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  1. #21
    Avatar von Malina70
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    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von Tutsi Beitrag anzeigen
    Oder S-Bahn fahren - würde mich mal interessieren, ob es für euch auch grausam ist? Ich sitze lieber in Ruhe in meinem Auto und genieße nach einem hektischen Tag die Fahrt nach Hause anstatt mich mit einer Menschenmasse in die enge S-Bahn zu drängen.
    Ich fahre lieber Bahn, wobei ich da auch vorzugsweise abtauche. Seit ich wieder regelmäßig pendele, war das iphone die beste Anschaffung aller Zeiten. Zu Weihnachten kommt noch ein E-Book-Reader dazu. Das macht das Bahnfahren auch in sozialer Hinsicht für mich deutlich erträglicher. Ich fahre aber auch nicht so gerne selbst. Ideal wäre vermutlich ein Privat-Chauffeur, mit dem ich nicht reden muss .

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  2. #22
    Avatar von MIB70
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    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Öffentliche fahren ist doch garnicht sooo unruhig. Nerven tun dort nur die Laut-Telefonierer. Die meisten sind still mit ihrem Smartphone beschäftigt. SMS, Internet. Die können deswegen garnicht mit ihrer Begleitung sprechen

  3. #23
    Avatar von Tutsi
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    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    vielleicht bin ich ein komischer spezialfall aber ich finde es schon stressig, wenn eine riesen Menschenmenge zur S-Bahn eilt, ich noch angerempelt werde und dann quetscht man sich in die S-Bahn...Ich will NICHT berührt werden von irgendwelchen anderen Menschen und dann steht man da, es ist eng, es ist heiss und dann wie du sagst - die Laut-Telefonierer, die Laut-Musikhörer (nervende musik), Schul-Kinder, usw...STRESS (für mich)
    Du bist da
    Ich sehe Dich nicht.
    Dein Körper wurde mit Erde zugedeckt.
    Ich höre Dich nicht,
    Deine Stimme rückt ferner von Tag zu Tag. Meine Hände fassen nach Dir
    Und greifen ins Leere.
    Aus Deinen Kleidern verfliegt mir der letzte Duft. Und doch Bist DU da - in mir.

  4. #24
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    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von TellMeWhy Beitrag anzeigen
    Wie meinst du das genau?
    Ich gehe ungefähr von dieser Definintion der Introversion aus, der ich zum Thema oft begegnet bin:

    "ein Zustand oder eine Tendenz dazu, komplett oder überwiegend mit seinem eigenen inneren (Er)Leben beschäftigt und daran interessiert zu sein", "Leute, deren Energie durch Reflexion zunimmt und durch Interaktion abnimmt". (Quelle: Extraversion and introversion - Wikipedia, the free encyclopedia, Übersetzung von mir.)

    Das ist ergänzt durch meine eigenen Beobachtungen: Extrovertierte, wenn sie längere Zeit nicht "gesehen" werden, also nicht unter Leuten sind, die auf sie reagieren, scheinen sich nicht nur zu langweilen, sondern sich selber aus den Augen zu verlieren. Genau das, was Introvertierten passiert, wenn sie ständig "gesehen" werden...

    Das Problem mit dem Selbstbewußtsein sehe ich auch als nicht immanent, sondern sozialisationsbedingt. Das ideale Kind ist
    vorzeigbar und versteckt sich nicht unter dem Tisch, wenn es von zu vielen Leuten umgeben ist, und dem Selbstbewußt sein tut es gar nicht gut, immer wieder vorgehalten zu bekommen, daß man nicht vorzeigbar sei. Andererseits gibt aber die Einsicht in die Selbstgenügsamkeit wenn man sich mal damit auseinandersetzt, auch Kraft.
    ** Moderatorin in Sparforum, Freundschaftsforum, und "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  5. #25
    Avatar von Malina70
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    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    "ein Zustand oder eine Tendenz dazu, komplett oder überwiegend mit seinem eigenen inneren (Er)Leben beschäftigt und daran interessiert zu sein", "Leute, deren Energie durch Reflexion zunimmt und durch Interaktion abnimmt". (Quelle: Extraversion and introversion - Wikipedia, the free encyclopedia, Übersetzung von mir.)

