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  1. #1

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    Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    Hallo liebe Community,

    es gibt bestimmt schon mehrere Threads zu dem Thema, ich hoffe aber, dass ich hier auf jemanden treffe, der sich aus einer ähnlichen Situation schon mal "befreit" hat und mir weiterhelfen kann.

    Also, ich bin seit 7 Jahren verheiratet, mit allen Höhen und Tiefen, mit kleinen und großen Alltagssorgen, mit einem tollen Kind. Ich liebe meinen Mann und ich weiß, was ich an ihm habe.

    Ich habe seit meiner frühen Jugend große Probleme mit meinem Selbstbewusstsein. Ich fand mich nie sonderlich schön und hatte erst sehr spät meine erste Beziehung. Bin eher ein schüchterner Typ und weiß oft nicht, was ich sagen soll.

    Tja und in den letzten Jahren, wahrscheinlich auch, weil mein Mann mir gut tut, fange ich an, mich wohler in meiner Haut zu fühlen.
    Und jetzt kommt mein Problem.

    Ich brauche ganz dringend männliche Anerkennung, Bestätigung, Blicke...Ich flirte auf der Arbeit mit Kunden, verheimliche zwar meine Familie nicht, treibe es aber manchmal auf die Spitze.

    Ich weiß, dass mein Verhalten besch*** ist und mein Mann das nicht verdient. Aber ich fühle mich nur gut, wenn Männer mich begehrenswert finden. Ich versuche, mich abzulenken oder sage Mantras auf, wie: "Du wirst bereits geliebt, du brauchst das nicht."
    Aber das hilft nicht lange.

    Nächsten Monat beginne ich deswegen eine Therapie (musste lange auf den Termin warten).

    Gibt es jemanden, dem es ähnlich geht/ging?

    Würde mich sehr über eihnen Austausch freuen. Bin verzweifelt.

  2. #2
    Avatar von Amelie63
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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    hallo Ditasmama,

    Ich könnte mir vorstellen, dass es vielen so geht.
    Ich bin davon nicht betroffen, aber mich haben ein paar Dinge in deinem Text nachdenklich gemacht.

    Das flirten usw finde ich nicht schlimm. Das Problem ist allerdings das, was dahinter steckt. Es geht hier nicht um das spielerische Element im Leben, das an sich ja was nettes ist und niemandem schadet. Es geht hier darum, dass du mit etwas nicht klar kommst und das Flirten als Kompensation brauchst. Das hast du im Prinzip ja auch schon richtig erkannt.

    Gleichzeitig scheint dein Leidensdruck so groß zu sein, dass du die Liebe, die dich mit deinem Mann verbindet, anscheinend nicht richtig leben kannst, weil du anscheinend das, was da drin an Anerkennung steckt, nicht wirklich für dich nehmen und leben kannst. Statt dessen bist du in einem Teufelskreislauf, in dem du etwas versuchst zu bekommen, was dir niemand geben kann, weil du es, selbst wenn es mit einem Teebeutel auf dem Kopf daher käme, nicht wirklich annehmen könntest. Deshalb brauchst du auch immer wieder den Kick aufs neue und die Befriedigung hält nur kurz und oberflächlich - wenn überhaupt.

    Nun konzentrierst du dich aber immer stärker auf die Wirkung und weniger auf die Ursache, oder anders gesagt, auf den Stoff und nicht auf das, was diesen "Suchtdruck" auslöst. Die Folge ist eine Fixierung, unter der du zunehmend leidest, problematisches Sozialverhalten, z.B. auf der Arbeit, und schlechtes Gewissen gegenüber deinen Mann. Das alles führt dazu, dass du dich noch mieser fühlst und deine Selbstwertgefühle noch mehr in den Keller gehen, was wiederum den "Suchtdruck" erhöht... usw.

    Dabei benennst du dein Problem doch so glasklar:

    Ich habe seit meiner frühen Jugend große Probleme mit meinem Selbstbewusstsein. Ich fand mich nie sonderlich schön und hatte erst sehr spät meine erste Beziehung. Bin eher ein schüchterner Typ und weiß oft nicht, was ich sagen soll.
    Männer sind eine denkbar schlechte Quelle, um den eigenen Selbstwert aufzumöbeln (ich nenne es jetzt einfach mal Selbstwert, das Selbstbewusstsein hängt damit auch zusammen, so wie überhaupt alle Selbst- Wörter irgendwie zusammen hängen) Denn du gibst hier Macht ab ohne zu wissen, an wen überhaupt. Wenn du Glück hast, gibt der Mann dir Anerkennung einfach auf dieser absichtslosen und spielerischen Ebene. Sehr oft sind die aber auch nur nett, weil sie selbst Bestätigung haben wollen, also das Gefühl mit der Flirterei anzukommen. Ganz blöd ist es, wenn sie noch mehr wollen, oder gar Machtspielchen spielen wollen.

    Um es mal etwas krass auf den Nenner zu bringen: du tust deinem Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein mehr Gutes, wenn du eine Alpenüberquerung zu Fuß machst, anstatt dies aus der erotischen Anerkennung von Männern schöpfen zu wollen.Das ist zwar was nettes, aber nur, wenn frau in sich souverän ist. Sonst wirds schnell mal heikel. Und im Berufsfeld kanns dazu auch noch existenzgefährdend werden.

