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  1. #1
    Moderation Avatar von marilyn-74
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    Überstunden - wieviel ist "normal"?

    Hallo,

    in einer benachbarten Diskussion ist als Nebenthema "Überstunden" aufgetaucht. Von einigen wurde vertreten, dass ein gewisses Maß an Überstunden normal sei, für andere war dies nicht so. Es kommt natürlich auch auf verschiedene Umstände an, z.B. wie der Arbeitsvertrag ausgestaltet ist, ob ein Überstundenausgleich vereinbart ist oder ob die Überstunden nur in bestimmten Spitzen anfallen.

    Trotzdem ist mir aufgefallen, dass einige auch vertraten, dass 1-1,5 Stunden pro Tag doch in Ordnung wäre. Daraus wird dann allerdings in der Praxis aus einer 40-Stunden-Woche eine 45-48-Stunden-Woche. Ist das "normal"?

    Einen eigenen Hintergrund habe ich natürlich auch: ich arbeite in einem Unternehmen, dass sehr viele Überstunden abverlangt, für die es im Grunde genommen auch keinen Ausgleich gab. Ich bin seit über einem Jahr krankgeschrieben, meine Erkrankung hat auch mit diesem hohen Leistungsdruck zu tun. Nun bin ich auf Jobsuche und frage mich natürlich, was mich woanders erwartet. Ich war früher in der Hotellerie und da gab es Spitzen z.B. in der Messezeit, ansonsten war aber doch mit einem pünktlichen Feierabend zu rechnen. Ist das heute noch irgendwo so? Ist das immer nur eine Frage des Sich-Abgrenzen-könnens? Gibt es Stellen, in denen 1-1,5 Stunden länger pro Tag nicht "normal" sind? Oder sind meine Ängste insgesamt unbegründet?
    Wohl hett mi dat Lewen all min Lengen still,
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  2. #2
    Moderation Avatar von Suzie Wong
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    Hallo Marilyn.

    Es ist nicht normal, zumindest gilt es nicht flächendeckend. Ich arbeite als Sekretärin, 40 Std. die Woche und mache im Durchnitt pro Woche ca 2 Überstunden. Klar, es gibt Zeiten, Projekte, da arbeite ich mal ein paar Tage jeden Tag 1 Std mehr, kann das aber in ruhigeren Zeiten wieder ausgleichen. In meinem Vertrag ist es festgelegt, dass ein gewisses Maß an Überstunden inbegriffen ist. Sicher, im Management sieht es sicher anders aus.

    Suzie



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  3. #3
    Moderation Avatar von marilyn-74
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    Ist das "gewisse Maß an Überstunden" in deinem Vertrag näher definiert? Ich hätte momentan ein Problem, ob ich einen Vertrag mit einer solchen Klausel unterschreiben würde, denn abhängig von der Unternehmensphilosophie kann das ja sonstwas heißen, wenn das nicht näher definiert ist.
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  4. #4
    Avatar von brighid
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    bei uns gibt es einen rahmen, in dem du bleiben solltest - für diejenigen, die auch nachtdienste machen (nachtdienst- 10 stunden) ist der rahmen bei 40 stunden. dann sollte ausgeglichen werden- was aufgrund der personaldecke oft nicht zeitnah möglich ist- also werden die stunden munter vor sich hergeschoben.

    ausbezahlen ist nicht.- sie müssen freigenommen werden- nur wann- das ist und bleibt dann immer die spannende frage.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  5. #5
    Moderation Avatar von Suzie Wong
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    Zitat Zitat von marilyn-74 Beitrag anzeigen
    Ist das "gewisse Maß an Überstunden" in deinem Vertrag näher definiert? Ich hätte momentan ein Problem, ob ich einen Vertrag mit einer solchen Klausel unterschreiben würde, denn abhängig von der Unternehmensphilosophie kann das ja sonstwas heißen, wenn das nicht näher definiert ist.
    Ja, dass ich "verpflichtet bin, Mehrarbeit und Überstunden zu leisten, sofern dies gesetztlich zulässig ist". Ich habe umzugsbedingt 2 3/4 Jahre "pausiert" ( frei gearbeitet, da ich nichts gefunden hab ). Für mich war es keine Frage nicht zu unterschreiben. Und, wie gesagt, es hält sich in Grenzen, und es gibt einen Freizeitausgleich ( in einem gew. Rahmen).

    Ich denke aber auch, dass man sich abgrenzen muss. Bis zu einem gewissen Grad ist es ok, dann muss man handeln.
    Suzie



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  6. #6
    Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    Ich denke das hängt von vielen verschiedenen Faktoren und insbesondere von der Position im Unternehmen ab.

    In unserem Kleinstunternehmen (3 Personen) erwarte ich von unserer Sekretärin grundsätzlich keine unbezahlten Überstunden, das ist bei ihrem geringen Gehalt auch schlicht nicht drin (10,-/Stunde), Überstunden werden bezahlt oder mit Freizeit ausgegliechen.
    Was ich allerdings erwarte, dass sie bei wichtigen Arbeiten nicht pünktlich den Griffel fallen lässt, dafür kann sie bei Arztterminen, Friseurterminen oder Terminen ihrer Tochter flexibel kommen bzw. gehen nach Absprache.


    Ich habe hin gegen früher mal in einer großen Firma gearbeitet Jahresgehalt 45.000,- da waren Überstunden selbstverständlich und ich kam auch schon mal auf eine 55-Stundenwoche - ein Teil des Gehaltes war eben "Schmerzensgeld".

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  7. #7
    Moderation Avatar von marilyn-74
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    Ist 45.000 p.a. wirklich schon ein Gehalt, was eine 50-Stunden-Woche rechtfertigt? Ich glaub, ich bewerb mich wieder in der Hotellerie.
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  8. #8
    Moderation Avatar von LaRimbecca
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    Da ich zu denjenigen gehoere, die die Fraktion vertreten, dass Ueberstunden auch mal normal sind, hier mal etwas differenzierter. Ich arbeite auf unterer Leitungsebene im sozialen Bereich, habe 9 MitarbeiterInnen und bin fuer Akquise, Beratung und Angebotsweiterentwicklung zustaendig. Mein Arbeitgeber hat ein elektronisches Dienstplanungsprogramm, das Arbeitszeiten minutioes erfasst. Dazu gehoert auch eine Art Ampelsystem, wenn Ueberstunden bzw. Minusstunden Ueberhand nehmen. Ich bin zurzeit mit einer Vollzeitstelle im gelben Bereich, d.h. ich habe etwa 50 Ueberstunden. Wann die genau entstanden sind, kann ich nicht genau sagen, denn ich habe recht viel Freiheit in der Gestaltung meiner Arbeitszeit. Da gleiche ich immer mal wieder aus, wenn es gerade geht, es entstehen aber auch neue Ueberstunden.

    Im sozialen Bereich und in meinem Arbeitsbereich (Aufbau von Angeboten) finde ich es normal, dass auch mal Ueberstunden anfallen. Wenn bei den von uns betreuten Menschen Krisen auftreten, haben wir eine gewisse Verantwortung, da koennen auch keine Springer aushelfen. Ich habe die Freiheit und ich lasse sie auch meinen Mitarbeitern, an anderer Stelle die entstandene Mehrarbeit wieder abzubauen oder sie sich ggf. auszahlen zu lassen.

    Nachdem ich knapp zweieinhalb Jahre in einer mittleren Leitungsposition gearbeitet habe (hier werden ca. 100 Ueberstunden pro Jahr nicht weiter abgegolten), habe ich mich aus verschiedenen Gruenden fuer einen Karriere-Rueckschritt entschieden, einer war die groessere Freiheit bei der Arbeitszeitgestaltung.

    Ich denke, dass auch in anderen Arbeitsbereichen mal Spitzen entstehen, die aufgefangen werden muessen. Daher meine Einstellung, dass Ueberstunden keine Abnormalitaet sind, und bis 50 Stunden pro Woche komme ich ganz gut klar, vereinzelt auch mal 60 Stunden wie diese Woche. Wenn immer es geht, versuche ich zeitnah einen Ausgleich hinzubekommen.

    Was ich nicht in Ordnung finde, ist, wenn Arbeitgeber Ueberstunden regelhaft einplanen, quasi um Stellen einzusparen. Das hatte eine Userin im Nachbarstrang zu Recht kritisiert. Hier kann der Umgang mit Ueberstunden schnell zur Ausbeute werden.

    Was normal ist, weiß ich nicht. Gerade nach einer Erschoepfungsdepression waehrend meiner Taetigkeit auf mittlerer Leitungsebene ist mir klar, wie subjektiv das Empfinden ist.

    P.S.: Mein Jahresgehalt beträgt knapp 42.000€.
    Wo kein Weg mehr ist, ist des Wegs Beginn.

    - Manfred Hausmann -

  9. #9
    Moderation Avatar von Suzie Wong
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    Zitat Zitat von marilyn-74 Beitrag anzeigen
    Ist 45.000 p.a. wirklich schon ein Gehalt, was eine 50-Stunden-Woche rechtfertigt? Ich glaub, ich bewerb mich wieder in der Hotellerie.


    Mein leiser kleiner Gedanke, kommt aber sicher auf Alter, Bundesland etc pp an.
    Was Promethea sagt, trifft es: man muss sich seiner Verantwortung bewusst sein, man Muss eben mal bisschen länger bleiben, dafür gibt es auch mal wieder ruhigere Zeiten.

    Suzie



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  10. #10
    Moderation Avatar von marilyn-74
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    AW: Überstunden - wieviel ist "normal"?

    50 wäre mir mit zwei Kindern plus Fahrtzeit auf Dauer einfach schon zuviel. Ich arbeite im Finanzbereich und klar wird es Spitzen wie Monats-, Quartals- und Jahresabschlüsse geben. Meine Angst ist halt nach einer ähnlichen Erkrankung wie du, rimbecca, wieder in diese Spirale zu kommen... mich rechtfertigen zu müssen, weil ich Konzerttickets habe und da gerne um 20:00 wäre, für einen Arzttermin oder für einen Elternabend. Ich würde gerne abends meine Kinder ins Bett bringen außer in Ausnahmefällen zum Beispiel. Oder meine Chorprobe um 19.30 einigermaßen regelmäßig wahrnehmen.
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