
Zitat von
Golddrops
Auf dem Weg zur Bäckerei sehe ich vorhin eine alte, offenbar gehbehinderte Frau mit den Treppenstufen vor der Apotheke kämpfen. Ich frage, ob ich ihr helfen kann.
„Oh, nein, vielen Dank“, sagt sie, „ich stehe hier wohl etwas unglücklich. Ich warte auf meinen Enkel, der mir ein Rezept einlöst.“
„Na, wenn das so ist“, entgegne ich, „sind Sie ja anscheinend in besten Händen.“
Ich wünsche ihr ein frohes Osterfest und verschwinde zwei Eingänge weiter in der Bäckerei.
Dort ist es voll und es dauert ein paar Minuten, bis ich meine Brötchen habe.
Als ich aus der Tür trete, steht die alte Dame am Blumenladen gegenüber und beobachtet interessiert den Eingang zur Bäckerei.
„Da lässt man Sie aber ganz schön warten!“, sage ich schmunzelnd.
„Nein“, meint sie, „ich warte ja auf Sie!“
Irritiert schaue ich sie an, als ein junger Kerl aus dem Blumengeschäft kommt und freudestrahlend auf uns zuläuft.
„Ist sie das?“, fragt er seine Großmutter, diese nickt lächelnd.
Ehe ich mich versehe, drückt er mir eine Rose in die Hand.
„Für mich?“, frage ich völlig verdattert.
„Nur eine kleine Aufmerksamkeit für Ihre Aufmerksamkeit.“, sagt die Dame.
Total entgeistert stehe ich da, krame nach Worten, sage schließlich, während ich an der Rose rieche: „Ich bin sprachlos. Vielen Dank!“
„Für solche Aktionen ist Oma bekannt, nicht wahr, Oma?“
Die alte Frau winkt grinsend ab.
„Ich glaube, wir müssen weiter.“, sagt sie, wünscht mir zum zweiten Mal frohe Ostern und erklärt mir noch kurz, dass Rosen sich länger halten, wenn man ein wenig Zucker ins Wasser gibt.
Das Zuckerrosenwasser ist längst fertig gerührt, ich bin es immer noch.