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  1. #51
    Orlando
    gelöscht

    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von chironex_fleckeri Beitrag anzeigen
    Menschen sind konstant veränderlich. Sie neigen jedoch dazu, sich eher an ihren inneren Bildern als an dem, was tatsächlich ist, zu orientieren. Das entspringt dem schlichten Umstand der Subjektivität - Wirklichkeit ist das, was wir dafür halten, und damit sehr relativ.
    Das scheine ich eher nicht zu tun - ich misstraue allem und jedem, am meisten mir selbst und meiner Wahrnehmung. Und ich halte überhaupt gar nichts für endgültig. Im für mich inzwischen positiven Sinne: ich nehme meine Umwelt unbeeinflusster von mir wahr, als wenn ich mich selbst wichtiger nehmen würde.

    Zitat Zitat von chironex_fleckeri Beitrag anzeigen
    Das ist okay, solange man sich nicht im Beziehungskontext bewegt. Dort aber führt es zu Problemen, weil Annahme und Wirklichkeit, die mehrere Menschen betreffen, nun einmal nicht deckungsgleich sind, noch dazu in einem Kontext, in dem viel Bewegung herrscht.

    Jedes Individuum ist begrenzt, und nimmt diese eigenen Grenzen selbst mit etwas Glück deutlich wahr. Andere Individuuen allerdings haben wiederum ganz eigene Grenzen, die für sie selbst absolut logisch und klar scheinen. Die Grenzen eines anderen Individuums offenbaren sich jedoch nur über Kommunikation - sie sind nicht einfach so sichtbar, sie werden nur manchmal recht heftig spürbar, wenn sie aufeinander prallen. Noch dazu sind sie veränderlich. Und in der Schnittmenge einer Paarbeziehung wird die Sache noch komplexer.
    Daraus ziehe ich den gleichen Schluss wie Du:

    Zitat Zitat von chironex_fleckeri Beitrag anzeigen
    Ich zeige mich und meine Grenzen.
    Mein Partner zeigt sich und seine Grenzen.
    Im Paarkonstrukt wird es immer Grenzbereiche geben, in denen unsere Grenzen aneinander stossen.
    Allerdings eben ohne die hier in der Diskussion schon mehrfach erzählten "Streitigkeiten", ich nenne das einfach Kommunikation oder Aufeinander-Einlassen.

    Zitat Zitat von chironex_fleckeri Beitrag anzeigen
    Nun stellt sich die Frage, ob mein Partner es mir wert ist, dass ich ihn so sehe, wie er sich fühlt, oder ob ich bei mir bleiben und lieber die Bilder, die ich von meinem Partner habe, fest halten und pflegen möchte. Entscheide ich mich für Kommunikation, kommen wir nicht umhin, diese Grenzkonflikte anzunehmen und auszutragen, so wie sie sich eben gerade stellen.

    Beide Parter bekommen die Chance, sich und ihre Kontur zu zeigen. Sie können miteinander ausprobieren, wo es wirklich eng sein kann, und wo etwas Distanz wohl tuend ist. So etwas geht naturgemäss nicht ohne Auseinander_Setzung ab: Ich sehe es so - Du nimmst es anders wahr.

    Das nennt man Konflikt oder Streit - die Meinungen gehen auseinander.
    Genau, bei mir heißt das einfach: Kommunikation. Oder auch noch schlichter: sein. Einen Konflikt empfinde ich darin nicht. Und auch nicht in dem, was Du weiter ausführst (ich will jetzt nicht Deinen ganzen Beitrag zitieren). Für mich ist das einfach: miteinander leben. Ich würde nie erwägen, mit jemandem zu leben, mit dem ich diese und noch viel mehr Fragen des Lebens nicht diskutieren, verhandeln, besprechen, mit Antworten versehen, mit neuen Fragezeichen versehen oder manchmal auch ganz einfach einmütig betrachten könnte.

    Was Du als Grenzkonflikt bezeichnest, nennt sich bei mir lustvolles Ausloten der eigenen und der anderen Person.

  2. #52
    Avatar von Lorelei
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    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Orlando Beitrag anzeigen
    Für mich ist das einfach: miteinander leben. Ich würde nie erwägen, mit jemandem zu leben, mit dem ich diese und noch viel mehr Fragen des Lebens nicht diskutieren, verhandeln, besprechen, mit Antworten versehen, mit neuen Fragezeichen versehen oder manchmal auch ganz einfach einmütig betrachten könnte.
    Richtig.

    Und ich würde auch nicht mit jemand zusammen leben wollen, wo man über Kinkerlitzchen wie Haushalt, Zahnpastatuben, Geld ... streiten muß. Dafür wäre mir meine Energie echt zu schade.

    Wenn man schaut, das man sich mit jemand zusammen tut, der in so wichtigen Grundsatzfragen ähnliche Bedürfnisse hat, sind 90 % der möglichen Konfliktpunkte schon mal nicht existent.
    "Lieber der Kopf einer Fliege als der Schweif eines Löwen !" (Victor Hugo)

  3. #53
    Avatar von Lorelei
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    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Fenimi Beitrag anzeigen
    Orlando und Lorelei, gehen eure Partner euch nicht manchmal auf die Nerven, weil sie schon wieder so sind, dass ihr mit Abwehr, Unverständnis und Aggression reagiert?
    Ja, mein Mann kommt auch schon mal mit schlechter Laune vom Dienst o.Ä.

    Und war wochenlang schlecht drauf, als seine Mutter gestorben ist.

    Aber warum sollte ich darauf mit Aggression reagieren ?
    Es hat ja nichts mit mir zu tun.
    "Lieber der Kopf einer Fliege als der Schweif eines Löwen !" (Victor Hugo)

  4. #54
    Avatar von Fenimi
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    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Orlando Beitrag anzeigen
    Das scheine ich eher nicht zu tun - ich misstraue allem und jedem, am meisten mir selbst und meiner Wahrnehmung. Und ich halte überhaupt gar nichts für endgültig.
    All dem liegt irgendeine Annahme zu Grunde.

    Vielleicht folgende: Nichts ist sicher, für mich gibt es keinen sicheren Ort, ich werde wahrscheinlich missverstanden werden, ich selbst könnte mich irren etc. pp.

    Im für mich inzwischen positiven Sinne: ich nehme meine Umwelt unbeeinflusster von mir wahr, als wenn ich mich selbst wichtiger nehmen würde.
    Was du damit meinst, verstehe ich nicht.

    These: Ein Streit oder ein Konflikt kann die Wirkung haben, dass man sich als unabhängiges, selbstständiges Wesen wahrnimmt. Damit verbunden ist die Erfahrung einer prinzipiellen Einsamkeit, die vor allem anderen da ist, die zur menschlichen Existenz per se dazu gehört. Die aber überwunden werden kann! Für Momente.

    "Darf" jemand sich selbst nicht als selbstständige Person denken und will er diese grundlegende Einsamkeit nicht wahrhaben, wird er auch jeden Konflikt vermeiden. So meine neueste These am Dienstag um 13:38 Uhr.

  5. #55
    Was-immer-es-gibt
    gelöscht

    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Orlando Beitrag anzeigen
    Magst Du mal näher erklären? Was für eine Art von Streit wäre notwendig, damit man zu Erklärung oder Aufklärung kommt? Du streitest "lieb und interessiert" -- wie sieht das für Dich aus? Und wo ist für Dich der Unterschied zu "miteinander reden"?
    Gut, ich probiers mal.
    Es gibt manchmal für das was man will oder eben nicht will keine Erklärung. Sogar die "heilige Vernunft" scheint sich gegen einen verbündet zu haben.

    Und dann kommt aus der Tiefe so ein Wort: D o c h! Ich will das, es geht einfach - es muss gehen.

    Es gibt ja das Wort Streitkultur. Ich finde, das sollte jeder für sich definieren.
    Mein Ex und ich hatten ein ganz süßes, hatte sich so ergeben:
    Wenn wir uns so richtig eingesabbelt hatten und ich fand, wir drehten uns im Kreis - mich packte so eine Unruhe.

    dann nutzte ich so eine Art Codewort: ich rief dramatisch: sei jetzt ruhig du Penner!
    Das war nicht unser Umgangston. Mein Ex meinte dann meist: ist gut du alte Schlampe. Die Luft war raus. Und vor allem die Aggression.

  6. #56
    Avatar von Fenimi
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    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Lorelei Beitrag anzeigen
    Ja, mein Mann kommt auch schon mal mit schlechter Laune vom Dienst o.Ä.

    Und war wochenlang schlecht drauf, als seine Mutter gestorben ist.

    Aber warum sollte ich darauf mit Aggression reagieren ?
    Es hat ja nichts mit mir zu tun.
    Gut, wenn du dir dessen bewusst bist! Toll!

    Auch wenn ich es für durchaus normal halte, wenn einem auch die berechtigste schlechte Laune des anderen irgendwann mal zu viel wird und man sagt: "So geht es nicht weiter! Ich halte es nicht mehr aus!"

    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es in jeder zwischenmenschlichen Beziehung Konflikte gibt und man die nicht dauerhaft unter den Teppich kehren sollte?
    Ob man darüber ruhig und gefasst miteinander spricht oder emotional und mit fliegenden Gegenständen, bleibt dann den Vorlieben und dem Temperament des jeweiligen Paares überlassen.

  7. #57
    Avatar von Fenimi
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    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Was-immer-es-gibt Beitrag anzeigen
    dann nutzte ich so eine Art Codewort: ich rief dramatisch: sei jetzt ruhig du Penner!
    Das war nicht unser Umgangston. Mein Ex meinte dann meist: ist gut du alte Schlampe. Die Luft war raus. Und vor allem die Aggression.
    Das war aber nicht der Grund für eure Trennung, oder doch?

  8. #58
    Orlando
    gelöscht

    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Lorelei Beitrag anzeigen
    Wenn man schaut, das man sich mit jemand zusammen tut, der in so wichtigen Grundsatzfragen ähnliche Bedürfnisse hat, sind 90 % der möglichen Konfliktpunkte schon mal nicht existent.
    Das stimmt natürlich, aber richtig spannend mit der eigenen Sozialkompetenz wird es erst, wenn es nicht so viele Übereinstimmungen gibt. Wenn beide ähnlich ticken, ist es eher leicht, miteinander gut auszukommen, oder?

  9. #59

    Registriert seit
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    1.755

    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Fenimi Beitrag anzeigen
    Hatte nur nicht erwartet, dass du sooo giftig bist … Dabei hätte der bellende Hund mich schon vorwarnen können …
    Wo ich doch ein gemütliche, jahrhundertealte Rinderrasse erwartete.

    Orlando und Lorelei, gehen eure Partner euch nicht manchmal auf die Nerven, weil sie schon wieder so sind, dass ihr mit Abwehr, Unverständnis und Aggression reagiert?
    Hier möchte ich wieder einsteigen

    Ich bin ein Mensch der leider sehr schnell "wütend" wird, wenn jemand etwas nicht so macht, wie ich es gern hätte.. In meiner neuen Beziehung habe ich es geschafft diese schlechte Eigenschaft stark zu reduzieren, jedoch ertappe ich mich leider immer wieder, wie ich genervt reagiere, wenn er was sagt oder tut was ich unpassend finde oder anders machen würde. Im Nachhinein tut es mir leid, das ich ihn so doof angemacht habe, jedoch sieht er das ziemlich gelassen. Er ist dann einfach ruhig und lässt mich schmollen, bis ich dann von allein wieder komm und sag: sorry, du hast es eigentlich nicht verdient, dass ich so zu dir bin und dann passts wieder^^ Genau deswegen, weil er so gelassen reagiert und dann merkt, dass es nichts bringt auf meine Nörgelei einzugehen, kommt es bei uns zu keinem Streit. Ich bin extrem froh, dass er so ein ruhiger Mensch ist. Er kann mit Kritik sehr gut umgehen und wenn ich einen Fehler mache und er das merkt, lächelt er, nimmt mich in den arm und erklärt mir wie es richtig geht oder lacht mit mir über meinen Fehler. Ich habe so einen Menschen wie ihn noch nie getroffen.. Ich suche seit 11 Mt nach einem Fehler bei ihm, vergeblich :)
    Glück ist das Ergebnis von selbstverantwortlichem, entschiedenem Handeln.

  10. #60
    Orlando
    gelöscht

    AW: Streit in der Beziehung - wirklich notwenig?!

    Zitat Zitat von Fenimi Beitrag anzeigen
    All dem liegt irgendeine Annahme zu Grunde.

    Vielleicht folgende: Nichts ist sicher, für mich gibt es keinen sicheren Ort, ich werde wahrscheinlich missverstanden werden, ich selbst könnte mich irren etc. pp.
    Hm, nein, eine Annahme liegt dem eigentlich nicht zugrunde. Eher der unbedingte Wille, die Welt und das Leben so zu sehen wie sie sind und nicht durch eine wie auch immer getönte Brille. Das ist mir wichtig.

    Zitat Zitat von Fenimi Beitrag anzeigen
    Was du damit meinst, verstehe ich nicht.
    Was ich meine ist: es ist anstrengend. Es ist sogar sehr anstrengend, einen ungefärbten Blick auf die Welt, mein Leben und mich zu versuchen. Aber es lohnt sich unglaublich, und das ist das Positive für mich.

    Zitat Zitat von Fenimi Beitrag anzeigen
    These: Ein Streit oder ein Konflikt kann die Wirkung haben, dass man sich als unabhängiges, selbstständiges Wesen wahrnimmt. Damit verbunden ist die Erfahrung einer prinzipiellen Einsamkeit, die vor allem anderen da ist, die zur menschlichen Existenz per se dazu gehört. Die aber überwunden werden kann! Für Momente.

    "Darf" jemand sich selbst nicht als selbstständige Person denken und will er diese grundlegende Einsamkeit nicht wahrhaben, wird er auch jeden Konflikt vermeiden. So meine neueste These am Dienstag um 13:38 Uhr.
    Sehr cool!

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