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  1. #1
    Avatar von Wiesenblume
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    Familienaufstellung - Fragen

    Liebe Bri-Gemeinde,

    im Rahmen einer Paartherapie, die sich als sehr gut, wohltuend, umfassend und tiefgreifend herausstellt, hat insbes. mich der Therapeut in unserer letzten Sitzung darauf angesprochen, dass er mir die Teilnahme an einer Familienaufstellung empfehlen würde. Mein Partner soll daran auch teilnehmen - der Fokus läge aber auf mir als Person.

    Ihm, dem Therapeuten, war es ganz wichtig zu betonen, dass dies allein meine Entscheidung/unsere Entscheidung sei. Er selbst werde die Aufstellung leiten/begleiten. Eine freie Entscheidung zur Teilnahme sei aber natürlich unerlässlich.

    Soweit, so gut.

    Ich habe auf div. Plattformen zahlreiche sehr positive Rückmeldungen bzgl. der Familienaufstellung unter der Leitung unseres Therapeuten gefunden. Er ist da offenkundig kein Windei, und auch über unsere Erfahrungen im Rahmen der Therapiegespräche habe ich grundsätzlich erstmal ein gutes Gefühl, ihn als "Begleiter" zu haben.

    Nun zu meinen Fragen bzw. Bedenken:

    1.) eine sehr liebe Freundin von mir hat tatsächlich vor einiger Zeit bei eben jenem Therapeuten an einer Familienaufstellung teilgenommen. Ihr Eindruck war durchweg positiv. Allerdings schloss sie ihre Erzählung mit den Worten "oh Gott, da waren meine Probleme ja wirklich klein gegen die Untiefen und Alpträume, die sich bei den anderen Teilnehmern herauskristallisierten. Mir gings danach aufgrund der Geschichten der anderen Teilnehmer so dreckig - und das nur als Beteiligte (nicht Betroffene). Ich weiß nicht, wie diese Menschen überhaupt noch damit leben können"

    => hier frage ich mich ernsthaft, ob ich das möchte... ich habe mit meinen Päckchen groß wie klein sicher schon genug zu tragen. Ich bin ehrlicher Weise nicht gewillt, mir die Erleuchtung der dunkelsten Winkel im Leben anderer Personen anzutun. Ich kann mich diesbezüglich einfach sehr schwer abgrenzen und lasse solche Sachen näher an mich heran, als mir gut tun würde. Ich weiß also nicht, ob ich am Ende einer solchen Aufstellung nicht beschwerter heraus komme, als ich zuvor hinein gekommen bin.

    2.) viele meiner Päckchen, die ich seit Jahren mit mir herum trage, habe ich wissentlich oder aus Zufall gut und tief in mir vergraben und weggeschlossen. Ich bin einfach unsicher, ob ich nicht völlig aus der Bahn geworfen werde, wenn da alte Wunden mit Vorsatz wieder geöffnet werden. Und sei dies auch mit dem noch so guten Vorsatz, dass diese Wunden dann sauber "von innen anch außen heilen könnten". Ich habe richtig gehend Angst davor, dass dann "alles wieder da ist".

    => ich habe (bei diesem Therapeuten) keine Angst davor, am Ende der Aufstellung mit meinem Elend alleine da zu stehen. Ich vertraue darauf, dass er mich im Rahmen der weiteren Therapiegespräche auffängt und mir bei der Verarbeitung hilft. Aber dennoch stehe ich doch dann vor den geöffneten Geheimnissen meines Ichs - nicht er...

    Kann jemand meine Bedenken, Ängste und Befürchtungen nachvollziehen?
    Hat jemand schon einmal Erfahrungen gemacht mit einer Familienaufstellung und wenn ja, welche?

    Liebe Grüße
    Eure Wiesenblume

  2. #2

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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Hallo Wiesenblume,

    vielleicht gäbe es die Möglichkeit, zunächst eine Aufstellung als Besucher nicht als Aufstellende zu erleben, um deine Ängste zu mildern?

    Ich persönlich habe Aufstellungen als sehr hilfreich kennen gelernt und auch nie das Problem gehabt, mich mit den Lastern anderer zu identifizieren, aber wenn du diese Befürchtung hast, bespreche sie vorab mit deinem Therapeuten.

    Manchmal ist es eben auch gut, sich den Dingen zu stellen, die man nicht anschauen möchte, um die Möglichkeit zu haben sich weiter zu entwickeln. Und die Frage ist, kommen diese Dinge denn überhaupt zum Tragen in der Aufstellung ? Du bringst ja ein Thema mit, das angeschaut werden soll, ist das denn nahe verwandt mit den weggesperrten Themen?

    Es gibt auch noch andere Methoden, er könnte beispielsweise mit einem Familienbrett zum Figurenstellen arbeiten, wenn dir die Methode der Aufstellung mit Stellvertretern eher unwohl vorkommt. Sprich deine Bedenken in der nächsten Sitrzung an und mache nichts wozu dein Bauch nein sagt.
    Die Freiheit findet dort ihre Grenzen, wo die Freiheit des Nächsten beginnt.
    © Horst-Joachim Rahn (*1944)

  3. #3
    Avatar von Opelius
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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Ja, das kann ich nachvollziehen. Bis jetzt hast Du Dein Elend nur allein empfunden. Dass Du die Päckchen Deiner Vorfahren mit Dir rumschleppst , macht Dir offensichtlich aber noch mehr Angst.

    Die Erfahrungen Deiner Freundin zeigen, dass ihre Probleme sie sogar ein wenig stolz machten, erst die Geschichten der anderen Teilnehmer sie erkennen ließ, dass sie die Probleme der anderen als nicht mehr lebenswert empfand. Es ihr eigentlich ganz gut geht.

    Du hast Deine Päckchen seit Jahren tief vergraben. Du willst sie nicht öffnen. Sie könnten Dein Eigenbild zerstören.

    Nur warum machst Du eine Therapie, wenn Du im Prinzip nichts ändern willst?
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  4. #4
    Avatar von Wiesenblume
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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Liebe Nyranee,

    danke für Deine Antwort. Deine Hinweise sind sehr hilfreich. Ich werde meinen/unseren Therapeuten in der nächsten Paarsitzung noch einmal auf meine Bedenken ansprechen. Mal sehen, was er mir "anbieten" kann.

    Liebe(r) Opelius,

    danke für Deine Frage. Die Therapie ist als Paartherapie angelegt. Es hat sich bereits viel bewegt, das will ich so, das wollen wir so und das ist auch gut so. Nachdem unsere Beziehung vor einigen Jahren eine extreme Schlagseite hatte und drohte, zu sinken, haben wir nun wieder mehr als eine Handbreit Wasser unter dem Beziehungskiel. Das freut mich sehr, und darüber sind wir beide sehr glücklich.

    Es gibt da allerdings noch einen Punkt im Rahmen der Paartherapie, den wir mit Reden und Sprechen und Dialogen nicht in den Griff bekommen. Ich möchte hier nicht en Detail darauf eingehen, welcher Art das Problem ist - ich hoffe, das ist in Ordnung.

    Der Ansatz unseres Therapeuten zielt in die Richtung, dass das Problem nur das Symptom sei. Die Ursache hingegen sei vermutlich (!) in meinem Verlust-Trauma rund um die Krankheit und den Tod meiner Mutter zu finden (ich war damals ein Teenager) . Hier sieht der Therapeut den Punkt, an dem es anzusetzen gilt: das Öffnen dieser alten Wunden und das Ausreinigen eben jener, damit sie dann von innen nach außen heilen können.

    Meine Angst: ich weiß nicht, ob ich es ein zweites Mal ertragen kann, mich diesem Schmerz und diesen Momenten zu stellen. Es hat mich damals fast zerrissen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es ein zweites Mal überstehe. Ich habe richtig, richtig Angst...

  5. #5
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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Hallo Wiesenblume,

    #1 ist mMn eine Frage der emotionalen Abgrenzung, und das hängt auch davon ab, wie gut es dir selber geht. Wenn du noch sehr angeschlagen bist, ist die Versuchung, anderer Leuts Probleme zu den eigenen zu machen, viel größer, als wenn du recht stabil bist und du sagen kannst, "ach, die armen Menschen" und dann ist gut.

    #2 hängt davon ab, welche Art von Therapie ihr macht. Geht es um "wir wollen lernen, mit den Sachen, wie sie sind, umzugehen", oder "wir wollen wissen, warum alles so ist, wie es ist"? Frag den Therapeuthen, warum diese Aufstellung seiner Einschätzung nach in seinem Therapiekonzept für euch sinnvoll ist.

    *Persönlich* hätte ich große Probleme mit einer Aufstellung, weil es für mich auf dem Kreuzungspunkt verschiedener kleiner Neurosen, Phobien, und schlechter Erfahrungen läge, die überwiegend idiosynkratisch sind und für dich nicht relevant. Mit vielleicht einer Ausnahme: Eine Familienaufstellung ist eine Art von Bühnendrama, und hat dessen Risiken. (Eitelkeit, und falsche Karthasis).
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  6. #6

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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    im Rahmen einer Paartherapie, hat insbes. mich der Therapeut in unserer letzten Sitzung darauf angesprochen, dass er mir die Teilnahme an einer Familienaufstellung empfehlen würde.

