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  1. #1

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    Ich stecke fest

    Guten Morgen,

    ich lese hier schon länger mit und finde dieses Forum sehr anregend. Deswegen habe ich mich jetzt auch mal angemeldet, vielleicht hat jemand Gedankenanstösse, die mir weiterhelfen.

    Es geht um Folgendes: Seit knapp zwei Jahren mache ich eine Gesprächstherapie. Die Termine finden inzwischen nicht mehr wöchentlich, sondern alle zwei oder drei Wochen statt, weil ich eigentlich psychisch recht stabil bin und einige wichtige Dinge schon in die Wege geleitet habe. Warum ich die Therapie angefangen habe? Ich hatte vor 2,5 Jahren eine Erschöpfungsdepression und mir war klar, dass ich etwas ändern muss.

    Neben anderen Themen kristallisiert sich im Moment eines heraus, bei dem ich nicht weiterkomme. Das betrifft das Gefühl der Schuld und der Unzulänglichkeit. Im Job bin ich nicht unbedingt perfektionistisch veranlagt, aber will meine Arbeit gut machen. Es trifft mich tief, wenn mir jemand den Vorwurf macht, meine Arbeit unzureichend gemacht zu haben oder dass diese noch besser hätte gemacht werden können. Berechtigte und konstruktive Kritik finde ich zwar auch doof, aber noch viel, viel schlimmer ist es, wenn Kritik verallgemeinert wird ("Du enttäuscht mich" oder ähnliches). Das gilt auch für das Private, im Beruflichen ist es jedoch am schlimmsten (das war mit ein Grund für die Erschöpfungsdepression), v.a. wenn es von Vorgesetzten kommt (mein Chef scheint meine Schwachstelle zu kennen und "nutzt" sie).

    Mein Problem: Analysiert habe ich das alles gut. Ich kenne Ursachen: Meine Mutter, die mir immer mal wieder gesagt hat, dass sie keine Kinder bekommen würde, würde sie noch einmal vor der Entscheidung stehen - ich war für sie also eine Belastung. Mein Vater, der mich nur gesehen hat, wenn ich Leistung gebracht habe, mit der er sich vor anderen brüsten konnte. Der mich und meine Bedürfnisse aber ansonsten mit der häufigen Bemerkung "Du bist überempfindlich" abgeblockt hat. All das ist mir bewusst. Und trotzdem komme ich an der Stelle nicht weiter, ich bekomme meine Erkenntnisse nicht umgesetzt. Ich habe schon versucht, mir beispielsweise in Gesprächen eine Art "Stopper" zurechtzulegen, das Gespräch zu unterbrechen mit der Bemerkung "Ich muss da in Ruhe drüber nachdenken und melde mich", wenn Vorwürfe kommen, die mich treffen und wieder das Gefühl von Unzulänglichkeit auslösen. Meiner Angst vor Fehlern rational zu begegnen. Aber es ist, als ob meine Gefühle den Verstand völlig ignorieren, jede Schutzfunktion versagt.

    Wieso komme ich da trotz aller Erkenntnis nicht weiter? Ich habe den Eindruck, dass das Überwinden gerade dieses Gefühls der Unzulänglichkeit für mich ganz wichtig wäre. Es raubt so viel Energie. Und trotzdem passiert es immer wieder, dass ich teilweise Tage brauche, um in Situationen, in denen ich mich unzulänglich fühle, den nötigen Abstand zu diesem Gefühl zu bekommen. Ja, ich bin manchmal auch unzulänglich und nicht gut genug. Aber statt das auf die Sache bezogen zu sehen, kommt immer wieder dieses Gefühl auf, als ganze Person nicht zu genügen. Es nervt mich und macht mich auch traurig, dass ich so gar nicht meine Erkenntnisse umsetzen kann.

    In der Therapie haben wir dies immer mal wieder angeschaut, haben den "Worst Case" durchgespielt und ich habe gespürt, dass der "Worst Case" mich nicht umbringen wird. Das hilft genau bis zum nächsten Mal. Dann plumpse ich wieder in dieselbe Falle.

    Hat jemand vielleicht Anregungen oder Gedanken dazu?

