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  1. #1

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    Es ist alles so mühsam...

    Liebe Community,

    ich bin Ende 40 und seit kurzer Zeit geschieden. Meine Kinder im Pubertätsalter leben bei mir.
    Der Scheidung ging eine 2,5jährige Trennungszeit und davor eine mehrjährige Krisenzeit voraus.

    Eigentlich sieht alles gut aus: ich habe eine gute Arbeitsstelle, keine finanziellen Probleme, die Kinder entwickeln sich weiterhin recht gut, sie haben regelmäßig Kontakt zum Vater.
    In Kürze ziehen wir drei aus dem gemeinsamen Familienhaus aus, ich habe ein anderes (kleineres) Haus hier in der Umgebung zur Miete gefunden.

    Die eine "Capbreton" kommt gut klar: gut aufgestellt, zuversichtlich, aktiv, gut drauf.
    Aber die "andere"... hat häufig das Gefühl, in einem Film zu sein, der nicht ihr eigener ist. Trauert immer noch um die zerbrochene Ehe. Vermisst die Zweisamkeit. Den ehemals besten Freund. Kriegt es nicht gebacken, einen neuen interessanten Mann kennenzulernen. Hat keine so richtig enge gute Freundin. Kennt viele Leute, die irgendwie auch alle in Problemen stecken, muss wohl an der Altersgruppe liegen.
    Steckt irgendwie fest, ist immer mit einem Päckchen Traurigkeit unterwegs.

    Ich suche aktiv neue Kontakte zur Freizeitgestaltung, stelle aber auch immer wieder fest, dass bei mir eine Art innere Sperre vorhanden ist. Bis zu einem bestimmten Punkt und nicht weiter. Hinzu kommt, dass die Menschen, die auch als Single "unterwegs" sind, häufig auch schwere Päckchen zu tragen haben.
    Auch belastet mich sehr, dass meine einzige Schwester mich im Stich gelassen hat. Wir hatten jahrelang engen Kontakt, ich war aber meistens die "Gebende".
    Das kann ich momentan nicht sein. Will ich auch nicht.
    Ich habe keine Vorstellung, wie es sein sollte, dass es mir besser geht.

    Aus dem Umfeld höre ich öfter mal Bemerkungen wie "Ach naja, nach so einer Zeit muss man das ja auch mal abgehakt haben".

    Ratlos
    Capbreton

  2. #2
    Moderation Avatar von Suzie Wong
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    AW: Es ist alles so mühsam...

    Hallo Capbreton, erstmal:

    Folgendes fiel mir auf an deinem Posting:

    Zitat Zitat von Capbreton Beitrag anzeigen
    (...) Hat keine so richtig enge gute Freundin. Kennt viele Leute, die irgendwie auch alle in Problemen stecken, muss wohl an der Altersgruppe liegen.
    Steckt irgendwie fest, ist immer mit einem Päckchen Traurigkeit unterwegs.
    (...) Hinzu kommt, dass die Menschen, die auch als Single "unterwegs" sind, häufig auch schwere Päckchen zu tragen haben.
    (...)

    Ist denn unter den vielen Leuten in ähnlicher Situation niemand, mit dem du in näheren Kontakt treten könntest? Das machte mich stutzig, dass du einerseits mangelnde Freundschaft bemängelst, andererseits aber einige zu kennen scheinst, die vielleicht gute Gesprächspartner sein könnten.

    Dass "mit dem schweren Päckchen" trifft ja nun auch auf dich zu bzw. ist eine Gemeinsamkeit. Auch das könnte doch ein Anknüpfungspunkt sein.

    Grundsätzlich gibt es ja diesen schönen, wahren Spruch: Die Zeit heilt alle Wunden. Ich denke, man kann eine Zeit des Trauerns ruhig mal bewusst zulassen und durchleben, um eben offen für das Neue zu sein. Besser, als alles zu verdrängen.

    suzie
    Genieße das, was du hast, denn es ist kostbar!

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    Beziehung im Alltag und Über das Kennenlernen.

  3. #3

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    AW: Es ist alles so mühsam...

    Zitat Zitat von Suzie Wong Beitrag anzeigen

    Grundsätzlich gibt es ja diesen schönen, wahren Spruch: Die Zeit heilt alle Wunden. Ich denke, man kann eine Zeit des Trauerns ruhig mal bewusst zulassen und durchleben, um eben offen für das Neue zu sein. Besser, als alles zu verdrängen.

    suzie
    Liebe Suzie, vielen Dank für die wohltuenden Worte.
    Vermutlich hast du recht: es ist jetzt wohl die Zeit des Innehaltens für mich.

