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  1. #1

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    Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Ich finde das immer etwas befremdlich, wenn ich einfache Seminararbeiten von Kommilitonen oder Ex-Kommilitonen bei GRINS oder AMAZON finde. Fast keine der Seminararbeiten taugt jemals zur Veröffentlichung, was den wissenschaftlichen Neuigkeitswert betrifft. Und doch nimmt es immer mehr zu. Was erhoffen sich die Schreiber davon? Habt Ihr das schon gemacht?
    Macht's gut, und danke für den Fisch!

  2. #2

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    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Das ist ein Thema, über das ich mich auch schon lange wundere.

    Dass man Arbeiten, in die man lange Stunden an Recherche gesteckt hat, nicht in der Schublade verstauben lassen möchte, kann ich ja noch verstehen. Aber diese dann für teilweise horrende Beträge bei grin.de zu verkaufen, finde ich dreist.
    Soweit ich gehört habe, rentiert es sich aber auch nicht: die durchaus gute und interessante Diplomarbeit von einem Ex-Kommilitonen wurde bei grin.com kein einziges Mal heruntergeladen. Stattdessen hat er mehrere Anfragen von Studenten bekommen, die die Arbeit gerne kostenlos haben wollten...

    Ich bin generell eine Anhängerin des "freien Wissens", nicht zuletzt auch, weil ich selbst sehr viel von frei verfügbaren Dokumenten profitiert habe. Aus diesem Grund war ich auch als Student froh, dass die Uni meist eine Möglichkeit angeboten hat, die Arbeiten zu veröffentlichen. Die Seminararbeiten waren dann auf einer Übersichtsseite mit einer kurzen Inhaltsbeschreibung abrufbar. Ich habe sogar einmal eine Mail bekommen, in der sich jemand dafür bedankte.

  3. #3

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    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Auf der einen Seite kann es natürlich hilfreich sein, wenn man die Arbeiten anderer zu einem bestimmten Thema mal gegencheckt, um einen bestimmten roten Faden zu finden. Andererseits halte ich da richtige Forschungsarbeiten immer noch für verlässlicher, bei weitem.

    Ich glaube, ich finde diesen Publikationsfimmel vor allem eitel.
    Macht's gut, und danke für den Fisch!

  4. #4
    Avatar von Asphaltblume
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    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Oh, das geht? Ich hab da noch eine durchaus lesenswerte Hausarbeit (Note 1 natürlich) in der Schublade liegen, auf die ich sehr stolz war...
    Die wäre vielleicht ein Fall für so eine Hausarbeitenbörse. Aber will ich ermöglichen, das andere sich mit meinen Federn schmücken?

    Und noch eine, die ich eigentlich zu einer richtigen echten Veröffentlichung umstricken will, weil das eine echte Forschungsarbeit mit echtem wissenschaftlichem Wert war. Nur - so wie ich sie als Hausarbeit geschrieben habe, kann ich sie nicht veröffentlichen, das ist klar. Wichtig ist nur der Teil mit meiner Entdeckung, und der ergibt, auf das Wesentliche reduziert, höchstens eine halbe Seite in einer Fachzeitschrift...
    Ein winziger Krümel davon ist sogar schon veröffentlicht, zwar nur online, aber dafür richtig seriös Und unter meinem Namen - für die liebe Eitelkeit.
    Ich habe eine Wassermelone getragen.

  5. #5

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    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Ja, aber so etwas ist ja einigermaßen legitimiert - da sagt eine Autorität, hier, das ist eine Forschungsleistung, die unabdingbar war als Quelle für meine Arbeiten. Damit wird auch klargestellt, dass die Qualität der Arbeit über die normale "sehr gute" Hausarbeit hinausgeht. Das ist etwas anderes, finde ich - und die Eitelkeit durchaus berechtigt!
    Macht's gut, und danke für den Fisch!

  6. #6
    Avatar von Kupferschwein
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    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Ich hole das Thema grad mal hoch, weil es für mich interessant ist.
    Ich habe in den vergangenen Semestern ein paar Seminararbeiten geschrieben, die sehr gute Noten eingefahren haben.
    Nun wurde ich von Bekannten gefragt, ob ich ihnen ein paar davon schicken würde zum Lesen. Mach ich natürlich gerne (oben schrieben jemand was vom frei verfügbaren Wissen!! :) ) Dann sprach mich aber eine meiner Freundinnen an, ob ich meine mit sehr gut benoteten Arbeiten nicht zum Verkauf anbieten möchte und nannte mir auch die oben genannte Homepage dafür.
    Ich kann mir nicht recht vorstellen, dass das wirklich was bringt, aber kann es schaden?

