+ Antworten
Seite 4 von 17 ErsteErste ... 2345614 ... LetzteLetzte
Ergebnis 31 bis 40 von 162
  1. #31
    Moderation Avatar von katelbach
    Registriert seit
    02.03.2011
    Beiträge
    4.444

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Nein. Schüchternheit ist Bühnenangst ohne Bühne. Introvertiertheit ist nach-innen-gerichtet-sein. Nach Jung ist introvertiert-extravertiert eines der zentralen Gegensatzpaare, um einen Charakter zu beschreiben. Extremformen von Introversion erlebst du oft bei Leuten auf dem Autismusspektrum.

    Sich nur als ganz besonderes Schneflöckchen zu fühlen kann man ganz unabhängig davon, allerdings werden Introvertierte, die auch noch schüchtern sind, leicht als arrogant empfunden, weil sie weder motiviert sind (Introversion) noch sich trauen (Schüchternheit) andere Leute merken zu lassen, daß sie gesehen werden.

    Introvertierte sind "anders" so wie Frauen eine Minderheit sind. Also, nicht wirklich.

    Ich bin introvertiert, war auch früher wahnsinnig schüchtern, und hatte trotzdem gute Noten im Mündlichen (und habe gerne auf Bühnen gestanden) weil ich keine Probleme hatte, *zu* Leuten *über* Sachen zu reden. Nur *mit* Leuten und womöglich noch *über* Leute zu reden war nicht drin.

    Mensch, wusel! Zu Leuten über Sachen.
    Besser kann´s kaum jemand sagen.

    Bei mir war es genau exakt 100-pro schon immer so. Deshalb bin ich schon so früh aus den Tratschrunden gefallen (worden).

    Ich war immer der Star mündlicher Prüfungen und gelte auch heute bei den Kollegen als extrem souverän im Umgang mit Draußen. Die wissen auch nicht, dass ich mich nach einem Termin mit "außen" immer lang regenerieren muss, weil es soviel Kraft kostet. Und es mich vorher schon tagelang beschäftigt.

    Malina schrieb weiter oben, dass sie sich immer gern zugehörig gefühlt hätte. Das kann ich gut nachvollziehen, das Netz, die peer group oder die Familie habe ich mir auch immer gewünscht. Das Kontaktieren und das Halten der Kontakte (in "Echt"! via Mail geht es wunderbar) ist aber eine schier unlösbare Aufgabe, die früher mein Mann erledigt hat. Seit seinem Tod ist das alles wieder auf ein frühes Eremitenstadium zurückgefallen.

    Ehrlich gesagt finde ich die extravertierten Menschen in meiner Umgebung oft rücksichtslos und übergriffig. Sie wollen einem z.B. Überraschungsparties aufdrängen oder bringen zum Treffen, das als Wiedersehen zweier Freundinnen gedacht ist, einen ganzen Rattenschwanz an Leuten mit.
    Thank you for observing all safety precautions.
    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren
    Beziehung im Alltag, Depressionen und Umgangsformen,
    sonst normale Userin
    Geändert von katelbach (29.11.2012 um 23:07 Uhr)

  2. #32
    mushunt
    gelöscht

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von Halbmondin Beitrag anzeigen
    . Das Oberflächliche hat mich immer sehr traurig gemacht. Ich gehörte einfach nicht dazu. Um dem zu entkommen, habe ich viele Jahre Selbstverleugnung betrieben und mich offener gegeben, als ich bin.
    Das Ergebnis ist heute: ich bin unglücklich.

    Ich sehne mich nach Geborgenheit und Tiefe, nach Aufgehobensein. Das alles kann ich mir nur bedingt selbst geben.
    Wie erfülle ich mein Bedürfnis nach warmen, haltbaren Kontakten? Wie kommuniziere ich es?
    Ich möchte der Einsamkeit entkommen, die ich mir selbst geschaffen habe.
    Wie kann man Dir nun helfen, Halbmondin?

    Einerseits ziehst Du Dich zurück von den Kontakten, weil Dich Oberflächlichkeiten traurig machen,
    andererseits wünscht Du Tiefe und Geborgenheit.