  2. #2

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    AW: Ich stecke fest

    Hallo Limousine,

    ich finde es etwas erstaunlich, dass deine Therapeutin "das so lässt" - denn wenn man erkannt hat, warum das und das so und so ist, weiß man ja noch lange nicht, wie man sich anders verhalten kann. Dein innerer Glaubenssatz heißt offenbar weiterhin "Ich bin unzulänglich, so wie ich bin".
    Ich würde die Therapeutin ganz direkt darauf ansprechen. Und ansonsten würde ich mich weiter auf den Weg machen, auch ohne sie bzw. mit jemand anderem.
    Es gibt allerhand Trainings, um sich ein stärkeres Selbstwertgefühl zu entwickeln. Bei mir im Ort gibt es so genannte "Encouraging"-Kurse, da geht es ganz praktisch um das Einüben positiver Sicht- und Verhaltensweisen.
    Vielleicht schaust du mal bei dir in der Gegend?
    Ansonsten gibt es ja auch haufenweise Bücher als Ratgeber, vielleicht fängst du damit an?
    Z. B. Doris Wolf "Ab heute kränkt mich niemand mehr".

    Du könntest auch nach einer Selbsthilfegruppe gucken. Verbündete sind immer hilfreich.
    Als ganz kleiner Anfang: täglich notieren, was gut läuft, was gut an mir ist. Und sich kleine Ziele setzen. Wo will ich hin?

    Liebe Grüße
    Capbreton

  3. #3
    Avatar von Tulipali
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    AW: Ich stecke fest

    Liebe Limousine,

    ich möchte Dir einfach nur sagen: Gib Dir ein bißchen mehr Zeit! Zwei Jahre klingen nach einem langen Zeitraum, aber im Vergleich zu Deinem bisherigen Leben ist das doch nur ein kleiner Bruchteil. Und es dauert leider sehr lange, bis sich Veränderungen in den Gedanken festgesetzt haben. Ich weiß das aus Erfahrung und viele andere hier sicher auch. Man darf von einer Therapie nicht erwarten, dass man irgendwann "geheilt" ist und nur noch als glücklicher Mensch durch's Leben geht. So extrem erwartest Du es wahrscheinlich auch gar nicht, aber ich glaube trotzdem, Du bist im Moment zu ungeduldig.

    Versuche, die kleinen Schritte zu sehen! Du hast vielleicht automatisch die gleichen Gedanken-Reflexe wie sonst auch und wertest Dich erstmal ab - aber indem Du hinterher noch einmal drüber nachdenkst, wirst Du das Muster langsam außer Kraft setzen. Steter Tropfen...

    Außerdem schafft man sich ja leider oft ein Umfeld, das einen in der eigenen (schlechten) Meinung von einem selbst bestärkt oder einem allgemein nicht gut tut. Auch das braucht Zeit, bis man sich vielleicht anderen Menschen zuwenden kann, die einem wertschätzend und nicht kritisierend begegnen (wobei Kritik per se ja nicht schlecht ist - aber vielleicht liegt ja auch nicht immer nur alles an Dir, oder? Vielleicht haben Deine Mitmenschen da auch so ihre Muster und Dir würden Menschen mit anderen Muster besser tun?).

    Statt "Ich stecke fest" könntest Du übrigens auch einfach denken "Ich mache jetzt mal eine Pause und lasse alles etwas sacken". Manche Erkenntnisse brauchen einfach Zeit, bis man sie für sich in Gedanken und Gefühlen umsetzen kann. Und auch das ist eine wichtige Erkenntnis, für die ich selbst Zeit gebraucht habe, denn Ursachenforschung alleine bringt einen nicht weiter.

    Ich wünsche Dir alles Gute! Sei gut zu Dir!
    Liebe Grüße
    Tulipali

  4. #4

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    AW: Ich stecke fest

    Zitat Zitat von Limousine Beitrag anzeigen
    Wieso komme ich da trotz aller Erkenntnis nicht weiter? Ich habe den Eindruck, dass das Überwinden gerade dieses Gefühls der Unzulänglichkeit für mich ganz wichtig wäre. Es raubt so viel Energie. Und trotzdem passiert es immer wieder, dass ich teilweise Tage brauche, um in Situationen, in denen ich mich unzulänglich fühle, den nötigen Abstand zu diesem Gefühl zu bekommen. Ja, ich bin manchmal auch unzulänglich und nicht gut genug. Aber statt das auf die Sache bezogen zu sehen, kommt immer wieder dieses Gefühl auf, als ganze Person nicht zu genügen. Es nervt mich und macht mich auch traurig, dass ich so gar nicht meine Erkenntnisse umsetzen kann.
    ich bin keine expertin in solchen fragen, mir erscheint es nur spontan unsinnig, das gefühl der unzulänglichkeit überwinden zu wollen. wäre es nicht besser, damit zu leben?

    wenn du es überwinden willst, setzt du doch nur das irrationale bestreben nach perfektion und leistung fort, das von deinem vater kam.

    wäre es nicht besser, die unzulänglichkeit einfach auszuhalten? zu lernen, dich in deiner unzulänglichkeit anzunehmen?

    vielleicht versteh ich auch was falsch.

    ansonsten entnehme ich deinen andeutungen, dass die grenzüberschreitung von sachbezogen zu persönlich nicht unbedingt von dir, sondern schon von deinen kritikern in deinem job vorgenommen wird (stichwort enttäuschung). wenn das so ist, such dir einen neuen job, wenns irgendwie geht, sowas haut die stärksten persönlichkeiten um.

