Hallo Ihr Lieben,
gerne möchte ich Euch mein aktuelles Problem im Büro schildern und Euch um Rat fragen. Ich hoffe, dieses Thema ist hier richtig platziert - es handelt sich nicht um richtiges Mobbing und (zumindest noch) nicht um eine Kündigung, dennoch belastet es mich sehr. Am besten fange ich mal an zu erzählen und versuche, mich kurz zu fassen ;-)
Ich bin seit über vier Jahren in meiner Firma und Ende letzten Jahres wurde mein Bereich umstrukturiert, so dass mir zwei verschiedene neue Positionen zur Auswahl gestellt wurden. Ich habe mich für Position 1 entschieden - allerdings damals schon wohlwissend, dass ich mit einer sehr dominanten Kollegin zusammenarbeiten würde. Ich kannte sie aus einem Seminar und auch aus verschiedenen Projekten, daher meine Einschätzung - außerdem stuft sie auch wirklich JEDER andere, der sie kennt, als extrem dominant ein. Dennoch habe ich mich davon nicht irritieren lassen, weil ich nicht wegen einer Person die andere, für mich weniger reizvolle Position annehmen wollte. Außerdem ist sie grundsätzlich freundlich (also keine Oberzicke), so dass ich mich auf das Neue einlassen und alles positiv angehen wollte. Ich hatte sogar vor, mich bewusst auf die neue Situation einzulassen und von ihr zu lernen. Grundsätzlich bin ich ein recht positiv denkender Mensch, der in allem das Gute sucht (und meistens auch findet).
Seit zweieinhalb Monaten arbeiten wir also nun in der neuen Struktur: Meine Kollegin und ich, unter einem Chef (der auch in meiner alten Position schon mein Chef war; für sie ist er neu).
Die Zusammenarbeit gestaltet sich nun in verschiedenen Punkten schwierig:
Sie verhält sich in JEDER Situation extrem dominant, reißt das Wort an sich, sagt zu allem als Erste etwas, hat zu allem eine Meinung, gibt auch unserem Chef ordentlich Contra, kurz: Sie dominiert mich und auch ihn weg.
Dazu muss ich sagen und neidlos anerkennen, dass sie fachlich sehr gut ist. Meistens weiß sie, wovon sie spricht, sie ist sehr ambitioniert, ein Jahr jünger als ich und ein Jahr kürzer im Unternehmen, und hat dort eine ziemliche Karriere hingelegt. In der Vergangenheit hatte sie bislang zwei Vorgesetzte, die sie sehr stark gefordert und gefördert haben, und so konnte sie sich eine Menge Know-how aneignen, und sie ist auch weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen. Für sie wurden Ausnahmen gemacht, die sonst niemand durchsetzen konnte, z.B. wurde sie unterjährig befördert, was es sonst bei uns schlicht nicht gibt. Bei der Vorgesetzten-Ebene genießt sie einen guten Ruf (aufgrund der geschriebenen Aspekte durchaus berechtigt), allerdings würde sich sonst keiner darum reißen, mit ihr zusammenzuarbeiten. Viele Kollegen kamen z.B. auf mich zu, um mir ihre Sorge und ihr Mitgefühl auszudrücken, dass es mich nun getroffen hat. Ich war allerdings 100% loyal zu meiner neuen Kollegin und habe dann gesagt, das sei doch alles gut und kein Problem. So weit, so gut.
Von vorneherein hatte ich sehr großen Respekt, ja fast schon Angst vor ihr, weil sie die schon beschriebene sehr dominante, einschüchternde Art hat. Auf gewisse Weise hat sie etwas sehr Vereinnahmendes an sich, mit dem sie andere Menschen (vor allem auf höheren Ebenen) gut einfangen kann. Sie hat es einfach raus, würde ich sagen ;-) Zu mir ist sie eigentlich immer freundlich, da kann ich ihr wirklich keinen Vorwurf machen. Allerdings beschleicht mich schon seit längerer Zeit das Gefühl, dass sie nur deswegen nett zu mir ist, weil ich in ihren Augen das Mäuschen bin und sie die Anführerin. Zu ihrer alten, ebenfalls etwas dominanten Kollegin war sie z.B. nicht nett, da hat es einen richtigen Krieg gegeben.