    Ich glaube, (nicht introvertierte) Menschen können nicht ständig tiefgründig sein. Um ständigen Kontakt zu pflegen, braucht man die Fähigkeit auch mit Oberflächlichkeiten umgehen zu können. Das ist sozusagen die Telefonschnur, die die tieferen Gespräche weiterleiten.
    Man braucht den lockeren Umgang, den Smalltalk, das Wetter, die Mode usw. um den Kontakt aufrecht zu erhalten.
    Nur tiefgründig sein, macht unlocker. So würde mir das als extrovertierter Mensch gehen.

    Ich habe einige liebe Freundinnen, mit denen ich mich regelmäßig treffe oder telefoniere. Wir führen stundenlang ernst Gespräche und haben einiges an Lebenskrisen gemeinsam gemeistert.
    Aber wir plaudern auch und lästern, oder spielen Spiele und lachen über die blödesten Sachen. Das eine gehört für mich zum anderen.
    Wenn das für Dich nicht geht, dann kannst Du nur versuchen, Gleichgesinnte zu finden. Das ist bestimmt nicht einfach.

  3. #33
    Avatar von Divino
    Registriert seit
    21.01.2004
    Beiträge
    8.955

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Ich weiss gar nicht, ob man sich selbst überhaupt so eindeutig zu in- oder extrovertierten Menschen zählen kann. Vielleicht liegt es auch am jeweiligen Gegenüber, mit dem man viel, ein bisschen oder gar nichts anfangen kann.

    Ich bspw bin beides, und das ausgeprägt. Mit wem ich nichts anfangen kann, werde ich nicht mehr als kurzen, knappen, oberflächlichen Smalltalk austauschen - und bei denen, wo eine andere Ebene gegeben ist, höre ich nicht auf zu reden, zu diskutieren, durchzukauen, zu beleuchten und aufzurollen. Dabei muss noch nicht einmal die gleiche Wellenlänge gegeben sein, es ist genauso möglich, wenn die Oberfläche verlassen wird. Meine Meinung sage ich ungefragt direkt oder gar nicht - wo ich mich introvertiert gebe/introvertiert bin, ist eines klar: Die Menschen interessieren mich einfach nicht.

  4. #34
    Avatar von Divino
    Registriert seit
    21.01.2004
    Beiträge
    8.955

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    P.S: Extrovertierte haben nicht mehr oder weniger Tiefgang als Introvertierte. Von Natur aus würde ich mich eher zu den Extrovertierten zählen, die sich wohler fühlen, wenn umfangreicher Austausch möglich ist. In den Fällen, in denen ich bspw introvertiert wirke, fühle ich mich unwohler (da kein Austasch), aber immer noch wohler, als zwanghaften Austausch mit uninteressanten Menschen zu betreiben. Ergo: Introvertiertheit bedeutet für mich nicht mehr Tiefgang sondern mehr Zusammentreffen mit Menschen, mit denen einfach die Welle nicht passt.

    Weder bedeutet Introvertiertheit Schüchternheit noch bedeutet Extrovertiertheit, eine oberflächliche Quasselstrippe zu sein. Das sind alles zwei Paar Schuhe.

  5. #35
    Avatar von Divino
    Registriert seit
    21.01.2004
    Beiträge
    8.955

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von mushunt Beitrag anzeigen
    Um ständigen Kontakt zu pflegen, braucht man die Fähigkeit auch mit Oberflächlichkeiten umgehen zu können.
    Seh ich anders.

    Man braucht den lockeren Umgang, den Smalltalk, das Wetter, die Mode usw. um den Kontakt aufrecht zu erhalten.
    Nur tiefgründig sein, macht unlocker. So würde mir das als extrovertierter Mensch gehen.
    Also, ich tausche mich mit tiefgründigen Menschen zwar auch über Mode, Wetter etc aus - aber um den Kontakt aufrecht zu erhalten, brauche ich Tiefgang. Ansonsten interessiert mich der Austausch über das Wetter nicht. Unlocker macht in meinen Augen, zuviel Oberflächlichkeiten Raum zu geben. Dafür ist mir erstens meine Zeit zu schade und zweitens ist mir das zu langweilig.