  5. #5

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    AW: Ich stecke fest

    Danke an euch beide!

    @ Capbreton, ich glaube, ich habe die Inhalte der Therapie etwas unvollständig dargestellt. Wir arbeiten schon von Beginn an an der Veränderung von Bewertungsmustern. Daraufhin habe ich beispielsweise meine Karrierepläne deutlich "abgeflacht", anderen Bereichen meines Lebens (z.B. musischen Hobbies) mehr Platz eingeräumt und ich achte deutlich mehr darauf, dass die Balance zwischen Arbeit und Erholung viel, viel besser ist als früher, ich beispielsweise Überstunden zeitnah abfeiere. Das Thema "Schuld/Unzulänglichkeit" begleitet mich zwar schon ganz, ganz lange. Weil aber die anderen Themen rund um die Erschöpfungsdepression erst einmal wichtiger waren, ist das "erst" seit einigen Wochen in der Therapie angesprochen. Naja, und da hat meine Therapeutin erst mal versucht, die Panik herauszunehmen, indem wir die "Worst-Case-Szenarien" durchgegangen sind.

    Das Buch werde ich mir mal anschauen. Auch dein Tipp, sich das, was gut gelaufen ist, bewusster vor Augen zu führen, ist gut. Ich versuche es ja auch schon, aber da drängelt sich immer wieder der Gedanke dazwischen: "Reicht das? Hättest du nicht mehr schaffen können?" - genau das, was mich triggert, wenn andere mir gegenüber das so oder so ähnlich äußern.

    @ Tulipali, ja, du hast Recht, ich bin ungeduldig. Es macht mir aber auch großen Druck, wenn dieses "Schwarze Loch" namens Unzulänglichkeit sich auftut. Ich traue mich gerade nicht, Pause zu machen, zu sehr habe ich Sorge, von diesem Gefühl verschlungen zu werden. Und es nervt mich so sehr, das alles rational zu begreifen, aber meinem Gefühlsleben nicht klar machen zu können! Ich habe auch Sorge, meinen Lebensgefährten und Freunden zunehmend zur Belastung mit diesem Thema zu werden. Sie sind geduldig, geben gute Tipps, stehen zu mir - aber wie beschrieben: Ist mal wieder eine solche Situation da, rutsche ich haltlos ins Schwarze Loch. Wie lange muss der Tropfen denn noch höhlen???

  6. #6

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    AW: Ich stecke fest

    Auch dir Danke, ambiva!

    Es ist interessant: Beim Lesen Deines Beitrags habe ich spontan Erleichterung verspürt, so etwas von Entspannung statt Kämpfen müssen. Dennoch habe ich Sorge, denn diese schwarzen Löcher, in die ich immer mal wieder falle, sind furchtbar auszuhalten.

    Ja, du hast Recht, es sind meistens andere Personen, die die Grenze sachlich-persönlich überschreiten. Zu meinen Eltern habe ich, weil sich da nichts geändert hat, den Kontakt deutlich eingeschränkt. Wir telefonieren nur noch alle paar Wochen und ich halte Themen, die mich wirklich berühren, raus bzw. erzähle nur die Fakten. Über einen Jobwechsel denke ich auch gerade nach. So ganz schnell kann ich das noch nicht in Angriff nehmen, weil mein Lebensgefährte gerade erst wechselt und wir sicherheitshalber erst einmal seine Probezeit abwarten wollen.

    Ich kann es auch ganz gut selbst, hohe Ansprüche an mich zu haben. Da hat die Therapie aber schon "Erfolg" gehabt. In ruhigen Momenten kann ich dies gut reflektieren und die Ansprüche anpassen. Außerdem tut es gut, mich auf andere, nicht leistungsbezogene Dinge einzulassen wie malen, lesen, musizieren.

    Irgendwie tut es auch gut zu lesen, dass auch andere, gefestigte Personen in solchen Situationen Schwierigkeiten hätten.