    Das ist ergänzt durch meine eigenen Beobachtungen: Extrovertierte, wenn sie längere Zeit nicht "gesehen" werden, also nicht unter Leuten sind, die auf sie reagieren, scheinen sich nicht nur zu langweilen, sondern sich selber aus den Augen zu verlieren. Genau das, was Introvertierten passiert, wenn sie ständig "gesehen" werden....
    Das schreibt Susan Cain in ihrem Buch auch, und es hat mir sehr die Augen geöffnet, dass ich kein Defizit habe, wenn ich das Sein unter vielen Menschen anstrengend finde. Ich kann dafür problemlos eine Woche auf Schweigexerzitien gehen und das total genießen. Da würde mancher Extrovertierte am Rad drehen. Wir leben aber nun mal in einer Gesellschaft, in der Extraversion sozial anerkannt ist. Interessanterweise war das durchaus nicht immer so. Bis Anfang des vorigen Jahrhunderts genoss der stille Gelehrte, der in seinem Kämmerlein die Rätsel der Welt löst, durchaus ein hohes Ansehen. Frauen waren idealerweise zurückhaltend, häuslich und still. Geändert hat sich die Warnehmung mit Aufkommen professioneller Marketing- und Vertriebsstrukturen in der Wirtschaft. Auf einmal war Werbung was Gutes, während es vorher als wenig vornehm galt, auf sich oder sein Produkt lautstark aufmerksam zu machen. Und so hat sich eben auch das gesellschaftliche Ansehen von Introvertierten immer mehr verschoben.

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Das Problem mit dem Selbstbewußtsein sehe ich auch als nicht immanent, sondern sozialisationsbedingt. Das ideale Kind ist
    vorzeigbar und versteckt sich nicht unter dem Tisch, wenn es von zu vielen Leuten umgeben ist, und dem Selbstbewußt sein tut es gar nicht gut, immer wieder vorgehalten zu bekommen, daß man nicht vorzeigbar sei. Andererseits gibt aber die Einsicht in die Selbstgenügsamkeit wenn man sich mal damit auseinandersetzt, auch Kraft.
    Das folgt dann aus der abnehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Introvertierten. Wer zeit seines Schullebens zu hören bekam, dass er zu still sei und sich die Noten wegen mangelnder mündlicher Mitarbeit mit schöner Regelmäßigkeit verhagelt hat, dem fällt es schon schwer, die eigene Introversion als was Positives zu sehen. Es fehlt einfach das positive Feedback. Ich bin den paar wenigen Erwachsenen, die mir immer das Gefühl gegeben haben, dass ich gut so bin, wie ich bin, zutiefst dankbar und werde ihnen das nie vergessen.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  6. #26
    mushunt
    gelöscht

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen

    Das folgt dann aus der abnehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Introvertierten. Wer zeit seines Schullebens zu hören bekam, dass er zu still sei und sich die Noten wegen mangelnder mündlicher Mitarbeit mit schöner Regelmäßigkeit verhagelt hat, dem fällt es schon schwer, die eigene Introversion als was Positives zu sehen. a
    Mir ist eigentlich nicht wirklich klar, was mit Introvertiertheit gemeint ist. Nennt man das auch Schüchternheit?
    An mündlicher Mitarbeit im Unterricht, macht der Lehrer eigentlich nur die Mitarbeit fest.
    Woran erkenne ich, dass das Stillsein nicht Maulfaulheit oder Bequemlichkeit ist?
    Ist Introvertiertheit eine Art Misanthropie?
    Ich frage mal ganz bewußt provokativ, weil mir nicht ganz klar ist, was mit dem "Anderssein" der Introvertierten gemeint ist.
    Eine Bekannte von mir nennt sich introvertiert, in meinen Augen ist sie allerdings nur arrogant. Sie gibt sich nicht mit jedem ab, die einen sind ihr zu laut, die anderen zu oberflächlich, die einen treten ihr zu nahe, die anderen erkennen ihre Besonderheit nicht an.
    Also, bitte nicht böse sein, sondern macht mich bitte schlauer.

