Guten Morgen,
ich lese hier schon länger mit und finde dieses Forum sehr anregend. Deswegen habe ich mich jetzt auch mal angemeldet, vielleicht hat jemand Gedankenanstösse, die mir weiterhelfen.
Es geht um Folgendes: Seit knapp zwei Jahren mache ich eine Gesprächstherapie. Die Termine finden inzwischen nicht mehr wöchentlich, sondern alle zwei oder drei Wochen statt, weil ich eigentlich psychisch recht stabil bin und einige wichtige Dinge schon in die Wege geleitet habe. Warum ich die Therapie angefangen habe? Ich hatte vor 2,5 Jahren eine Erschöpfungsdepression und mir war klar, dass ich etwas ändern muss.
Neben anderen Themen kristallisiert sich im Moment eines heraus, bei dem ich nicht weiterkomme. Das betrifft das Gefühl der Schuld und der Unzulänglichkeit. Im Job bin ich nicht unbedingt perfektionistisch veranlagt, aber will meine Arbeit gut machen. Es trifft mich tief, wenn mir jemand den Vorwurf macht, meine Arbeit unzureichend gemacht zu haben oder dass diese noch besser hätte gemacht werden können. Berechtigte und konstruktive Kritik finde ich zwar auch doof, aber noch viel, viel schlimmer ist es, wenn Kritik verallgemeinert wird ("Du enttäuscht mich" oder ähnliches). Das gilt auch für das Private, im Beruflichen ist es jedoch am schlimmsten (das war mit ein Grund für die Erschöpfungsdepression), v.a. wenn es von Vorgesetzten kommt (mein Chef scheint meine Schwachstelle zu kennen und "nutzt" sie).
Mein Problem: Analysiert habe ich das alles gut. Ich kenne Ursachen: Meine Mutter, die mir immer mal wieder gesagt hat, dass sie keine Kinder bekommen würde, würde sie noch einmal vor der Entscheidung stehen - ich war für sie also eine Belastung. Mein Vater, der mich nur gesehen hat, wenn ich Leistung gebracht habe, mit der er sich vor anderen brüsten konnte. Der mich und meine Bedürfnisse aber ansonsten mit der häufigen Bemerkung "Du bist überempfindlich" abgeblockt hat. All das ist mir bewusst. Und trotzdem komme ich an der Stelle nicht weiter, ich bekomme meine Erkenntnisse nicht umgesetzt.Ich habe schon versucht, mir beispielsweise in Gesprächen eine Art "Stopper" zurechtzulegen, das Gespräch zu unterbrechen mit der Bemerkung "Ich muss da in Ruhe drüber nachdenken und melde mich", wenn Vorwürfe kommen, die mich treffen und wieder das Gefühl von Unzulänglichkeit auslösen. Meiner Angst vor Fehlern rational zu begegnen. Aber es ist, als ob meine Gefühle den Verstand völlig ignorieren, jede Schutzfunktion versagt.
Wieso komme ich da trotz aller Erkenntnis nicht weiter? Ich habe den Eindruck, dass das Überwinden gerade dieses Gefühls der Unzulänglichkeit für mich ganz wichtig wäre. Es raubt so viel Energie. Und trotzdem passiert es immer wieder, dass ich teilweise Tage brauche, um in Situationen, in denen ich mich unzulänglich fühle, den nötigen Abstand zu diesem Gefühl zu bekommen. Ja, ich bin manchmal auch unzulänglich und nicht gut genug. Aber statt das auf die Sache bezogen zu sehen, kommt immer wieder dieses Gefühl auf, als ganze Person nicht zu genügen. Es nervt mich und macht mich auch traurig, dass ich so gar nicht meine Erkenntnisse umsetzen kann.
In der Therapie haben wir dies immer mal wieder angeschaut, haben den "Worst Case" durchgespielt und ich habe gespürt, dass der "Worst Case" mich nicht umbringen wird. Das hilft genau bis zum nächsten Mal. Dann plumpse ich wieder in dieselbe Falle.
Hat jemand vielleicht Anregungen oder Gedanken dazu?











Ich habe schon versucht, mir beispielsweise in Gesprächen eine Art "Stopper" zurechtzulegen, das Gespräch zu unterbrechen mit der Bemerkung "Ich muss da in Ruhe drüber nachdenken und melde mich", wenn Vorwürfe kommen, die mich treffen und wieder das Gefühl von Unzulänglichkeit auslösen. Meiner Angst vor Fehlern rational zu begegnen. Aber es ist, als ob meine Gefühle den Verstand völlig ignorieren, jede Schutzfunktion versagt.
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, denn Ursachenforschung alleine bringt einen nicht weiter. 

Es macht mir aber auch großen Druck, wenn dieses "Schwarze Loch" namens Unzulänglichkeit sich auftut. Ich traue mich gerade nicht, Pause zu machen, zu sehr habe ich Sorge, von diesem Gefühl verschlungen zu werden. Und es nervt mich so sehr, das alles rational zu begreifen, aber meinem Gefühlsleben nicht klar machen zu können!
Ich habe auch Sorge, meinen Lebensgefährten und Freunden zunehmend zur Belastung mit diesem Thema zu werden. Sie sind geduldig, geben gute Tipps, stehen zu mir - aber wie beschrieben: Ist mal wieder eine solche Situation da, rutsche ich haltlos ins Schwarze Loch. Wie lange muss der Tropfen denn noch höhlen???
