Pflub ... ich arbeite seit ca. 25 Jahren im medizinischen Bereich, und ich weiß, dass man Ärzten berechtigterweise vieles vorwerfen kann. In erster Linie und auch immer wieder, was auch Tomsten ansprach: mangelnde Kommunikationskompetenz. Dann: mangelnde Sensibilität für Menschen in Grenzsituationen, Karrierefixiertheit, materielle Interessen, Duckmäusertum (gegenüber dem eigenen Chef), mangelndes Erkennen der eigenen Grenzen und daraus folgend Maximaltherapie-auf-Teufel-komm-raus.
Was ich tatsächlich noch nie erlebt habe, ist, dass Ärzte einen Patienten sehenden Auges hätten sterben lassen. Das geht nicht nur gegen jedes ärztliche Ethos (dem sich ja leider nicht alle immer verpflichtet fühlen), sondern auch gegen das ärztliche Selbstwertgefühl, die Macher und Retter zu sein.
Ich kenne natürlich die medizinische Situation nicht, in der der Mensch war, von dem du sprichst, und möchte dir auch nicht zu nahe treten.

Ich kann mir aber bei dem, was du schreibst, nur vorstellen, dass es eine Sitation war, in der die Ärzte mit ihrer Kunst am Ende waren.
Ärztliche Kunst ist begrenzt. Als Betroffener, also als Patient und mehr noch als Angehöriger, kann man das aufgrund der besonderen Situation, in der man sich befindet, oft nicht sehen und klammert sich an das letzte Fitzelchen Hoffnung. Und Ärzte tun das ihrige dazu, um dieses Fitzelchen aufrechtzuerhalten, oft aus Feigheit, weil sie nicht wissen, wie sie die Wahrheit verpacken sollen, damit es den Betroffenen nicht den Boden unter den Füßen wegzieht. Und man erlebt es sehr sehr selten, dass ein Patient von sich aus deutlich auf Ehrlichkeit drängt.
Was ich damit sagen will: ganz häufig ist die Situation wesentlich aussichtsloser, als sie vom Arzt dargestellt und vom Patienten und dessen Angehörigen verstanden wird. (Und oft sind es gerade die Angehörigen bzw. das soziale Umfeld, das sich an letzte Hoffnungen klammert, während man dem Patienten anmerkt, dass er sehr gut weiß, wie es um ihn steht, das nur nicht direkt kommuniziert, um seine Nächsten zu schonen.)
Sorry, dass ich soviele Worte mache um ein Nebenthema. Aber es sprang mich gerade an.
