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Thema: Meine Familie

  1. #1

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    Meine Familie

    Nachdem ich lange Zeit nur stille Mitleserin war, habe ich mich nun entschlossen, mich zu registrieren und mein, in der Hoffnung von euch Anstöße in die richtige Richtung zu erhalten.
    Meine Familie ist eigentlich super. Nein, nicht nur eigentlich, sie ist super. Allerdings, menschelt es und ich finde mittlerweile ein immer wiederkehrendes Muster, aus dem ich es nicht schaffe auszubrechen.

    Kurz zur Situation: Ich bin Ende 20 und mein Studium ist fast beendet. Ich bin verheiratet und wir haben keine Kinder. Im Studium haben mich meine Eltern fortlaufend finanziell und auch emotional unterstützt. Ich bin zwar arbeiten gegangen, habe aber mehr dabei gelernt als verdient (in meinem Beruf leider so üblich). Ich kann mich nicht beschweren. Meine Eltern waren immer für mich da, haben mir bei Umzügen geholfen, standen mir nach einer langen Beziehung im größten Liebeskummer bei und auch wenn das Studium nicht so rund lief, hatten sie ein offenes Ohr für mich.

    Nun, ich bin dankbar für alles, was sie für mich getan haben. Wirklich und aus ganzem Herzen. Nur habe ich in letzter Zeit immer öfter das Gefühl, dass sich meine Eltern dadurch auf eine Art und Weise "unfehlbar" fühlen. Kommt es zu einer Diskussion in der Familie, darf ich keine Kritik üben, denn es kommt sofort das Totschlagargument der "Undankbarkeit".

    Um ein aktuelles Beispiel zu nennen: Unser Weihnachstgeschenk für meine Eltern war ein Kinoabend für sie. Dieser hätte eigentlich heute stattfinden sollen. Mein Vater geht nicht gern ins Kino, da ich aber dachte, der Film könnte auch ihm gefallen, hat er schließlich zugestimmt. Meine Mutter wollte den Film schon länger sehen und daher hat es sich angeboten.
    Heute früh war das erste, was mir meine Mutter entgegenschmetterte: "Wir gehen heute nichts ins Kino, wir gehen stattdessen Schlittenfahren." Da mein Mann zur Zeit einen durchtbar schmerzenden Zeh hat (eingewachsener Nagel), war klar, dass wir bzw. er da nicht mitgehen kann. Das wussten sie auch. Ich entgegnete, das doch heute der Kinotag wäre, aber sie meinte dann nur, mein Vater hätte keine Lust darauf und schließlich kann man niemanden zwingen.
    In diesem Moment fühlte ich mich vor den Kopf gestoßen und verletzt. Das war unser Weihnachtsgeschenk. Gut, wenn mein Vater nicht ins Kino möchte, dann muss man das akzeptieren, aber anstatt uns diese Tatsache einfach so vor den Latz zu knallen hätte man ja auch sagen können:" Uns ist heute nicht so nach Kino, wir wollen lieber Schlittenfahren gehen, ist das für euch in Ordnung und könntet ihr dann auf die Hunde aufpassen?"

    Eine Kleinigkeit, ich weiß. Aber anstatt das runterzuschlucken, meinte ich, dass ich es nicht okay finde, dass wir nicht mal gefragt werden und wir einfach so abgebügelt werden. Natürlich stieß ich auf allgemeines Unverständnis. Es wurde sich am Kino hochgezogen (ich würde ja unbedingt dorthin wollen und sie deswegen zwingen mitzugehen) und der eigentliche Punkt wurde vollkommen überhört. Als ich es endlich klar gemacht hatte, dass mich die Art und Weise sehr verletzt hat, wurde mir gesagt, ich sei einfach zu empfindlich und steigere mich rein. Schlußendlich fühlte ich mich dann so sehr in die Ecke gedrängt, dass mir die Tränen kamen, was zu noch mehr Unverständnis ihrerseits führte. Denn schließlich, und da kam es wieder, gehe es mir doch gut. Und als ich wiederholt anmerkte, dass es die Art und Weise war, wie meine Mutter das rüberbrachte, hieß es: "Lass deine Mutter in Ruhe, die ist doch Gold wert für dich."
    Ja, ist sie ja auch! Aber deswegen ist sie nicht unfehlbar. Ich bin dann gegangen und seitdem herrscht hier as Schweigen. Eine Entschuldigung kann ich nicht erwarten. Dabei würde es doch reichen einfach zu sagen, dass es nicht ganz okay war, wie das alles lief. Stattdessen wird darauf gewartet, dass ich wieder anfange und mich für meine Undankbarkeit entschuldige. Wenn ich sie direkt auf meine Undankbarkeit anspreche, meinen sie immer nur, sie würden nicht denken, dass ich undankbar bin, in Diskussionen aber, wird immer wieder darauf zurückgegriffen (und dann wieder bestritten, dass es jemals so gesagt wurde).

    Mittlerweile bin ich einfach nur froh, wenn mein Studium vorüber ist. Denn das ist der nächste wunde Punkt. Da ich ja noch nie gearbeitet habe, habe ich auch kein Recht darauf mich überfordert zu fühlen. Wenn ich anmerke, dass ich gerade furchtbaren Stress habe, wird das meist damit abgetan, dass ich schlielich ja "nur" studiere und wo sei denn da der Stress? Ich solle mal arbeiten, dann wüsste ich, was Stress bedeute. Mittlerweile bin ich einfach nur müde das zu hören. Ich jammere meiner Meinung nach nicht sehr schnell und wenn dann nur bei meinem Mann, aber manchmal kann ich auf die Frage: "Wie geht es dir", dann auch nicht mehr lügen.

    Was ich nun erwarte? Ich weiß nicht. Tipps wie ich mich solchen Situationen entziehe oder wie ich Dinge ausdrücken soll, damit sie nicht eskalieren? Ich habe z.B. heute überlegt einfach meine Sachen zu packen und wieder nach Hause zu fahren (wir sind nur über die Feiertage hier), aber es hätte nur den Effekt gehabt, dass ich in ihren augen vollkommen hysterisch bin und einfach übertreibe. Und ja, natürlich auch undankbar bin...ihr wisst ja....

  2. #2

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    AW: Meine Familie

    Zitat Zitat von Zojja Beitrag anzeigen
    Mein Vater geht nicht gern ins Kino, da ich aber dachte, der Film könnte auch ihm gefallen, hat er schließlich zugestimmt. Meine Mutter wollte den Film schon länger sehen und daher hat es sich angeboten.
    .Zojja, ich kann nicht wirklich viel dazu sagen. Nur eines: Du wirst deine Eltern nicht ändern können. Sie sind eine andere Generation und haben andere Denkweisen.

    Vielleicht wäre es ganz gut von dir, einzusehen, dass das Geschenk nicht wirklich gelungen ist - wenn jemand nicht gerne ins Kino geht und man denkt, ein Film könne demjenigen dann gefallen..... ich glaube, um das auszuprobieren, sind deine Eltern dann schon zu alt. Und wie mag es bei denen zu Hause gelaufen sein? Hat dein Vater mit deiner Mutter rumgegrummelt, wie blöde er das findet, er hat keine Lust auf Kino usw.?? Und deine Mutter hat dann quasi "zwischen zwei Stühlen" gestanden?

    Ich würde morgen mit deiner Mutter alleine einen "Mutti-Tochti-Kino-Tag" machen und mir mit ihr zusammen den Film ansehen und alles andere vergessen.

    Gruß
    Schnurpsel

  3. #3
    Avatar von schafwolle
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    AW: Meine Familie

    Zitat Zitat von Schnurpsel Beitrag anzeigen
    ... um das auszuprobieren, sind deine Eltern dann schon zu alt.
    Woraus erschließt sich, dass die Eltern "zu alt" sind (für was auch immer)?

    .

  4. #4
    friederike123
    gelöscht

    AW: Meine Familie

    Ein Geschenk ist ein Geschenk. Damit kann der Beschenkte machen, was er will. In diesem Fall kann er gerne ins Kino gehen, die Karten weiter verschenken oder damit den Kamin anzünden. Warum verletzt es Dich so, dass das Geschenk nicht freudig aufgenommen wurde? Erwartest Du, genauso wie Deine Eltern, Dankbarkeit für das, was Du schenkst?

    Warum bist Du nicht mit Deiner Mutter ins Kino gegangen? Ehrlich, ganz erwachsen kommst Du mir Deinen Eltern gegenüber nicht vor, wenn Dich so etwas zum Weinen bringt.

  5. #5

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    AW: Meine Familie

    Hallo Zojja,

    ich wäre sicher auch angefressen, wenn ein bereits geplanter Kinobesuch so einfach vom Tisch gefegt werden würde aber ich finde in Deinem Beispiel sieht die Sache etwas anders aus:

    Ihr habt einen Kinobesuch geschenkt, obwohl Ihr schon wusstet, dass Dein Vater Kino nicht besonders gerne mag. Das finde ich auch Eurerseits nicht gerade nett und liebevoll ausgewählt Das Geschenk soll doch dem Beschenkten Freude machen und ihn nicht dazu "zwingen", es doch noch mal zu probieren weil Ihr vielleicht Kino ganz toll findet.

    Vermutlich ist dem Vater der Kinobesuch also wirklich nicht so wichtig (was aber ja vorhersehbar war) und deswegen zieht er das Schlittenfahren vor. Eigentlich ja verständlich und ganz normal.

    Ok, ärgerlich für Euch, da Ihr den Film ja gerne gesehen hättet aber ich kann den Vater schon auch verstehen und würde da jetzt kein riesen Thema draus machen. Nur vielleicht beim nächsten Mal das Geschenk besser auswählen

    Lieben Gruß vom
    Wassernixlein

  6. #6

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    AW: Meine Familie

    Kleiner Nachtrag: für mich liest sich der Beitrag übrigens auch ein bisserl arg überempfindlich ... Mein Gott, wenn die Eltern Schlittenfahren wollen, müssen sie doch nicht auf den eingewachsenen Zeh (?!) Deines Mannes Rücksicht nehmen. Sie können ja auch alleine gehen. Also das klingt für mich - sorry - ziemlich kindisch.

  7. #7

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    AW: Meine Familie

    Zuerst frage ich mich, warum ihr einen Kino-Besuch verschenkt - wenn ihr genau wisst, dass dein Vater nicht gern ins Kino geht.

    War es denn das einzige Geschenk?

    Vielleicht waren die Eltern schon im Vorfeld enttäuscht/irritiert über so ein unsensibles Geschenk?
    Liebe Grüße ... von der Nase ...

  8. #8

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    AW: Meine Familie

    Erst mal Danke für eure Beiträge. Die Ironie an der Geschichte ist ja, dass das eigentliche Geschenk eine Schlittenfahrt + Hüttenjause von mir und meinem Bruder war. Zu Weihnachten habe ich meinen Eltern dazu eine Karte mit einem Gedicht überreicht. Mein Vater wollte jedoch nicht. Er meinte, es wäre zu teuer und überhaupt wäre dann keiner bei den Hunden. Da hab ich ihm gesagt, dass wir uns auch noch ein alternatives Geschenk überlegt haben (Kino) und da mein Bruder dann da wäre, ob ihm das lieber wäre und wir denken, der Film könnte ihm gefallen, obwohl er sonst nicht gerne ins Kino geht. Er entschied sich fürs Kino.

    Es ist nun nicht der Punkt, dass er heute doch nicht wollte. Ich bin kein kleines Kind mehr und kann das akzeptieren. Es war die Art und Weise, die mich gestört hat. Wir hatten eine Abmachung getroffen bzw. hatten eine Verabredung und ich hätte es schön gefunden, wenn mir die alternative Tagesplanung nicht einfach so vor den Latz geknallt worden wäre. Ich fände es auch von einer Freundin nicht höflich, wenn sie mich vor einer Verabredung anrufen würde und mich mit dem Satz: "Du, ich mach jetzt doch was anderes, also bis dann", abspeißen würde. Wenn sie anruft und sagt:"Hey, tut mir leid, mir ist etwas dazwischen gekommen, können wir unsere Verabredung heute Abend absagen", dann ist das doch ok.
    Die Tränen kamen mir erst dann, als ich erklärt habe, dass es mich verletzt hat wie das rübergebracht wurde, aber allgemeines Unverständnis darüber herrschte. Es ist immer dieser Punkt, wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle und nicht weiß, wie ich meine Gefühle bzw. meine Meinung klar machen soll ohne dass einfach über mich hinweggeredet oder gelacht wird, weil ich es wage etwas zu sagen.

    Und zu Erklärung: Der Unterschied zu "unserer" Schlittenfahrt zu der von heute war, dass unsere Schlittenfahrt recht teure Liftkarten inkludiert hätte, damit auch mein Mann mitgehen kann. Heute sind sie jedoch per pedes den Berg raufgewandert. Ich wäre auch da mitgegangen und hätte mein Geschenk auch so eingelöst und mein Mann wäre inzwischen zu Hause geblieben, aber ich gebe ehrlich zu, große Lust auf einen Familientag hatte ich nach diesem Vormittag nicht mehr.
    Geändert von Zojja (27.12.2012 um 20:42 Uhr)

  9. #9

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    AW: Meine Familie

    Zitat Zitat von Zojja Beitrag anzeigen
    Die Tränen kamen mir erst dann, als ich erklärt habe, dass es mich verletzt hat wie das rübergebracht wurde, aber allgemeines Unverständnis darüber herrschte. Es ist immer dieser Punkt, wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle und nicht weiß, wie ich meine Gefühle bzw. meine Meinung klar machen soll ohne dass einfach über mich hinweggeredet oder gelacht wird, weil ich es wage etwas zu sagen.
    Dann bin ich hier die einzige, die dich versteht.

    Ihr hattet während des Studiums, als du geld- und emotionsmäßig von deinen Eltern abhängig warst, ein stabiles Gefüge. Du warst das fleißige Kind, dem man mit Geld und Unterstützung unter die Arme gegriffen hat. Deine Eltern waren prima und verlässliche Eltern.

    Jetzt wirst du erwachsen und unabhängiger und änderst damit das bestehende Gleichgewicht. Viele Eltern werden damit fertig, deine anscheinend nicht so gut. Ich glaube, das wird die nächsten Male immer wieder schwierig werden.

    Du kannst aber wirklich was an dir ändern, nämlich deine Erwartungshaltung. Auch du musst die Distanz akzeptieren, die zwischen euch kommen wird, sie gehört zum Erwachsenwerden dazu.

  10. #10
    gesperrt
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    AW: Meine Familie

    Ach, meine Eltern dürfen ihren Tag immer so verbringen, wie sie wollen.

    Ich wäre nicht sauer, nur etwas verwundert gewesen.

    Ich hätte allerdings etwas geschenkt, was auch mein Vater mag und da keine Überwindung für ihn ist. Der scheint mit euren Ideen eh nicht so glücklich gewesen zu sein.

    Deswegen wäre ich da echt nicht so empfindlich.

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