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  1. #1
    beeta
    gelöscht

    Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Diese Frage drängt sich mir immer mehr auf. Der unsägliche Umgang der katholischen Krankenhäuser mit dem Thema Vergewaltigung ist nur ein Anlass mehr, ins Grübeln zu kommen. Und es hat mich leider nicht einmal überrascht. Im Gegenteil, es passt ins Bild.

    - dieses pharisäerhafte Besserwissertum überall, das sich im eigenen Richtigkeitsempfinden suhlt und den Menschen dabei übersieht

    - diese funktionale Bewertung der Sexualität in "gut" und "böse", gemessen am Reproduktionsinteresse

    - diese Machtkonzentration und Männerklüngelei, bei der man als Frau bestenfalls für subalterne Rollen taugt

    Ich lehne es ab! Aber ich bin katholisch. Ich fühle mich bloß in dieser Kirche nicht mehr zuhause.

    Wie bleibt man katholisch, wenn man austritt??? Oder wie kann man zumindest diese Diskrepanzen zwischen dem was man selbst als seinen Glauben begreift und der dazugehörigen Institution nicht nur dauernd ignorieren, sondern kundtun?

    Mir geht es hier (auch wenn es so klingt) eigentlich nicht um Kirchenschelte, sondern um die Suche nach einem konstruktiven Umgang mit diesem Konflikt?!?

  2. #2
    Moderation Avatar von izzie
    Registriert seit
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    7.536

    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Zitat Zitat von beeta Beitrag anzeigen
    Wie bleibt man katholisch, wenn man austritt???
    Du könntest mal schauen, ob du dich bei den Alt-Katholiken wohler fühlst.
    A reader lives a thousand lives before he dies... The man who never reads lives only one.
    (George R. R. Martin)

    Moderation von:
    Alle Jahre wieder... ------------ Reine Familiensache . ----------- Rezepte für Kinder----
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  3. #3
    beeta
    gelöscht

    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Zitat Zitat von izzie Beitrag anzeigen
    Du könntest mal schauen, ob du dich bei den Alt-Katholiken wohler fühlst.
    Ach je, wenn's nur ums "Wohlfühlen" ginge, wäre die Sache vergleichsweise einfach. Mit rationalen Überlegungen komme ich nur nicht viel weiter. Diese Kirchenzugehörigkeit ist so sehr Bestandteil meiner Erziehung (und das nun wieder in durchaus positivem Sinn), dass ich sie nur unter schwerwiegenden Umständen aufgeben könnte.

    Das "Ergebnis" ist dieses Dilemma: Ich bin ein Mitglied einer Glaubensgemeinschaft, das einfach sein eigenes Süpplein kocht, weil ihm die standardmäßig servierte Mahlzeit nicht schmeckt. Aber mit am Tisch sitzen will ich schon. Saublöd. Offiziell mit dabei, innerlich emigriert

  4. #4
    Avatar von Opelius
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    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Wie bleibt man katholisch, wenn man austritt??? Oder wie kann man zumindest diese Diskrepanzen zwischen dem was man selbst als seinen Glauben begreift und der dazugehörigen Institution nicht nur dauernd ignorieren, sondern kundtun?
    In diesem Dilemma befindet sich die Mehrheit aller Christen. Es gibt bei der kath. Kirche, aber auch für mich als ev. Christ immer wieder Anlass, sich über Äußerungen und Handlungsweisen der Kirchen zu ärgern. Das, was dem Verwaltigungsopfer in Köln passiert ist, hätte ihr auch in einer evangelischen Gegend in einem ev. Krankenhaus passieren können. Es gibt auch da Anweisungen an das klinische Personal, keine Abtreibungen (und auch keine Pille danach) vorzunehmen. Die Diskussion um Kindesmissbrauch betrifft auch evangelische Erziehungseinrichtungen.

    Gibt es dafür eine saubere Lösung, mit diesen Ärgernissen umzugehen? Ja, man kann schlicht und ergreifend beim Amtsgericht aus seiner Kirche austreten. Damit verliert man nicht das Recht an der Teilnahme an der Messe. Da getauft bleibst Du katholisch. Du verlierst allerdings das Recht darauf Patin zu werden oder andere Laienaufgaben innerhalb der Kirche wahrzunehmen und in einer christlichen Einrichtung weiter beschäftigt zu werden.

    Oder man macht in vom Bischof unabhängigen Laienorganisationen mit - zum Beispiel donum vitae, die die Schwangerschaftskonfliktberatrung im kath. Raum übernommen hat. Caritas darf das nicht mehr auf päpstliches Verlangen.

    Man bleibt in dem Fall drin, aber widersetzt sich. Welche Lösung würdest Du bevorzugen?
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  5. #5
    Avatar von elli07
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    08.11.2007
    Beiträge
    9.224

    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Ich liebäugle schon länger mit den Alt-Katholiken, bei denen beispielsweise die Priester heiraten dürfen und Frauenordination möglich ist, auch die Unfehlbarkeit des Papstes wird nicht anerkannt. Im Moment sind für mich deren Gottesdienste nur sehr schwer erreichbar (räumlich und zeitlich), sodass ich immer noch römisch-katholisch bin.

    Gute Frage warum.....

    In jedem Fall übernehme ich in der kath. Kirche keinerlei Ehrenämter: wenn die Frauen schon keine Macht im Sinne offizieller Ämter bekommen dürfen, können die alten Männer ihren Krempel auch alleine richten....

    Bei mir vor Ort lässt sich gut katholisch leben, sprich die Leute sind in Ordnung und sehr aufgeschlossen. Der Papst ist weit weg. Die katholische Kirche ist eine "Weltkirche", in der die Probleme deutscher Katholiken und vor allem Katholikinnen recht marginal sind. Macht es nicht besser.

    Die evangelische Kirche hier in Würtemberg (sehr stark pietistisch geprägt) empfinde ich persönlich noch als deutlich enger als die katholische. Im Sinne des "Christentums aller Gläubigen" meinen hier viele, den Papst geben zu müssen und die sind meist päpstlicher als meiner . Die freier Denkenden haben sich längst zurückgezogen oder sind ausgetreten. Aber das ist wohl hier ein regionales Problem.

    Glaube und Institution Kirche sind so oder so zwei Paar Stiefel.....

    Gruß, Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)
    Geändert von elli07 (22.01.2013 um 10:22 Uhr)

  6. #6
    beeta
    gelöscht

    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Welche Lösung würdest Du bevorzugen?
    Danke für deine Antwort, Opelius.

    So wie ich denke, wäre ein Kirchenaustritt konsequent. Mir geht es dabei auch gar nicht um Verfehlungen einzelner Kirchenrepräsentanten. Ich tue mir schon mehr als schwer damit, die Rolle des Papstes zu akzeptieren, dass er sich das Primat der Bibelauslegung herausnimmt. Für mich ist er ein Mensch wie jeder andere auch. Er übt einen "Beruf" aus, in einer herausgehobenen Stellung, kann dabei irren und Fehler machen, wie jeder andere auch. Ich fürchte, diese Sichtweise ist sehr unkatholisch.

    Wobei ich für mich z.B. einen Wechsel katholisch-evangelisch persönlich schon deshalb unpassend finde, da ich sehr ökumenisch denke. Für mich wäre das so: Ich hätte denselben Glauben, nur mich einem anderen "Lager" zugewendet. Und das, obwohl ich für die Überwindung der Lagerbildung bin...

  7. #7
    beeta
    gelöscht

    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen
    In jedem Fall übernehme ich in der kath. Kirche keinerlei Ehrenämter: wenn die Frauen schon keine Macht im Sinne offizieller Ämter bekommen dürfen, können die alten Männer ihren Krempel auch alleine richten....
    Sehe ich genauso.

    Glaube und Institution Kirche sind so oder so zwei Paar Stiefel.....
    Das ist seit jeher meine Einstellung. Aber wo ist die Grenze zur Beliebigkeit? Ich pick mir halt die für mich passende Sichtweise heraus, weil die offizielle Lehre einfach nicht passt

  8. #8

    Registriert seit
    08.06.2011
    Beiträge
    1.424

    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Wobei ich für mich z.B. einen Wechsel katholisch-evangelisch persönlich schon deshalb unpassend finde, da ich sehr ökumenisch denke. Für mich wäre das so: Ich hätte denselben Glauben, nur mich einem anderen "Lager" zugewendet. Und das, obwohl ich für die Überwindung der Lagerbildung bin...
    [/QUOTE]

    und ich fühle mich als Kräuterhexe und werde auch entsprechend behandelt.

    Ich bin aber auch weit davon entfernt Nonne zu werden, bin aber schon Teile des Jakobswegs gegangen.

  9. #9
    Avatar von elli07
    Registriert seit
    08.11.2007
    Beiträge
    9.224

    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Zitat Zitat von beeta Beitrag anzeigen
    ... Ich pick mir halt die für mich passende Sichtweise heraus, weil die offizielle Lehre einfach nicht passt
    Zwischen "offizieller Lehre" und theologischer Forschung/theologischen Erkenntnissen klaffen bisweilen Welten.....

    Evangelisch/katholisch, aber auch andere Religionen: es gibt viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Man kann sich begegnen, dabei die Gemeinsamkeiten pflegen und die Unterschiede gegenseitig respektieren.Was nicht heisst, alles gut zu finden: klare Standpunkte sind für mich wichtig.

    Gruß, Elli
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)
    Geändert von elli07 (22.01.2013 um 11:10 Uhr)

  10. #10
    beeta
    gelöscht

    AW: Warum bin ich eigentlich noch katholisch?

    Ich bin aber auch weit davon entfernt Nonne zu werden, bin aber schon Teile des Jakobswegs gegangen.
    Bitte um genauere Erklärung...
    Geändert von beeta (22.01.2013 um 11:06 Uhr)

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