+ Antworten
Ergebnis 1 bis 9 von 9
  1. #1

    Registriert seit
    09.02.2013
    Beiträge
    1

    Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    Werden bei Klinikaufenthalten auch Arztgespräche mit Angehörigen geführt?

    Hallo, meine Mutter hatte schon mind. 6 Klinikaufenthalte wegen Depressionen. Eine Bekannte von mir war nun auch in einer dieser Klinik, in der meine Mutter schon 2 x war. Diese erzählte mir, dass sie gefragt wurde (und auch die anderen Patienten der Klinik) ob Familienangehörige auch zu einem therapeutischen Gespräch hinzu gezogen werden sollen. Wenn aber der Patient dies ablehnt, wird auch niemand mit einbezogen. Bei einem Patienten kamen zu einem solchen Gespräch sogar 5 Personen. Ich oder mein Bruder wurden noch NIE zu einem Gespräch mit einbezogen. Weder in der Selben noch in einer anderen Klinik.
    Gehört das nun zur "Standard-Therapie" dazu oder ist dies von Klinik zu Klinik unterschiedlich? Ich wunderte mich immer, warum wir nie zu einem Gespräch eingeladen wurden. Denn Außenstehende sehen einen Patienten doch meist anders als der Patient sich selbst oder kennen andere Ursachen der Depression als der Depressive viell. selbst zugeben möchte bzw. verheimlicht und die wahre Ursache (oder eine der Ursachen) der Depression vor dem Arzt vertuscht wird.
    Meine Frage ist nun, ob Familienangehörige mit in ein Therapiegespräch mit einbezogen werden oder ob man das als Angehöriger selbst veranlassen muss. (Meine Mutter ist seit 30 Jahren geschieden und hat keinen Partner, also mein Bruder und ich sind die nächsten Verwandten!)
    Geändert von Kaja69 (09.02.2013 um 17:50 Uhr)

  2. #2
    Avatar von Woodstock62
    Registriert seit
    13.02.2001
    Beiträge
    9.447

    AW: Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    Hi Katja, ich war auch schon 2x weg und ich kenne das nicht, dass da Familienangehörige mit einbezogen werden. Ich kenn das nur von Suchtkranken, dass da in die Therapie die nächsten Angehörigen einbezogen werden, weil die Sucht ja im Prinzip Familie betrifft.

    Bei Depressiven ist das eher ungewöhnlich. Ich habe auch nie mitbekommen, dass bei anderen Patienten die Familien mit einbezogen wurden. Nur 1x bei einem Mobbingopfer wurde die Mutter mit dazu geholt, für 1 oder 2 Tage. Das scheint insgesamt zwar wohl möglich, ist aber eher die Ausnahme.

    LG
    Normale Menschen machen mir Angst!!!

  3. #3
    Avatar von brighid
    Registriert seit
    16.12.2007
    Beiträge
    55.987

    AW: Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    kaja- sprecht den zuständigen arzt/ärztin an. zeigt euer interesse eurer mutter zu helfen.

    und dann werdet ihr schlauer sein. ich gehe davon aus: es kommt auf die erkrankung an, den zustand des patienten/in und in welchem therapieansatz die therapeuten eine chance sehen demjenigen helfen zu können. da sind zuviele unbekannte in der gleichung um einen globale aussage zu treffen.

    in einem fall in meinem umfeld habe ich es erlebt, gerade bei depression, dass die familie erstmal ausgeblendet wurde- weil die patientin erstmal zur ruhe kommen sollte und die angehörigen sehr an ihr von allen seiten gezogen haben.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

    jeder denkt daran, die welt zu verändern. aber niemand denkt daran sich selbst zu verändern. tolstoi

    es erscheint immer unmöglich, bis es vollbracht ist. nelson mandela

    auf grosser kaperfahrt für kleine piraten

  4. #4
    Avatar von Amelie63
    Registriert seit
    20.01.2011
    Beiträge
    3.967

