Oder so ist es einfach?
Im Grunde ist das ja das, was ich auch geschrieben habe. In deiner Formulierung ist es klarer ausgedrückt - und ich merke, dass ich noch nicht so ganz begriffen habe, warum das so ist. Weshalb man seine Grenze benennen und spüren muss, um einem anderen Menschen nah zu sein.
Glückwunsch!
Ich habe allerdings nicht das Buch gelesen, sondern ein einstündiges Interview mit dem Autor gehört, in dem er von dieser recht frühen Phase innerhalb einer Langzeitbeziehung sprach, in der ordentlich gestritten wird.Magst mal sagen, wer der Autor ist, ich würde mal zu gerne den Klappentext des Buches lesen.
Ein Verliebter sieht eine Blume anders als ein Kamel.
Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe findet, fühlt sich sicher. Wer sicher ist, kann überlegen. Wer überlegt, kann verbessern. Chinesische Weisheit
Eine Lösung habe ich nicht, aber das Problem finde ich interessant :)
Danke für den Link, da gucke ich heute mal genauer rein. Die 5 Phasen der Leidenschaft lesen sich schon mal so, dass ich persönlich das wieder nicht bestätigen kann, aber vielleicht bin ich ja auch ein total exotischer Einzelfall. Jetzt könnte man natürlich auch sagen, dass Autoren solcher Bücher aus ihrer psychologischen Praxis eher weniger Menschen kennenlernen, die keine Probleme haben. Vielleicht rührt die mich irritierende Weltsicht ja aus seinem eingeschränkten Blickwinkel?
Orlando,
Menschen sind konstant veränderlich. Sie neigen jedoch dazu, sich eher an ihren inneren Bildern als an dem, was tatsächlich ist, zu orientieren. Das entspringt dem schlichten Umstand der Subjektivität - Wirklichkeit ist das, was wir dafür halten, und damit sehr relativ.
Das ist okay, solange man sich nicht im Beziehungskontext bewegt. Dort aber führt es zu Problemen, weil Annahme und Wirklichkeit, die mehrere Menschen betreffen, nun einmal nicht deckungsgleich sind, noch dazu in einem Kontext, in dem viel Bewegung herrscht.
Jedes Individuum ist begrenzt, und nimmt diese eigenen Grenzen selbst mit etwas Glück deutlich wahr. Andere Individuuen allerdings haben wiederum ganz eigene Grenzen, die für sie selbst absolut logisch und klar scheinen. Die Grenzen eines anderen Individuums offenbaren sich jedoch nur über Kommunikation - sie sind nicht einfach so sichtbar, sie werden nur manchmal recht heftig spürbar, wenn sie aufeinander prallen. Noch dazu sind sie veränderlich. Und in der Schnittmenge einer Paarbeziehung wird die Sache noch komplexer.
Konflikt definiere ich als Auseinander_Setzung:
Ich zeige mich und meine Grenzen.
Mein Partner zeigt sich und seine Grenzen.
Im Paarkonstrukt wird es immer Grenzbereiche geben, in denen unsere Grenzen aneinander stossen.
Nun stellt sich die Frage, ob mein Partner es mir wert ist, dass ich ihn so sehe, wie er sich fühlt, oder ob ich bei mir bleiben und lieber die Bilder, die ich von meinem Partner habe, fest halten und pflegen möchte. Entscheide ich mich für Kommunikation, kommen wir nicht umhin, diese Grenzkonflikte anzunehmen und auszutragen, so wie sie sich eben gerade stellen.
Beide Parter bekommen die Chance, sich und ihre Kontur zu zeigen. Sie können miteinander ausprobieren, wo es wirklich eng sein kann, und wo etwas Distanz wohl tuend ist. So etwas geht naturgemäss nicht ohne Auseinander_Setzung ab: Ich sehe es so - Du nimmst es anders wahr.
Das nennt man Konflikt oder Streit - die Meinungen gehen auseinander.
Es ist ein Zeichen von Wertschätzung für die eigene und die Wandelbarkeit des Partners, sich diesen Konflikten zu stellen. Muss ich sie ausblenden, führt das letztlich in die Isolation - das Bild ist wichtiger als Lebendigkeit, Kommunikation bleibt auf der Strecke, denn sie darf ja nicht in einer Auseinander_Setzung münden.