    Es gibt zahlreiche Literatur und auch Selbsterfahrungskurse zu den Stichworten Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen usw.

    Grundsätzlich finde ich alles hilfreich, was mit Achtsamkeits- und Wahrnehmungstraining zu tun hat. Wem das zu langweilig ist, dem kann ich auch Theaterarbeit empfehlen (hat mir sehr geholfen). Die gibts auch ganz ohne Bühnenarbeit, einfach als Selbsterfahrungskurs zur Persönlichkeitsentwicklung.

    Ansonsten stärken wir diese Selbst-Begriffe auch dadurch, dass wir neue Dinge wagen. Wobei ich da lieber von Grenzerweiterung anstatt von Grenzüberschreitung rede. d.h. es geht durchaus darum behutsam mit den eigenen Grenzen umzugehen und sich selbst für voll zu nehmen, aber trotzdem immer wieder ein Stück mehr wagen. Genau dies ist eben besagtes Achtsamkeits- und Wahrnehmungstraining. Es geht auch darum, zu sich selbst zu stehen, d.h. wenn ich eher der introverierte, schüchterne Typ bin, dann kann ich daraus ganz viel machen, ohne mir eine Zielgestalt zu setzen, z.B. die tolle Partylöwin, die eigentlich nicht in mir angelegt ist. Etwas völlig anderes aus sich machen zu wollen hat eh meist mehr mit Flucht und Verdrängung zu tun anstatt mit Persönlichkeitsentwicklung.

    Ich bin auch immer ruhig und schüchtern gewesen. Ich bin zwar heute noch schüchtern, aber ich habe das integriert und fühle mich nicht mehr schlecht deswegen. Im Gegenteil: so eine Zurückhaltung (mit der man selbst im Reinen ist) kommst meiner Erfahrung nach sogar recht gut bei den meisten Leuten an, weil sie ihnen Raum lässt und sie das Gefühl haben, sich nicht so gegen Übergriffigkeit und Vereinnahmung schützen zu müssen. Die Leute haben dadurch die Luft, sich zu entspannen und zu öffnen.

    Außerdem hilft alles, aus dem du eine Zufriedenheit und folglich Bestätigung ziehst, also die guten alten Hobbies, ein Engagement, Sport, u.ä.

    zu deinem Mantra:

    Ich versuche, mich abzulenken oder sage Mantras auf, wie: "Du wirst bereits geliebt, du brauchst das nicht."
    Aber das hilft nicht lange.
    lassen wir mal beiseite, dass ein Mantra bei wirklich tiefsitzenden Problemen eben alleine nicht hilft sondern bestenfalls eine Unterstützung in einem Bündel von Maßnahmen sein kann.
    Aber bei einem Mantra sind bestimmte "Regeln" zu beachten:

    keine Negierungen! denke nicht an einen rosa Elefanten - an was denkst du dann? Eben. Man sagt auch, das Universum kennt das Wort Nein nicht. Ist so. Du lenkst deine Energie auf das, was du da denkst oder sagst. Egal ob das ein Nein oder Nicht enthält. Das solltest du bei der Formulierung berücksichtigen.

    Du könntest z.B. sagen: ich werde geliebt und ich erlaube mir dies anzunehmen und zuzulassen - oder visualisiert: und ich lass das jetzt in mir runterlaufen wie Öl.

    So habe ich gelernt, Lob und Anerkennung anzunehmen, ohne ständig die abzutun. Ich hab statt dessen mir vorgestellt, dass das Gehörte goldenes Öl ist, das mir die Kehle runter rinnt. Man kann natürlich auch was anderes visualisieren. Egal. Dann hab ich mir noch ein Dankeschön angewöhnt und inzwischen klappt das ganz gut mit dem Annehmen

    Das Wort Versuchen ist auch nicht wirklich hilfreich. Entweder du machst was oder du lässt es. Zu sagen, "ich lenke mich immer ab", wird eher schwierig sein umzusetzen. Das müsstest du dann schon konkretisieren. Also: ich mache....blablablub...
    Du könntest dir angewöhnen, in solchen Situationen 3x tief durchzuatmen, bevor du überhaupt irgendwas machst oder denkst - wenn du Glück hast, ist die Situation dann schon vorbei. Oder du spürst, wie deine Füße auf dem Boden stehen, oder du lässt ein Gummiband an dein Handgelenk schnalzen, oder oder...

    Das sind alles Tricks. In einer Therapie kannst du solche Sachen erarbeiten. Ich wollte eigentlich jetzt nur aufzeigen, dass Formulierungen gut gewählt sein müssen, wenn sie unterstützen sollen anstatt noch mehr Druck und Negativerfahrungen zu erzeugen.
    Grüße
    A.

