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  1. #1
    Avatar von kamy
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    Gewalt gegen Pflegepersonal

    Vor etwa 2 Wochen wurde ich im Dienst von einer 90- Jährigen, dementen Patientin angegriffen und verletzt worden. Ich habe die Verletzung als Arbeitsunfall aufnehmen lassen, war auch paar Tage krank geschrieben. Am Freitag bekam ich ein Schreiben von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege mit der Bitte um ein paar Auskünfte, auch, wenn es sich bei der Täterin um eine unzurechnungsfähige Person handeln sollte. Es wird geprüft, ob gegen die Frau Ansprüche geltend gemacht werden können.
    Ich wurde auch auf die Auskunftspflicht hingewiesen, §60 SGB I und §402 BGB.
    Da mein Arbeitgeber in der Vergangenheit sehr komisch auf verschiedene Sachen reagiert hat- sagen wir mal so, auch wenn er im Unrecht war, fand sich schon mancher Arbeitnehmer mit ihm vor Gericht wieder- also, um es kurz zu machen, ich habe nicht einfach so die Daten der Patientin rausgerückt, sondern sich erstmal die Erlaubnis dazu vom AG holen wollen. Nicht, dass auch hier der Teufel im Detail steckt, und ich wegen Verletzung des Datenschutzes belangt werde, man weiß ja nie.
    Tatsächlich kam von der Pflegedienstleitung die Antwort, dass diese Angelegenheit erst in der Rechtsabteilung der Firma, die sich in der Schweiz befindet, geprüft werden muss, und sie sich dann bei mir melden.
    Ich bin jetzt gespannt, ob ich "darf".

    Es ist sowieso verrückt, dass mir hier irgendwie die Hände gebunden sind, und anderen Kollegen auch.
    Es "lohnt sich nicht", demente Angreifer anzuzeigen, weil diese Anklagen sowieso nichts bringen.
    Würde ich beim Bäcker die Brötchen verkaufen und einer würde mir mit dem Stock über den Schädel ziehen, wäre eine Anzeige wegen Körperverletzung die logische Folge und mein Bäckerboss müsste auch nicht um Erlaubnis gefragt werden.
    Die Krankenpflege hat kein Lobby, in den Medien ist immer wieder die Polizei präsent, dass die Beamten angegriffen und verletzt werden, letzte Woche meldeten sich die Lehrer.
    Aber wann und wo wird von den Pflegekräften berichtet, die auch angegriffen, verletzt, beleidigt, beschimpft werden? Es passiert aber tagtäglich. Ich versuche es seit einem Jahr immer wieder das Problem im Team, bei der Stationsleitung zum Thema zu machen, irgendwie nimmt das keiner ernst. Dabei ist es so, dass bei jeder Übergabe eine Warnung ausgesprochen wird, "Herr/ Frau XY ist aggressiv, pass auf, mich hat er/ sie vorhin auch schon in den Bauch geboxt" oder so ähnlich.

    Wenn jetzt natürlich jeder Vorfall erst mit der Rechtabteilung der Firma besprochen werden muss, siehe ich schwarz, wenn Schlimmeres passieren sollte. Zum Beispiel versuchter Totschlag-

    Versuchter Mord im Pflegeheim in Alfeld - Antrag im Sicherungsverfahren | Staatsanwaltschaften und Generalstaatsanwaltschaften in Niedersachsen

    Ich befürchte fast, dass wir auch in einem solchen Fall nicht einfach und ohne Rücksprache Polizei rufen dürfen. Schon verrückt. Ich bleibe am Ball und hoffe, dass es mir diesmal gelingt, das Gespräch zu eröffnen.
    Die Seele nährt sich von dem, worüber sie sich freut. Augustinus
    Geändert von Promethea71 (22.03.2017 um 07:23 Uhr)

  2. #2

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    AW: Finde keinen passenden Titel

    Sind es nicht zwei unterschiedliche Dinge, die du ansprichst?

    Das eine ist die Auskunftspflicht gegenüber deiner Berufsgenossenschaft und das andere die Möglichkeit einen Strafantrag wegen Körperverletzung zu stellen.

    Gegenüber der Berufsgenossenschaft hast du eine Mitwirkungspflicht und bist daher verpflichtet den Tathergang/Unfallhergang detailgenau zu schildern, ganz besonders wenn es keine Zeugen gab, und da die Dame dir zur Betreuung anvertraut ist, muss du auch Angaben zu ihr und ihren möglichen Handlungsmotivationen machen. Wenn eine Verhaltensproblematik bei der Dame vorliegt, dürfte dies ja durch eure Pflegedokumentation belegbar sein. Gibt es akut einen Konflikt zwischen euch, stellst du diesen dar.