    Und zu den Bekannten/Freunden: doch, schon, ich habe durchaus gute Gespräche und "Interessent/innen" für gemeinsame Aktivitäten, ich finde es aber so leicht nicht, eine richtig gute gemeinsame Wellenlänge zu finden. Beispielsweise stoße ich bei anderen alleinstehenden Müttern gelegentlich auf Neid, weil ich vergleichsweise gut da stehe. "Wieso kannst du dir ein Haus mieten??" Da kann und will ich irgendwie nichts dazu sagen, eine Basis für eine Freundschaft ist das jedenfalls kaum.
    Und dann habe ich eben auch erlebt, dass es das Phänomen gibt "Mir geht es aber viiiel schlechter als dir" und das stimmt sicherlich auch. Leider sind das dann auch grad keine Themen, die mich mal aufhellen würden.
    Und, ja, die Geschichte mit meiner Schwester setzt mir auch mehr zu als gedacht. Für eine Schwester gibt es auch keinen Ersatz.

    Ich muckel mich jetzt mal ein und lese ein schönes Buch.

    Capbreton

  4. #4
    Moderation Avatar von Suzie Wong
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    AW: Es ist alles so mühsam...

    Zitat Zitat von Capbreton Beitrag anzeigen
    (...) Beispielsweise stoße ich bei anderen alleinstehenden Müttern gelegentlich auf Neid, weil ich vergleichsweise gut da stehe. "Wieso kannst du dir ein Haus mieten??" Da kann und will ich irgendwie nichts dazu sagen, eine Basis für eine Freundschaft ist das jedenfalls kaum.(...)
    Da hast du vollkommen recht. Das wären sicher die Falschen für eine Freundschaft.

    Zitat Zitat von Capbreton Beitrag anzeigen
    (...)
    Ich muckel mich jetzt mal ein und lese ein schönes Buch.

    Capbreton


    Zu denen, denen es schlechter geht: vielleicht so ein Schuh draus: dir mag es wirklich "besser" gehen, denn du hast Familie, einen Job und ein Haus. Lerne die Dinge zu schätzen! Das heißt aber nicht, dass du nicht ruhig auch ein bisschen jammern darfst.

    suzie
    Genieße das, was du hast, denn es ist kostbar!

    Moderatorin in den Unterforen:
    Beziehung im Alltag und Über das Kennenlernen.

  5. #5

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    AW: Es ist alles so mühsam...

    Eine Trennung nach langer Ehe stecken die wenigsten in kurzer Zeit weg. Das braucht seine Zeit, und scheint man auch drüber weg zu sein, so kommen immer mal wieder Momente und Phasen, in denen einen das Elend wieder einholt. Das ist nicht schön, aber leider nicht zu ändern und Alltag vieler, vieler Menschen. Man tut gut daran, das als Fakt zu akzeptieren.

    Suzie hat da schon was Kluges zu gesagt: Schau dir an, wie gut es dir - trotz dieser Krise - geht. Du hast ja genügend Beispiele um dich, die zusätzlich noch mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben.

    Schade finde ich, dass du von anderen getröstet werden willst und Aufhellung erwartest, selber aber deren Kummer nicht hören willst und diese Menschen wegen ihres Kummers aus deinem Leben draußen lassen willst. Man muss geben um nehmen zu können. Zumindest mal in Freundschaften. Also sei den anderen die Stütze, die du selber suchst. Dann wirst du auch Stützen für dich finden.
    Alles fügt sich alles schickt sich
    musst es nur erwarten können
    und dem Wachsen deiner Wünsche
    Zeit und reichlich Bilder gönnen.
    Bis du eines fernen Tages
    jenen reifen Duft der Körner spürst
    und dich aufmachst
    und die Ernte in die tiefen Speicher führst.

    Christian Morgenstern

  6. #6

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    AW: Es ist alles so mühsam...