    Das Ziel der Entwicklung ist es nicht, sich aus der reinen Sensomotorik heraus zu entwickeln, das Ziel besteht darin, dem Geist im Körper eine Heimat zu bereiten

    Esther Thielen
    Geändert von Amelie63 (17.03.2017 um 15:04 Uhr)

  3. #3

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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    Hallo, mir kommt dieses Problem in ähnlicher Form bekannt vor...
    Ich halte sehr viel von Offenheit und Kommunikation mit dem geliebten Menschen- mein Mann kennt also dieses Problem.
    Was per Zufall, herausgefunden durch lange Gespräche, bei uns das Positive ist: er liebt es, wenn ich bei anderen Männern gut ankomme und ich ihnen gefalle.
    Es macht ihn stolz und es verbindet uns, dass wir beide wissen, dass wir uns lieben und da niemand hereingrätschen kann.
    Das ist aber nicht der Normalfall- trotzdem glaube ich, dass der Partner unbedingt von dieser Problematik wissen muss und dann mit nachdenken kann, wie es damit weitergehen kann. Dafür ist er ja der Herzenspartner, dass er mit einem zusammen alle Punkte des Lebens mitlebt...

  4. #4
    Avatar von Akzent
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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    Zitat Zitat von Ditasmama Beitrag anzeigen
    Tja und in den letzten Jahren, wahrscheinlich auch, weil mein Mann mir gut tut, fange ich an, mich wohler in meiner Haut zu fühlen.
    Und jetzt kommt mein Problem.

    Ich brauche ganz dringend männliche Anerkennung, Bestätigung, Blicke...Ich flirte auf der Arbeit mit Kunden, verheimliche zwar meine Familie nicht, treibe es aber manchmal auf die Spitze.

    Bezieht sich die männliche Aufmerksamkeit nur auf Flirterei oder Smalltalk oder gibt es da bei dir noch andere Beweggründe? Ich würde an deiner Stelle damit vorsichtiger sein, auch wenn Männer sich *leichter süchtig machen lassen* aber eben auch gelästert wird über so viel Freizügigkeit in Sachen flirten.

    Gibt doch andere Möglichkeiten sich zu beweisen. Ich denke da so an Bemerkungen in Sachen Kompetenz am Arbeitsplatz mit dem du doch deinen männlichen Artgenossen wesentlich mehr für dein Verhalten einspannen kannst.
    If you always do - what you always did - you always get - what you always got


  5. #5
    Avatar von Simpleness2
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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    @Amelie63 - ganz toller Beitrag!

  6. #6

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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    @Amelie
    Wow, danke, dass du dir soviel Zeit zur Beantwortung meiner Frage genommen hast und mir so viele, auch persönliche, Lösungsvorschläge aufgezeigt hast.

    Ich selbst merke auch, dass ich immer weiter abwärts rutsche. Ich war vor einigen Wochen sogar tief verzweifelt, weil ein Bekannter, der mich vorher stark "umworben" hat, auf einmal den Kontakt abgebrochen hat. Vermutlich, weil ich außer den Flirts nicht weiter gehen wollte.

    Und dieser Kontaktabbruch tat weh! Fast wie eine Trennung...So sehr litt mein Ego.

    Ich fühle mich schrecklich, es ist so bescheuert! Ich nehme deine Tipps an und werde als erstes an einer positiven Umformulierung meiner Einstellung arbeiten.

    Vielen Dank nochmal!⚘
    Geändert von Ditasmama (17.03.2017 um 17:20 Uhr) Grund: Adressat hinzufügen

  7. #7

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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    @irgend1ne

    Danke für deine Antwort. Mein Mann ist von jeher Eifersüchtig, hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht...Ich habe einmal versucht, mit ihm darüber zu reden, mich zu erklären...Das Ergebnis war wochenlanges Misstrauen, ständige Kontrollversuche "Mit wem schreibst du?" und viel Kummer, den er nicht verdient hat.
    Ich versuche es also, mit mir selbst auszumachen. Auch, wenn es mir sehr schwer fällt.

  8. #8

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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    @Akzent
    Ich bin im Verkauf tätig, es fällt nicht so auf, da meine Kollegen und Kolleginnen auch mal ein bisschen flirty mit den Kunden reden. Aber ich achte schon drauf, dass es nicht ins zweideutige Umschläge. Es stimmt, da wird schnell mal gelästert.
    Bisher habe ich noch keinen "Ersatz" bei der Arbeit gefunden. Leistung wird bei uns nicht unbedingt honoriert.

    Danke für deinen Beitrag!

  9. #9

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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    Zitat Zitat von Ditasmama Beitrag anzeigen
    @

    Ich selbst merke auch, dass ich immer weiter abwärts rutsche. Ich war vor einigen Wochen sogar tief verzweifelt, weil ein Bekannter, der mich vorher stark "umworben" hat, auf einmal den Kontakt abgebrochen hat. Vermutlich, weil ich außer den Flirts nicht weiter gehen wollte.
    Als verheiratete Frau soilltest du solche Spielchen eigentlich nicht mehr nötig haben.

  10. #10

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    AW: Süchtig nach männlicher Aufmerksamkeit

    @Mandy
    Ja, das ist mir bewusst. Daher mein Dilemma.
    Habe nicht behauptet, sonderlich stolz auf mich zu sein.

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