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  1. #1
    bibiblo
    gelöscht

    Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Weil ja nun Weihnachten wieder ein Familienbesuch ansteht, beschäftigt mich das Thema gerade sehr.

    Ich weiß nicht recht wo ich anfange soll, aber versuche mal die Fakten zu klären:

    Prinzipiell ist das Verhältnis zu meinen Eltern gut, es gab nie dramatische Zerwürfnisse oder ähnliches.
    Ich kann mich auf meine Eltern verlassen, sie sind sehr großzügig in jeder Hinsicht.

    Gleichzeitig sind sie aber auch der Ansicht, dass sie im Wesentlichen alles richtig machen. Sie planen gerne und ausführlichst und lassen sich dann da auch nicht mehr reinreden - sie verplanen mich dann mit.

    Insgesamt fühle ich mich auch mit Ende 20 behandelt und wahrgenommen wie ein Teenager. Obwohl ich objektiv keinen Anlass dafür gebe, ich habe mein Leben von Job bis Beziehung gut im Griff und da ist noch nie was schief gegangen weswegen sie das Gefühl haben müssten irgendwie aufzupassen.

    Ich merke leider, dass ich sobald ich zu Hause bin sehr schnell wieder in diese Tochter-Rolle verfalle.

    Beispiel: Mein Vater bittet mich was für ihn zu erledigen. Er hat häufig eine etwas herrische Art solche Bitten zu formulieren. Wenn ich dann sowas sage wie "Mache ich gerne aber ich fände es besser wenn du mich etwas freundlicher darum bitten würdest" endet das oft genug mit dem Vorwurf ich sei patzig, vorlaut (und das klingt für mich wie 15 und pubertär).

    Das ist natürlich nicht dramatisch und nur ein Beispiel aber es beschreibt mein Problem ganz gut: Wenn ich versuche, meine Position klar zu machen und störende Dinge zu thematisieren endet das schnell im Streit. Wenn ich das nicht tue rege ich mich innerlich auf, bin unzufrieden und kurz davor mich einfach zu verabschieden.

    Ich sehe meine Eltern ein paar Mal im Jahr, aber nicht sehr häufig weil ich relativ weit weg wohne. Natürlich könnte man das so laufen lassen und die paar Stunden ignorieren, aber ich sehe drei Probleme:

    1. ich merke, dass ich mich innerlich mit jeder ähnlichen Situation von meinen Eltern entferne und das möchte ich ja eigentlich gar nicht.
    2. Mit meinem Partner führt das manchal zu Diskussionen weil er zurecht sagt, dass er mit mir meine Eltern besuchen fährt und ich dann plötzlich quasi nur noch mache was meine Eltern für mich planen und er da ein bisschen auf der Strecke bleibt.
    3. wir werden irgendwann in absehbarer Zeit Kinder haben und spätestens dann wird das eskalieren wenn sie sich in bestimmte Dinge einmischen. Das ist jetzt nicht akut, aber idealweise hätte ich gerne dieses Thema geklärt bevor es irgendwann richtig kracht.


    Puh, das ist jetzt aber lang geworden...ich halte mich mit weiteren Details dann erstmal zurück.
    Ich würde mich freuen, wenn ihr mir ein paar Tipps geben könnt wie man mit solchen Situationen umgeht und ob ihr einen erfolgreichen Weg gefunden habt.

  2. #2
    Avatar von Baronesse
    Registriert seit
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    141

    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Hallo!

    ... mal munter drauflos geantwortet: Ich kenne die Situation aus zwei Perspektiven. Als Selbst-Kind habe ich es schon früh gehasst, wenn einfach über mich verfügt wurde. Da wurde ich richtig allergisch! Ein Ratschlag oder Tipp hört sich 1000x besser an, wenn er in "Also, ICH an deiner Stelle würde... " verpackt würde statt in "MACH es soundso!"

    So fühlte ich mich auch den Eltern meiner Freundin irgendwann viel näher als meinen eigenen. Traurig aber wahr. Sie haben mich systematisch vertrieben. Sie haben mich als eigenständigen Menschen nie wirklich gesehen.

    Als Selbst-Mutter kam ich irgendwann in die Situation, mein Kind "loslassen" zu müssen. Ich musste akzeptieren, dass ich mein Teil gegeben hatte, jetzt musste mein Kind alleine weitergehen. Wenn ich wollte, dass wir ein gutes, freundschaftliches Verhältnis bis zum Ende unserer - hoffentlich - gemeinsamen Tage hätten, musste ich unsere Beziehung umdefinieren.

    Schwer, das jetzt alles aufzuschreiben. Aber: Unsere Beziehung wurde auf eine andere Ebene befördert. So musste ich meinem KIND Eigenverantwortung zugestehen, eigene Erfahrungen zugestehen, und mein Kind konnte mich fortan nicht mehr auf die Mama-Rolle festnageln. Das heißt, ich war auch zu nichts mehr verpflichtet, "nur" weil ich die Mama bin. Mit dieser Umdefinierung waren eindeutig nicht nur tolle Freiheiten und Rechte verbunden, sondern auch eine Menge Pflichten. Das war für uns und unser Kind eine interessante Zeit. Nicht einfach, aber unbedingt notwendig. Nicht bequem, aber irgendwann fast erleichternd. UND es gab viel weniger Zoff. Das alles passierte, als mein Sprössling 16 Jahre alt war!

    Bei euch ist offensichtlich eine ganz deutliche Aussprache im Rahmen einer Familienkonferenz notwendig. Deine Eltern können dich scheinbar nicht richtig loslassen. - Du hast ja schon alles in klare Worte gepackt. Kannst du das mit Nachdruck auch gegenüber deinen Eltern tun? Sonst gibts echt eine Menge Konfliktpotential für die Gegenwart und erst recht für die Zukunft. Wenn ihr erst selbst Eltern seid, werdet ihr wahrscheinlich auf "besserwisserische Einmischungen" ohne Kompromisse viel sensibler reagieren als bisher.

    Tja, klärt es wirklich lieber jetzt, wo die Fronten noch nicht verhärtet sind. Viel Erfolg dabei!

    LG B.
    Drüben am Walde -- kängt ein Guruh-- Warte nur balde -- Kängurst auch du. (Ringelnatz)

  3. #3

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    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Zitat Zitat von bibiblo Beitrag anzeigen
    Insgesamt fühle ich mich auch mit Ende 20 behandelt und wahrgenommen wie ein Teenager.
    Für mich deutet das auf ein gewisses Fehlverhalten bzw. -verständnis bei dir hin. Mit anderen Worten: denke du musst an deiner Einstellung und deinem Verhalten etwas korrigieren.

    Deine Eltern verhalten sich völlig korrekt. Alle Eltern möchten ihre Kinder gern immer wie kleine Kinder behandeln. Es gibt aber zwei Arten von Kindern, solche die es mit sich machen lassen und solche, die es nicht mit sich machen lassen.

  4. #4

    Registriert seit
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    2.815

    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Zitat Zitat von Baronesse Beitrag anzeigen
    Hallo!

    ... mal munter drauflos geantwortet: Ich kenne die Situation aus zwei Perspektiven. Als Selbst-Kind habe ich es schon früh gehasst, wenn einfach über mich verfügt wurde. Da wurde ich richtig allergisch! Ein Ratschlag oder Tipp hört sich 1000x besser an, wenn er in "Also, ICH an deiner Stelle würde... " verpackt würde statt in "MACH es soundso!"
    Mein Kind hat auf dieses "Verfügen" oder Übergriffe von Anfang an allergisch reagiert. Und es gibt keinen Hinderungsgrund, auch mit einem kleinen Kind freundlich und respektvoll umzugehen - zur Not, wenn es bedrohlich wird, hat man immer noch die im wahrsten Sinne überwältigende Macht, die muss man nicht prinzipiell bei den Kleinigkeiten oder bei den wichtigen Dingen von Anfang an ausspielen.

    Baronesse,
    ich verstehe Dein Problem, habe aber keine Lösung. Gespräche sind ein Versuch, ob sie helfen, wird die Zeit zeigen.

    Frank,
    mag sein, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder immer wie kleine Kinder behandeln - dass das die Regel ist oder gar so sein muss, sehe ich allerdings nicht. Und als erfolgreichen Weg zu einem guten Verhältnis zwischen Eltern und Kind würde ich das schon gar nicht empfehlen. In den ersten 18 Jahren haben Eltern die Verantwortung für das Miteinander in der Familie und schon da finde ich es problematisch dies auf die Weise zu gestalten, wie der Vater es von Baronesse tut.
    Ich gebe Dir allerdings Recht, dass Baronesse jetzt in der Verantwortung ist, sich daraus zu befreien. Bei mir hat ein deutliches "Nein" auf solche Übergriffe kurzfristig durchaus geholfen. Mein Vater kam damit letztlich aber nicht so gut klar - der Kontakt ist inzwischen ausgelaufen.

  5. #5
    Nemesis59
    gelöscht

    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Manche Eltern werden nicht MIT ihren Kindern erwachsen oder ignorieren es einfach. Mir scheint bei dir ist das so. Vorher das klären......ich glaube du wirst um einen dicken Krach nicht herum kommen, besonders wenn ich an die Beschreibung des Vaters denke. Du könntest natürlich versuchen mit ihnen zu reden und wahrscheinlich werden sie dann tödlich beleidigt sein und dich daran erinnern, daß sie ja alles für dich getan haben. Spätestens dann wenn es zu solchen "Erpressungen" kommt bleibt dir vorerst nur Abstand zu nehmen oder dich immer wieder zu zoffen. Irgendwann werden sie aber akzeptieren müssen, daß sie dich nicht immer wieder SO behandeln können...es sei denn sie wollen riskieren, daß der Abstand irgendwann zu groß ist. Vll. mußt du sie immer mal dran erinnern, daß du eigene Entscheidungen triffst. Auch wenns Streit gibt deshalb.

  6. #6

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    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Zitat Zitat von Halina Beitrag anzeigen
    ...Und als erfolgreichen Weg zu einem guten Verhältnis zwischen Eltern und Kind würde ich das schon gar nicht empfehlen...
    Schon klar. Ich benehme mich als Vater auch nicht so bescheuert. Wollte nur verdeutlichen, dass es Sache des Kindes ist da selbst klare Verhältnisse zu schaffen. Irgendwann mal muss man sich von der Erwartungshaltung gegenüber den Eltern verabschieden und Dinge die falsch laufen selbst in die Hand nehmen. Wenn seitens der Eltern nichts falsch läuft ... um so besser.

  7. #7
    bibiblo
    gelöscht

    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Baronesse, danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe den Eindruck, du hast genau verstanden worum es mir geht. Wie schön für dich und deinen Sohn dass ihr das so erfolgreich hinbekommen habt. Das ist ein Prozess, der mir (und meinen Eltern) wohl noch bevorsteht.

    Für mich deutet das auf ein gewisses Fehlverhalten bzw. -verständnis bei dir hin. Mit anderen Worten: denke du musst an deiner Einstellung und deinem Verhalten etwas korrigieren.

    Deine Eltern verhalten sich völlig korrekt.
    Ich weiß, dass ich sowohl meine Einstellung als auch mein Verhalten ändern muss - aber, und deswegen schreibe ich hier, ich weiß nicht wie ich das hinkrige, ohne dass es mit meinen Eltern darüber zu einem Zerwürfnis kommt. Denn das will ich eben nicht. Und im Übrigen finde ich nicht, dass sich meine Eltern völlig korrekt verhalten. Ja, der "Beschützerinstinkt" bleibt und das ist auch ok, aber was man im täglichen Verhalten daraus macht ist ja noch mal eine andere Sache. Und so wie ich erwachsen geworden bin denke ich dass auch sie ihr Verhalten entsprechend ändern sollten, auch wenn ich einsehe dass ihnen das schwer fällt.

    Irgendwann werden sie aber akzeptieren müssen, daß sie dich nicht immer wieder SO behandeln können...es sei denn sie wollen riskieren, daß der Abstand irgendwann zu groß ist. Vll. mußt du sie immer mal dran erinnern, daß du eigene Entscheidungen triffst. Auch wenns Streit gibt deshalb.
    Das ist sicherlich genau der Punkt, den ich klar machen muss. Und mir scheint, den Streit muss ich dann wohl aushalten und ihnen eben klarer machen, dass ich nicht im klassischen Sinn auf sie angewiesen bin und eigentlich nur noch aus reiner Sympathie komme (drastisch ausgedrückt jedenfalls).

    Ich hasse es, mit meinen Eltern zu streiten und ich halte es wirklich schwer aus, wenn sie beleidigt oder schlimmer noch "enttäuscht" sind und sich dann nicht mehr melden. Meist (womöglich immer) mache ich dann den ersten Schritt. Das muss sich wohl auch ändern...

  8. #8

    Registriert seit
    24.11.2004
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    1.949

    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Ja, deine Eltern verhalten sich natürlich nicht wirklich korrekt. Sorry, aber ich wollte dich damit auch ein wenig provozieren. Ich schrieb das, damit du nicht damit anfängst an deinen Eltern korrigieren zu wollen, denn du musst an dir korrigieren.

    Meine Empfehlung wäre noch, nicht die große Aussprache, das eine klärende Gewitter zu suchen, bei dem dann alles hervorgeholt wird, was sich über lange Zeit aufgestaut hat. Meine Empfehlung wäre eher in kleinen Schritten und unmittelbar vorzugehen. Jede kleine unangemessene Äußerung, jede Überschreitung deiner roten Linien solltest du umgehend anmakeln. Du solltest deine Eltern nie im Unklaren lassen, wie du dich ihnen gegenüber fühlst. Lass sich nie irgendwas aufstauen. Fang damit aber ab jetzt an und nicht mit alten Geschichten.

    Den Konflikt wirst du wohl aber nicht vermeiden können.

  9. #9
    bibiblo
    gelöscht

    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Obwohl ich eigentlich ein Freund von richtigen Aussprachen bin, gebe ich dir in diesem Fall recht. Ich kenne meine Eltern und weiß, dass sie sich mit solchen (emotionalen) Gesprächen eh schwer tun.

    Insofern werde ich ab sofort versuchen, meinen Standpunkt freundlich aber bestimmt zu vertreten.

    Und wie mache ich sowas ohne dass es immer gleich Streit gibt...?

  10. #10

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    AW: Erwachsen, aber für meine Eltern immer noch Kind

    Wie gesagt, lass sie nie im Unklaren wie du fühlst und denkst. Lass sie wissen, dass du keinen Streit möchtest. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: deine Eltern passen sich deinen Wünschen an oder du gehst.

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