Nachdem ich lange Zeit nur stille Mitleserin war, habe ich mich nun entschlossen, mich zu registrieren und mein, in der Hoffnung von euch Anstöße in die richtige Richtung zu erhalten.
Meine Familie ist eigentlich super. Nein, nicht nur eigentlich, sie ist super. Allerdings, menschelt es und ich finde mittlerweile ein immer wiederkehrendes Muster, aus dem ich es nicht schaffe auszubrechen.
Kurz zur Situation: Ich bin Ende 20 und mein Studium ist fast beendet. Ich bin verheiratet und wir haben keine Kinder. Im Studium haben mich meine Eltern fortlaufend finanziell und auch emotional unterstützt. Ich bin zwar arbeiten gegangen, habe aber mehr dabei gelernt als verdient (in meinem Beruf leider so üblich). Ich kann mich nicht beschweren. Meine Eltern waren immer für mich da, haben mir bei Umzügen geholfen, standen mir nach einer langen Beziehung im größten Liebeskummer bei und auch wenn das Studium nicht so rund lief, hatten sie ein offenes Ohr für mich.
Nun, ich bin dankbar für alles, was sie für mich getan haben. Wirklich und aus ganzem Herzen. Nur habe ich in letzter Zeit immer öfter das Gefühl, dass sich meine Eltern dadurch auf eine Art und Weise "unfehlbar" fühlen. Kommt es zu einer Diskussion in der Familie, darf ich keine Kritik üben, denn es kommt sofort das Totschlagargument der "Undankbarkeit".
Um ein aktuelles Beispiel zu nennen: Unser Weihnachstgeschenk für meine Eltern war ein Kinoabend für sie. Dieser hätte eigentlich heute stattfinden sollen. Mein Vater geht nicht gern ins Kino, da ich aber dachte, der Film könnte auch ihm gefallen, hat er schließlich zugestimmt. Meine Mutter wollte den Film schon länger sehen und daher hat es sich angeboten.
Heute früh war das erste, was mir meine Mutter entgegenschmetterte: "Wir gehen heute nichts ins Kino, wir gehen stattdessen Schlittenfahren." Da mein Mann zur Zeit einen durchtbar schmerzenden Zeh hat (eingewachsener Nagel), war klar, dass wir bzw. er da nicht mitgehen kann. Das wussten sie auch. Ich entgegnete, das doch heute der Kinotag wäre, aber sie meinte dann nur, mein Vater hätte keine Lust darauf und schließlich kann man niemanden zwingen.
In diesem Moment fühlte ich mich vor den Kopf gestoßen und verletzt. Das war unser Weihnachtsgeschenk. Gut, wenn mein Vater nicht ins Kino möchte, dann muss man das akzeptieren, aber anstatt uns diese Tatsache einfach so vor den Latz zu knallen hätte man ja auch sagen können:" Uns ist heute nicht so nach Kino, wir wollen lieber Schlittenfahren gehen, ist das für euch in Ordnung und könntet ihr dann auf die Hunde aufpassen?"
Eine Kleinigkeit, ich weiß. Aber anstatt das runterzuschlucken, meinte ich, dass ich es nicht okay finde, dass wir nicht mal gefragt werden und wir einfach so abgebügelt werden. Natürlich stieß ich auf allgemeines Unverständnis. Es wurde sich am Kino hochgezogen (ich würde ja unbedingt dorthin wollen und sie deswegen zwingen mitzugehen) und der eigentliche Punkt wurde vollkommen überhört. Als ich es endlich klar gemacht hatte, dass mich die Art und Weise sehr verletzt hat, wurde mir gesagt, ich sei einfach zu empfindlich und steigere mich rein. Schlußendlich fühlte ich mich dann so sehr in die Ecke gedrängt, dass mir die Tränen kamen, was zu noch mehr Unverständnis ihrerseits führte. Denn schließlich, und da kam es wieder, gehe es mir doch gut. Und als ich wiederholt anmerkte, dass es die Art und Weise war, wie meine Mutter das rüberbrachte, hieß es: "Lass deine Mutter in Ruhe, die ist doch Gold wert für dich."
Ja, ist sie ja auch! Aber deswegen ist sie nicht unfehlbar. Ich bin dann gegangen und seitdem herrscht hier as Schweigen. Eine Entschuldigung kann ich nicht erwarten. Dabei würde es doch reichen einfach zu sagen, dass es nicht ganz okay war, wie das alles lief. Stattdessen wird darauf gewartet, dass ich wieder anfange und mich für meine Undankbarkeit entschuldige. Wenn ich sie direkt auf meine Undankbarkeit anspreche, meinen sie immer nur, sie würden nicht denken, dass ich undankbar bin, in Diskussionen aber, wird immer wieder darauf zurückgegriffen (und dann wieder bestritten, dass es jemals so gesagt wurde).
Mittlerweile bin ich einfach nur froh, wenn mein Studium vorüber ist. Denn das ist der nächste wunde Punkt. Da ich ja noch nie gearbeitet habe, habe ich auch kein Recht darauf mich überfordert zu fühlen. Wenn ich anmerke, dass ich gerade furchtbaren Stress habe, wird das meist damit abgetan, dass ich schlielich ja "nur" studiere und wo sei denn da der Stress? Ich solle mal arbeiten, dann wüsste ich, was Stress bedeute. Mittlerweile bin ich einfach nur müde das zu hören. Ich jammere meiner Meinung nach nicht sehr schnell und wenn dann nur bei meinem Mann, aber manchmal kann ich auf die Frage: "Wie geht es dir", dann auch nicht mehr lügen.
Was ich nun erwarte? Ich weiß nicht. Tipps wie ich mich solchen Situationen entziehe oder wie ich Dinge ausdrücken soll, damit sie nicht eskalieren? Ich habe z.B. heute überlegt einfach meine Sachen zu packen und wieder nach Hause zu fahren (wir sind nur über die Feiertage hier), aber es hätte nur den Effekt gehabt, dass ich in ihren augen vollkommen hysterisch bin und einfach übertreibe. Und ja, natürlich auch undankbar bin...ihr wisst ja....










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Das Geschenk soll doch dem Beschenkten Freude machen und ihn nicht dazu "zwingen", es doch noch mal zu probieren weil Ihr vielleicht Kino ganz toll findet.

