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  1. #1
    Ehrenpreis
    gelöscht

    Die Liebe und Bertolt Brecht

    Tarasjugina hat mich da neulich auf ein wunderbares Bändchen aufmerksam gemacht, aus dem ich gern zwei Gedichte zitieren möchte:

    "Ich will mit dem gehen, den ich liebe
    Ich will nicht ausrechnen, was es kostet,
    Ich will nicht nachdenken, ob es gut ist.
    Ich will nicht wissen, ob er mich liebt.
    Ich will mit ihm gehen, den ich liebe."

    Und, hier noch ein weiteres:
    "Morgens und abends zu lesen

    Der den ich liebe
    Hat mir gesagt
    Dass er mich braucht

    Darum
    Gebe ich auf mich acht
    Sehe auf meinem Weg und
    Fürchte von jedem Regentropfen
    Dass er mich erschlagen könnte."

    Mich würde interessieren, wie Ihr diese Gedichte empfindet, wie Ihr so über die Art der Liebe denkt, die hier bezeichnet ist, und zwar nach dem zweiten Lesen.
    Ich denke sofort an Ledas Signatur, und frage mich, ob Brecht dies wirklich auf sich bezogen hat. Folgte er denn seinen Frauen? Wohl eher nicht.
    Ehrenpreis

  2. #2
    Tanguera
    gelöscht

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    Speziell das erste find ich wunderschön - soll sollte es in meinen Augen sein, und so versuche ich, es zu leben. Gerade auch das zweite: ich würd manchmal gern unvorsichtiger mit mir sein, vielleicht auch gehen - aber ich weiß, dass ich ihm damit wehtun würde.

    Mein hat mir mal, ganz am Anfang, untenstehendes Gedicht zitiert - und auch das hat für mich bzw. uns, neben dem humorigen, eine tieferstehende Bedeutung: ich bin bei ihm sowieso schon immer das Engerl, und ein Engerl, das viel Freiheit braucht. Daher... zerdrück die Flügel nicht

    Engel verführt man gar nicht oder schnell.
    Verzieh ihn einfach in den Hauseingang
    Steck ihm die Zunge in den Mund und lang
    Ihm untern Rock, bis er sich nass macht, stell
    Ihm das Gesicht zur Wand, heb ihm den Rock
    Und fick ihn. Stöhnt er irgendwie beklommen
    Dann halt ihn fest und lass ihn zweimal kommen
    Sonst hat er dir am Ende einen Schock.

    Ermahn ihn, dass er gut den Hintern schwenkt
    Heiß ihn dich ruhig an den Hoden fassen
    Sag ihm, er darf sich furchtlos fallen lassen
    Dieweil er zwischen Erd und Himmel hängt -

    Doch schau ihm beim Ficken nicht ins Gesicht
    Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht!

  3. #3
    tarasjugina
    gelöscht

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    Zitat Zitat von Ehrenpreis Beitrag anzeigen

    "Ich will mit dem gehen, den ich liebe
    Ich will nicht ausrechnen, was es kostet,
    Ich will nicht nachdenken, ob es gut ist.
    Mich würde interessieren, wie Ihr diese Gedichte empfindet, wie Ihr so über die Art der Liebe denkt, die hier bezeichnet ist, und zwar nach dem zweiten Lesen.
    Nein, ich kenne es so nicht.
    Ich glaube, der Punkt liegt auf dem Nicht Berechnenden?

    Bei "ich will den lieben, den ich liebe" - da stehen zwei auf ihrem Platz; und dürfen von dort aus lieben und brauchen auch nicht zu rechnen.
    Aber für einen gemeinsamen Weg ist bei mir auch etwas Nüchternheit dabei.

    Naja - nur steht da oben ja nicht "ich gehe mit dem, den ich liebe", sondern "ich will". Als Liebesbekenntnis ist es noch einmal eine andere Aussage, denke ich.
    Ich glaube, dieses Bekenntnis hat er sich von den Frauen gewünscht; er ist nicht gefolgt. (Ich weiß es nicht, ich weiß außer diesen Gedichten sehr wenig.)

    Das zweite Gedicht finde ich noch hammerhärter: ich werde kostbar, weil ich für jemand ...? oh oh.
    Nein, das finde ich schlimm, - das "kostbar durch ..." hab' ich entweder mit der Muttermilch eingesogen - oder gar nicht mehr.
    Das ist eine Phantasie von ihm, die ich gar nicht mag.

    Und hätte er nicht so schöne Worte wie "Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht!"* geschrieben, würde ich ihm das glatt übelnehmen.

    * und das von dem Menschen, der "allerlei Gelichter hereinlässt", weil SIE nicht mehr kommt - und von den Vögeln, die nachts im dunklen Himmel Hunger haben - und "nur eines möcht ich nicht: dass du mich fliehst"

    So - wenn schon wortbrüchig, dann ausgiebig - jetzt aber! T.

  4. #4
    Avatar von bibi_mahro.
    Registriert seit
    29.12.2008
    Beiträge
    1.619

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    Zitat Zitat von Ehrenpreis Beitrag anzeigen

    "Ich will mit dem gehen, den ich liebe
    Ich will nicht ausrechnen, was es kostet,
    Ich will nicht nachdenken, ob es gut ist.
    Ich will nicht wissen, ob er mich liebt.
    Ich will mit ihm gehen, den ich liebe."
    ich finde ein wenig irritierend - gefühlte drei millionen beiträge in 1, 5 millionen strängen hier sagen exakt das gegenteil: pass auf dich auf, wenn du ein totes pferd reitest steig ab, er steht einfach nicht auf dich, etc, etc.

    dieses gedicht besagt doch das genaue gegenteil von 'pass auf dich auf, schau, dass er/sie dir gut tut und wenn er/sie dich nicht liebt oder dich gar schlecht behandelt (was in der zweiten zeile angedeutet wird), dann pack deine koffer und such dir einen, der dich liebt.'

    ich hab sehr grundsätzlich ein großes problem mit dieser art von 'bedingungsloser liebe'.