    Es ist richtig, dass du nicht im Alleingang Daten rausrückst. Deine PDL wäre diejenige, die das mit dir gemeinsam durchzugehen hat. In der Regel sind PDLs auch auf die rechtlichen Aspekte eurer Arbeit geschult, sie müsste eigentlich wissen welche Daten in welchem Fall rausgerückt werden dürfen. Komisch, dass sie erst die Rechtsabteilung konsultieren muss. Zumal es sich nicht um eine aussergewöhnliche Situation handelt, sondern - so wie du sagst - Alltagsgeschäft.

    Ja, du könntest auch einen Strafantrag wegen Körperverletzung stellen. Nur: die Dame ist höchst wahrscheinlich schuldunfähig und ob es so Sinn macht
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  3. #3

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    AW: Finde keinen passenden Titel

    Du bist aber auf jeden Fall durch die BG geschützt, oder?

  4. #4
    Avatar von marylin
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    Die Polizei rufen darf man immer. Wer will dir das denn verbieten?
    Das Leben ist kreuzgefährlich und endet mit Sicherheit tödlich.

  5. #5

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    AW: Finde keinen passenden Titel

    also meiner Meinung nach gehört das bei der Arbeit mit dementen Menschen/in der Psychiatrie zur "Normalität/zum Berufsrisiko.

    Wem das too much ist, sollte in einem anderen Bereich arbeiten.

    Ehrlich, ich finde die von Dir geschilderte Situation mit einer 90-jährigen und auch die tgl "Beschimpfungen und Beleidigungen" - sorry- lächerlich- Du solltest mit solchen Situationen in diesem Berufsumfeld souverän umgehen können.

    Für Fachpersonal gibt es ausgezeichnete Fortbildungen diesbezüglich.

    Ich wünsche Dir mehr Gelassenheit ,Souveränität und Professionalität

  6. #6

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    AW: Finde keinen passenden Titel

    Erkundige dich doch mal bei der Heimaufsichtsbehörde.

  7. #7

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    AW: Finde keinen passenden Titel

    Zitat Zitat von marylin Beitrag anzeigen
    Die Polizei rufen darf man immer. Wer will dir das denn verbieten?

    Bei Eigen- oder Fremdgefährdung, der man mit den eigenen fachlichen Mitteln nicht beikommt, kann bzw. muss die Polizei gerufen werden. In der Regel betreut man ja nicht eine einzelne Person sondern eine Gruppe von Menschen, deren Unversehrtheit zu schützen ist. Und die eigene Einsatzfähigkeit sollte man ebenso erhalten, man muss da nicht den Helden geben und sich in Gefahr begeben.

    In gut geführten Einrichtungen sind die MA aber auch auf solche Situationen geschult und wissen, wie im Bedarfsfall zu handeln ist.
    "Das höchste Glück ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit." Erasmus von Rotterdam...

  8. #8

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    AW: Finde keinen passenden Titel

    Ich kenne mich in dem Bereich nicht aus, aber ruft man nicht erstmal Kollegen und Vorgesetzte zuhilfe, bevor man die Polizei anruft?

  9. #9
    Avatar von Wolkentier
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    AW: Finde keinen passenden Titel

    Du brauchst im übrigen gar keine Daten "rausrücken".
    Stell einen Strafantrag/eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und gib dort einfach nur den Namen der betreffenden Person an, ggf. noch deren Anschrift und gut ist.
    Alles andere wird dann von Amts wegen ermittelt.
    .
    .
    .
    Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über xx. Hm. Ich will ja nicht ätzen, aber ... EINER. Nicht zwei ineinander...

  10. #10

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    AW: Finde keinen passenden Titel

    Zitat Zitat von monika_1025 Beitrag anzeigen
    also meiner Meinung nach gehört das bei der Arbeit mit dementen Menschen/in der Psychiatrie zur "Normalität/zum Berufsrisiko.

    Wem das too much ist, sollte in einem anderen Bereich arbeiten.

    Ehrlich, ich finde die von Dir geschilderte Situation mit einer 90-jährigen und auch die tgl "Beschimpfungen und Beleidigungen" - sorry- lächerlich- Du solltest mit solchen Situationen in diesem Berufsumfeld souverän umgehen können.

    Für Fachpersonal gibt es ausgezeichnete Fortbildungen diesbezüglich.

    Ich wünsche Dir mehr Gelassenheit ,Souveränität und Professionalität
    Du hast bis zu einem gewissen Maß recht.

    Wer in einen solch Bereich arbeitet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er gehäuft mit normabweichenden Verhalten welches auch oft grenzüberschreitend ist, konfrontiert wird und auch ein höheres Verletzungsrisiko hat als andere Berufsgruppen. Aber das hat auch seine Grenzen. Der Beruf beinhaltet aber nicht, dass man zum "Prügelknaben" seiner Klienten wird.
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