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  1. #1
    Avatar von Apprenti
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    Kölner Urteil zu Beschneidungen

    Das Landgericht Köln hat, in zweiter Instanz, die Beschneidung eines vierjährigen Jungen aus religiösen Gründen für eine Körperverletzung und also für strafbar erklärt. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland findet das unerhört und unsensibel. Er beruft sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften, in das jenes Urteil für ihn einen „beispiellosen und dramatischen“ Eingriff darstellt. Tatsächlich ist die Beschneidung als rituelle Bekräftigung der Religionszugehörigkeit durch ein empfindliches Opfer seit Tausenden von Jahren im Nahen Osten üblich und in Genesis 17, 10-14 festgehalten. Im Koran wird sie nicht erwähnt, aber von vielen Muslimen für ein unbedingtes Gebot erachtet (FAZ vom 28.06.2012).

    Im Zusammenhang mit dem Urteil kann man geteilter Meinung sein … da kommt es sicherlich immer wieder auf den Standpunkt an, den man vertritt und welcher Religionsgemeinschaft man angehört (oder ob man überhaupt eine Religion aktiv praktiziert).

    Was mich jedoch ziemlich entsetzt hat, sind die Leser-Kommentare im Netz, die sich (vornehmlich in konservativen Blättern) finden:

    Da wird argumentiert, die Juden könnten doch wieder in die Wüste ziehen (oder sich alternativ ordentlich waschen), von „Verstümmelungen“ ist die Rede. Von Eselstreibern, religiösen Fanatikern unter den Eltern, die man des Landes verweisen sollte. Von Wahn, Hexenverbrennungen, Menschenopfern und der Forderung auch die Vaginalbeschneidung von Mädchen zu erlauben.

    Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass dieses Urteil (bzw. das Kommentieren desselben) für so Manchen ein willkommener Anlass ist ganz frank und frei einmal ein Bisschen Stimmung zu machen und vor dem Hintergrund eines richterlichen Urteils ohne Scheu die eigene, ziemlich rassistische Einstellung öffentlich zu machen.
    Apprenti

  2. #2

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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    zu dem Thema gibt es schon einen längeren Fred im Religionsforum!

  3. #3
    Avatar von Apprenti
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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    Upps ... sorry. Da hatte ich nicht nachgesehen.
    Apprenti

  4. #4

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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    lg
    legrain

  5. #5

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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    Zitat Zitat von Apprenti Beitrag anzeigen
    Im Zusammenhang mit dem Urteil kann man geteilter Meinung sein … da kommt es sicherlich immer wieder auf den Standpunkt an, den man vertritt und welcher Religionsgemeinschaft man angehört (oder ob man überhaupt eine Religion aktiv praktiziert).
    Das würde mir nicht genügen. Die medizinischen Implikationen halte ich für weitaus wichtiger als Fragen der Religion. Sind die medizinischen Implikationen vorwiegend positiv oder neutral zu bewerten, dann gibt es für den Staat keinen Grund sich einzumischen. In diesem Fall kann man die Leute selber entscheiden lassen.
    Sind die medizinischen Implikationen aber so, dass von Verstümmelung gesprochen werden muss, dann kann keine Religionsfreiheit dies rechtfertigen.

    Was mich jedoch ziemlich entsetzt hat, sind die Leser-Kommentare im Netz, die sich (vornehmlich in konservativen Blättern) finden:

    Da wird argumentiert, die Juden könnten doch wieder in die Wüste ziehen (oder sich alternativ ordentlich waschen), von „Verstümmelungen“ ist die Rede. Von Eselstreibern, religiösen Fanatikern unter den Eltern, die man des Landes verweisen sollte. Von Wahn, Hexenverbrennungen, Menschenopfern und der Forderung auch die Vaginalbeschneidung von Mädchen zu erlauben.

    Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass dieses Urteil (bzw. das Kommentieren desselben) für so Manchen ein willkommener Anlass ist ganz frank und frei einmal ein Bisschen Stimmung zu machen und vor dem Hintergrund eines richterlichen Urteils ohne Scheu die eigene, ziemlich rassistische Einstellung öffentlich zu machen.
    Ja klar. Das Andere ist das Feindliche, und jeder Anlass hochwillkommen, die gefühlsmäßige Abwehr dagegen auszuleben.