  6. #36
    Avatar von Divino
    Registriert seit
    21.01.2004
    Beiträge
    8.955

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    P.S. mushunt: "Plaudern, Spiele spielen und über die blödesten Sachen lachen" ist weder etwas oberflächliches, noch etwas in- oder extrovertiertes.

  7. #37
    Avatar von Malina70
    Registriert seit
    25.06.2004
    Beiträge
    11.675

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Ich bin introvertiert, war auch früher wahnsinnig schüchtern, und hatte trotzdem gute Noten im Mündlichen (und habe gerne auf Bühnen gestanden) weil ich keine Probleme hatte, *zu* Leuten *über* Sachen zu reden. Nur *mit* Leuten und womöglich noch *über* Leute zu reden war nicht drin.
    Das war bei mir genau andersrum. Vor der Klasse zu stehen und ein Referat zu halten, wäre mein absoluten Alptraum gewesen. Ich hab mich sogar noch durch die gesamte Studienzeit ohne ein einziges Referat gemogelt. Erst später hab ich es dann gelernt und heute halte ich sogar Schulungen . Aber es ist nach wie vor nicht wirklich meins. Es strengt mich an, und nur die Routine macht es erträglich.

    @Katelbach: Ja, Kontakte halte ich auch am liebsten und häufigsten per Mail. Telefoniert habe ich noch gerne und vermeide es bis heute, wenn es geht.

    Ich merke auch immer wieder das innere Aufatmen, wenn ich meine Wohnungstür hinter mir geschlossen habe. Ruhe. Alleinsein. Ich genieße die einwöchigen Schweigeexeritien, die ich mir seit ein paar Jahren gönne, total. In einer Gruppe zu sein, ohne reden zu müssen, ist genau meins. Beim letzten Mal sagte mir eine Teilnehmerin hinterher, ich sei ja immer so still gewesen . Nur weil ich bei den abendlichen Austauschrunden, zu denen ich oft gar nicht gegangen bin, nix gesagt habe.

    Mein Horror sind auch mehrtägige Firmenveranstaltungen, wo es abends dann noch gemütliches Beisammensein gibt. Ich würde am liebsten auf mein Zimmer verschwinden und mich mit einem guten Buch erleichtert ins Bett fallen lassen. In dem Buch schreibt Susan Cain von einem großen Treffen von introvertierten Menschen, wo genau solche Dinge ganz im Sinne der Introvertierten geregelt waren. Da dachte ich nur, wie herrlich, wenn man sich nicht rechtfertigen muss, weil man sich nach dem Abendessen schon zuürckzieht.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  8. #38

    Registriert seit
    12.10.2011
    Beiträge
    524

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von Divino Beitrag anzeigen
    Seh ich anders.

    Also, ich tausche mich mit tiefgründigen Menschen zwar auch über Mode, Wetter etc aus - aber um den Kontakt aufrecht zu erhalten, brauche ich Tiefgang. Ansonsten interessiert mich der Austausch über das Wetter nicht. Unlocker macht in meinen Augen, zuviel Oberflächlichkeiten Raum zu geben. Dafür ist mir erstens meine Zeit zu schade und zweitens ist mir das zu langweilig.
    Das finde ich sehr treffend formuliert .
    Bei Kontakten, die nur auf einer oberflächlichen Ebene bleiben setzt bei mir auch deutlich schneller der Punkt ein, an dem ich mich so erschöpft fühle, dass ich mich ganz dringend zurückziehen muss.

    Allerdings kann ich auch mit Menschen die ich mag nicht ständig zusammen sein - ich brauche ausgesprochen viel Gelegenheit zum Rückzug, und ich würde sagen, das ist schon ein Unterschied zu extrovertierteren Menschen (dier aber natürlich auch manchmal Rückzug brauchen).

    Tiefgründige Unterhaltungen dagegen sind sicherlich nicht auf Introvertierte beschränkt, von daher würde ich mich auch bei der Kontaktsuche nicht unbedingt nur auf erkennbar introvertierte Menschen festlegen.

