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  1. #1
    worldclique
    gelöscht

    Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Hallo an alle!

    Ich hätte da mal eine Frage. Wir haben in unserem Freundeskreis 3 Personen (2 männliche und eine weibliche Person), die alle fast Mitte 40 sind und noch immer irgendwie wie "Kinder" mit ihren Eltern leben. Alle 3 sind nicht verheiratet oder fest gebunden, gehen jeden Tag zu ihren Eltern, oft den ganzen Tag, haben mehrmals am Tag Telefonkontakt mit den Eltern - meistens der Mutter - und fahren sogar auf Urlaub mit den Eltern.

    Machen alles für die Eltern, Besorgungen .. Reparaturen, sonstige "Dienste", meist gegen Geld.

    Finanziell existentiell haben alle drei Riesen-Probleme und sind entweder seit langer Zeit arbeitslos oder leben am Existenzminimum. Sie werden vorwiegend mit Nahrung von den Eltern versorgt, weil sie sich keine Lebensmittel leisten können. Sie werden auch sonst, wo es geht, unterstützt. Damit haben aber alle 3 ein Problem. Sie sagen, dass sie das eigentlich gar nicht wollen. Regelmäßige, kleine "Aufmerksamkeiten" besorgen die Eltern immer. Kuchen, Obst, was auch immer.

    Einer unserer Freude fährt jeden Tag um 9 Uhr in der Früh zu den Eltern und trinkt dort deren Wein, schaut sich mit der Mutter Kochsendungen an, kocht mit ihr .. und ist fast niemals telefonisch erreichbar, wenn er dort ist. So gegen 20 Uhr fährt er meistens betrunken nach Hause, weil er den ganzen Tag bei den Eltern Alkohol getrunken hat.

    Der nächste hat auch eine eigene Wohnung, kann sein Leben finanziell mit Mitte 40 aber noch immer nicht bestreiten. Jeden Tag ruft die Mutter mehrmals an und er wird für diverse Aufgaben innerhalb der Familie herangezogen. Einen Job sucht er sich nicht, weil - wie er sagt, es sowieso keinen für ihn gibt. Was aber unserer Meinung nach nicht stimmt, weil er eine sehr gute Ausbildung hat. Alle anderen sind schuld an seiner Arbeitslosigkeit: die Migranten, die Frauen, die Jungakademiker. Nur er nicht. Die letzte Freundin war sehr geduldig, sie hat ihm sogar bei vielem geholfen, aber nach fast 4 Jahren hat sie aufgegeben, weil er immer mehr hinter seiner Mutter als hinter ihr stand. Die Mutter wünschte keinen Kontakt mit ihr, weil sie es gewagt hat, zu kritisieren, dass "ihm" alles von der Familie in den "Allerwertesten" geschoben wird.
    Er hat nicht zu seiner Freundin gehalten, sondern immer nur zur Mutter.

    Die Dritte ist fast 44 und studiert noch immer, ist auch, so wie die anderen, jeden Tag bei den Eltern und hat irgendwie den Absprung ins Erwachsenenleben verpasst. Wenn sie Glück hat, ist sie mit dem Studium mit 46 Jahren fertig.

    Warum ich das schreibe? Weil uns alle drei ständig anjammern, dass sie im Leben nichts "erreicht" haben. Darauf angesprochen, dass sie es selbst in der Hand haben, reagieren sie mit Schuldzuweisungen auf die Gesellschaft bzw. mit Aggressionen.

    Auf unseren Hinweis, dass sie sich vielleicht einmal endlich von den Eltern befreien sollen und ihr eigenes Leben führen sollen, reagieren sie stets mit großer Aggressivität und sagen, dass sie sich dort wohl fühlen und es ihnen dort sehr gut geht. Sie verteidigen die Mütter bis aufs Blut.

    Mehrere Freunde haben ihnen schon gesagt, dass sie in einer Abhängigkeit zu den Eltern stehen und dass ihnen das nicht gut tut. Aber sie verneinen und werden aggressiv.

    Trotzdem rufen Sie immer wieder an und jammern über ihren Zustand.

    Was sollte man da tun?

    Ist das eine emotionale Abhängigkeit - vorwiegend zu den Müttern?

    Ich habe vor kurzem "TäterInnen" von Heyne gelesen; es war schockierend.

  2. #2
    Avatar von Opelius
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    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Was sollte man da tun?
    Nichts! Ihr könnt Euch nur das Gejammere dieser Menschen anhören - und wenn Ihr es nicht mehr hören könnt, andere leute treffen. Sie sind wahrlich zu alt für gute Ratschläge!
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. #3
    Avatar von reflect
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    127

    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Ich hatte auch einmal so eine "Beziehung" mit einem "Muttersöhnchen".

