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  1. #1

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    Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    Hallo zusammen! Bin neu hier und würde gerne mal eine Frage in die Runde werfen.

    Und zwar geht es darum, dass ich vor ca 6 Wochen einen neuen Job angefangen habe, komplett neues Arbeitsfeld für mich, macht aber sehr viel Spaß. Nach einer relativ kurzen Einarbeitungszeit bin ich nun die einzige Frau in einem Männerteam und soweit ich weiß, sind alle mit mir einverstanden....
    Soweit so gut, und ich darf eigentlich überhaupt nicht klagen. Leider stehe ich mir selbst im Wege. Ich komme einfach nicht damit klar, wenn ich Etwas falsch gemacht habe!

    Obwohl ich noch in der Anfangsphase bin und man mir das nachsieht, und obwohl ich verstandesmässig weiß, dass Fehler zum Lernen dazugehören und jeder welche macht, läuft mein Unterbewusstsein anscheinend jedes Mal Amok und ich kriege extreme körperliche Beschwerden wie Magenschmerzen, Herzrasen, der Blutdruck steigt, Verspannungen... Ich weiss, dass das total be..scheuert ist, und dass ich mit meiner "Fehlerquote" eigentlich ganz gut dastehe, aber ich kriege es nicht auf die Reihe, vernünftig darauf zu reagieren.
    Wenn mir jemand so Etwas erzählen würde, würde ich denken, wie übertrieben das doch ist....

    Naja. Kennt das vielleicht die Ein- oder Andere von euch? Habt ihr Wege gefunden, damit umzugehen?

    L.G. Pilly

  2. #2
    Avatar von Desideria
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    AW: Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    Hallo Pilly,
    was du beschreibst, hatte ich früher auch sehr oft, war sehr unsicher und habe mir viel zu Herzen genommen.
    Ich habe gelernt, solche Situationen im Nachhinein zu reflektieren.
    Wie ist es gelaufen?
    Wie hätte ich anders reagieren können?

    Und während der Situation: Ruhig durchatmen, sich bewusst in diese Beschwerden einfühlen und sie bewusst stoppen. Das braucht ein bischen Übung, aber es wird besser.

    Desideria

  3. #3
    Moderation
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    AW: Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    Hallo Pilly,
    kannst du, nur für dich selbst, ein "Fehlerprotokoll" machen? Kurz schriftlich niederlegen, warum der Fehler passiert ist, wie es dazu kam, was du künftig tust, den Fehler zu vermeiden? Mir hat das immer geholfen. Dann ist man dem Fehler nicht hilflos ausgeliefert, sondern hat aktiv etwas dagegen unternommen.

    In manchen Bereichen haben Fehler tatsächlich schlimme Folgen haben, zum Beispiel bei der Arbeitssicherheit. Da wird in vielen Betrieben genau nachgeforscht, wie der Unfall passieren konnte - nicht, um jemandem die Schuld anzuhängen, sondern um den Unfall künftig vermeiden zu können.

    Eine andere Herangehensweise ist, sich klarzumachen, dass die allermeisten Fehler eben tatsächlich keine schlimme Folgen haben. Also mal dir tatsächlich den Worst Case aus. Geht die Welt unter, weil du einen Fehler gemacht hast? Sterben Menschen deswegen? Geht die Firma bankrott - oder ist es dir nur einfach peinlich?

    Grüße, Cariad

  4. #4

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    AW: Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    Hallo Desideria und Cariad,

    danke für eure Antworten. Ja, wahrscheinlich hat das Ganze wirklich mit einer inneren Unsicherheit zu tun. Es gibt wohl zum Einen die Möglichkeit, sich dauernd selbst zu verdammen mit allen daraus resultierenden Negativfolgen, und zum Anderen kann man einen Fehler sehen als das, was er ist....

    Ich habe mir gestern, nachdem ich eure Posts gelesen hatte, noch mal Gedanken über die Situation gemacht und habe festgestellt, dass ich in den Fehlersituationen wohl noch genau die gleichen Dinge über mich denke, die ich als Kind schon gedacht habe, gesagt bekommen habe... und das mit 45!"Ich DARF nichts falsch machen, sonst bin ich nichts wert!" "Ich Trottel!" "Ich kann aber auch gar nix!"

    Wahrscheinlich geht es wirklich so, wie ihr schreibt, den Fehler bewusst wahrnehmen und nicht mit den üblichen Selbsthasstiraden verdrängen, so dass es sich körperlich auswirkt, sondern damit "arbeiten" und bestenfalls daraus lernen...

    Aber es tut richtig gut zu hören, dass auch Andere dieses Problem kennen!

    Liebe Grüße Pilly

  5. #5
    Avatar von Lachattenoire
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    AW: Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    hallo pilly,
    viele dieser respektlosen und verletzenden äußerungen aus der kindheit verfolgen einen noch lange ins erwachsenenleben.
    erfährt man ähnliche situationen, klingt die stimme, der tonfall ähnlich, kommen die alten bilder hoch.
    als kind warst du dem hilflos ausgesetzt.

    aber jetzt bist du erwachsen.
    du kannst etwas.
    du leistest etwas.
    du hast den mut gehabt den job zu wechseln.
    du bist stark genug das auszuhalten.
    deine kollegen finden es völlig normal, dass du nach 6 wochen nicht alles wissen, noch nicht alles beherrschen kannst, was den neuen job ausmacht.

    das, was früher deine eltern/familie gemacht haben, indem sie dir immer wieder sagten, du seist nichts wert, das machst du jetzt mit dir selber......es sind die worte deiner eltern...aber du musst sie nicht mehr hören. du kannst ihnen innerlich das wort verbieten. du kannst ihnen innerlich sagen, wie gemein sie sind.heute kann du dich wehren.
    als kind hattest du keine wahl, aber heute hast DU die wahl.

    du musst die stimme deiner eltern nicht mehr hören, lass deine eigene stimme zu wort kommen:
    wieder und immer wieder

    ich bin etwas wert
    ich bin ein wertvoller mensch
    ich bin ein liebenswerter mensch
    ich darf fehler machen ohne gleich mit liebesentzug oder was weiß ich bestraft zu werden.

    jedes mal, wenn du auf etwas aufmerksam gemacht wirst, was noch nicht korrekt erledigt wurde, sage dir sofort innerlich- mantramäßig-
    er/sie ist nicht mein vater/mutter.
    der, der mir das sagt will mir helfen und nicht mich fertig machen.

    dieses sich innerliche wehren hilft auch oft im umgang mit den personen, die dir das angetan haben. sollte noch kontakt bestehen, schaffst du es vielleicht bald ihnen zu sagen, wie verletzend ihr verhalten war. meist ändern sich solche menschen kaum, aber es befreit dich, wenn du dich wehrst. wie sind sie heute zu dir? verfällst du in deren gegenwart in diese kindlichen ängste?

    nur mut, du schaffst das

    lachattenoire

  6. #6

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    AW: Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    Liebe lachattenoire,

    das hast du sehr lieb und mutmachend geschrieben! Danke! In der Tat, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Situationen fallen mir ein, in denen ich mich wieder wie das kleine, dicke rothaarige Mädchen fühle/fühlte, welches ich mal war. Du scheinst dich auch damit auszukennen....

    Und da es in meiner Kindheit eigentlich niemanden gab, der Wert auf eine positive, gesunde Erziehung gelegt hätte, hatte ich den negativen Gedanken wohl auch niemals Etwas entgegen zu setzen.

    Das wird ein hartes Training. Aber es kann nur besser werden.

    Leider kann ich denen, die mir diese psychische und auch physische Gewalt angetan haben, nichts mehr dazu sagen, aber ich weiss genau, dass ich es,wenn ich noch mal vor ihnen stünde, auch nicht tun würde, denn ich hatte immer das Gefühl, ihnen gegenüber großmütig und beschützend sein zu müssen....

    Dem Himmel sei dank, dass ich es mit meinen Kids besser gemacht habe.

    Aber da sieht man es mal, man denkt, ach, alles lange her, vorbei, vergeben und vergessen, und doch hat es einen mit aller Macht im Griff, wenn auch auf subtile Weise.
    Gut, dass ihr mich da mit der Nase draufgestossen habt., vielleicht ist das der Knackpunkt und ich werde in diesem Bereich psychisch gesund!

  7. #7

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    AW: Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    Mir geht es aber genauso. Ich hatte letztens einen Fehler gemacht, den ich zwar gleich bemerkte aber nicht mehr rückgängig machen konnte. Mir wurde total schwindelig, bekam Herzklopfen und dachte, ich kippe gleich aus den Latschen! Das hat mich so überwältigt, dann bin ich aufgestanden und raus gegangen... durch den Flur gelaufen, hin und zurück. Dann traf eine Kollegin auf mich und fragte was los sei. Ich erzählte ihr von meinem Dilemma. Sie sagte, weißt Du (wir sind per Du) genau DAS ist mir auch schon passiert und, es gab keine Konsequenzen. Und, Fehler unterlaufen jedem Mal, wir sind nur Menschen. Das hat mir erst mal ein bisschen runter gebracht. Aber am Tag danach war für mich wieder alles gut.

  8. #8
    Avatar von Lachattenoire
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    AW: Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    valentchen,

    es ist gut, dass du aus dieser situation rausgegangen bist.
    jetzt wäre es aber hilfreich, nach dem etwas zeit vergangen ist, zu überlegen, warum hat dich dieser eine fehler so verunsichert?
    warum wurde dir schwindelig?
    wann war eine ähnliche situation?
    wie alt warst du da?
    was hat dich so hilflos gemacht?
    wer hat dich in diese lage gebracht?
    an wie viele dieser ähnlich gearteten erlebnisse erinnerst du dich?
    was war jeweils vorausgegangen?


    wenn das alles situationen waren, als du noch kind warst oder jugendlicher, hilft es erwachsenen oft, sich genau diese situation vorzustellen als beobachter.

    stell dir vor, du kommst heute, als erwachsener auf eine situation zu, wo ein erwachsener ein kind derartig behandelt, wie es dir damals ergangen ist.
    was würdest du über diesen erwachsenen denken?
    wie unangemessen er reagiert?
    wie unsicher er sein muss, dass er dermaßen mit einem kind umgeht?
    wie klein muss er sich fühlen, dass er sich einem kind gegenüber so groß machen muss?
    oder ähnlich.

    es hilft erwachsenen, die so behandelt worden sind, zu sehen, dass sie keine schuld trifft, dass sie an der situation hätten nichts ändern können, dass sie dem ohnmächtig ausgeliefert waren, dass der erwachsene völlig unangemessen und überzogen gehandelt hat. der erwachsene, der dir das angetan hat, der hat die alleinige verantwortung für sein tun, handeln, sagen.

    aber heute bist du erwachsen, heute kannst du dich wehren, heute kannst du aus der situation rausgehen.
    und, sehr wichtig, dir innerlich in ähnlicher lage sagen: derjenige, der dich gerade jetzt so verunsichert hat, ist nicht derjenige aus deiner vergangenheit, hat nichts mit damals zu tun, handelt aus anderen motiven.

    wenn man dies art weg für sich verinnerlicht hat, schmeißt einen eine an früher erinnernde situation nicht mehr (so) um.

    lachattenoire

  9. #9

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    AW: Eigene Fehler verdauen, aber wie?

    @lachattenoire - wirklich gut geschrieben!

    und man sollte insofern gut hinsehen, denn schwindelig werden- schlimmstenfalls umkippen- ist mal auf jeden FAll eine sehr grosse Reaktion mit dem Wunsch "aussteigen, sich tot stellen"- was ja in jedem Fall eine absolut überzogene Reaktion wäre!
    Sich das klarmachen ist da ganz wichtig und kann einen sehr gut runterholen.

    Was Fehler machen angeht:
    ist überhaupt nicht schlimm und man DARF auch Fehler machen.
    Jeder macht Fehler und meiner Meinung nach kann man vor allem dann gut arbeiten, wenn man mal jeden Fehler gemacht hat. Wir wollen hier nun nicht über lebensbestimmende Fehler sprechen- wobei ja selbst dort Fehler vorkommen.

    Es muss Dir einfach klar werden, daß es keinen Menschen gibt, der keine macht und es geht nur um EINES-- nämlich daraus lernen damit das nicht nochmals vorkommt.
    Wenn das klappt- dann war der Fehler auch gut, denn Du hast dazugelernt und wirst das Augenmerk in Zukunft da mehr hinlegen.
    Nur so funktioniert lernen und genau das macht man doch gerade am Anfang, wenn man neu ist!
    Fehler führen auch dazu, daß man schlicht aufmerksamer und vorsichtiger arbeitet-- wer sehr routiniert ist wird schnell genau dadurch unaufmerksamer und kann schneller Fehler machen....deshalb macht auch jeder mal was falsch- halt aus unterschiedlichen Gründen.

    Wie sagt man so schön- am Anfang macht man Fehler, weil alles neu und viel ist.....dann kommt die Zeit der ersten Routine und damit Fehler......und wenn man lange da ist, ist man sich so sicher, daß einem wiederum Fehler unterlaufen.


    Verzeih Dir selber und sehe es als Herausforderung Dich zu verbessern.
    Du wirst es in Zukunft besser machen und nur DARUM geht es!!

    Und schau Dich ruhig bei den anderen genau um- Du wirst sehen, daß jeder mal nen Fehler macht.....sowas entlastet

    kenzia

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