Liebe BriCom,
habe lange überlegt, wie ich mein "Problem" in Worte fassen kann - dass ich es möchte, ist mir jedoch ein großes Bedürfnis. Warum? Ich komme einfach nicht weiter...
Bin eine Frau im besten Alter, im RL sehr erfolgreich und im herkömmlichen Sinne wunschlos. Glücklich? Nein, aber mit diesem Begriff kann ich auch kein Gefühl verbinden. Ich kenne Augenblicke der Erfüllung, aber es sind nur kurze Spots in einem alltäglichen Dunkel. Hört sich wahrscheinlich abgehoben an, aber so empfinde ich mich, meine Seele: Schwarz und traurig
In Jahren der Suche bin ich der vermeintlichen Ursache meiner tiefen Traurigkeit durchaus auf die Spur gekommen. Meine Kindheit war ein Drama: Missbrauch in allen Varianten. Dementsprechend zwiespältig ist das Verhältnis zu meiner Familie. Ich habe den Kontakt auf ein Minimum (Geburtstagskarte, mehr nicht) beschränkt, weil mich alleine der Gedanke an vor allem meine Mutter extrem triggert, dass ich da tagelang nicht mehr emotional herausfinde. Mit Abstand geht es mir ganz gut.
Meine Partnerwahl war immer sehr problematisch: Vom Trinker über den Schläger bis hin zu - aktuell - einem Bindungsphobiker. Die Trennung ist wieder einmal in der Umsetzung, meine Verlustangst exorbitant groß, ich habe angst-angst-angst, fühle mich, als würde ich in einem Theaterstück auftreten, und die Gage ist nichts als ein hämisches Gelächter über meine Schwachheit.
Ich suche mich selbst. Es klingt vielleicht vollkommen bekloppt (?), aber ich kann mich einfach nicht finden. Ich habe sogar Probleme, meinen Geschmack auszudrücken: keine besonderen Vorlieben oder Abneigungen. Ich weiß nicht, welcher Haarschnitt mir steht, welches Outfit meinen Typ unterstreicht (wie auch, wo ich keine Ahnung hab, was für ein Typ ich überhaupt bin), lese querbeet, sehe Filme querbeet, bin allgemein interessiert querbeet - aber wo ist die Leidenschaft für eine Sache???
Manchmal bin ich tagelang traurig und weine heimlich, das ist dann die Opferrolle, in die ich hineinkrieche, weil ich mich in ihr zu sehr heimisch fühle. Aber ich hasse sie, ich will sie nicht als mein Zuhause akzeptieren. Nicht mehr!
Aktuell ist da eben diese komplizierte Beziehungskiste, in der ich noch stecke. Mein Problem ist das Grenzen-Setzen. Mein Partner sagt mir: Ich kann dir nur Nähe geben, wenn wir wieder Distanz haben. Er will also ausziehen, trotzdem die Beziehung aufrechterhalten. - Ja, ich kenne alle die Mechanismen, die dahinterstecken, ich durchschaue das Muster. Aber im Praktischen hilft es mir nichts, weil ich seine Nähe zulasse, obwohl ich fühle: NEIN, du hast mir weh getan, komm mir jetzt nicht zu nah!
Gutgemeinter Rat von außen: Tu immer nur das, was du selber willst, was dir gut tut! Aber: Was tut mir gut? Ich kann mich kaum spüren, bin wie abgeschnitten von mir selbst. Meine Seele und mein Körper nehme ich als zwei verschiedene Komponenten wahr...
Vielleicht möchte mir jemand bei der Suche nach mir selbst behilflich sein? Ich stecke fest, rieche aber förmlich die "Freiheit" hinter der nächsten Ecke...
schlaflos












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Ich lasse die Nähe ja doch aber zu, ich grenze mich nicht so ab, wie es nötig wäre. Sollte ich nicht aussteigen aus diesem Leid bringenden Mechanismus der Zurückweisung zum Zwecke des sich neu wieder annähern könnens meines Partners? - Mein Kopf sagt mir hier zum Beispiel: 'Boah, wie kann er das sagen, das tut so weh. Nie mehr werde ich auch nur anfassen deswegen!' - Was natürlich überzogen ist, dennoch... Ich stehe also verletzt da, mein Partner sieht das, bekommt Mitleid und tröstet mich, aber nicht im Sinne von: 'Sorry, tut mir leid, dass ich das gesagt habe.' - sondern: 'Das ist doch alles nicht so schlimm, an unserer Beziehung jedenfalls ändert das doch nichts.'