    Muttern ging über alles. Sie brezelte sich auch immer so auf, dass sie glatt als seine
    Freundin durchgehen konnte. Also, ich habe es dreieinhalb Jahre lang versucht, war alles
    sinnlos. Seine Mutter war das Ultimum; es war kein vernünftiges Gespräch möglich, was
    sie betroffen hat. Er fand das alles ganz "normal". Dass er erst mit 37 Jahren ausgezogen ist
    in eine Wohnung, die seine Eltern finanziert haben, dass der ganze Hausrat aus altem Zeugs
    der Familie bestand, dass Mutter ständig alles gekauft hat für ihn. Dass er drei Jahre lang mit
    den Eltern auf Urlaub gefahren ist anstatt mit mir. Dass sie täglich mindestens dreimal angerufen hat. Dass er ständig für sie gesprungen ist. Und, und und ... es war unerträglich. Er lebte ein Parallel-Leben: dort die Familie und da ich. Die Familie hat mich ausgeschlossen, ich war wohl eine Gefahr. Er hat das ebenfalls als ganz normal angesehen, war kein Problem für ihn. Wäre auch keines für mich gewesen, wenn er "normalen" Kontakt wie jeder andere erwachsene Mann zu seinen Eltern gehabt hätte. Er war fast täglich dort und war das Faktotum der Famile.

    Arbeit hat er seit fast 4 Jahren keine. Niemand sagt was. Solange er dort brav funktioniert.

    Ich hab mich irgendwann mal schlau gemacht. "Narzisstischer Missbrauch" (durch die Mutter) hat es ganz gut getroffen.

    Habe mich vor 4 Monaten getrennt und bereue jeden Tag mit ihm.

  4. #4
    Avatar von Opelius
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    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    "Narzisstischer Missbrauch" (durch die Mutter) hat es ganz gut getroffen.
    Soweit würde ich nicht gehen. Irgendwann ist auch der verführteste und abhängigste Mensch erwachsen und selbst für sein Leben verantwortlich. Aber zumindest macht die Mutter ihnen ein bequemes Leben, reicht das eigene Einkommen nicht, so gibts Essen und sogar tagsüber schon Wein. Ist doch ein feines Leben?
    Da gibt es in meinen Augen nichts zu jammern, ihnen ist aber alles andere offensichtlich zu anstrengend.
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  5. #5
    Moderation Avatar von Promethea71
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    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Du kannst nichts tun.

    Sie sind erwachsen und haben sich diese Art zu leben ausgesucht und haben Eltern, die das auch mittragen oder auch explizit so wollen.

    Solange es keinen größeren Leidensdruck gibt, werden alle Beteiligten so weiter machen.

    Was ich allerdings täte - bei jedem Aufkeimen von Jammern und Beklagen ihnen klar sagen: "du hast dir das so ausgesucht, ändere es wenn es dich stört, aber beklage dich nicht bei mir." "Jeden Morgen wenn wir aufwachen entscheiden wir neu wie wir unser leben führen wollen."

    Liebe Grüße

    promethea

    Profilbild © edwardbgordon
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  6. #6
    worldclique
    gelöscht

    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Nichts! Ihr könnt Euch nur das Gejammere dieser Menschen anhören - und wenn Ihr es nicht mehr hören könnt, andere leute treffen. Sie sind wahrlich zu alt für gute Ratschläge!
    Danke Opelius für deine Antwort. Wir verstehen es alle nicht, müssen es auch wahrscheinlich gar nicht verstehen .. aber es ist halt schlimm mitanzusehen, wie alle 3 ihr Dasein fristen und nicht verstehen, dass die Überbemutterung nicht von Vorteil ist. Sie sind alle unglücklich und ich habe den Eindruck, dass sie, was die Mütter oder die Familie betrifft, nicht "nein" sagen können oder wollen.

    Die zwei männlichen haben schon mal so Phantasien von Suizid oder Bankraub gehabt. Na, da haben wir aber alle blöd drein geschaut. Darauf angesprochen meinten sie nur, dass sie das "nur so" gesagt haben. Das habe ich überhaupt nicht verstanden!

    Einer davon war wegen seiner schlimmen Depressionen bei mehreren Therapeuten. Alle haben ihm gesagt, dass er sich von den Eltern distanzieren soll. Danach ist er nicht mehr hin gegangen. Eben: Eltern bzw. Mutter stand über ALLES andere.

    Die Freundin des einen, die es echt jahrelang versucht hatte, aber zu "schwach" gegen die Mutter war, sagte ihm mal, dass er sich an die Ratschläge der Therapeuten halten solle, nämlich große Distanz zu den Eltern und eine Arbeit suchen. Er sagte darauf: "Wenn ich meine Familie nicht sehen kann, dann bring´ ich mich um". Hat danach sein Pinkerl genommen und ist in der Versenkung verschwunden wochenlang. Sie hat 1000 Tode ausgestanden. Als sie ihn 2 Jahre später darauf angesprochen hat, sagte er auch, dass er das "nur so gesagt habe".