    Zitat Zitat von beklamo Beitrag anzeigen
    Schade finde ich, dass du von anderen getröstet werden willst und Aufhellung erwartest, selber aber deren Kummer nicht hören willst und diese Menschen wegen ihres Kummers aus deinem Leben draußen lassen willst. Man muss geben um nehmen zu können. Zumindest mal in Freundschaften. Also sei den anderen die Stütze, die du selber suchst. Dann wirst du auch Stützen für dich finden.
    Liebe beklamo,
    das stimmt so nicht. Ich habe grundsätzlich ein offenes Ohr für andere Menschen. Ich habe aber z. B. erlebt, dass ich mich mit einer Frau angefreundet habe, die enorm an ihrem unerfüllten Kinderwunsch leidet. Das kann ich auch gut verstehen, bin aber ja nun mal persönlich nicht betroffen. Es ist uns leider nicht gelungen, über "diesen Graben" hinwegzukommen, weil alles, was mich belastet, mit der Anmerkung versehen wurde "du hast ja wenigstens deine Kinder". Das ist richtig, aber ich sehe mich durchaus in der Lage, den Schmerz anzuerkennen, wünsche mir aber im Gegenzug auch Verständnis für mein "Päckchen".
    Und, ja, eigentlich, sehne ich mich nach Unbeschwertheit, Fröhlichkeit und Spaß.

  7. #7

    Registriert seit
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    AW: Es ist alles so mühsam...

    Liebe Capbreton,

    meine Situation ist der deinen sehr, sehr ähnlich. Und auch ich habe eine Frau kennengelernt, die unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch leidet. Wie ich finde, zurecht. Als getrennt lebende Frau kannst du immer nochmal -früher oder später - eine neue Partnerschaft eingehen, aber einen unerfüllten Kinderwunsch wird man nie ändern können.
    Mir wurde bewusst, dass es mir -trotz Scheidung- besser geht, als ihr. Und als ich das (an-)erkannt habe, hat sie auch meinen Kummer sehen und mittragen können. Das ist es, was ich meine. Wir sind mittlerweile gute Freundinnen geworden und ich möchte sie nicht missen.

    Dass du dich nach Leichtigkeit sehnst, und sie dir genau so zusteht wie andern Menschen, ist vollkommen klar. Aber du wirst die Leichtigkeit im Außen nicht finden. Du findest sie nur in dir selbst, wenn du die Situation annimmst, wie sie ist und den Blick auf die Geschenke des Lebens richtest, statt auf die Defizite. Dann klappt's auch irgendwann mit dem Nachbarn.
    Alles fügt sich alles schickt sich
    musst es nur erwarten können
    und dem Wachsen deiner Wünsche
    Zeit und reichlich Bilder gönnen.
    Bis du eines fernen Tages
    jenen reifen Duft der Körner spürst
    und dich aufmachst
    und die Ernte in die tiefen Speicher führst.

    Christian Morgenstern

  8. #8

    Registriert seit
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    AW: Es ist alles so mühsam...

    Hallo Capbreton,

    wenn ich es richtig lese, ist die Trennung etwas mehr als 1 Jahr her- dann gabs Jahre bis zu diesem Punkt und jetzt steht Ihr vor einem grossen Umzug.

    Das waren sicher harte Jahre und ich kenn es selber- es braucht einfach seine Zeit!
    Man unterschätzt immer wieder, wieviel Kraft das alles kostet und ich denke, so richtig geht es ins Neue für Dich, wenn der Umzug mal rum ist.
    Dann kannst Du noch auf einer weiteren Ebene neu anfangen.....auch das wird seine Zeit brauchen.

    Ich weiss- man sucht in solchen Zeiten Menschen, die locker sind.....Menschen, die das Leben positiv nehmen und mit einem Lächeln nach vorne schauen. Einem mal zuhören, aber man möchte ja nicht mehr im Leid baden sondern sich höchstens nochmal kurz traurig äussern dürfen (für Viele ist es ja erledigt, wenn man dann gegangen ist!) und dann dürften ruhig wieder lustige Sachen kommen.

    Ja- das hätte man gerne, aber so einfach ist es nunmal nicht...
    Irgendwie muss man sich das Land des Lächelns auch wieder ganz für sich- in seiner Welt - erobern und dann folgen schon die Menschen von aussen.
    Genauso- trennen sich nunmal so manche Wege, denn man hat sich verändert und es passt nicht mehr jede Freundschaft.....auch sowas tut weh und man will es gar nicht, aber es gehört wohl dazu.

