass ich sterben wollte. Ich habe gemerkt, dass es in der Theorie wesentlich leichter zu behaupten ist. Als ich es heute unterschrieben habe, habe ich schon geschluckt. Aber wer weiß, wie es dann am Ende wirklich ist.

    Wäre diese Unterschrift heute nicht gewesen, hätte ich nicht gepürt, wie weit der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist. Deswegen frage ich mich jetzt, ob auch meinen 99-jährige Tante vielleicht trotz allen früheren Bekundungen lieber weiterlebt. Ich bin doch nicht Gott, der über Leben und Tod entscheidet.

  6. #6
    frain
    gelöscht

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Zitat Zitat von Lilongwe

    Aber meine Mutter ist in der Altenbetreuung als Ärztin tätig. Ihr hat mal ein erfahrener Kollege gesagt "Nichts essen ist der Selbstmord der alten Leute". Sie sieht es auch so, dass oft sehr alte Menschen, die wirklich nicht mehr wollen, aufhören zu essen. Insofern kann es (wie gesagt, ich kenne deine Tante nicht) womöglich sein, dass sie nicht mehr will - sie hatte wohl ein langes, erfülltes Leben, vielleicht ist es jetzt genug.
    Danke dafür Lilongwe, das ist ein wertvoller Hinweis.

    Mir hat der Arzt gesagt, sie könne wegen ihrer Demenz nicht mehr äußern, ob sie Hunger oder Durst hat, und auch nicht mehr einschätzen, wie viel sie essen und trinken sollte. Sie ißt und trinkt, aber eben zu wenig.

    Ich dachte da auch, dass Demente eher wie Kleinkinder sind, und sogar diese äußern Hunger und Durst und nehmen so viel zu sich, wie notwendig.

  7. #7
    Avatar von Claudia73
    Registriert seit
    07.07.2008
    Beiträge
    1.572

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Zitat Zitat von frain
    Ich bin doch nicht Gott, der über Leben und Tod entscheidet.
    leider wird einem das aber gewissermaßen oftmals trotzdem abverlangt

    dann frag dich doch mal, für dich: wie lebenswert fändest du das Leben, dass deine Tante gerade (noch) lebt?
    dement, niemanden erkennen etc.
    was kann sie noch aktiv? wie nimmt sie am Leben teil, wie ihre Umwelt wahr?

    den Satz "Nichts essen ist der Selbstmord der alten Leute" fand ich übrigens irgendwie "überdenkenswert".
    Liebe Grüße, Claudia

  8. #8
    Avatar von Datakrfj
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    Beiträge
    6.102

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Zitat Zitat von frain
    Ich weiß, dass sie das nicht wollte, dass sie lieber in Würde sterben wollte.
    Liebe Frain,

    Ich finde auch, dass das der zentrale Satz ist.

    Meine Mutter hat auch eine Patientenverfügung und ich weiß ganz klar, dass sie keine Lebenserhaltendenmaßnahmen möchte. Daran werde ich mich dann später auch halten, weil ich weiß, dass es ihr Wunsch ist. Ich habe es bei meinen Großeltern mitbekommen. Diese mussten künstlich ernährt werden, obwohl sie es nicht wollten. Mein Opa hat sich die Magensonde jeden Tag versucht selbst zu ziehen. Grausam!

    Das ist für Dich:

    Alles Liebe für Dich!
    Deine Data
    Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.

    (von John Lennon)



    Ich will selbst den Herren machen,
    Mag nicht länger Diener sein.


    (Mozart - Don Giovanni)

  9. #9

    Registriert seit
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    42.811

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Liebe Frain

    Was ist der Wille der Tante?
    Und was sagt dein Herz?

    Ich kann dir leider keinen Rat geben,
    aber ich kann dir sagen,
    wie ich für mich entschieden habe,
    nachdem mir einige Geschehnisse zwecks Patientenverfügung zu Ohren kamen.

    Als allererstes zählt der Wille des Patienten und wie er verfügt hat!
    Dieser Wille m u s s respektiert und beachtet werden,
    sonst war die Patientenverfügung eine Farce.

    Gefühle und Emotionen der Kinder, des Partners, der Verwandten stehen aussen vor,
    sind in diesem Fall nicht relevant!
    Es zählt der einzig und allein der WILLE des Patienten!

    Man kann an einen Stationsarzt kommen,
    der Schreckensvisionen zwecks Verhungern und grausamen Verdursten anklingen lässt!
    DAS muss so nicht sein!
    Da gibt es sanfte Übergänge ...so erzählte mir mein Arzt,
    mit dem ich mich lange und ausführlich über meine Patientenverfügung ausgetauscht habe.

    Ich weiss, dass es nicht leicht ist,
    diesen letzten Willen des Patienten auch tatsächlich auszuführen ...
    letztendlich möchte auch ich es nicht entscheiden müssen,
    ich hätte es aber getan, wenn ich gemusst hätte.

    Wer weiss schon wirklich, auf was er sich da tatsächlich einlässt,
    wenn er sich zum Ausführenden bereit erklärt?

    In diesem Falle ist der Wille in der Patientverfügung deiner Tante zu befolgen.
    Nach meinem Dafürhalten "ohne wenn und aber",
    auch wenn es dir noch so schwer fällt.

    Hat sie irgendwie auf eine Weise zu verstehen gegeben,
    dass sie auf alle Fälle weiterleben möchte?

    Mögest du die Entscheidung treffen, die deine Tante sich gewünscht hast.
    JETZT geht es n u r um den Wunsch deiner Tante.

    Ich seufze mit dir und wünsche dir, dass du die Kraft hast,
    das Nötige zu veranlassen!

    Alles Liebe und Mut und Kraft für das, was zu tun ist, liebe Frain

    :blume.
    Lyanna

  10. #10
    bibi_mahro
    gelöscht

    AW: Entscheidung über Lebensverlängernde Massnahmen

    Zitat Zitat von frain
    Ich weiß, dass sie das nicht wollte, dass sie lieber in Würde sterben wollte. Und sie hat 99 Jahre ohne größere Krankheiten gelebt. Ich habe damals zugestimmt, die Entscheidung am Tag X zu treffen, und jetzt ist es soweit.

    Könnt Ihr mir bitte Eure Meinung dazu sagen?
    frain -

    erst mal hiochachtung, dass du dich dazu bereit gefunden hast.

    und dann: wozu brauchst du meinungen? ich habe - mit absicht - den rest des strangs NICHT gelesen, denn der oben zitierte abschnitt sagt, meiner ansicht nach, alles.

    SIE wollte das nicht, und sie hat dich bestellt zur entscheidung. weil sie DIR zugetraut hat, diese entscheidung tragen zu können.

    wenn es darum geht, was sie will - verweigere die zustimmung zu der magensonde.


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