Nach dieser allgemeinen Schilderung nun zum konkreten Problem:
In Meetings drängt sie sich so stark in den Vordergrund, dass ich kaum zu Wort komme. Das ist mir selbst ja auch schon aufgefallen. Ich frage mich auch, wie es dazu kommen konnte, denn ich bin eigentlich auch ziemlich auffällig, habe ein lautes Organ, bin selbstbewusst (aber eben nicht dominant) und weiß, wovon ich rede. Nur sage ich deutlich weniger als sie - ich trage nur dann etwas bei, wenn ich mir wirklich sicher bin. Manchmal denke ich auch eine Sekunde zu lange nach (das kennt Ihr bestimmt), und dann hat sie das Wort (schon wieder) an sich gerissen. Wenn sie dann einmal redet, drückt sie sich auch recht geschwollen aus und sagt alles sehr ausführlich.
Mir ist das - wie gesagt - auch schon aufgefallen, ich habe es aber einfach (wenn auch mit leichten Magenschmerzen) hingenommen und mir gesagt: Sie ist eben stärker auf die Karriere aus, mir liegt nicht so viel daran, also lasse ich sie gewähren und akzeptiere ihr Verhalten und dominantes Auftreten, denn ich will ja keinen Ärger riskieren. Und irgendwie war es für mich vielleicht auch bequem.
Nun hat mich mein Chef gestern darauf angesprochen! Er hat sein Anliegen sehr freundlich und gar nicht vorwurfsvoll rübergebracht, also auch an ihn geht gar kein Vorwurf! Ich betrachte konstruktive Kritik sowieso als Geschenk - es ist ja gut, dass er mich auf seine Beobachtung hingewiesen hat. Jedenfalls sagt er zu mir, dass meine Kollegin ein sehr starkes Auftreten hat und dass ich gerade in Meetings mit anderen Leuten drohe, hinter ihr zu verschwinden und für andere unsichtbar zu werden. Im Innenverhältnis sei das weniger ein Problem, aber auf andere wirke dies möglicherweise komisch, deswegen müsse ich da aufpassen und das verändern. Es klang schon ernst. Ich glaube nicht, dass er mich rauswirft, aber wer weiß...wenn es nicht besser wird?!
Habe mich für seine offenen Worte bedankt und gesagt, dass es mir auch aufgefallen sei, dass ich aber nicht der Typ bin, der etwas sagt, nur um des Sagen willens. Da hat er mir voll zugestimmt, dass er das auch besser findet (er selbst ist ein sehr ruhiger Typ und wird von meiner Kollegin wirklich extrem wegdominiert). Und er wolle ja auch den Konkurrenzkampf nicht noch weiter anfachen. Er wisse auch nicht weiter. Denn er und meine neue Kollegin müssten sich in der Zusammenarbeit auch noch finden.
Na toll. Was mache ich denn nun?
Mir ist bewusst, dass sie es nicht böse meint bzw. extra macht, weil sie einfach so ist. Oder was meint Ihr?
Wie soll ich mich denn nun verhalten? Auf mir lastet seit dem Gespräch ein extremer Druck, besser zu werden, mehr in Meetings beizutragen - so schlimm, dass mich das schon ausbremst.
Habe ich von Anfang an den Fehler gemacht, mich zu "unterwürfig" zu geben, so dass die dominante, bestimmende Rolle nun dauerhaft ihr zufällt? Kann ich das überhaupt noch drehen?
Wenn ich mein Verhalten verändere und mehr "Gas gebe", wird sie dann vielleicht sauer und ist - zusätzlich zu ihrer sowieso unangenehmen dominanten Grund-Art - auch noch unfreundlich zu mir?
Soll ich standhaft bleiben oder mir vielleicht einfach einen neuen Job suchen?
Fragen über Fragen... :-(
Habt Ihr vielleicht Ähnliches erlebt oder könnt sonst Struktur in meine Gedanken bringen?
TAUSEND DANK!!
Liebe Grüße
Juni-Mond
PS: Ich weiß, es gibt Schlimmeres und ich darf mir das nicht so zu Herzen nehmen...aber gerade weiß ich nicht so recht weiter...











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