    Es ist mir noch nicht tief genug. Ich möchte gerne wissen, warum die das alles nicht checken?
    Warum besteht so eine tiefe Abhängigkeit? Warum zerstören die Eltern das Leben dieser "Kinder", die ja schon lang keine mehr sind.

    Ist es nicht im Interesse der Eltern, ihre Kinder zu selbständigen Persönlichkeiten zu erziehen, die im Leben nicht untergehen? Sorry, ich verstehe das nicht.

  7. #7
    Avatar von Dharma09
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    9.920

    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Zitat Zitat von Promethea71 Beitrag anzeigen
    "Jeden Morgen wenn wir aufwachen entscheiden wir neu wie wir unser leben führen wollen."

    Liebe Grüße

    promethea
    Schöner Satz
    Wenn besser möglich ist, ist gut nicht genug!

    "Wer aufhört besser zu werden hat aufgehört gut zu sein"




    :Benjie meine Hundemaus - wir werden dich nie vergessen (27.05.2011)

  8. #8
    Avatar von reflect
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    127

    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Ich verstehe (noch) immer nicht, was Eltern dazu "animiert", diesem zuzusehen.
    Wenn ich mir vorstelle, dass mein Sohn mit "ab 40" bei mir sitzt, ich ihn täglich
    anrufe und "einteile", er unselbständig lebt, dreht sich mir der Magen um.

    Ich liebe meinen 18-jährigen Sohn, wir haben ein super Verhältnis, aber ich würde und werde niemals seine Bequemlichkeit unterstützen und ihm am Erwachsenwerden hindern.

  9. #9
    Moderation Avatar von skirbifax
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    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Zitat Zitat von reflect Beitrag anzeigen
    Ich verstehe (noch) immer nicht, was Eltern dazu "animiert", diesem zuzusehen.
    Wenn ich mir vorstelle, dass mein Sohn mit "ab 40" bei mir sitzt, ich ihn täglich
    anrufe und "einteile", er unselbständig lebt, dreht sich mir der Magen um.
    Die Eltern sehen das nicht so. Vielleicht hat der Sohn in jungen Jahren auch einmal einen Versuch gemacht, selbständig(er) zu leben und es hat irgendetwas nicht geklappt. Da wurde er in die Arme der Mutter/Eltern wieder aufgenommen, und hat es sich dann da bequem eingerichtet.

    Machen wir uns nichts vor; es ist hin und wieder verdammt anstrengend, ein eigenes Leben zu führen. Und wenn der Lebensinhalt ausschließlich darin besteht, sich um den Sohn zu kümmern, was bleibt dann, wenn er erwachsen ist? Womit soll diese Leere dann ausgefüllt werden?

    Wenn ich daran denke, wie sich meine Kinder selbständig gemacht haben, ganz ehrlich, das tut auch weh. Auch wenn man sie erzogen hat, damit sie selbstständig werden. Auch wenn man tausendmal weiß, dass das der Lauf des Lebens ist. Deshalb glaube ich auch, dass diese Mütter/Eltern auch eine ganz gehörige Portion Egoismus in sich tragen, weil sie wahrscheinlich auch diesen Schmerz nicht aushalten wollen oder können.

    Ich kenne übrigens so einen Sohn, über 40, arbeitet im Höheren Dienst als Beamter und geht jeden Sonntag zu Mama und Papa zum Essen. Mama sorgt für saubere Wohung und Wäsche. Das gibt es auch bei Menschen, die beruflich erfolgreich sind.
    Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.
    Marie von Ebner-Eschenbach


    Moderatorin für:

    Was bringt Sie aus der Fassung?
    Beziehung im Alltag
    Trennung und Scheidung
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  10. #10
    Billy86
    gelöscht

    AW: Emotionale Abhängigkeit von den Eltern?!?!?

    Zitat Zitat von skirbifax Beitrag anzeigen
    Machen wir uns nichts vor; es ist hin und wieder verdammt anstrengend, ein eigenes Leben zu führen. Und wenn der Lebensinhalt ausschließlich darin besteht, sich um den Sohn zu kümmern, was bleibt dann, wenn er erwachsen ist? Womit soll diese Leere dann ausgefüllt werden?
    Noch schlimmer, wenn emotionale Erpressung dazu kommt. Die Drohung, sich etwas anzutun, wenn das "Kind" sich selbständig machen möchte. Manipulierte Unselbständigkeit, die das Selbstbewusstsein beeinflussen und schwere Schuldgefühle hervorrufen. Das Kind als Ersatzpartner, Mutter, Freund etc. - da geht der eigene Wille verloren.

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