    AW: Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    Gehört das nun zur "Standard-Therapie" dazu oder ist dies von Klinik zu Klinik unterschiedlich? Ich wunderte mich immer, warum wir nie zu einem Gespräch eingeladen wurden. Denn Außenstehende sehen einen Patienten doch meist anders als der Patient sich selbst oder kennen andere Ursachen der Depression als der Depressive viell. selbst zugeben möchte bzw. verheimlicht und die wahre Ursache (oder eine der Ursachen) der Depression vor dem Arzt vertuscht wird.
    sehr viele Kliniken bieten die Möglichkeit zu Familiengesprächen. Dabei geht es aber nicht darum, dass die Famiienmitglieder über den/die Erkrankte urteilen bzw den "Fall" beurteilen sollen. Der Hintergrund dürfte eine systemische Betrachtung sein, d.h. die Erkrankungen haben allermeist, und das nicht zu knapp, mit dem Umfeld zu tun, in dem die Patienten leben. Zumindest gibt es Wechselwirkungen damit. Das macht es dann auch meist nötig, einen Menschen komplett aus seinem Umfeld herauszunehmen, damit er jenseits der krankmachenden bzw krankheitsverstärkenden Einflüsse zu sich kommen kann, indem keine seiner ablenkenden und vermeidenden Faktoren mehr zur Verfügung hat. Auch natürlich,um den Stresspegel (Drucksituationen, manipulativen Situationen usw) auszuschalten.

    Dabei darf aber nicht außer acht gelassen werden, dass dieser Mensch irgendwann in dieses soziale Umfeld wieder re-integriert wird. Ganz oft, vor allem, wenn nicht gleich eine ambulante Betreuung zur Verfügung steht, rutschen diese Menschen dann in alte Muster und damit wieder in die Krankheit zurück. Denn das Umfeld ist nicht immer bereit, sich mitzubewegen. Im Gegenteil - es gibt sehr oft Profiteure davon, dass dieser Mensch da an diesem Platz steht und krank ist. Wenn dieser Mensch sich von diesem Platz wegbewegt, dann kann das für nahe Angehörige bedrohlich sein, weil sie womöglich dadurch auf ihre eigenen Themen geworfen sind, oder an Bequemlichkeit verlieren (z.B. durch aufopferndes, selbstausbeutendes Verhalten des Erkrankten).

    Darum ist es schon gut und wichtig, Menschen mit einzubeziehen, die im nächsten Umfeld leben, z.B. den Partner. Oder auch Eltern, wenn es da eine ursächliche Problematik gibt.
    Es ist für Angehörige auch wichtig zu lernen, wie sie den Menschen am besten unterstützen und mit seiner Erkrankung umgehen. Denn sowohl fehlendes Verständnis a la "du musst dich nur zusammenreißen" wie übertriebene Fürsorge, die die Krankheit zum Hauptbestandteil der Person werden lässt und als Vorwand dient, die Erkrankte zu bevormunden oder gar zu entmündigen, werden die Person eher in der Erkrankung halten anstatt ihre Gesundung zu fördern.

    Es bringt auch nix, wenn die Außenstehenden die Ursache der Erkrankung besser kennen als die/der Erkrankte (was ich ohnehin schon sehr vermessen finde, sich dies einzubilden), denn eine Gesundung kann immer nur von innen erfolgen, d.h. durch einen Lernprozess des Erkrankten. Er/sie muss letztlich durch Aufarbeitung, durch neue Erfahrungen, durch eine Andersbewertung des Erlebten und mit Hilfe eines alltagstauglichen "Werkzeugköfferchens" wieder in die eigene Autonomie und Handlungsfähigkeit kommen. Therapie ist nichts anderes als Hilfe zur Selbsthilfe.

    Hier gehts nicht darum, wer Recht oder gar Schuld hat. Das wäre aber das, was hinter einer Beurteilung von Angehörigen stehen würde. Für mich wäre das letztlich aber nur ein Hinweis, wo da wohl die Knackpunkte im System selbst liegen.
    Grüße
    A.

    Liebe Aliens, danke für die Pyramiden. Wir hätten da noch drei weitere Bauaufträge: eine Philharmonie, einen Bahnhof und einen Flughafen. Interesse?

