Hallo,
ich habe Urlaub, draußen schneit es und so bin ich auf dieses Forum gestoßen.
Möchte keine Diskussion entfachen, aber als ich in einigen Threads Diskussionen habe, hat mich manche Aussage stutzig gemacht und andere wiederum traurig.
Ich habe mal gelesen, dass unsere Gesellschaft "Oversexed und Underfucked ist"
Könnte da was Wahres dran sein?
Ob wir am Kiosk vor dem Zeitschriftenständer stehen, das Internet aufklappen. den Fernseher einschalten: das Wort Sex wohin wir schauen. Tipps, Tricks, Stellungen, Statistiken. Wer, wie oft und wann.
Der Striptease ist zum 08/15 Geburtstagsgeschenk geworden. Wir werden von nackten Körpern überflutet. Unser Aussehen hat möglichst sexy zu sein und sowieso sollten wir ganz sexy sein. Ob wir Tatort, Rosamunde Pilcher, eine Kochshow, Hart aber Fair oder einen Porno sehen. Egal, alles hat die gleiche Bedeutung.
Unsere Sexualität ist Leistungsmerkmalen unterworfen, die wir anhand einer - uns von außen zugetragenen - Checkliste überprüfen können. Können wir viele Haken machen, haben wir guten Sex und wir sind aufgeschlossen, offen und phantasievoll. Können wir nicht so viele Haken machen, haben wir schlechten Sex und wir sind verklemmmt, prüde und phantasielos.
Sex so easy wie die 1 Minuten Fertigsuppe. Einfach nach Anleitung: Packung aufreißen, Inhalt in die Tasse schütten, heißes Wasser drüber, umrühren, 1 Minute ziehen lassen und fertig.
Unsere Kinder und Jugendlichen haben schon oft vor ihrer ersten eigenen sexuellen Erfahrung schon zig Pornos gesehen. Bei uns hier im Jugendtreff führte, der im Jugendtreff stattfindende Pornokonsum mit Handy oder PC, zu einem Ausschluss und Hausverbot für alle Jugendlichen ab 14 Jahren. Jetzt kümmert sich wieder der Dorfsheriff um sie, wenn sie auf der Strasse rumhängen. (ich finde diese Entscheidung schwach, aber sie wurde gemeinsam vom Jugendförderverein und Gemeinderat beschlossen. Ein Gremium, dass übrigens zu 80% aus Männern besteht.)
Eine junge Frau mit der ich befreundet bin hat ihr Referendariat an einer Grundschule begonnen, bei einem Gespräch über Sexualität nannte sie mir einen Zahlencode, den unsere Kleinen wohl in Google eingeben und dann lustig munter Pornos schauen. Wollte mir mal anschauen was sich unsere kleinen Zwerge so anschauen, leider habe ich die Zahl vergessen. Sicher kann mir hier jemand auf die Sprünge helfen, die Zahl 6 und noch was dazu.
Auf der anderen Seite sagen Sexualforscher, dass die "Unlust" ständig zunimmt und viele Menschen darüber klagen. Die Wartezimmer der Sexualtherapeuten sind brechend voll.
Meine Mutter und ich hatten letztes Frühjahr eine Reportage über Sekten und Freikirchen angesehen. Da kam unter anderem eine Freikirche die sehr auf "alte" Werte wie Familie, Tradition, "Moral" setzte. Die veranstalten wohl immer wieder große Gottesdienste und Versammlungen im Berliner Olympiastadion. Dieses Stadion fasst ja nicht gerade wenige Personen. Als die Kamera durch das Publikum streifte schauten meine Mutter und ich uns an und sagten total überrascht "das sind ja überwiegend Jugendliche und junge Menschen"
Unsere Familienministerin hat ja eine Offensive gegen Kinderpornographie gestartet, da wohl auch hier das Netz voll ist. Der moralische Aufschrei, wenn wir das Wort Kinderpornographie hören, geht mit einer riesigen Welle durch die Gesellschaft. In der Zeit Online, hatte ich Leserkommentare zu diesem Thema gelesen. Da schrieben auch bekennende Kinderpornographieuser. Ihre Argumente Pro Kinderpornographie waren die gleichen, die ich hier oft lese. Ich habe ein Recht auf meine eigene Sexualität, ich kann zwischen Film d.h. Fiktion und Realität sehr wohl unterscheiden und würde nie einem Kind so etwas antun. Ich liebe meine Kinder. Sie gingen sogar soweit, dass Kindern schlimmeres passieren könnte und nannten da z.B. Scheidung der Eltern.
Wir hatten hier im Ort ein Fall von Kinderpornographie. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man die "Produzenten" gekannt hat und mit denen öfters zusammensaß.
Passt das alles?
Aber wahrscheinlich bin ich nur ein verschrumpeltes, altes Relikt aus irgendwelchen sonderbaren Zeiten. In denen Sexualität noch etwas persönliches, individuelles und sehr intimes war. In denen man dachte, überall muss ich nach Wertemassstäben funktionieren, aber hier lass ich mir nicht reinreden, hier "Big Brother" bist du noch nicht "watching me". In denen Sex noch die schönste Nebensache der Welt war. Total verkalkt wie ich bin, denke ich bei Sex noch an Zweisamkeit, Erotik, Sinnlichkeit und sensitivem Empfinden.
Traurig,
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