    Hat hier mittlerweile jemand Erfahrungen damit gemacht?
    Dass man keine 3,0er Arbeiten hochlädt, sollte einem eig der eigene Anspruch gebieten, aber gerade gute Arbeiten zu beliebten Themen, könnte man doch mal anbieten?

    Ich bin gespannt auf Eure Meinungen Ende 2012 (in 2 Jahren kann ja viel passieren ;) ).

    Kupferschwein

  7. #7

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    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Wenn nicht mal Studenten mehr solidarisch unter sich sind?!
    Ich kann nur sagen, dass ich mir ab und zu gerne Anregungen durch andere Arbeiten hole, ich aber noch nie Geld dafür bezahlt habe bzw. ich dann eben nur den Teil anschaue, der frei verfügbar ist.
    Am besten wir verlangen noch Geld für das Kohlenstoffdioxid, das wir ausatmen.

  8. #8
    Avatar von Kupferschwein
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    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Wo gibt es denn Möglichkeiten, Arbeiten kostenlos zu veröffentlichen?
    Wenn ich jemanden kenne, der sich interessiert, gebe ich natürlich meine Arbeiten heraus zur Lektüre.

    Und meine Frage zielte nicht darauf ab, ob das solidarisch ist, sondern ob es überhaupt angenommen wird. Ich hab mein komplettes Studentenleben bisher ohne vorgefertigte Arbeiten als Anregung überstanden.

  9. #9
    stynalotta
    gelöscht

    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Und meine Frage zielte nicht darauf ab, ob das solidarisch ist, sondern ob es überhaupt angenommen wird. Ich hab mein komplettes Studentenleben bisher ohne vorgefertigte Arbeiten als Anregung überstanden.


    Es wird angenommen, aber leider vermehrt als direkte Anleitung für die eigene Arbeit. Ich erlebe es häufig, dass Kommilitonen im Online- Campus gezielt nach Haus-/ Diplom-/ Bachelorarbeiten zu einem bestimmten Thema fragen, sich diese zuschicken lassen wollen, weil sie "keine Ahnung haben, wie sowas funktioniert". Das sind üblicherweise diejenigen, die zu keiner oder wenig Präzenzen erscheinen (Fernstudium) und auch im fünften Semester relativ unbeleckt sind, was wissenschaftliches Arbeiten, Literaturrecherche etc. angeht.
    Da geht es weniger darum, diese Arbeiten als Anregung oder Ansatz für kritische Reflexion zu sehen, sondern um schlichtes Kopieren der formalen Vorgaben und der Gliederungsschritte.
    Das finde ich sehr armselig, ich würde im Leben nicht auf diesen Trichter kommen.

  10. #10
    Moderation Avatar von lunete
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    AW: Veröffentlichung von Hausarbeiten

    Hallo Kupferschwein,

    vom Standpunkt einer Wissenschaftlerin würde ich dir sehr stark davon abraten. Mein Studium ist noch nicht allzu lange her, auch damals habe ich schon wenig von solchen Veröffentlichungen gehalten.

    Gründe:

    a) Es fehlt bei den Online-Portalen jede Qualitätskontrolle. Ich will gar nicht bezweifeln, dass deine Arbeiten sehr gut sind, aber eben doch "nur" für studentische Verhältnisse. Ich habe schon viele Hausarbeiten gelesen und auch diejenigen, die ich mit eins bewerte, sind i.d.R. nicht publikationsreif. Das sollen sie auch nicht sein, denn jede Hausarbeit ist ja als Qualifikationsarbeit bzw. Übung auf dem Weg zum Abschluss gedacht.
    Auf den genannten Portalen ist es zudem so, dass gute Noten keine Voraussetzung für die Publikation sind. Es werden durchaus "befriedigende" Arbeiten zur Verfügung gestellt und auch heruntergeladen - und das ist m.E. sehr entlarvend für die eigentliche Intention und Zielgruppe dieser Portale.
    Durch die Bereitstellung mittelmäßiger Arbeiten spielt sie kriminellen Studierenden in die Hand. Der geschickte Betrüger tut sich nicht ein ganzes Semester lang durch schlechte Beiträge hervor um dann am Schluss eine Einser-Hausarbei einzureichen. Nein, er sucht sich eine mittelprächtige Arbeit aus, die eher seinem Leistungsstand entspricht. Und damit komme ich zum zweiten Punkt:

