Hallo liebe Mitleser,
ich hatte gestern eine Diskussion, die mich beschäftigt. Es ging darum, Gefühle zu zeigen und anzunehmen. Aufgrund meiner Vergangenheit, habe ich damit ein Problem. Meine Beziehungen waren gepflastert von Lügen, teilweise von Gewalt, wirklich tiefe Emotionen habe ich von einem Mann selten bekommen/erlebt. Aufgrund dieser Erfahrungen, bin ich sehr zurückhaltend geworden, ich zeige meine Gefühle nur sehr zögerlich und brauche lange, bis ich mich richtig öffnen kann, bis ich Vertrauen fassen kann. Und genau das war die Grundlage der gestrigen Diskussion. Mein (Ex) Freund warf mir genau das vor. Er sagte, ich sei nicht kuschelig und würde keine wirkliche Nähe geben. Ich erklärte ihm, dass ich dafür einfach Zeit brauche (wir kennen uns seit August). Er ist genau das Gegenteil, Liebesschwüre, Zuneigungsbekundungen, für ihn alles kein Problem. Er sagt, Liebe und Zuneigung zu zeigen, sei das ureinfachste der Welt. Nicht nur für ihn, sondern für alle Menschen.
Ich habe es mit einem Autofahrer verglichen, der einen schweren Unfall hat. Dieser Fahrer wird sich am nächsten Tag nicht sofort wieder ans Steuer setzten und losbrausen. Vielleicht wird er erstmal gar nicht mehr fahren und dann Fahrstunden nehmen, um wieder sicher zu werden. Dem Fahrer ist natürlich nicht damit geholfen, wenn sein Fahrlehrer daneben sitzt und sagt, nun fahre doch mal schneller, gib Gas, ich kann das doch auch. Der Fahrer wird erstmal mit 20 oder 30 durch die Gegend fahren und ihm ist nicht damit geholfen, wenn der Fahrlehrer Druck ausübt. Das hat er verstanden, sagte er zumindest.
Dann ging die Diskussion weiter und er fragte mich, warum ich mich - zwischenzeitlich - so zurückgezogen habe. Er wollte eine ehrliche Antwort von mir. Ich sagte ihm, dass ich mich - durch seine ständigen Forderungen - unter Druck gesetzt fühlte, dass es mir zuviel wurde. Das sagte ich ihm aber auch "damals" schon! Er kam wieder auf den Vergleich mit dem Autofahrer zurück und sagte:
Als Autofahrer hätte ich eine Vollbremsung hingelegt. Ich sei angeschnallt gewesen, er nicht. Als Fahrer hätte ich die Verantwortung für die Insassen gehabt und hätte umsichtig fahren müssen. Es sei meine Schuld, dass er durch die Scheibe geflogen sei und nun auf der Strasse liegen würde. Ich würde angeschnallt weiter fahren. Er macht mir Vorwürfe, ich sei Schuld an seinem "Leid". Er fühlte sich immer wieder zurückgewiesen und nahm an, ich würde ihn als Person nicht mögen, was ja absoluter Unsinn ist.
Aber ich habe mich immer einem Druck ausgesetzt gesehen. Schau mal, ich fahre doch auch 100, gib doch auch mal Gas. Aber das konnte ich einfach nicht!
Ich frage mich nun, bin ich wirklich so "falsch"? Ja, ich habe ein Problem damit, meine Gefühle zu zeigen, aber muss man mich dafür wirklich verurteilen?











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(27.05.2011)