  7. #7
    butterkrebs
    gelöscht

    AW: Ich stecke fest

    Liebe Limousine,

    an deiner Stelle würde ich auch mal über einen Jobwechsel nachdenken. Du hast dich verändert - aber dein Arbeitsumfeld will diese Veränderungen vielleicht nicht wahrnehmen. Dort ist in den Köpfen noch das alte Bild von dir, offenbar besonders in dem deines Vorgesetzten.

    Es ist vielleicht ein wenig vergleichbar mit einer Diät: Wenn sich das Gewicht sehr verändert, ist eine neue Garderobe fällig. Und da kaufen die wenigsten die gleichen Klamotten ein paar Größen kleiner, sondern nehmen das zum Anlass, sich einen aufgefrischten Look zuzulegen.

    Wenn du jetzt eine neue Stelle suchen würdest, wie würdest du dich bewerben? Doch sicher nicht mit deinen alten Unterlagen. Wie siehst du dich selbst jetzt, wie willst du gesehen werden? Mach doch einfach mal das Experiment und such dir ein paar passende Stellen und bewirb dich, nur um zu sehen, wie man auf dich reagiert.

  8. #8

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    AW: Ich stecke fest

    Zitat Zitat von Limousine Beitrag anzeigen
    Ja, du hast Recht, es sind meistens andere Personen, die die Grenze sachlich-persönlich überschreiten.
    Liebe Limousine,
    da solltest du hinschauen: nicht die anderen überschreiten die Grenzen, sondern du selbst musst die Grenzen erspüren und dich frühzeitig abgrenzen. Man kann nur sich selbst ändern!
    Und wenn dir beruflich etwas "vorgeworfen" wird: hake nach, frage freundlich aber bestimmt "Wie meinen Sie das genau? Können Sie ein Beispiel nennen?" Wenn du dich sofort verunsichern lässt, spüren das die anderen und es gibt halt welche, die finden es gut, dann "nachzutreten". Da ändert auch ein Jobwechsel erstmal nix.
    Ja und das mit den Eltern ist eine schwierige Baustelle für ganz ganz viele Menschen. Auch da hilft, die eigene Grenze wahrzunehmen und immer wieder einzufordern, als erwachsener Mensch akzeptiert zu werden.

    Liebe Grüße
    Capbreton

    Bei der Bemerkung "du enttäuschst mich" ist es doch ganz deutlich: die Erwartungen liegen auf der anderen Seite, da kann man dann nichts mehr nachbessern. Das muss man dann aushalten, dass der andere "enttäuscht" ist - man kann es nicht jedem recht machen.

  9. #9

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    AW: Ich stecke fest

    Hallo Limousine,
    du hast hier sehr wertvolle Hinweise erhalten.
    Ich finde du bist grundsätzlich auf einem guten,richtigem Weg und reflektierst die URSACHEN
    deiner Probleme sehr gründlich,was schon mal die erste Voraussetzung ist konstruktiv zu sein,
    etwas zu ändern, festgefahrene Muster zu durchbrechen.Der Faktor Zeit ist dabei sehr ent-
    scheidend und auch so etwas wie "Selbstannahme",sich selber immer wieder sagen"ICH muss
    nicht perfekt sein und ich darf Fehler machen ,auch andere mal ärgern, enttäuschen usw."...
    Du machst das ja nicht vorsätzlich,um anderen zu schaden, ihnen eins "auszuwischen" usw. !
    Wie oft geschieht einem Unrecht, oder andere "ärgern" einen ect.-warum sollte man von sich da
    stetige Perfektion erwarten ?! Auch im Beruf gilt das, einen 100 "funktionablen" Menschen
    sollte kein AG erwarten- denn das wäre dann eben kein Mensch.
    Ich selbst bin "gut" in meinem erlernten Beruf, vielleicht sogar manchmal mehr als das.
    Bin jedoch,trotz entsprechender Fortbildungen,keine gute Führungskraft geworden.Auch
    weil ich es immer allen Recht machen wollte...."everybody's Darling is everybody's Depp"-
    genauso ist es.
    Anfang diesen Jahres kippte ich um,aufgrund körperlichem und seelischem Extrem-Stress, habe
    mittlerweile meine Lektion gelernt und bin derzeit im selben Haus an anderer Stelle beschäftigt.
    Wenn ich ab Februar wieder meinem alten Platz einnehme,werden manche mich nicht wieder-
    erkennen.....Das alles ist ein Prozess der einen sehr fordert,aber man schafft es wenn man
    das Ziel nicht aus den Augen verliert.Ich habe viel aus Gesprächen mit einer Psychologin und
    Arbeitsmedizinerin mitgenommen und auch viel gelesen zu der Thematik.Der Rest muss aus einem
    selbst kommen,gewisse Sätze habe ich sozusagen in mir "festgetackert" und so lange innerlich
    wiederholt, bis ich eine auch im Verhalten erkennbare Änderung zeigen konnte.Bei anderem
    hapert es noch- aber das wird schon...
    Mit meinen Eltern habe ich auch, wie du, eine Art "Lebensbaustelle".Diese habe ich aber quasi
    auf Eis gelegt und mittlerweile bestimme ich die Spielregeln unseres Umgangs, nicht mehr sie....
    Ich wünsche dir weiterhin viel Glück auf dem langen Weg und alles Gute