    b) Solche "Anregungen" aus dem Netz braucht eigentlich niemand. Als Anregungen werden die Arbeiten dann meist auch nicht gelesen - die Ausnahmen tummeln sich natürlich hier in der Bricom - sondern sie werden plagiiert. Auch das kann ich aus meinen Erfahrungen berichten: umfangreich und ungeniert und, wie gesagt, auch durchaus mit einer realistischen Einschätzung des eigenen Könnens.
    An deiner Stelle wäre mir meine Arbeit, in der viel Aufwand und Herzblut steckt und auf deren gute Bewertung man zurecht stolz sein kann, für eine solche Verwurstung bzw. dafür, dass sich irgendein Betrüger mit meinen Federn schmückt, viel zu schade.
    Solidarität ist hier sicherlich kein Faktor bzw. wenn ja, dann eine Solidarität von denjenigen, welche die Arbeit hochladen, die in der Folge schamlos ausgenutzt wird.
    Wenn man sich mit einem wissenschaftlichen Thema auseinandersetzt, dann sollte wissenschaftliche Literatur der erste Anlaufpunkt sein. Meinetwegen Handbücher und Lexika, aber auch Forschungsliteratur. Das, was in studentischen Hausarbeiten steht, kann diesen Publikationen nie das Wasser reichen. Wegen der mangelnden Qualitätskontrolle gilt all dies auch für die Form und Argumentationsschritte der dort veröffentlichten Arbeiten. Sie sind keinesfalls „richtig“ oder „gut“ oder was auch immer. Alles, was über eine solche Arbeit ausgesagt werden kann, ist dass der/die Verfasser/in sie – aus welchen Gründen auch immer (Profilneurose, Geldmangel, solidarischer Idealismus...) dort hochgeladen hat.
    Braucht man als Studierende/r eine Anregung zur Form einer Hauarbeit, zur Themenauswahl oder zu Argumentationsstruktur, kann man sich bei den Lehrenden erkundigen, zum Teil stellen sie Beispiel-Arbeiten zur Verfügung, Fachschaften sammeln teils Hausarbeiten und nicht zuletzt können Kommilitonen aus höheren Semestern weiterhelfen - oder aber Lerngruppen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade das Denken in der Gruppe, auch wenn diese ziemlich homogen ist, zu sehr guten Resultaten führen kann.

    c) Diese Hausarbeiten-Portale senken das Niveau der studentischen Arbeiten allgemein. Als Lehrende redet man sich den Mund fusselig, dass Google kein angemessenes Recherchetool und solche Arbeiten keine angemessenen Referenzen sind. Und doch bekommt man jedes Semester Arbeiten, welche die oft unterkomplexen Hausarbeiten aus Online-Portalen als Sekundärliteratur verwenden.
    Die Wissensorganisation unserer Gesellschaft läuft sicherlich darauf hinaus, dass alles online bzw. digital zugänglich sein wird. Das ändert aber nichts daran, dass auch in diesem frei verfügbaren Wissen nach Qualität und Relevanz differenziert werden muss.
    Qualitativ hochwertige und wissenschaftlich relevante Beiträge werden derzeit - aufgrund der Kosten, die sie verursachen und aufgrund des Nutzens, den sie haben können - noch nicht frei verfügbar gemacht. Stattdessen eher der verzichtbare "untere Rand" des wissenschaftlichen Spektrums.

    d) Du wirst von einer Veröffentlichung auf einem solchen Portal keinen Vorteil haben. Oben wurde schon geschrieben, dass der finanzielle Gewinn doch eher gering ist, wissenschaftlich, das kann ich dir versichern, tust du dir keinen Gefallen. Über eine solche Publikation trägst du zu einem sehr problematischen System bei. Diese Publikationen sind nur ganz vordergründig was fürs Ego und können in seriösen Kontexten (z.B. bei einer Bewerbung auf eine Hiwi- oder Doktorandenstelle) in meinen Augen nicht geltend gemacht werden.

    Wenn du gern mit deinen Arbeiten in die Öffentlichkeit treten möchtest, dann rate ich dir, dein Glück bei Tagungen, Kongressen oder in etablierten Zeitschriften (auch studentischen Zeitschriften) zu suchen.
    Sieh' dich um, welche Tagungen und Kongresse stattfinden werden, welche zu deinen Themen passen und bewirb dich auf Call for Papers.
    Es gibt immer wieder auch studentische Tagungen, die sich explizit an fortgeschrittene Studierende und Doktorierende wenden. Aber auch "große" Tagungen nehmen durchaus mal ein studentisches Projekt an.
    Du kannst deine Ideen dann dort vor wissenschaftlichem Publikum präsentieren und diskutieren und den Vortrag später zu einem Beitrag in einem Sammelband umarbeiten. Dieses Buch unterliegt dann strengen Qualitätskriterien und ist dann als seriöse Publikation zu sehen, mit der du dich in keinem Kontext schämen must.
    Auch wenn du deinen Beitrag zu einer (studentischen) Zeitschrift schickst, wirst du Feedback erhalten und entsprechend noch feilen können, bevor er auf die Öffentlichkeit losgelassen wird.
    Kostenlos ist das dann jeweils auch.


    Lunete
    Geändert von lunete (17.12.2012 um 10:17 Uhr)

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