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  1. #1

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    Kinder und... Neidgefühle?

    ich hoffe, ihr steinigt mich jetzt nicht wegen meiner Gedanken... mir war es auch nicht wirklich bewusst, dass ich solche Gedanken überhaupt hege... aber gerade habe ich so einen komischen "Gefühlscocktail" im Zusammenhang mit meinem Sohn, dass ich mich frage, was ist das? Bin ich etwa neidisch??

    Wir standen in der Küche und mein Sohn (bald 18) meinte, ich soll mich ein bisschen beeilen, weil er weiterbacken will... er hatte heute eine etwas längere Mittagspause in der Schule und danach noch Nachmittagsunterricht. In der Pause ist er nach hause gekommen, hat den Teig für 4!!! Linzertorten gemacht und kühlgestellt, daneben noch einen Biskuit gebacken (was mir gar nicht aufgefallen ist, weil die Küche wieder aufgeräumt war) und nun will er mal eben seine Linzertorten fertigmachen... NEIN, mein Sohn ist NICHT angehender Bäcker! Er ist ein ganz normaler Gymnasiast, der noch ziemlich gut in der Schule ist, sich nebenbei ehrenamtlich engagiert (der Biskuit ist für seine Schülergruppe, die er in einem Fach betreut und mit denen er morgen Törtchen machen und verspeisen möchte, so als Jahresausklang...), einen Haufen Freunde hat und sonst ganz normal ist...

    Ich dachte im ersten Augenblick ich krieg einen Schreianfall . Egal, was dieses Kind macht, er geht da so forsch heran und das meiste gelingt ihm auch verdammt gut, worauf ich auch ganz stolz bin. Aber gerade eben habe ich mich neben ihm so klein und unfähig gefühlt (wenn man das mal mit 70 hat, ist das ganz o.k... aber doch nicht gegenüber seinem noch nicht einmal erwachsenen Kind!). Wenn ich mal backe, kostet mich das Überwindung, dieses Chaos in der Küche macht mich nervös und wenn ich einen Kuchen hinbekomme, bin ich mordsmäßig stolz auf mich... und der macht einfach SO eine Riesenbackaktion, als ob es das einfachste auf der Welt wäre!

  2. #2
    Avatar von Opelius
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    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    Warum fühlst Du Dich so mies neben Deinem Sohn?
    Er ist deutlich jünger als Du und wird für seine Backleistung mehr Lob einstecken als er Dir je im Leben für Deine Backkünste gegeben hat.

    ich da etwas ergänzen, ähnliches haben wir mit unserem Jüngsten erlebt.
    Wie aus heiterem Himmel fing so kurz vor seinem Abitur an zu kochen. Wirklich gigantisch. Ihm gelangen sogar Steaks, die ich eintweder als Schuhsohlen oder als rohes Fleisch auf den Tisch brachte. (Inzwischen weiß ich den Trick!)
    So etwa 2 mal im Jahr bereitete er solche Mahlzeiten zu. Die Küche war anschließened zwar fast renovierungsbedürftig, aber Lob bekam er ohne Ende.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
    Geändert von Opelius (13.12.2012 um 19:23 Uhr)

  3. #3

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    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    Ich glaub, da ist es vollkommen egal, ob es der Sohn ist oder Tante Emmi....bei solchen Aktionen wird man auf sich selber zurückgeworfen und letztlich wird man nur an sein eigenes schlechtes Gewissen erinnert

    Jaja- als Mutter muss man gerne kochen, gerne backen- alles spielend, locker, liebevoll und beherrscht hinbringen....so ist die perfekte Mutter eben
    Nur ist so kaum einer und jeder kennt für sich schon so seine "Engpässe" aber so ein STück weit "ich müsste ja eigentlich....." steckt dann doch in einem drin.
    Tja.....und dann kommt jemand daher.......und zeigt uns wie leicht es doch geht......

    Geht ja nicht um den Sohn vor Dir sondern vor einer Person, die was locker hinbringt, was für Dich Aktion bedeutet.

    Also entspann Dich
    Es ist doch immer wieder ärgerlich, wenn man nun sogar in den eigenen vier Wänden gezeigt bekommt, wie locker doch der Haushalt zu machen ist.....wenn man selber damit ja "soooviel Mühe hat"

    kenzia

  4. #4
    Splendida
    gelöscht

    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    Ich glaube, solche Neidgefühle gibt es ganz schön oft. Es gibt diese eine Tendenz, sich mit seinem Nachwuchs so zu identifizieren, dass jede Leistung des Kindes als die eigene empfunden wird. So dass Eltern, die (wie in einem anderen Strang diskutiert) über die großartigen Leistungen ihrer Kinder berichten, als Angeber dastehen. Eben weil das so rüberkommt, als hätte man das alles selbst gemacht, das Kind könnte so schnell rennen, weil man so eine tolle Mama ist und sei so hübsch, weil es so großartige Erbanlagen hat (was für eine Leistung...) usw.

    Aber wenn die Kinder älter werden, dann gilt das nicht mehr so. Es ist für die Kinder sogar ziemlich beleidigend, wenn man ihre Leistungen, also das, wofür sie sich angestrengt haben, auf Erbanlagen und die tolle Erziehung zurückführt. Natürlich haben es manche leichter und manche schwerer. Aber trotzdem dürfen Kinder das, was sie fertiggebracht haben, auf ihr eigenes Konto schreiben und nicht auf das der Eltern, jedenfalls nur noch zum Teil.

    Und wenn Kinder beruflich erfolgreicher werden als ihre Eltern, dann kann die Eltern das stolz machen, einerseits. Andererseits mag es auch mal Bitterkeit und vielleicht Neid erzeugen. Bei Vätern, wenn sie vielleicht nicht den Biss und nicht die Möglichkeiten gehabt haben, bei Müttern vielleicht, weil sie familienhalber zurückgesteckt haben und merken, dass die Kinder ihre Talente besser entfalten können als sie selbst.

    Oder auch nur, weil sie in der Küche mehr Geduld haben ... wobei ... also mein Ehrgeiz ist das gerade nicht ... aber kann halt sein.

    Ich glaube, das ist ganz normal, und ich glaube, es ist gut, sich diese Gefühle einzugestehen. Ich glaube, manch Konflikt mit dem Nachwuchs ließe sich vermeiden, wenn man zu sich selbst ehrlicher wäre.

  5. #5

    Registriert seit
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    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    ich danke euch für eure tröstenden Antworten . Für einen kurzen Augenblick dachte ich, ich bin echt eine Rabenmutter, die so "negative" Gefühle hat... aber ich habe mich dann aus der Küche verzogen, habe ihn machen lassen und als er gerade hier war und mir stolz sein fertiges "Werk" präsentierte, habe ich mich einfach darüber gefreut, dass wir in den nächsten Tagen was zum Adventskaffee haben, ohne dass ICH mich in die Küche stellen muss

  6. #6
    Johannaclara
    gelöscht

    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    Ich bin irritiert. Eigentlich wünscht man sich doch, dass die Kinder Erfolg haben. Ist das denn nicht eher ein Grund zur Freude als zum Neid?

  7. #7

    Registriert seit
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    338

    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    Zitat Zitat von Johannaclara Beitrag anzeigen
    Ich bin irritiert. Eigentlich wünscht man sich doch, dass die Kinder Erfolg haben. Ist das denn nicht eher ein Grund zur Freude als zum Neid?
    du hast schon Recht, so denke ich ja normalerweise auch... aber eben in diesem Augenblick fühlte ich mich weniger erfreut als auf meine eigene Unzulänglichkeit gestoßen (ist bei uns ein altes Thema... ich bin halt nicht die perfekte Hausfrau im Gegensatz zu seiner Oma, von der er vieles gelernt hat). Ich weiß auch, dass mein Sohn da überhaupt keine "bösen" Hintergedanken hat, aber als er so strahlend und lässig DAS erledigte, was mich so viel Überwindung kostet, war ich schon ein bisschen "neidisch"...

  8. #8
    Splendida
    gelöscht

    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    Zitat Zitat von Johannaclara Beitrag anzeigen
    Ich bin irritiert. Eigentlich wünscht man sich doch, dass die Kinder Erfolg haben. Ist das denn nicht eher ein Grund zur Freude als zum Neid?
    Tja, das sind so Sprüche ... wieso muss "man" sich irgendetwas wünschen, sich über irgendetwas freuen?

    Manchmal ist "man" eben anders drauf. Und nichts ist unangenehmer als dann meinen zu müssen, "man" sei eben nicht so, wie "man" so üblicherweise ist.

    Es ist dagegen sehr befreiend zu hören, dass andere auch mal anders ticken als wie "man" so zu ticken hat. Das gilt besonders für Mütter

  9. #9
    Avatar von Monsterpueppi
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    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    Hallo daisymiller,

    ich kann da leider selber nicht so viel zu sagen, denn ich habe keine Kinder. Aber darüber:

    Zitat Zitat von daisymiller Beitrag anzeigen
    ... und der macht einfach SO eine Riesenbackaktion, als ob es das einfachste auf der Welt wäre!
    musste ich gerade echt schmunzeln. Entschuldige bitte! Aber das hast du so süß geschrieben. Das meine ich auch echt nicht böse.

    Hilft es dir, wenn ich gestehe, dass ich manchmal neidisch auf meine Freundinnen, Kolleginnen, Bekannte bin?

    Liebe Grüße
    Monsterpüppi
    B.i.t.c.h.

    Babe in total control of herself



  10. #10

    Registriert seit
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    AW: Kinder und... Neidgefühle?

    Zitat Zitat von daisymiller Beitrag anzeigen
    Wir standen in der Küche und mein Sohn (bald 18) meinte, ich soll mich ein bisschen beeilen, weil er weiterbacken will... Wenn ich mal backe, kostet mich das Überwindung, dieses Chaos in der Küche macht mich nervös und wenn ich einen Kuchen hinbekomme, bin ich mordsmäßig stolz auf mich... und der macht einfach SO eine Riesenbackaktion, als ob es das einfachste auf der Welt wäre!
    Man, hast Du einen coolen Sohn! Und wo gibt es die 4 Linzer Torten?

    Ich kenne von meiner Mutter auch die leichten Minderwertigkeitskomplexe, wenn ihre Kinder was "besser" können oder es ihnen leichter von der Hand geht. Ich sehe das pragmatisch: Es macht keinen Sinn, 3 Meisterköche im Haus zu haben, die aber alle nichts anderes auf die Reihe bekommen. Wenn Dein Sohn so toll backen kann, heißt das, dass Du nie wieder im Leben einen Kuchen anrühren musst - ist doch toll!

    Meist ist es doch so, dass die Sachen, die man angeblich nicht (so gut) kann, einem schlichtweg keinen Spaß machen. Also lässt man es halt - zumal wenn es in der Familie Menschen gibt, die das Feld beackern!

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