Wo sind wir uns nahe?
Wo nicht?
Wo gibt es Konsens, wo Dissens?
Wie tragen wir Dissens aus?
Können wir Dissens aushalten?
Können wir ertragen, uns an bestimmten Themen zu reiben, und uns darauf einigen, uns nicht zu einigen?
Wieviel Individuation darf sein?
Und wieviel darf gezeigt werden?
DAS sind alles Fragen, die im Themenkomplex Konflikt (Streit) schlummern. Sie sind einer der Dünger einer Beziehung. Ohne Konflikt keine Lebendigkeit, keine Bewegung, keine Reibung, und auch kein Funkenflug.
Wenn man diese Zusammenhänge verstanden hat, wird es einfach im Sinne von: Konflikt verliert seinen Schrecken.
Mit Konflikt meine ich im übrigen nicht, dass man sich gegenseitig zerstört und in Machtkämpfen verliert - Konflikt kann man durchaus konstruktiv austragen, auch wenn es einmal hoch her geht, solange man nicht aus den Augen verliert, worum es geht: Sich selbst UND dem anderen mit Respekt und Achtung zu begegnen und anzuerkennen, dass auch gemeinsame Lebens_Wege nicht immer parallel verlaufen.
stop chasing shadows - just enjoy the ride
Pottelette vonne ikara
Geändert von chironex_fleckeri (18.12.2012 um 12:02 Uhr)
chironex_fleckeri, danke für deine Ausführungen!
Darf ich davon etwas in meinem Freundschaftsstrang zitieren? Ich finde, es passt auch auf Freundschaften, oder?
P.S. Jetzt habe ich mal gegooglet, was ein chironex_fleckeri ist. Ich dachte dabei, an eine Kuhrasse aus den Alpen oder eben den Hund von deinem Avatar … Die Überraschung war groß!
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Ich auch nicht.
Klar kühlen die Hormone im Sinne der überbordenden sexuellen Leidenschaft etwas ab, das dürfte normal sein.
Aber warum sollte das den Blick auf den Menschen verändern ?
Nach 2 Jahren !?!!
Wenn ich mir 2 Jahre über den Mann an meiner Seite ein falsches Bild machen würde, würde mir das aber arg zu denken geben.
Absolute Zustimmung - ich sehe es exakt genauso.Ich weiß ja nicht, in welcher Welt der Autor lebt, aber er kennt offensichtlich keine Menschen, die sich VOR dem Eingehen einer festeren Bindung ein realistisches Bild von ihrem zukünftigen Weg- und Lebensgefährten machen, und damit nicht erst zwei Jahre nach Start der Beziehung anfangen. Ich kenne jedoch eine Menge Leute, die so sind, mich eingeschlossen. Und offenbar kennt der Autor auch keine Menschen, die ohne ungesunde Streitereien die Eckpunkte verhandeln können. Was für einer Art von Leben redet der denn das Wort?
Du scheinst also kein exotischer Einzelfall zu sein.
Das trifft den Punkt, denke ich.Jetzt könnte man natürlich auch sagen, dass Autoren solcher Bücher aus ihrer psychologischen Praxis eher weniger Menschen kennenlernen, die keine Probleme haben. Vielleicht rührt die mich irritierende Weltsicht ja aus seinem eingeschränkten Blickwinkel?
Genauso, wie viele Stories in der Bricom eine Negativauswahl darstellen und keinesfalls repräsentativ sind.
"Lieber der Kopf einer Fliege als der Schweif eines Löwen !" (Victor Hugo)
"Lieber der Kopf einer Fliege als der Schweif eines Löwen !" (Victor Hugo)
stop chasing shadows - just enjoy the ride
Pottelette vonne ikara
Hatte nur nicht erwartet, dass du sooo giftig bist … Dabei hätte der bellende Hund mich schon vorwarnen können …
Wo ich doch ein gemütliche, jahrhundertealte Rinderrasse erwartete.
Orlando und Lorelei, gehen eure Partner euch nicht manchmal auf die Nerven, weil sie schon wieder so sind, dass ihr mit Abwehr, Unverständnis und Aggression reagiert?