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  1. #1

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    Anstand siegt?

    Hallo Lebenserfahrene,

    wie ist es, siegt die Frechheit und die Anständigen haben das Nachsehen, weil sie eben nicht gewissenlos und egoistisch sind oder zahlt sich Anstand und Gewissen am Ende aus?

    Gibt es im Leben eine ausgleichende Gerechtigkeit, die Werte wie Treue, Ehrlichkeit, Fairness und eben Anstand belohnt?

    Ich möchte zwar dran glauben, aber das Leben scheint anders zu funktionieren. Da wird Untreue und gewissenloses Ausleben der eigenen Lust belohnt, da "sche..ßt der Teufel immer auf den größten Haufen", die dreistesten Betrüger sind hochangesehen und beliebt, gesund und erfreuen sich ihres skrupellosen Lebens. Die ehrlichen sind doch häufig die Dummen.

    Da frage ich mich, welchen Grund gibt es, auf das eigene Gewissen zu hören und rechtschaffen durchs Leben zu gehen, wenn es doch offensichtlich ist, dass Betrug erstens an der Tagesordnung ist und zweitens gesellschaftlich akzeptiert ist.

    Ja, ihr habt es richtig erraten: ich bin massiv betrogen worden, mein Mann hat sich das typische jungen Flittchen gesucht, lebt mit ihr ein schönes Leben, verreist, tingelt glücklich durch die Welt, unsere "Freunde" haben weiterhin Kontakt zu den beiden, die Verwandschaft akzeptiert inzwischen die neue und keiner hat damit ein Problem, außer ich: die verlassene betrogene Ehefrau.

    Ich leide unter dem Betrug, den Lügen, dem "Verrat durch Freunde und Familie. Versuche trotzdem anständig zu bleiben, auf Rache zu verzichten, ihn nicht finanziell auszunehmen, ihm weiterhin die Kinder zu geben und für mich mit den Verletzungen klar zu kommen. Habe inzwischen neue liebe Menschen kennengelernt und will ihn auch nicht zurück.

    Aber ich finde es ungerecht, dass er und seine Geliebte so völlig ohne Scham und Gewissensbisse glücklich sind und keinerlei "Strafe" oder "Lehre" aus der ganzen hinterhältigen Sache ziehen.

    Vor diesem Hintergrund frage ich mich, warum es sinnvoll ist, anständig zu sein und zu bleiben?
    Und ganz provokant gefragt: wenn jeder an sich selber denkt, ist doch für alle bestens gesorgt, oder nicht?

    Also: siegt Anstand oder Frechheit?

  2. #2

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    AW: Anstand siegt?

    Hallo Suse,
    ich glaube solche Gedanken gehen jedem "Anständigen" so hin und wieder durch den Kopf. Meistens dann wenn wir enttäuscht sind über das Verhalten anderer. Entweder weil wir von uns selbst auf andere geschlossen haben - was sowieso nie funktioniert - oder weil wir etwas für normal halten, nur weil wir das selbst so definiert haben. Andere Menschen haben andere Maßstäbe. So hart es ist, damit muß man sich einfach abfinden. Ich spreche aus eigener Erfahrung und weiß wohl sehr gut, daß das einfacher geschrieben als getan ist.
    Warum ist man anständig? Ich für meinen Teil würde sagen, in erster Linie für sich selbst. Ich bin anständig , oder das was ich dafür halte, weil ich meinen eigenen Maßstäben genüge tun will. Es ist einfach der Anspruch den ich an mich selber habe. Ich habe mich dazu entschlossen so zu sein, oder eben diese Werte zu vertreten. Eine freie Entscheidung die dazu beiträgt, daß ich mich mit mir selbst wohl fühle.

    Andere Menschen haben dazu eine andere Haltung. Diese Haltung kann man oft nicht nachvollziehen - dazu denke ich mir aber oft, wenn ich sie nachvollziehen oder verstehen könnte, dann wäre ich selbst so gestrickt wie diese Menschen. Daher bin ich auch zufrieden wenn ich es nicht verstehe wie man so sein kann.
    Wenn ich mich als Jugendliche über das Verhalten anderer menschen geärgert habe, dann hat mich meine Mutter oft mit einem Spruch konfrontiert, den ich damals nicht leiden konnte, denn ich dachte sie will mich nicht verstehen und will nur abwiegeln. Vielleicht war das damals auch so, aber der tiefere Sinn ist mir erst viel später in anderem Zusammenhang aufgegangen. Sie sagte: Sei einfach froh, daß Du selber nicht so bist!
    Und so versuche ich es zu halten. Ich freue mich daran, so wie ich es möchte, nach meinen Wertvorstellungen zu leben und versuche mich möglichst mit Menschen zu umgeben die dem entsprechen.

    Vor Enttäuschungen ist man allerdings nie sicher. Man kann nur aus ihnen lernen und letztlich auch daran wachsen.
    In der Hochphase einer großen Enttäuschung zwischenmenschlicher Art, die ich vor einiger Zeit erlebt habe kam mir plötzlich folgende Phrase in den Sinn: "Was ist eine Enttäuschung? Das Ende einer Täuschung!

