Ich bin Pazifistin. Eigentlich und eigentlich uneingeschränkt gegen Todesstrafe und Waffenbesitz. Dennoch bin ich spätestens seit heute Nacht der Meinung, kleine Ausrutscher dürfe sich die Zivilisation bisweilen leisten - ist der Evolution ja auch passiert, z.B. mit Eva Herman.
Bevor ich erkläre, warum ich mir heute um 4:00 morgens eine doppelläufige Schrotflinte wünschte, muss ich ein wenig über den lieben Halbmast herziehen - natürlich nur ungern. Als König des Zeitmanagements und Gedächtniskünstler hat mein lieber Mann vor einigen Wochen den Abfallplaner, den die umsichtige Stadt uns treu zuschickt, und den ich liebevoll und nicht minder umsichtig in den Flur gehängt hatte, entfernt. "Brauchen wir nicht." Seitdem wurde unsere Gelbe Tonne nicht mehr geleert und unser Altpapier fristet ein welliges Messiedasein in der Garage.
Umso mehr fiel ich aus allen Wolken, als mein Ehemann gestern morgen zu mir sagte: "Guck mal, das alles ist Sperrmüll, kannst du das bitte heute abend an die Straße schaffen? Ich bin ja die nächsten Tage nicht da. Ich habe es aber schon einmal in den Hof geschleppt."
Obwohl ich mich fragte, warum um Gottes Willen der Sperrmüll, auf dem der Staub der Jahrhunderte lagert, ausgerechnet dann entsorgt werden soll, wenn Monsieur im Ausland weilet, stand mir nicht direkt die Schrotflinte vor Augen.
Ich habe also alles alles mit meinem zarten Töchterchen an die Straße geschleift, unter anderem das alte Sofa und den alten Kinderschreibtisch. Im Schreibtisch befand sich auch das Döschen mit Milchzähnen, das ich lange gesucht hatte, das munterte auf.
Was ich nicht wußte, da wir wie gesagt seit Jahren den Sperrmüll übersehen, ist, das KONVOIS von Irren nachts marodierend durch die Straßen ziehen und den Sperrmüll untersuchen. Ich freue mich natürlich, wenn ich meinen geschätzten Mitmenschen mit unserem alten Plunder noch eine Freude machen kann, und der kaputte Kicker kann vielleicht noch repariert werden, aber: muss man dabei herumschreien? Muss man den Schrott und Müll auseinanderziehen und Kartons mit sperrigen Einzelteilen auf die Straße kippen und zertreten, damit man die Rolex findet, die unseren trüben Augen vielleicht entgangen ist? Muss man manches mit der Axt zerhacken?
Ich hätte gerne einmal ein bisschen Blei-Saures gegeben, aus sicherer Entfernung, aber darf man das wollen, wenn man 1987 gegen Mittelstreckenraketen demonstriert hat? Verdammter Humanismus, wie ich eben auch zur Bine sagte.
Meine Kinder und ich lagen also seit 4:00 morgens wach.
Als ich dann um 7:00 einmal gucken ging, was die Brandschatzer und Plünderer so getrieben haben, war von unserem Sperrmüll nicht mehr viel da. Dafür fremder Sperrmüll (Sperrmüll-Swingerparties?). Und ein Schlachtfeld von zerborstenen Einzelteilen, die ich - ohne einen Kaffee getrunken zu haben, meine Kaffeemaschine ging gestern kaputt - aufkehren musste.
Ich hasse sie! Mögen ihre Wagenachsen brechen.











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