    Ja- es ist mühsam.....und es wird auch noch eine Weile brauchen, bis Du wieder lächeln kannst- bis die Trauer um die verlorene Ehe abflacht....es braucht neue Erlebnisse um die Alten langsam nach hinten schieben zu können.

    Wenn Dich andere Alleinerziehende nicht verstehen.....lass sie.....
    Du bist nicht soweit gegangen um Dich nachher noch wegen irgendwas schuldig zu fühlen....- man muss sich neu positionieren und man wird einsamer, aber neue Menschen werden auch wertvoller und man muss nur laufen lassen.....

    alles Gute
    kenzia

  9. #9
    Avatar von anchesamun
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    AW: Es ist alles so mühsam...

    QUOTE=Capbreton;19761926]Liebe Community,



    Eigentlich sieht alles gut aus:



    Die eine "Capbreton" kommt gut klar: gut aufgestellt, zuversichtlich, aktiv, gut drauf.
    Aber die "andere"... hat häufig das Gefühl, in einem Film zu sein, der nicht ihr eigener ist. Trauert immer noch um die zerbrochene Ehe. Vermisst die Zweisamkeit. Den ehemals besten Freund. Kriegt es nicht gebacken, einen neuen interessanten Mann kennenzulernen. Hat keine so richtig enge gute Freundin. Kennt viele Leute, die irgendwie auch alle in Problemen stecken, muss wohl an der Altersgruppe liegen.
    Steckt irgendwie fest, ist immer mit einem Päckchen Traurigkeit unterwegs.................



    Auch belastet mich sehr, dass meine einzige Schwester mich im Stich gelassen hat. Wir hatten jahrelang engen Kontakt, ich war aber meistens die "Gebende".
    Das kann ich momentan nicht sein. Will ich auch nicht.....................


    Ratlos
    Capbreton[/QUOTE]


    Hallo, Capbreton!

    Du hast deine Scheidung und die Umstände, wie es dazu kam, wahrscheinlich noch nicht richtig verarbeitet, verarbeiten können! Du schreibst, dass deiner Scheidung eine mehrjährige Krisenphase vorausging. Warst du diejenige, die an der Ehe festhielt, um den "besten Freund" nicht zu verlieren, den Vater deiner Kinder?

    Du versuchst gut klarzukommen, schaffen tust du es aber noch nicht, denn sonst käme nicht diese immer wiederkehrende Traurigkeit über dich. Hast du schon mal überlegt, dir vielleicht professionelle Hilfe zu suchen?

    Als sehr großes Problem sehe ich bei dir aber, dass du nicht damit klar kommst, dass der Kontakt zu deiner Schwester abgebrochen ist! Blut ist immer dicker als Wasser, die enge Verbindung zur Familie besteht ein Leben lang. Und wenn du schreibst, dass deine Schwester dich im Stich gelassen hat, spürt man deine Verzweiflung sehr deutlich. Kannst du nicht
    versuchen, diesen "Riss " in deinem Leben wieder zu kitten? Ich lese hier sehr deutlich heraus, dass es für dich ein Riesenproblem darstellt. Ist euer Verhältnis im Moment so/zu zerrüttet, als dass man es nicht wieder richten könnte? Ich weiß ja nicht, was zwischen euch genau vorgefallen ist, aber, kannst du nicht einen kleinen Schritt auf deine Schwester zugehen, wenn sie dir wirklich so viel bedeutet?

    Wenn du dieses Problem erst einmal gelöst oder in den Griff bekommen hast, dann wirst du vielleicht auch die anderen gelöster und entspannter angehen können und positiver, mit Mut und Lust am Leben! Dafür wünsche ich dir viel Glück!

    l.g. anchesamun

  10. #10

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    AW: Es ist alles so mühsam...

    Vielen Dank an Euch alle für die lieben Worte!
    Ja, ich war diejenige, die lange Zeit an der Ehe festhalten wollte....
    Ich finde es sehr tröstlich, dass Ihr mir ein solches Feedback gebt. Ja, es ist anstrengend und traurig, aber es gibt auch sehr viel Positives in meinem Leben.
    Ich glaube, ich besinne mich in dieser Zeit mal ausschließlich auf mich selbst und lasse Weihnachten und den Jahreswechsel in Ruhe kommen. Das neue Jahr bringt dann viele Chancen mit sich und ich hoffe sehr, dass ich auch wieder Leichtigkeit und Licht in meinem Alltag erkenne.

    Liebe Grüße
    Capbreton

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