  7. #27
    Avatar von Malina70
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    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von mushunt Beitrag anzeigen
    Mir ist eigentlich nicht wirklich klar, was mit Introvertiertheit gemeint ist. Nennt man das auch Schüchternheit?
    Wildwusel hat es ja schon geschrieben:
    "ein Zustand oder eine Tendenz dazu, komplett oder überwiegend mit seinem eigenen inneren (Er)Leben beschäftigt und daran interessiert zu sein", "Leute, deren Energie durch Reflexion zunimmt und durch Interaktion abnimmt". (Quelle: Extraversion and introversion - Wikipedia, the free encyclopedia, Übersetzung von mir.)
    Introversion kann mit Schüchternheit einhergehen, tut es meines Erachtens auch oft, muss aber nicht.

    Introvertiertheit kann in Misantropie enden, meines Erachtens. Wenn man andere Menschen nicht zwingend um sich herum braucht, wenn man sie schnell als Energieräuber empfindet, dann tendiert man natürlich auch dazu, sie sich vom Hals zu halten und schnell als nervig bis unangenehm zu empfinden. Auf der anderen Seite haben Introvertierte meist schon einige stabile Beziehungen, die sie allein deshalb schon hegen und pflegen, weil sie keine Lust haben, ständig neue Kontakte zu knüpfen.

    Ich denke, vielen Introvertierten merkt man z.B. im Berufsleben ihre Introversion gar nicht unbedingt an, vor allem, wenn sie nicht schüchtern sind. Dass sie das Zusammensein mit anderen Energie kostet, dass sie abends froh sind, ihre Ruhe zu haben, das bekommt das Umfeld ja oft gar nicht mit. Ich habe z.B. einen sehr extravertierten Kollegen, der nach der Arbeit noch sein umfangreiches Vereinsleben pflegt. Ich würde dabei verrückt werden. Auf der anderen Weise mag ich es, dass er so unterhaltsam und witzig ist. Und man kann mit ihm durchaus auch tiefsinnigere Gespräche führen. Extravertiertheit ist ja nicht gleich Oberflächlichkeit, sondern einfach nur eine andere Art, in der Welt zu sein.

    Introvertierte sind mit Sicherheit nicht die besseren Menschen. Sie können auch dazu neigen, sehr um sich selbst zu kreisen und nur noch ihre eigenen Bedürfnisse zu sehen.

    Dass Stillsein seine Ursache in Maulfaulheit oder Bequemlichkeit hat, ist eher selten der Fall, und wenn dann situationsbezogen. Introvertierte müssen nicht ständig reden, deshalb denken sie lieber oft erst mal länger nach, bevor sie sich zu Wort melden, während Extravertierte die Welt gleich an ihren Gedankengänge teilhaben lassen, egal wie unperfekt sie auch sind. Introvertierte denken manchmal bis zum Perfektionismus und sagen am Ende lieber gar nichts, als was Unausgegorendes von sich zu geben. In vertrauten, kleinen Runden gehen sie eher mal aus sich heraus, in großer Runde eher nicht. Introvertierte sitzen dadurch manchmal auf einem Schatz, den sie nicht preisgeben mögen.

    Ist es jetzt ein wenig klarer?