  10. #10

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    AW: Ich stecke fest

    Zitat Zitat von Capbreton Beitrag anzeigen
    Liebe Limousine,
    da solltest du hinschauen: nicht die anderen überschreiten die Grenzen, sondern du selbst musst die Grenzen erspüren und dich frühzeitig abgrenzen. Man kann nur sich selbst ändern!
    Du hast völlig recht. Es ist ein schwieriges Thema, denn ich glaube, ich habe es verlernt, meine Grenzen zu erspüren. In den letzten Jahren habe ich nur noch irgendwann gemerkt, DASS ich meine Grenzen überschritten habe (manchmal ist das ja auch nötig und für eine gewisse Zeit aushaltbar). Aber WO genau das passiert ist und wann ich in die Nähe meiner Grenzen komme, wo ich also allmählich vorsichtig werden sollte - das ist mir nicht bewusst.


    Zitat Zitat von Capbreton Beitrag anzeigen
    Und wenn dir beruflich etwas "vorgeworfen" wird: hake nach, frage freundlich aber bestimmt "Wie meinen Sie das genau? Können Sie ein Beispiel nennen?" Wenn du dich sofort verunsichern lässt, spüren das die anderen und es gibt halt welche, die finden es gut, dann "nachzutreten". Da ändert auch ein Jobwechsel erstmal nix.
    Das würde ich gerne können, das ist ein toller Tip, der ja im Grunde alle Themen sofort wieder auf das Sachliche runterbricht. Wenn ich an ein schwieriges Gespräch mit meinem Chef kurz vor Weihnachten zurückdenke - da hatte ich regelrecht einen Knoten im Kopf, da ging gar nichts mehr....

    Zitat Zitat von Capbreton Beitrag anzeigen
    Bei der Bemerkung "du enttäuschst mich" ist es doch ganz deutlich: die Erwartungen liegen auf der anderen Seite, da kann man dann nichts mehr nachbessern. Das muss man dann aushalten, dass der andere "enttäuscht" ist - man kann es nicht jedem recht machen.
    Auch das ist mir rational bewusst. Wie lange dauert es, bis die Gefühle es "verstanden" haben? Die sind es, die mich immer wieder in diese Löcher treiben. Gefühlsmäßig ist es schwer auszuhalten, denn gerade mit dem Thema "andere enttäuschen" kommt schnell dieses Gefühl von Schuld und Unzulänglichkeit hoch.

    Liebe Gezeitenfrau,

    du hast ja auch bewegte Zeiten hinter dir. Hast du für dich denn deine beruflichen Veränderungen "umwerten" können im Sinne von "ich habe jetzt andere Prioritäten"? Oder wie bewertest du deine Erfahrungen?

    Ich danke euch alle für eure wertvollen Anregungen. Viele sprechen ja an, dass das alles Zeit braucht. Naja, Geduld ist wirklich nicht meine Stärke und diese "Schuld-Löcher" sind einfach schwer auszuhalten. Das betrifft das Thema "Eltern" zum Teil auch. Im Moment halte ich es für richtig und für mich total notwendig, den Kontakt und die Inhalte der Kontakte sehr zu begrenzen, einfach weil meine Eltern übergriffig sind. Sie haben ihre eigene Geschichte, weswegen das so ist. Aber deswegen kann ich meine Abgrenzung nicht aufgeben. Schwierig wird es, wenn sie mal älter und pflegebedürftig werden. Irgendwie ist es ja gesellschaftliches Ideal, sich um die Eltern zu kümmern. Ich bekomme Panik bei dem Gedanken. Weder könnte ich zu meinen Eltern ziehen noch sie zu mir holen. Gerne bin ich bereit, einen Teil meines Gehaltes für deren Pflege zu zahlen, aber wieder in einen intensiveren Kontakt mit ihnen zu kommen, löst totale Beklemmungen aus. Und dennoch werde ich mit Unverständnis von außen rechnen müssen, wenn ich dies so durchziehe...

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