  5. #5
    Avatar von Flabellina
    Registriert seit
    13.07.2006
    Beiträge
    1.412

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    Es gibt in der Insel-Bücherei einen Band (diese schönen, schmalen, gebundenen) "Liebesgedichte" von Brecht mit schönen Gedichten, auch den beiden um die es hier geht.

    Auf den ersten Blick, finde ich, lesen sie sich sehr schön. Beim 2. oder 3. Lesen ist es aber auffällig, dass er offensichtlich nicht von sich schreibt, sondern aus der Perspektive einer Frau: nicht "Ich will mit der gehen, die ich liebe", nicht "Die, die ich liebe, hat mir gesagt".

    Darüber hinaus bin ich, was das erste Gedicht betrifft, ähnlicher Ansicht wie bibi: in meinen Ohren klingt es nach Selbstaufgabe. Als Bekenntnis bedingungsloser Liebe klingt es poetisch-romantisch, sogar ein wenig klarsichtig-nüchtern, bei genauerem Hinsehen und als "Handlungsleitfaden" ist es tendenziell selbstzerstörerisch und dumm.
    Yes we can!

  6. #6
    herbstblatt2
    gelöscht

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    Bertold Brecht, hat Frauen, die sich zu ihm hingezogen gefühlt haben, geistig ausgenutzt, nicht nur als Musen. Er war sehr begabt darin. Das ist ein altbekannt. Er hat ihr kreatives Potenzial gzeielt genutzt und viele seiner Texte entstanden unter Mitarbeit von Frauen. Den Ruhm und den Marktwert hat er dann für sich abgeschöpft und den Anteil und Zuarbeit der Frauen unterschlagen.

    Insofern ergeben die "Liebes"gedichte von ihm, als "Frau" geschrieben, absolut Sinn. Denn genau solche Frauen brauchte er - und bekam er auch.

  7. #7
    Ehrenpreis
    gelöscht

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    Bibi: Ja, diese Irritation hat mich ja auch zu diesem Thread inspiriert.
    Tarasjugina: Mir geht es haargenauso wie Dir. Und Du hast mir ja schon geschrieben,dass er sich wohl eher wünscht, dass Frauen ihm gegenüber das empfinden. Dito Herbstblatt. Und Flagellina.
    Gerade das zweite... diese totale Abhängigkeit, schon fast Definition über den anderen...
    Daher sind wohl beide Gedichte für mich nur für den Moment anwendbar, aber nicht insgesamt.
    Ehrenpreis (die immerhin nur behauptet hat, sie probiere die Pause ;-)

  8. #8
    Avatar von Joshuatree
    Registriert seit
    23.05.2007
    Beiträge
    1.354

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    Poesie!

    Steht doch für sich.

    Ich habe auch gehört dass er ein totaler Frauenausbeuter war.

    Und das schwingt für mich auch mit.

    Aber Kunst ist und bleibt es für mich. Die steht dann für sich. Und ich mag die Gedichte-weil sie etwas transportieren.

    So sehe ich das.

    Ich lese die Zeilen und dann schwingen die Worte nach, berühren einen schönen Gedanken und werden größer.

    Das ist für mich Kunst. Auch wenn er ein A...war. Wie so manche talentierte Musiker, Schriftsteller, Maler.

    habt ihr mal was über Picasso gelesen?

    Zum davonlaufen!

    Oder Miles Davis?

    Dem hätte man eigentlich als Frau als erstes die Trompete wegnehmen müssen.

    Aber vielleicht war das einfach nötig, dass sie so einen miesen Charakter hatten, damit sie in der Kunst glänzen konnten.

    Wo kommen wir da hin, wenn wir uns danach richten, ob die Künstler privat anständig waren?


    Lasst euch doch die schönen Gedichte dadurch nicht vermiesen. Sie sind wirklich wunderschön!
    findet
    Joshuatree

  9. #9
    Avatar von bibi_mahro.
    Registriert seit
    29.12.2008
    Beiträge
    1.619

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    Zitat Zitat von Joshuatree Beitrag anzeigen

    Lasst euch doch die schönen Gedichte dadurch nicht vermiesen. Sie sind wirklich wunderschön!
    findet
    Joshuatree
    das ist der punkt. ich finde sie nämlich nicht schön - und das gar nicht weil ich denke 'brecht als ausbeuter'.

    gottfried benn war auch nicht unbedingt ein anständiger mensch und sein morgue-zyklus drückt wirklich keine schönen gefühle aus - und ich finde den abgöttisch gut.

    bei diesen brecht-gedichten dagegen: ich finde das gefühl und auch die poesie: falsch, unschön, mir macht es einen schlechten geschmack im mund

  10. #10
    herbstblatt2
    gelöscht

    AW: Die Liebe und Bertolt Brecht

    "Die Frauen sind das silberne Tablett, auf dass wir Männer unsere goldenen Äpfel legen." hat mal ein Dichter "poetisch" ausgedrückt

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