    So platt das vielleicht für den ein oder anderen klingen mag - mir hat es damals sehr geholfen. Ich habe erkannt, daß ich mich in diesem Menschen einfach nur getäuscht hatte. Ich habe nicht gesehen wer oder wie der Mensch wirklich war. Bis zur Ent-täuschung - nach dieser Erkenntnis wurde es für mich einfacher damit klar zu kommen.
    Vielleicht hilft Dir dieser Gedanke ja auch in Deiner Situation.

    Bleib einfach so anständig wir Du bist und freu Dich am Guten und Schönen in der Welt - denn auch davon gibt es genug - man muß nur hinschauen....


    Laß es Dir gut gehen
    Liebe Grüße
    Goldmarie

  3. #3

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    AW: Anstand siegt?

    Ach ja, und was die Gerechtigkeit betrifft - da bin ich mir ganz sicher daß es die gibt. Allerdings bin ich mir auch sicher, daß die betreffenden Personen schon selbst dafür sorgen, daß sie früher oder später ihre "Rechnung bekommen".
    Ich bin froh darüber, daß ich mir nicht meinen Kopf mit schlechten Gedanken und Rache belasten muß - viel lieber will ich dafür sorgen daß es mir heute und auch in Zukunft gut geht und ich den Blick für das Schöne nicht verliere.

    Geht es wirklich um siegen?
    Wer definiert was siegen und verlieren ist?
    Vielleicht hast Du durch diesen Verlust oder Niederlage mehr gewonnen als Du Dir heute vorstellen kannst ......
    Ich wünsche es Dir!

  4. #4
    Avatar von -Calla-
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    AW: Anstand siegt?

    Zitat Zitat von suse3 Beitrag anzeigen
    Vor diesem Hintergrund frage ich mich, warum es sinnvoll ist, anständig zu sein und zu bleiben?

    damit DU DICH noch im Spiegel ansehen kannst
    Herzrasen kann man nicht mähen.
    (Leider nur stibitzt)

    ***

    Das Leben ist endlich, also leben wir endlich!

    ***








  5. #5
    Avatar von KHelga
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    AW: Anstand siegt?

    Liebe Suse,

    es kann aber auch sein, dass Du über kurz oder lang sagen kannst: 'Wer zuletzt lacht, lacht am besten', nämlich dann, wenn sich 'das typische junge Flittchen' von Deinem vermutlich älteren Mann trennt.

    FG von Helga

    „Nehmen sie die Menschen wie sie sind, denn andere gibt es nicht“
    Konrad Adenauer

  6. #6
    Avatar von Opelius
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    AW: Anstand siegt?

    Zitat Zitat von suse3 Beitrag anzeigen

    wie ist es, siegt die Frechheit und die Anständigen haben das Nachsehen, weil sie eben nicht gewissenlos und egoistisch sind oder zahlt sich Anstand und Gewissen am Ende aus?

    Gibt es im Leben eine ausgleichende Gerechtigkeit, die Werte wie Treue, Ehrlichkeit, Fairness und eben Anstand belohnt?
    Nein, gibt es nicht!
    Das beschreibt auch Ulrich Wikckert in seinem Buch: "Der Ehrliche ist der Dumme: über den Verlust der Werte".

    Ich würde auch die Hoffnung auf ausgleichende Gerechtigkeit drangeben. Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, davon bekommt man nur Magengeschwüre. Und allein der Wunsch, dass es den Betrüger böse treffen möge, wendet sich häufig gegen einen selbst.
    Ich weiß, es ist fast umöglich über solche Dinge hinwegzukommen. Aber ich wünsche Dir, dass Dir das alles in paar Jahren egal ist. Denn dann bist Du selbst frei.
    Sollten die bösen Gedanken irgendwann einmal Wirklichkeit werden, würdest Du nicht für 2 Cent glücklicher sein.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  7. #7

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    AW: Anstand siegt?

    Ich danke euch!

    Es stimmt: ich kann mich im Spiegel ohne Reue und Scham betrachten und ich hoffe, sehr dass ich auf meinem Weg bleibe und "trotzdem" wieder glücklich werde. Ich bin auch ehrlich froh darüber, dass ich in meinen Augen ein "guter" Mensch bin, der sein eigenes Glück nicht auf Kosten anderer Menschen aufbaut bzw. auf den Scherben anderen Unglücks.

    Ich glaube, es ist einfacher, Leid zu ertragen als mit Schuld zu leben.

    Eines fällt mir trotzdem schwer: den beiden Betrügern alles Gute zu wünschen und ihnen meine Kinder zu geben. Diese Frau vergnügt sich mit einer gestohlenen Familie, meiner Familie und das kann ich ihr nicht gönnen!

    Letztlich ist es aber für mein weiteres Leben unerheblich, ob sie nun glücklich sind oder nicht, denn es hat keinen Einfluss auf mich.

