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  1. #1
    Lemon_Meringue
    gelöscht

    Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    Hallo in die Selbstständigen-Runde,

    heute bin ich bei euch gelandet, da ich mich für eine Bekannte nach Erfahrungswerten (mit denen ich ihr mangels Erfahrung nicht helfen kann) erkundigen möchte.
    Also, meine Bekannte stammt aus den USA, lebt seit kurzem mit deutschem Ehemann in Deutschland und war in den USA lange selbstständig. Sie hat (Oh je, wie erkläre ich das ohne zu konkret zu werden?!?) eine Serviceleistung angeboten, also kein Produkt sondern ein Serviceangebot. Man kann im weitesten Sinne sagen, daß sie eine organisatorische Rolle übernommen hat, die ihren Kunden die Mühe abnahm, das selbst zu machen bzw. zu organisieren. Es lief wohl sehr gut in den USA und nun überlegt sie, den gleichen Service in ihrer neuen Heimat anzubieten.
    Ich kann ihr dazu nichts Konkretes sagen, habe aber den Eindruck, daß in Deutschland generell Serviceleistungen nicht so gut angenommen werden und es schwieriger ist, diese zu verkaufen als ein konkretes Produkt, das ich in der Hand halten kann. Sprich, daß die Leute- im Vergleich zu den USA vor allem- deutlich weniger serviceorientiert sind, mehr selber machen (wollen), weniger bereit sind, Dinge aus der Hand zu geben. Und das natürlich erst recht, wenn es etwas kostet.

    Ich habe einfach das Gefühl, man sieht keinen Bedarf, für etwas Geld asuzugeben, was man theoretisch auch selbst "irgendwie" hinkriegt und daß bei uns hier der Aspekt, es sich leichter zu machen bzw. sich mit bestimmten Dingen nicht befassen zu müssen uns das aus der Hand zu geben nicht so verbreitet ist.


    Könnt ihr das bestätigen oder erzähle ich ihr Quatsch?

    Ich will ihr ja auch nichts Falsches sagen. Es wäre nett, wenn ihr mir mit ein paar Meinungen und Erfahrungen helfen könntet.

    Liebe Grüße,
    LM

  2. #2

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    1.661

    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    Genau so ist es

  3. #3
    Bae
    Bae ist offline

    Registriert seit
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    7.032

    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    ich hab mal jemand sagen hören, der sowohl in den USA wie auch nachher in Europa mit einem Serviceangebot selbständig war:

    in den USA ist es cool, wenn etwas neu ist, die Leute gehen gern sofort hin und probieren es aus, neue Sachen sind grundsätzlich "great, awesome, interesting, exciting". In Europa muss man mehr Geduld haben, wenn man dann so etwa nach fünf Jahren auf dem Markt immer noch lebt, dann ist man so langsam etabliert und es läuft dann auch.

    grüsse, barbara

  4. #4
    Nathalie1000
    gelöscht

    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    Der Service wuerde schon angenommen, aber der Preis wird in der Regel nicht akzeptiert, weil man es theoretisch selbst erledigen koennte. Wenn der Service Deiner Bekannten von Firmen gebucht und gezahlt wuerde, waeren die Chancen groesser. Aber auch hier muss der Wert der Dienstleistung "gerechtfertigt" werden, man sollte also fit im Selbstmarketing sein.

  5. #5
    VIP Avatar von xanidae
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    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    Ich denke, man ist nicht bereit viel für einen Service zu bezahlen, den man in Eigenleistung günstiger bekommt.

    Mit meinem Mann zoffe ich mich regelmäßig, weil er einen Handwerker bestellen will, obwohl mein Vater und mein Onkel das genauso gut können und wir ihnen nichts bezahlen müssen. Wir müssen nur das Material und das Werkzeug bezahlen (und gerade von letzterem haben wir genug). Aber das Mitspracherecht meines Mannes ist eingeschränkt, wenn er meinen Vater, Onkel und seinen Vater beauftragt. Das will er nicht, also bezahlt er lieber einen Handwerker.

    In der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, bestellt man nur einen Handwerker, wenn man niemanden kennt, der das für einen tut. Ich habe selbst mehrere Häuser mitgebaut und bin schon als Kind mit Schubkarre über diverse Planken gefahren, mit Schutt oder neuem Material.

    Dieses Verhalten zieht sich durch viele Bereiche in Deutschland und wenn man z. B. eine Hochzeit organisiert, dann kostet das genug Geld - auch ohne Hochzeitsplaner. Letzteren buchen nur gut betuchte Leute, die nicht auf das Geld achten müssen.

    Das heißt Flyer auslegen im Golfclub.
    Worte kitzeln empfindlicher, als es die Finger je vermögen.
    Rafik Schami

  6. #6

    Registriert seit
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    9.874

    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    in österreich und teilen deutschlands ist das engagement in freiwilligendiensten gross, von da bringen die leute gute erfahrung in der organisation mittelgrosser feste mit,

    den deutschen und österreichern wird im allgemeinen sehr gutes organisationstalent nachgesagt,

    die grossen kirchen bieten ihren mitgliedern zeremonien für die eckpunkte des lebens an, die rundunmgestaltung der ereignisse ist eine gewachsene und sehr feierliche,

    kirchenferne bekommen von ihrer parteigruppe oder ihrem freiwilligenverein oder sportverein festatmosphäre,

    gasthöfe und behgerbergungsbetriebe stellen seit generationen geschmückte räume und verkostung zu moderaten preisen zur verfügung,

    den deutschen und österreichern wird im allgemeinen sehr gutes organisationstalent nachgesagt,

    die kommunen haben noch vor den freiberuflern eventangebote gesetzt, sie bieten als kulisse historische kulissen an, etwas das die usa weniger zu bieten hat.

    -----------------------------------------------------------------------------------------
    lg
    legrain
    Geändert von legrain (22.12.2012 um 10:28 Uhr)

  7. #7
    Avatar von Opelius
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    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    ich denke auch, dass lediglich einen Service in Deutschland anzubieten deutlich schwerer ist als in den USA. Da scheint es einen Mentalitätsunterschied zu geben.

    Aber das Anbieten eines Produktes und einem Service klappt fast immer.
    Beispiel:
    Als unser Sohn vor 1 Jahr heiratete, war klar, dass er ein Zelt in unserem Garten braucht, um 100 Gäste unterzubringen. In der Nachbarstadt bot jemand so ein Zelt an für 400 €. Er machte eine Besichtigung und eine Vorbesprechung. Er bot so ganz nebenbei Bestuhlung, Geschirr, Theke und Getränkelieferung, Blumenschmuck, Beleuchtung und Festschmuck und sogar Festessen an. Die jungen Brautleute hatten sich darüber fast ein Jahr den Kopf zerbrochen und nahmen den gesamten Service an. Der Zeltverleiher hat keineswegs alles selbst gemacht, sondern andere Firmen beauftragt und den Zeitplan des Lieferns und Abräumens festgelegt. Und es hat geklappt, hervorragend sogar und es ist kaum teurer geworden, als hätte man das Ganze selbst organisiert.
    Es war dadurch ein entspanntes Fest.
    Der junge Zeltverleiher hat seither gut zu tun, denn alle Gäste fanden so einen Service Klasse, und es folgten ein Haufen neuer Aufträge.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. #8

    Registriert seit
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    1.661

    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    Der Unterschied zwischen uns und den USA kommt (u.a.) durch die entstehenden Kosten zustande. Beispiel: Sagen wir mal ein gut verdienender Angestellter lässt den Rasen mähen (was in den USA ein üblicher Service ist). In den USA muss der Angestellte ca. 0,5-1 eigenen Stundenlohn für 1 Stunde Rasen mähen zahlen. In Deutschland müsste ein Angestellter ca. 2 Stunden selbst arbeiten um 1 Stunde Rasen mähen zu bezahlen. Das macht halt nicht viel Sinn.

  9. #9
    Moderation Avatar von Promethea71
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    5.976

    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    Ich denke das ist ganz unterschiedlich, je nach Zielgruppe und Dienstleistung.

    Beispiel: Steuererklärung, die könnten die meisten Menschen selbst machen, viele wollen das aber nicht und haben einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein, diese Dienstleistung ist allgemein anerkannte und wird auch adäquat bezahlt

    Lieferservice, Biokiste etc. auch das ist eine Dienstleistung, die eine gewisse Zielgruppe gerne in Anspruch nimmt, weil einem die Dienstleistung viel Zeit sparen kann.


    Ich denke es gibt viele verschiedene Aspekte zu beachten:

    - erstmal die richtige Zielgruppenanalyse (wer braucht die Dienstleistung, wer kann sie bezahlen, wer will sie bezahlen)
    - dann wird in D oft mehr Wert auf "Experten" gelegt, wenn man etwas schon nicht selbst macht
    - Vertrauen, wen betraue ich zB mit Behördengängen, was erfährt der über mich, was plaudert er weiter


    Also grundsätzlich würde ich schon sagen, dass es viele Dienstleistungen gibt, die auch in Deutschland gut ankommen würden, aber es kommt darauf an, was es ist, wie man es verkauft und an wen.


    Sie sollte sich vielleicht vorab auch mal von einem Steuerberater oder Anwalt beraten lassen, welche Genehmingungen oder Versicherungen sie ggfl. braucht und wie die Sache steuerlich aussehen kann.

    Und dann einfach mal als Testballon versuchen.
    Wichtig ist ggfl. auch das richtige Umfeld.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

  10. #10
    Uli_F-2009
    gelöscht

    AW: Verkaufen sich Serviceleistungen in Deutschland schlecht?

    Stimme aus dem Mittelstand:

    Wenn ich für eine Dienstleistung von einer Stunde soviel bezahlen muss, wie ich in >2 Stunden netto verdiene, sehe ich genau hin, ob ich denjenigen wirklich brauche, oder ob ich es lieber selbst mache.

    Wenn ich es selbst mache -so ich kann- weiß ich, was ich habe und muss nichts organisieren. Bin nicht abhängig von Terminzusagen oder ärgere mich nachher, weil es nicht so ausgeführt ist, wie erhofft.

    Ich glaube, Serviceleistungen an den Mittelstand loszuwerden ist schwierig. Erst recht, wenn auf der Kostenseite Steigerungen anstehen (z.B. Energie), die durch keine Mehreinnahmen abgedeckt werden können. Das Brett wird schmaler.

    Aber das ging jetzt nur um Privatpersonen und kleine Geschichten.

    Wer ist denn die Zielgruppe?
    Geändert von Uli_F-2009 (21.12.2012 um 15:42 Uhr)

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