  6. #6

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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    Ich finde übrigens, dass dieses Thema nicht ins Religionsforum gehört, sondern ins Forum Politik und Gesellschaft. Denn wie mit dieser religiösen Vorschrift juristisch, d.h. gesamtgesellschaftlich umzugehen ist, das ist eine politische Frage und keine religiöse Frage.

  7. #7
    Avatar von Opelius
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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    Das wird mit Sicherheit auch noch geschehen, wenn diese Entscheidung beim Bundesverfassungsgericht gelandet ist. Obwohl ich weiß, wer hier Beschwerde einlegen soll. Der Arzt ist nicht verurteilt worden, weil er nach Auffassung des Gerichtes einem Rechtsirrtum unterlag. Er wird nicht dagegen angehen.
    Vielleicht die Staatsanwaltschaft? Oder landet das als Gesetzesvorlage im Bundestag?
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  8. #8

    Registriert seit
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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    Zitat Zitat von BT_auf_Besuch Beitrag anzeigen
    Ich finde übrigens, dass dieses Thema nicht ins Religionsforum gehört, sondern ins Forum Politik und Gesellschaft. Denn wie mit dieser religiösen Vorschrift juristisch, d.h. gesamtgesellschaftlich umzugehen ist, das ist eine politische Frage und keine religiöse Frage.

    ganz genau!
    lg
    legrain

  9. #9
    gesperrt
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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    Zitat Zitat von BT_auf_Besuch Beitrag anzeigen
    n. Sind die medizinischen Implikationen vorwiegend positiv oder neutral zu bewerten, dann gibt es für den Staat keinen Grund sich einzumischen. In diesem Fall kann man die Leute selber entscheiden lassen.
    .

    Verstümmelungen an Kindern sollte man nicht vorwiegend positiv oder neutraler med Implikation abtun . Es sterben ganz viele dieser Jungen und Mädchen jedes Jahr sie verbluten oder sterben an Infektionen weil ihnen die Klitoris mit einer rostigen Rasierklinge gestuzt wird . In Deutschland passt es zudem überhaupt nicht weil hier Religion zum Glück keine Bedeutung hat .

  10. #10
    Avatar von Apprenti
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    AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen

    Zitat Zitat von Triologe Beitrag anzeigen
    Verstümmelungen an Kindern sollte man nicht vorwiegend positiv oder neutraler med Implikation abtun . Es sterben ganz viele dieser Jungen und Mädchen jedes Jahr sie verbluten oder sterben an Infektionen weil ihnen die Klitoris mit einer rostigen Rasierklinge gestuzt wird.
    Ich finde es fatal, die Beschneidungen der Jungen mit den Genitalverstümmelungen der Mädchen immer wieder in einem Zusammenhang zu erwähnen. Denn die Motivation, die dahinter steht, ist eine völlig andere. Und die Vorgehensweise ebenfalls:

    Traditionell finden die Beschneidungen außerhalb von Krankenhäusern unter unhygienischen Bedingungen statt.

    Bei traditioneller Durchführung werden die Betroffenen meistens nicht narkotisiert und haben so starke Schmerzen, dass sie von mehreren Erwachsenen festgehalten werden müssen. Das Ertragen des Schmerzes wird von einigen Ethnien als wichtiger Bestandteil der Zeremonie angesehen – als Zeichen für Reife, um beispielsweise auf die Rolle als Gebärende vorbereitet zu sein. Als Werkzeuge werden (Spezial-)Messer, Rasierklingen, Scheren oder Glasscherben verwendet. Oft werden mehrere Mädchen mit demselben Werkzeug beschnitten, was das Infektionsrisiko und das Risiko für die Übertragung von Krankheiten erhöht. Zum Wundverschluss werden Akaziendornen, Bindfaden, Schafdarm, Pferdehaar, Bast oder Eisenringe verwendet. Substanzen wie Asche, Kräuter, kaltes Wasser, Pflanzensäfte, Blätter oder Wundkompressen aus Zuckerrohr sollen die bei der Beschneidung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane meist auftretende starke Blutung stoppen.
    (Wikipedia)

    In Deutschland passt es zudem überhaupt nicht weil hier Religion zum Glück keine Bedeutung hat .
    Das halte ich für einen absoluten Irrglauben. Die Anzahl der Kirchgänge und von mir aus auch der Kirchenaustritte hat mit "Religion" und deren Ausübung nur bedingt zu tun.
    Apprenti

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