    Was ich mir im Moment als Strategie zurecht gelegt habe ist, Gelegenheiten zu suchen bei denen ich mit höherer Wahrscheinlichkeit Menschen treffe, die eben eine gewisse Tiefgründigkeit haben oder danach suchen. Sehr angenehme und interessante Kontakte habe ich z.B. in einem Literaturkreis gefunden.
    Auch beim Yoga ist die Anzahl der Menschen, die auch mal unter die Oberfläche gehen möchten recht hoch.

    Ob sich aus solchen Kontakten dann vielleicht mal Bekanntschaften oder Freundschaften entwickeln muss sich dann natürlich ergeben. Aber es zumindest mal ein Ansatz.

  9. #39

    Registriert seit
    12.10.2011
    Beiträge
    524

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Ja, Kontakte halte ich auch am liebsten und häufigsten per Mail. Telefoniert habe ich noch gerne und vermeide es bis heute, wenn es geht.
    Das Telefon war schon in frühester Kindheit mein Feind . Aber damals ging es ja nicht anders. Der Horror waren immer Telefonketten in der Schule.
    Heute überstehe ich das Telefonieren einigermaßen und da meine Freundinnen nun in mehreren hundert Kilometern Entfernung leben führe ich in letzter Zeit auch wieder längere Gespräche.
    Aber die oben erwähnten oberflächlichen Gespräche sind am Telefon noch viel schlimmer als von Angesicht zu Angesicht.

    Übrigens, wer des Englischen mächtig ist dem empfehle ich dieses Video hier zum Thema Introversion. Ich fand es sehr lustig und treffen .

  10. #40

    Registriert seit
    25.08.2012
    Beiträge
    894

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Introvertiertheit bedeutet ja eigentlich, daß man sich selbst nicht im Spiegel der anderen findet, sondern im Spiegel der eigenen Gedanken. Und daß es einen Energie kostet sich mit Leuten abzugeben, während es Extrovertierten Energie bringt.
    Das heißt, man *braucht* auch weniger Leute. Und das ist m.E. eine Stärke. Nur braucht man eben nicht gar keine, also muß man sich auf was einlassen, was einen Energie kostet, und was man in keinem einzelnen Moment wirklich braucht (aber in der Summe der Momente), nämlich sich mit Leuten abgeben...
    *total zustimm*!! Auch das Video find ich super!

    Ja, ich bin auch introvertiert (is ja wie ne Selbsthilfegruppe hier...*gg*) und eigentlich recht glücklich damit! Die Menschen, die mich nur im beruflichen Kontext kennen, glauben mir das oft nicht. Da habe ich mir im Laufe der Jahre eine Rolle geschaffen, in der es ok ist, sich zu präsentieren, gesehen und gehört zu werden, berührt zu werden, fremde Menschen anzulächeln und sie wie gute Freunde zu behandeln... Und es macht mittlerweile echt Spaß, aber eben nur in diesem Umfeld.
    Wenn ich die gleichen Menschen aber in der U-Bahn sehe (ich hasse öffentliche Verkehrsmittel übrigens auch, besonders das Gedränge und die fremden Augenpaare...pfui!) verstecke ich mich hinter meinem Buch und denke nur "Bitte geh vorbei, ich bin nicht da, bitte geh weg!"

    Soziale Kontake strengen mich an, gesellschaftliche Normen sind mir ein Rätsel und bei den meisten Leuten denk ich mir nur... in welcher Freakshow bin ich denn hier gelandet??
    Trotzdem gibt es Menschen, die mir extrem wichtig sind, für deren Freundschaft und Gesellschaft ich mich auch mal überwinde und aus meinem Schneckenhaus krieche, weil ich weiß, dass ich ohne sie nicht kann!
    Kennengelernt habe ich diese Menschen - wie schon gesagt wurde - durch gemeinsame Interessen. Und die müssen garnicht selbst so gestrickt sein, wie ich... ich mag Kontraste bis zu einem gewissen Grad sehr gerne.
    Ich brauche dann aber sehr lange, um Vertrauen zu fassen und Freundschaften oder gar Beziehungen einzugehen, daher hüte ich die, die ich habe wie Schätze und ich hoffe, sie wissen auch alle, dass sie für mich was ganz Besonderes sind!

    glg Radisi
    Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)

+ Antworten
Seite 4 von 17 ErsteErste ... 2345614 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •