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  1. #81
    Avatar von Libentia
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    AW: Organspendeausweis

    Elsa hat in Beitrag 35 eine Seite verlinkt, in der ein Mann von seinem "Hirntod" berichtet, und daß seine Familie um die Erlaubnis zur Ausweidung seiner Organe gebeten wurde. Sie lehnten ab. Zwei Tage später erwachte er wieder, und nach einer Reha erfreut er sich heute wieder seines Lebens. Hätte die Familie der Organexplantation zugestimmt, wäre er heute wohl nicht mehr am Leben (davon kann man wahrscheinlich ausgehen, daß er das nicht überlebt hätte). hier

    Auf der gleichen Website kann man sich auch ein Bild machen, ob der Umgang mit den sog. Hirntoten bei der Organentnahme angemessen würdevoll ist, lest selbst, meine Worte könnten es nicht besser wiedergeben. hier

    Und hier ist die Übersicht der Website zu allen möglichen Themen rund um die Organspende, Organverpflanzung, Organhandel, Erfahrungsberichte von Pflegern, Organempfängern usw. hier

    Achtung, keine leichte Kost.
    Geändert von Libentia (09.08.2012 um 00:03 Uhr)

  2. #82
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    AW: Organspendeausweis

    [QUOTE=Lisa9;18160136]Ich verstehe irgendwie nicht, warum der aktuelle Skandal so viele Leute davon abhält, Organspender zu sein. Dass jemand auf der Warteliste zu Unrecht bevorzugt wird, ist schrecklich, weil es anderen, die dadurch später (oder gar nicht mehr) dran sind, schadet. Aber es ändert doch nichts daran, dass der Mensch, der das Organ kriegt - selbst wenn er es nur deshalb kriegt, weil sein Arzt zu seinen Gunsten beschi.... hat, ein kranker Mensch ist, dessen Leben möglicherweise durch die Organspende gerettet wird. Ist ein Mensch deshalb schlecht, weil er vielleicht aus Verzweiflung Geld dafür bezahlt, ein neues Organ zu bekommen?

    Nein, es ist mir nicht egal, welcher kranke Mensch meine Organe bekommt. Und vor allem nicht unter welchen Umständen.

    In einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen arm und reich - politisch gewollt - immer weiter auseinander geht, kann man mit Geld alles, die bessere Erziehung, die bessere Gesundheit, und offensichtlich sogar Leben kaufen.

    Ich bin mir sicher, dass es ein Leichtes wäre, Organspenden und -transplantationen so transparent zu organisieren, dass es gar nicht möglich wäre zu mauscheln, wenn der politische Wille dafür wäre. Ist er aber offensichlich nicht. Das heisst, des ist politisch gewollt, das Mauscheln nicht zu untersagen, oder zumindest nicht drastisch zu erschweren.

    Transplantationen sind ein fettes Geschäft für die Krankenhäuser. Und mit einem Transplantationsbeauftragten, der ein leitender Arzt des Krankenhauses, und in dieser Funktion auch zuständig für die wirtschaftliche Situation des Krankenhauses, wird der Bock zum Gärtner gemacht, statt mehr Transparenz und Vertrauen für Organspender zu schaffen.


    Es ist heute schon fast unmöglich, einem Arzt oder einem Krankenhaus einen Behandlungsfehler nachzuweisen. Wie soll man nachweisen, dass der Organspender hätte gerettet werden können, wenn ein leitender Arzt des Krankenhauses das ganze Verfahren kontrolliert? Wo bleiben da Transparenz und unabhängige Kontrolle.

  3. #83
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    AW: Organspendeausweis

    Zitat Zitat von Analuisa Beitrag anzeigen
    Pflub ... ich arbeite seit ca. 25 Jahren im medizinischen Bereich, und ich weiß, dass man Ärzten berechtigterweise vieles vorwerfen kann. In erster Linie und auch immer wieder, was auch Tomsten ansprach: mangelnde Kommunikationskompetenz. Dann: mangelnde Sensibilität für Menschen in Grenzsituationen, Karrierefixiertheit, materielle Interessen, Duckmäusertum (gegenüber dem eigenen Chef), mangelndes Erkennen der eigenen Grenzen und daraus folgend Maximaltherapie-auf-Teufel-komm-raus. Was ich tatsächlich noch nie erlebt habe, ist, dass Ärzte einen Patienten sehenden Auges hätten sterben lassen. Das geht nicht nur gegen jedes ärztliche Ethos (dem sich ja leider nicht alle immer verpflichtet fühlen), sondern auch gegen das ärztliche Selbstwertgefühl, die Macher und Retter zu sein.
    Ich kenne natürlich die medizinische Situation nicht, in der der Mensch war, von dem du sprichst, und möchte dir auch nicht zu nahe treten. Ich kann mir aber bei dem, was du schreibst, nur vorstellen, dass es eine Sitation war, in der die Ärzte mit ihrer Kunst am Ende waren.

    Ärztliche Kunst ist begrenzt. Als Betroffener, also als Patient und mehr noch als Angehöriger, kann man das aufgrund der besonderen Situation, in der man sich befindet, oft nicht sehen und klammert sich an das letzte Fitzelchen Hoffnung. Und Ärzte tun das ihrige dazu, um dieses Fitzelchen aufrechtzuerhalten, oft aus Feigheit, weil sie nicht wissen, wie sie die Wahrheit verpacken sollen, damit es den Betroffenen nicht den Boden unter den Füßen wegzieht. Und man erlebt es sehr sehr selten, dass ein Patient von sich aus deutlich auf Ehrlichkeit drängt.

    Was ich damit sagen will: ganz häufig ist die Situation wesentlich aussichtsloser, als sie vom Arzt dargestellt und vom Patienten und dessen Angehörigen verstanden wird. (Und oft sind es gerade die Angehörigen bzw. das soziale Umfeld, das sich an letzte Hoffnungen klammert, während man dem Patienten anmerkt, dass er sehr gut weiß, wie es um ihn steht, das nur nicht direkt kommuniziert, um seine Nächsten zu schonen.)

    Sorry, dass ich soviele Worte mache um ein Nebenthema. Aber es sprang mich gerade an.
    Danke für Deine Worte!

    Ich möchte die Geschichte hier nicht erzählen, aber ich glaube, dass es heute leider so ist, dass finazielle Gründe - ist an diesem Patienten noch was zu verdienen, oder nicht - einen sehr starken Einfluss auf die medizinische Versorgung eines Patienten haben. Ich vertraue diesem Gesundheitssystem, der Pharmaindustie, den Herstellern medizinisch-technischer Geräte, den Politikern, den Lobbyisten aus diesen Bereichen Einfluss auf politische Entscheidungen erlauben, die die Steuern für Apotheker senken, keinen Millimeter über den Weg. Und ich kann meinem Bauchgefühle meist trauen.

  4. #84

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    AW: Organspendeausweis

    Zitat Zitat von DerJunge82 Beitrag anzeigen
    Und selbst wenn jemand so etwas verlangt, hat das ja trotzdem keinen Einfluss darauf, ob er ein Organ bekommt oder nicht.
    Vielleicht ist auch nicht jeder Mensch gleich stark, im Angesicht des nahenden Todes.
    Ganz bestimmt verlangt das niemand, und ganz bestimmt hat es auch keinerlei Einfluß darauf, ob er ein Organ bekommt. Wie käme man denn auch auf so eine Idee?????

    Ganz klar ist für mich eines: nicht jeder Mensch ist gleich finanzstark im Angesicht des Todes.

  5. #85
    gesperrt Avatar von Streuner
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    AW: Organspendeausweis

    Wir sollten uns viel öfter überlegen, "Was hätten unsere Vorfahren, die Steinzeitmenschen in so einer Situation gemacht?". Schließlich haben sie auch überlebt, obwohl sie alle gestorben sind.
    Oder etwa nicht? Sind wir nicht deren Nachkommen?

    Warum gibt es zu wenige Spenderorgane?
    Man stelle sich vor, die Antwort wäre: Weil nicht genug Menschen sterben.

    Jedem Stück Menschenfleisch stehen die vollen Menschenrechte zu.
    Nein? Zu wie viel Prozent muss ein Mensch vollkommen sein, damit er sich als Mensch bezeichnen darf?
    Muss er sagen können, "Ich bin ein Mensch!"?

    Ich habe mich längst an meine Nase gefasst.
    Und das schon seit vielen Jahren.
    Wer nicht?

    Soll ich es deshalb (immer noch - für immer) für gut heißen?
    Ich nicht.
    Es war (auch mein) ein Fehler.

    Ich habe mir gesagt, ich tue es nie wieder.
    Aber manchmal reicht das nicht. Dann tut man Buße.

  6. #86
    Avatar von jofi
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    AW: Organspendeausweis

    Zitat Zitat von Streuner Beitrag anzeigen
    Wir sollten uns viel öfter überlegen, "Was hätten unsere Vorfahren, die Steinzeitmenschen in so einer Situation gemacht?". Schließlich haben sie auch überlebt, obwohl sie alle gestorben sind.
    Oder etwa nicht? Sind wir nicht deren Nachkommen?

    Warum gibt es zu wenige Spenderorgane?
    Man stelle sich vor, die Antwort wäre: Weil nicht genug Menschen sterben.

    Jedem Stück Menschenfleisch stehen die vollen Menschenrechte zu.
    Nein? Zu wie viel Prozent muss ein Mensch vollkommen sein, damit er sich als Mensch bezeichnen darf?
    Muss er sagen können, "Ich bin ein Mensch!"?

    Ich habe mich längst an meine Nase gefasst.
    Und das schon seit vielen Jahren.
    Wer nicht?

    Soll ich es deshalb (immer noch - für immer) für gut heißen?
    Ich nicht.
    Es war (auch mein) ein Fehler.

    Ich habe mir gesagt, ich tue es nie wieder.
    Aber manchmal reicht das nicht. Dann tut man Buße.
    Wie bitte?
    Krankheit steckt an. Ach tät's doch Schönheit auch! (Shakespeare)


  7. #87
    gesperrt Avatar von Streuner
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    AW: Organspendeausweis

    Zitat Zitat von Libentia Beitrag anzeigen
    Das hast Du echt schön gesagt, Streuner!

  8. #88
    gesperrt Avatar von Streuner
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    AW: Organspendeausweis

    Zitat Zitat von Uli_F-2009 Beitrag anzeigen
    ...Weder möchte ich getötet werden müssen, ...


    Das tut doch niemand. Aber es formuliert die Angst.
    Es formuliert nicht die Angst, es zeigt die Wahrheit.

  9. #89
    gesperrt Avatar von Streuner
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    AW: Organspendeausweis

    Zitat Zitat von jofi Beitrag anzeigen
    Wie bitte?
    Was verstehst Du nicht?

  10. #90
    gesperrt Avatar von Streuner
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    AW: Organspendeausweis

    Zitat Zitat von jofi Beitrag anzeigen
    Wie bitte?
    Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass man gezwungen ist, darüber nachzudenken, ob einem Affen mehr Rechte zugesprochen werden dürfen, als einem Stück Mensch. Warum? Weil ein Affe mehr weiß?
    Ich möchte darüber wirklich nicht nachdenken müssen.

    Es könnte einem auch egal sein - auch eine Lösung.
    Die Fragen stellen wir selber her.

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