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  1. #1

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    Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Hallo Ihr!

    Ich brauche mal eine Entscheidungshilfe...

    Bin 46 Jahre alt, und habe zum 01.01.16 nach 21 Jahren meinen Arbeitgeber gewechselt, weil in meiner alten Firma übelstes Bossing betrieben wurde, das das Betriebsklima unerträglich machte. Der Job an sich war eigentlich perfekt, ich hatte mir meine eigene Nische aus Aufgaben geschaffen, die mir am meisten lagen und in denen ich auch richtig gut war - vor allem war ich wirklich glücklich darüber, dass ich schließlich nach über 15 Jahren endlich keinen Kundenverkehr mehr hatte. Aber - wie gesagt - durch den Druck, die mangelnde Wertschätzung und komplette Inkompetenz, Ignoranz und Illoylität der Führungskräfte war es kaum mehr auszuhalten, daher habe ich mir etwas anderes gesucht.

    Jetzt habe ich einen Arbeitsplatz, der mich voll auslastet, arbeite jetzt als Spezialist für meinen eigentlichen Ausbildungsberuf in der EDV-Branche, berate Kunden und arbeite an der Verbesserung und Weiterentwicklung des Produktes mit. Trotz 40 Stunden-Woche sammle ich halbjährlich rd. 50 Überstunden an (kann ich mir auszahlen lassen, habe damit aber immer noch etwas weniger Geld in der Tasche, als vorher) und pendle jeden Tag rd. 150 km (insgesamt meist 2,5 Stunden / Tag), bin auch ab und an dienstlich mehrere Tage im Monat unterwegs - ABER das macht mir (zumindest im Moment) herzlich wenig aus - die tolle Atmosphäre, die Wertschätzung und Kollegialität (auch durch die Führungskräfte), die spannende Arbeit, bei der ich jeden Tag etwas Neues lerne, beflügeln mich regelrecht und ich fühle mich wirklich sauwohl da. Lerne viele interessante Leute kennen und habe begonnen, Freundschaften zu schließen. Mein Fachwissen ist gefragt, ich fühle mich anerkannt und wertgeschätzt - auch persönlich. Seit ich da arbeite bin ich regelrecht aufgeblüht.

    Freizeitmäßig bin ich nicht wirklich aktiv, habe keine Kinder, meinen Hund musste ich vor 2 Jahren einschläfern lassen, mein Partner ist im Schichtdienst (wir sehen uns also sowieso eher selten), mein sehr zeitaufwendiges Hobby, das ich viele Jahre hatte, habe ich zwischenzeitlich mehr oder weniger aufgegeben (weil sich daraus sehr viele Verpflichtungen ergaben, aber auch aus finanziellen Gründen) daher stört es mich auch nicht sonderlich, dass ich so gut wie keine Freizeit habe, in der Woche. In dem Ort, in dem ich wohne kann man sowieso so gut wie nichts unternehmen, die meisten meiner Freundschaften pflege ich virtuell, da meine Freunde ziemlich verstreut leben. Ich gehöre wohl zu den Leuten, die leben um zu arbeiten und nicht zu denen, die arbeiten um zu leben. Aber so lange es Spaß macht finde ich daran nichts Verwerfliches.

    So, und nun habe ich aus heiterem Himmel ein Angebot von dem Konkurrenzunternehmen meines ehemaligen Arbeitgebers hier vor Ort bekommen. 37 Stunden-Woche, Gleitzeit mit sehr eingeschränkten Kernzeiten (ich könnte mehrmals die Woche mittags einfach nach Hause gehen!), sehr gutes Gehalt, absolut sicherer Arbeitsplatz, kleines Unternehmen mit gutem Ruf, viele ehemalige Kollegen sind schon da hin gewechselt und auch die anderen Mitarbeiter kenne ich größtenteils. Keinerlei Probleme i.S. Bossing oder Mobbing - es gibt nichtmal Abteilungsleiter o.ä.. Eigentlich ein Traum. Eine ggf. zukünftige Kollegin beschrieb mir, dass man auch einfach mal die Bürotür zu machen und dem Vogelgezwitscher im Hof lauschen könne...

    Der Kollege, den ich da ersetzen soll, ist ein ehemaliger Auszubildender von mir (also noch jung), der sich verändern und verbessern will (was in der Firma einfach nicht geht, es sei denn, man wird direkt Vorstand), und dem der Job auf Dauer einfach zu langweilig ist. Und das ist halt auch mein Problem... Ich würde wieder im Kundendienst arbeiten (nicht, dass ich das nicht könnte, aber es ist halt immer das Selbe...), in einem Unternehmen, in dem nach dem Motto "Never change a running system" keinerlei Weiterentwickling oder Kreativität möglich ist... Das heißt: Was ich da machen werde, wird so lange genau so bleiben, wie es ist, bis es überhaupt nicht mehr anders geht (die haben z.B. wirklich auf den ALLERLETZTEN Drücker die letzten XP-Rechner rausgeschmissen...) - und ich weiß nicht, ob ich das wirklich aushalten würde... Hätte ich jetzt ein reges Familienleben, einen riesigen Freundeskreis oder zeitaufwendige Hobbies... - okay. Aber ich habe wirklich Angst davor, in ein schwarzes Loch aus Langeweile zu fallen und regelrecht zu verblöden.

    Andererseits sage ich mir "Hey, Du bist 46 und gehörst schon zum alten Eisen! Kannst irgendwann nicht mehr mithalten und wärst dann froh über so einen Job! So ein Angebot bekommt man nicht alle Tage, schlag zu!". Die Branche, in der ich jetzt arbeite ist sehr schnellebig, obwohl ich wahrscheinlich auch bei einem anderen Unternehmen einen ähnlichen Job finden könnte - solche Leute wie ich werden durchaus gesucht, besonders, wenn sie bereits Erfahrung haben. Aber "gemütlicher" wäre das dann auch nicht und ich werde dafür auch immer pendeln oder sogar im Außendienst arbeiten müssen.

    Ich weiß gerade wirklich nicht, was ich tun soll... Bin ich schon in einem Alter, in dem es sich nicht mehr "lohnt", Neues zu lernen und sich weiter zuentwicklen? Sollte ich mich "zur Ruhe setzen"? Mein Herz schrit "Neiiiiin!", mein Verstand sagt "Jau! Solltest Du!". Was meint Ihr? Sorry, dass der Text so lang geworden ist, ich wollte versuchen, die Sache so klar wie möglich darzustellen.

    Grüßle, Meg

  2. #2

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    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    Ich weiß gerade wirklich nicht, was ich tun soll...

    leider können wir Dir das auch nicht sagen

    alls Pros und Contras gut abwägen, auf Dein Bauchgefühl hören und dann entscheiden.....

  3. #3

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    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen

    Ich weiß gerade wirklich nicht, was ich tun soll... Bin ich schon in einem Alter, in dem es sich nicht mehr "lohnt", Neues zu lernen und sich weiter zuentwicklen?
    Nein.

    Sollte ich mich "zur Ruhe setzen"?
    Nein, davon bist du noch 20 Jahre entfernt.

    Mein Herz schrit "Neiiiiin!", mein Verstand sagt "Jau! Solltest Du!". Was meint Ihr? Sorry, dass der Text so lang geworden ist, ich wollte versuchen, die Sache so klar wie möglich darzustellen.
    Aus welchen Gründen sagt der Verstand Ja? Weil du einen langen Arbeitsweg hast und ein Angebot bekommen hast? Deine Lebensumstände 'zwingen' dich doch nicht zu einer Veränderung, in den Kundendienst willst du 'eigentlich' nicht.
    Ist dir mehr Geld wichtiger als befriedigende Arbeit? Findest du Sicherheit für die nächsten 20 Jahre (als ob es die wirklich gäbe) wichtiger als ein Job, der dir momentan so richtig Spass (mit allen drumherum) macht?

  4. #4

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    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Wenn Dir Dein jetziger Job gut gefällt, würde ich nicht wechseln. Du musst noch 20 Jahre arbeiten, wer weiß, wie sich das neue Unternehmen in der Zeit entwickelt. Vielleicht ist es da in ein paar Jahren vorbei mit der Geruhsamkeit, oder die machen dicht.

  5. #5
    Avatar von Lakotia
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    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Mit 46 zum alten Eisen?

    Um Himmels Willen!

    Vielleicht im Kundendienst, mit Sicherheit nicht in deinem neuen Job.

    Ich bin 44 und habe vor 2 Jahren vom Projektmanagement zum Controller gewechselt nebst Fernstudium Diplom jetzt 1 Jahr angefangen, nebst weiteren Zertifikaten um mich da besser platzieren zu können.

    Willst du 20 Jahre versauern?

    Viele Frauen können erst mit 40 und älter beruflich durchstarten da Kinder.

    Nutze den gesellschaftlichen Wandel und bleibe am Leben.

    Wenn du so aufblühst im Job ist doch toll.
    lg Lakotia

    -------------------------------------------------------------------------------------

    Bleib wer du bist, es sei denn du kannst ein Einhorn sein.
    Dann sei ein Einhorn!

  6. #6
    Avatar von Paraplumeau
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    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Ich würde wechseln.
    Das klingt doch alles sehr idyllisch und lässt Raum für ein Leben neben der Arbeit.
    Das Fundaments des Rechts ist Humanität. A. Schweitzer

  7. #7
    Avatar von Opelius
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    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Ich kann die Ratschläge der Vorschreiberinnen eigentlich nur gut finden.

    Aber, ich würde an Deiner Stelle aber auch folgendes berücksichtigen:
    2 1/2 Fahrzeit zur Arbeitsstelle und zurück mag Dich im Moment nicht anstrengen. Das kann sich ändern.

    Dein Eheleben siehst Du entspannt. Aber Zeit für einander habt Ihr nicht.

    "Freizeitmäßig bin ich nicht wirklich aktiv. In dem Ort, in dem ich wohne kann man sowieso so gut wie nichts unternehmen."
    Ein Hobby hast Du ja schon aufgegeben. Du pflegst virtuelle Freundschaften, mir wäre das zu belanglos.

    "Aber ich habe wirklich Angst davor, in ein schwarzes Loch aus Langeweile zu fallen und regelrecht zu verblöden."
    " Ich gehöre wohl zu den Leuten, die leben um zu arbeiten und nicht zu denen, die arbeiten um zu leben. Aber so lange es Spaß macht finde ich daran nichts Verwerfliches."

    Deine positive Lebenseinstellung hängt im Moment ausschließlich an Deinem Arbeitsplatz. Das kann sich sehr schnell ändern, wenn Du einen jungen dynamischen Chef frisch von der Uni bekommst.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. #8
    ErsterAchter
    gelöscht

    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Zitat Zitat von Meg2511 Beitrag anzeigen
    die tolle Atmosphäre, die Wertschätzung und Kollegialität (auch durch die Führungskräfte), die spannende Arbeit, bei der ich jeden Tag etwas Neues lerne, beflügeln mich regelrecht und ich fühle mich wirklich sauwohl da. Lerne viele interessante Leute kennen und habe begonnen, Freundschaften zu schließen. Mein Fachwissen ist gefragt, ich fühle mich anerkannt und wertgeschätzt - auch persönlich. Seit ich da arbeite bin ich regelrecht aufgeblüht.
    DAS ist für mich die entscheidende Passage: Nie und nimmer würde ich einen Job, über den ich so etwas sagen kann, ohne Not aufgeben!

    Das neue Angebot mag ja, was die harten Daten angeht, verführerisch sein, aber wenn du Pech hast, erwartet dich dort ein ähnlich "super" Klima wie in deinem letzten Job. Für mich (!) ist das immer viel mehr wert als Bezahlung, Anfahrtsweg oder irgendwelche Erwägungen, was möglicherweise in zehn Jahren sein könnte.

    Dazu kommt: Auch wenn es nur anekdotisch ist, so hört man doch immer wieder von "alten" Leuten über 50, die neue und auch gute Jobs finden - bis du so weit bist, hat sich noch einiges verändert, Stichwort Fachkräftemangel usw.

    Daher würde ich anhand der wenigen Details, die du hier schreibst sagen: Nicht wechseln. Jedenfalls nicht in einen Job, von dem man schon vorher meint, dass man dort verblöden wird.

  9. #9
    Moderation
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    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Wie K.O. fühlst du dich? Wieviel von deiner Energie oder deinem Privatleben ist hinten vom Laster gefallen, weil du so viel am Pendeln bist? Wieviele Projekte liegen aus unerfindlichen Gründen auf Halde seit du den spannenden Job hast? Wie viele davon erzeugen reale Kosten und Unannehmlichkeiten (aufgeschobene Reparaturen, Finanzdinge, Wartungsarbieten)? Wieviele Sachen hast du aufgeschoben, "bis ich mal Zeit habe"? Wieviele Sachen würdest du sofort anfangen, wenn du einen Tag die Woche zuhause bleiben könntest?

    Wenn die Antwort ist, "keine", warum willst du die nächsten geplant 20 Jahre einen todfaden Job machen?
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  10. #10
    Avatar von Paraplumeau
    Registriert seit
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    AW: Aus Vernunfts- bzw. Altersgründen Angebot für langweiligen Job annehmen?

    Zitat Zitat von ErsterAchter Beitrag anzeigen
    Daher würde ich anhand der wenigen Details, die du hier schreibst sagen: Nicht wechseln. Jedenfalls nicht in einen Job, von dem man schon vorher meint, dass man dort verblöden wird.
    Ein Job, der der TE aber zumindest theoretisch noch Zeit mit ihrem Mann (so sie das wünscht) und Zeit für ein Leben abseits der Arbeit ermöglichen würde und keine Nachteile aufweist.
    Das Fundaments des Rechts ist Humanität. A. Schweitzer

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