    Bleibt noch die Frage nach der Gerechtigkeit: wird falsches Verhalten irgendwann wirklich bestraft? Ist es nur eine Frage der Zeit, bis schlechter Charakter irgendwann auffliegt? Oder leben wir tatsächlich in einer wert-losen Zeit, wo alle Tugenden über Bord geworfen werden, weil nur der Ellenbogen und die Fassade eines Menschen zählen?

    Ich hätte zwar nicht direkt was davon, wenn es einem von beiden schlecht ginge, weil ich mit ihm nie wieder zusammensein will, aber eine klitzekleine Schadenfreude würde ich mir gönnen

  8. #8

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    AW: Anstand siegt?

    ich glaube, daß man nie wissen kann wie es jemandem tatsächlich geht. Man steckt nur in seiner eigenen Haut, und nur in dieser kann man wirklich fühlen. Daher kann mann nie wissen ob es jemandem dem es nach aussen hin gut zu gehn scheint, sich auch selber innen wirklich glücklich fühlt. Vielleicht wirst Du es nie merken wenn es "ihm" oder der Neuen schlecht geht, und es ist doch so.
    Viel wichtiger ist doch, daß es Dir so richtig gut geht. Du wirst bestimmt Dein glück finden und dann erkennen, daß Du erst Platz in dEinem Leben schaffen musstest um dorthin zu kommen. Vielleicht bist Du ihm eines Tages dankbar, wenn Du erkennst was Dich dafür in der Zukunft erwartet hat. Nichts geschieht ohne Grund.....

  9. #9

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    AW: Anstand siegt?

    Zitat Zitat von suse3 Beitrag anzeigen
    Aber ich finde es ungerecht, dass er und seine Geliebte so völlig ohne Scham und Gewissensbisse glücklich sind und keinerlei "Strafe" oder "Lehre" aus der ganzen hinterhältigen Sache ziehen.

    Vor diesem Hintergrund frage ich mich, warum es sinnvoll ist, anständig zu sein und zu bleiben?
    Und ganz provokant gefragt: wenn jeder an sich selber denkt, ist doch für alle bestens gesorgt, oder nicht?

    Also: siegt Anstand oder Frechheit?
    Also lebenserfahren bin ich nicht, habe aber einen Vater, der mehrfach seine Familien (zuletzt halt meine Mutter) für neue Frauen verlassen hat. Ich denke nicht in den Kategorien "gut" und "böse", "gerecht" und "ungerecht" oder "anständig". Aber ich beobachte meinen Vater aus großer Distanz seit vielen Jahren und stelle zunehmend fest, dass er verdammt einsam und wohl auch unglücklich ist. Nicht, dass mich das glücklich macht - Rache ist nicht meine Sache - aber ich stelle es eben fest.

    Ich denke, ich kann mit Recht sagen, dass mein Vater ein grauslicher Vater ist. Dafür ist er jetzt weitgehend allein - zwar mit seiner Frau, aber ohne Bindung und Wurzeln an seine Kinder, seine eigene Familie ist tot, bzw. es besteht kein Kontakt mehr. Vielleicht ist das ein Trost für meine Mutter, die lange mit ihrem Schicksal gehadert hat. Sie hat schließlich zwei Kinder, die engen Kontakt zu ihr haben und bald noch ein Enkelkind, dass seinen Großvater wohl nie richtig kennenlernen wird. Aber ja, sie musste auch viele Jahre warten, bis es sich so deutlich gezeigt hat, was menschlich von ihrem Exmann zu halten ist.

    Andererseits - wenn sich der Vater um seine/Deine Kinder kümmert, sei froh und unterstütze es. Und vielleicht ist er dann auch kein ganz so "schlechter Mensch."

  10. #10

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    AW: Anstand siegt?

    Zitat Zitat von goldmarie68 Beitrag anzeigen
    Viel wichtiger ist doch, daß es Dir so richtig gut geht. Du wirst bestimmt Dein glück finden und dann erkennen, daß Du erst Platz in dEinem Leben schaffen musstest um dorthin zu kommen. Vielleicht bist Du ihm eines Tages dankbar, wenn Du erkennst was Dich dafür in der Zukunft erwartet hat. Nichts geschieht ohne Grund.....
    Danke dir, Goldmarie! Schöner und passender Name übrigens

    Wäre schön, wenn es so kommen würde. Und bis dahin bleibe ich eben anständig

    Halina, das ist eine traurige Geschichte mit deinem Vater! Eigentlich wünscht man so ein "Ende" niemandem, schon gar nicht dem eigenen Vater! Aber vielleicht bewahrheitet sich hier der Satz: jeder ist seines Glückes Schmied. Leider auf traurige Weise...

    Ich bin mir schon ziemlich sicher, dass sich ein gutes und anständiges Leben immer lohnt, aber es erscheint halt in der Welt anders. Da regiert leider immer noch der Stärkere, Skrupellose, der sich hauptsächlich um sein eigenes Fortkommen schert.

    Ich hoffe und wünsche mir für alle anständigen Menschen, dass sie eben nicht die Dummen sind oder bleiben!

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