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

  8. #28
    mushunt
    gelöscht

    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Ja, Malina, vielen Dank.
    Ich glaube, dass ich, so wie Du es beschreibst, einen introvertierten Sohn habe. Er redet nicht viel, aber wenn er etwas sagt, dann haut es einen um.
    Er hatte auch in der Schule immer schlechte Noten wegen des Mündlichen. Fand ich sehr schade, da ich denke, man sollte die Menschen, auch die Kinder, in ihrer Persönlichkeit so lassen, wie sie sind.
    Es gibt andere Möglichkeiten herauszufinden, ob sie aufmerksam im Unterricht sind oder nicht.

    Was mich bei meiner (introvertierten) Bekannten so schwächeln läßt, ist, dass sie immer behauptet, mir würde es ja so leicht fallen, etwas zu sagen oder auf Leute zuzugehen und alles zu regeln.
    Ich hätte Kraft und Energie, sie nicht.
    Woher will sie das wissen?
    Anstrengung ist allemal dabei, sich einzubringen.
    Und woher kann ich wissen, dass sie nur den bequemen Weg geht. Aber da ich gerade darüber nachdenke, so scheint mir ihre Introvertiertheit mehr eine Art Depression zu sein und das ist hier OT.
    Gruß,
    mußhunt

  9. #29

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    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von mushunt Beitrag anzeigen
    Eine Bekannte von mir nennt sich introvertiert, in meinen Augen ist sie allerdings nur arrogant. Sie gibt sich nicht mit jedem ab, die einen sind ihr zu laut, die anderen zu oberflächlich, die einen treten ihr zu nahe, die anderen erkennen ihre Besonderheit nicht an.
    Also, bitte nicht böse sein, sondern macht mich bitte schlauer.
    Introvertiert und arrogant schließt sich ja auch nicht gegenseitig aus - introvertiert sein macht einen nicht unbedingt zu einem besseren Menschen .

    Andererseits kann man als Introvertierter auch leicht arrogant wirken, als (extrovertierter) Außenstehender ist schwer, Zurückhaltung und erhöhtes Ruhebedürfnis von bewußtem Abkapseln zu unterscheiden.

    Das macht in meinen Augen auch eine engere Beziehung zwischen introvertierten und extrovertierten Menschen schwierig. Es muss gegenseitiger Respekt da sein, damit man die Eigenarten des anderen anerkennt und nicht als gegen sich selbst gerichtete Handlungen interpretiert.
    Trotzdem finde ich Kontakt zu Extrovertierten sehr bereichernd. Ich lasse mich gerne mal mitreißen und kann bestimmte Aspekte meiner Persönlichkeit auch eher mit Extrovertierten ausleben.

  10. #30
    Moderation
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    AW: Introvertiert ... und unglücklich

    Zitat Zitat von mushunt Beitrag anzeigen
    Mir ist eigentlich nicht wirklich klar, was mit Introvertiertheit gemeint ist. Nennt man das auch Schüchternheit?
    Nein. Schüchternheit ist Bühnenangst ohne Bühne. Introvertiertheit ist nach-innen-gerichtet-sein. Nach Jung ist introvertiert-extravertiert eines der zentralen Gegensatzpaare, um einen Charakter zu beschreiben. Extremformen von Introversion erlebst du oft bei Leuten auf dem Autismusspektrum.

    Sich nur als ganz besonderes Schneflöckchen zu fühlen kann man ganz unabhängig davon, allerdings werden Introvertierte, die auch noch schüchtern sind, leicht als arrogant empfunden, weil sie weder motiviert sind (Introversion) noch sich trauen (Schüchternheit) andere Leute merken zu lassen, daß sie gesehen werden.

    Introvertierte sind "anders" so wie Frauen eine Minderheit sind. Also, nicht wirklich.

    Ich bin introvertiert, war auch früher wahnsinnig schüchtern, und hatte trotzdem gute Noten im Mündlichen (und habe gerne auf Bühnen gestanden) weil ich keine Probleme hatte, *zu* Leuten *über* Sachen zu reden. Nur *mit* Leuten und womöglich noch *über* Leute zu reden war nicht drin.
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