    ...viele meiner Päckchen, die ich seit Jahren mit mir herum trage, habe ich wissentlich oder aus Zufall gut und tief in mir vergraben und weggeschlossen.
    Ich denke, der Therapeut weiß schon längst was Du alles verbirgst und hat Dir deshalb dazu geraten. Denn auch wenn Du glaubst, Du hättest das alles gut unter Verschluss, hat es natürlich Auswirkungen auf Dein komplettes Verhalten. Solltest Du es mit Deinem Mann, Deiner Beziehung und der Paartherapie ernst meinen, dann wäre es nur fair Deinem Partner gegenüber, wenn er dann endlich die echte Wiesenblume zu sehen bekäme.

    Meine Angst: ich weiß nicht, ob ich es ein zweites Mal ertragen kann, mich diesem Schmerz und diesen Momenten zu stellen. Es hat mich damals fast zerrissen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es ein zweites Mal überstehe. Ich habe richtig, richtig Angst...
    Das Kind von damals hat Angst, die erwachsene Wiesenblume weiß doch eigentlich, dass sie es überleben wird. Vielleicht muss der Therapeut Deinen Zugang zu Deinem erwachsenen Ich stärken und das ängstliche Kind an die Hand nehmen bzw. Dir zeigen wie es geht damit Du das Kind von damals trösten kannst.
    Geändert von NurZuGast (01.03.2017 um 11:09 Uhr)

  7. #7

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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    Der Ansatz unseres Therapeuten zielt in die Richtung, dass das Problem nur das Symptom sei. Die Ursache hingegen sei vermutlich (!) in meinem Verlust-Trauma rund um die Krankheit und den Tod meiner Mutter zu finden (ich war damals ein Teenager) . Hier sieht der Therapeut den Punkt, an dem es anzusetzen gilt: das Öffnen dieser alten Wunden und das Ausreinigen eben jener, damit sie dann von innen nach außen heilen können.

    Meine Angst: ich weiß nicht, ob ich es ein zweites Mal ertragen kann, mich diesem Schmerz und diesen Momenten zu stellen. Es hat mich damals fast zerrissen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es ein zweites Mal überstehe. Ich habe richtig, richtig Angst...
    Liebe Wiesenblume,

    ich kann deine Bedenken hier absolut verstehen und muss auch wirklich sagen, dass bei einem unbearbeiteten, traumatischen Trauerprozess, wirklich auch andere therapeutische Interventionen möglich wären. Nun ist es natürlich aber auch als außenstehender nicht wirklich beurteilbar, warum dein Therapeut gerade diese Interventionsform wählt. Deswegen hilft dir wirklich nur mit ihm deine Sorgen und Fragen zu klären.

    Wenn du bereit bist dieses Trauma/diese Trauer aufzuarbeiten, kann da wirklich viel Heilung drin stecken. Vielleicht ginge das in Traumatherapeutische Einzelsitzungen, statt im Rahmen einer Aufstellung?

    Ich bin mir sicher, wenn du deinem Therapeuten erklärst, wieviel Angst dir dieses Thema macht, kann er darauf anders eingehen um dir einen sicheren Rahmen zu geben.

    Frage, ist dein Paartherapeut auch Psychotherapeutisch ausgebildet?

    Liebe Grüße,

    Nyra
    Die Freiheit findet dort ihre Grenzen, wo die Freiheit des Nächsten beginnt.
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  8. #8
    Avatar von Wiesenblume
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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Hallo Nyranee,

    ja, unser Therapeut ist ausgebildeter Facharzt für psychotherapeutische Medizin, Psychiatrie und psychosomatische Medizin. Ich werde ihn in der nächsten Sitzung auf jeden Fall noch einmal auf meine Sorgen und Ängste ansprechen.

  9. #9

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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Zitat Zitat von Wiesenblume Beitrag anzeigen
    Hallo Nyranee,

    ja, unser Therapeut ist ausgebildeter Facharzt für psychotherapeutische Medizin, Psychiatrie und psychosomatische Medizin. Ich werde ihn in der nächsten Sitzung auf jeden Fall noch einmal auf meine Sorgen und Ängste ansprechen.
    Dann bist du da bestimmt in guten Händen und er kann auf deine Fragen und Ängste eingehen.
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  10. #10
    Avatar von Wiesenblume
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    AW: Familienaufstellung - Fragen

    Zitat Zitat von NurZuGast Beitrag anzeigen
    Das Kind von damals hat Angst, die erwachsene Wiesenblume weiß doch eigentlich, dass sie es überleben wird. Vielleicht muss der Therapeut Deinen Zugang zu Deinem erwachsenen Ich stärken und das ängstliche Kind an die Hand nehmen bzw. Dir zeigen wie es geht damit Du das Kind von damals trösten kannst.
    Jetzt bekomme ich aber Gänsehaut. Fast wörtlich genau das hat der Therapeut mir auch gesagt.

    Mein Kopf weiß dies alles - mein Bauch und mein wehes Herz wollen aber ganz weit weg laufen und fürchten den Gang über diese Brücke, den Griff nach dieser Hand.

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