  5. #5
    Avatar von GuteLaune
    Registriert seit
    21.03.2005
    Beiträge
    4.900

    AW: Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    [QUOTE=Kaja69;20653851
    ...
    Denn Außenstehende sehen einen Patienten doch meist anders als der Patient sich selbst oder kennen andere Ursachen der Depression als der Depressive viell. selbst zugeben möchte bzw. verheimlicht und die wahre Ursache (oder eine der Ursachen) der Depression vor dem Arzt vertuscht wird.
    ...[/QUOTE]

    Das ist eine ziemlich heftige Aussage!
    Die "Depressiven" - ich bevorzuge die Formulierung "Menschen mit Depressionen" - die ich kenne, waren bislang alle froh, dass sich endlich mal ein Lichtblick gezeigt hat. Ich war zwar bei den Therapiegesprächen nicht dabei, aber wenn jemand wirklich Hilfe annehmen will und der Therapeut gut ist, wird nichts "vertuscht" und "verheimlicht". Im Gegenteil: Menschen mit Depressionen wissen oft sehr genau, was ihnen eigentlich fehlt - aber ihre Umwelt ist nicht in der Lage, das zu erkennen.
    Wenn also vertuscht und verheimlicht wird - dann von denen, die wissen, dass das Eingeständnis, dass bestimmte Verhältnisse jemanden krank machen, auch von ihnen eine Verhaltensänderung fordert, wenn sich was ändern soll.

  6. #6

    Registriert seit
    05.04.2011
    Beiträge
    96

    AW: Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    Zudem: Woher weisst du, dass das nicht überlegt wurde? Deine Mutter wurde gefragt, ob sie das möchte, und sie hat abgelehnt. Davon würdet ihr vermutlich nie was erfahren. Und es wäre nicht besonders hilfreich, wenn ihr ihr einfach vor de Nase gesetzt werden oder gegen ihren Willen eingeladen werden würdet.

  7. #7
    Avatar von parfum
    Registriert seit
    18.03.2003
    Beiträge
    4.216

    AW: Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    Dürfte man sicherlich auch nicht einfach so.
    Wenn der Patient sagt, dass niemand anderes dabei sein soll, müssen die Ärzte das akzeptieren. Es geht ja schließlich auch um Schweigepflicht.
    Fänd ich interessant, wenn sich Angehörige einfach selber einladen könnten und der Wille des Patienten keine Rolle mehr spielt.

  8. #8
    Avatar von brighid
    Registriert seit
    16.12.2007
    Beiträge
    55.987

    AW: Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    klar ist, dass angehörige nachfragen können, dürfen und auch sollten.

    nur wie es entschieden wird- ob der arzt mit dem patienten zusammen, oder der arzt oder nur der patient ausschlaggebend ist--------- ich glaube, dass hängt von viel zu vielen faktoren ab.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

    jeder denkt daran, die welt zu verändern. aber niemand denkt daran sich selbst zu verändern. tolstoi

    es erscheint immer unmöglich, bis es vollbracht ist. nelson mandela

    auf grosser kaperfahrt für kleine piraten

  9. #9
    Avatar von Opelius
    Registriert seit
    24.04.2004
    Beiträge
    10.607

    AW: Bei Klinikaufenthalte auch Gespräche mit Angehörige?

    meine Frau ist vor 6 Jahren ziemlcih heftig an Depressionen erkrankt. Es hat einige zeit gedauert, bis sie bereit war, sich in ärztliche und klinische Behandlung zu begeben. Ich wurde zu keinem Therapiegespräch eingeladen, obwohl ich nachgefragt habe.
    Ich hatte allerdings große Schwierigkeiten, wie ich mit meiner Frau und ihrer Erkrankung umgehen sollte - und erhielt den Hinweis auf eine Gesprächsrunde für Angehörige. Das hat mirt sehr geholfen und damit letztlich auch meiner Frau.

    Dass ein Therapeut sich die Geschichte der Erkrankung von Angehörigen erklären lassen soll, ist in meinen Augen abstrus.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •